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Geschichte der Klinik

 

                                  Geschichte der Augenklinik zu Halle 
 
           Vom Waisenhaus über den Domplatz in die Magdeburger Strasse 

Prof. Dr. med. Herde, J., Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 

 

  

                               Alfred Gräfe                  Arthur von Hippel

Die Geschichte der Ophthalmologie (Augenheilkunde) an der halleschen Universität reicht mehr als drei Jahrhunderte zurück. Neben Theologen, Juristen und Philosophen bildeten die Mediziner die vierte der klassischen Fakultäten, die in der Regel an allen Universitäten jener Zeit präsent waren. 

Lange Zeit wurden die angehenden Ärzte jedoch - in der Augenheilkunde wie in anderen Disziplinen nur theoretisch ausgebildet. Erst später trat, hier wie in anderen Bereichen, die Möglichkeit praktischer Ausbildung, erstmals im so genannten "Halleschen Klinikum", hinzu und versetzte die jungen Mediziner in die Lage, ihren Berufsweg von Anfang an mit einem, wenn auch bescheidenen, Fundus an praktischen Kenntnissen zu beschreiten. 

   

                           Eugen von Hippel           Hermann Schmidt-Rimpler

 

Die Anfänge der Augenheilkunde in Halle sind bis in die Gründerzeit 1694 belegt. Das Interesse an dem Fach wurde mit Disputationen über ophthalmologische Themen von den ersten beiden Ordinarien der Medizinischen Fakultät Friedrich Hoffmann (1660-1742) und Georg Ernst Stahl (1659-1734) dokumentiert. Oblag zu jener Zeit die Versorgung aller medizinischen Bereiche den Hauptvertretern der Medizin, so bahnte sich 1718 mit der Etablierung des 3. medizinischen Lehrstuhls für Anatomie, Chirurgie und Botanik die Abzweigung des chirurgisch-ophthalmiatrischen Spezialbereichs an. Eigenständige Vorlesungen über Augenheilkunde hielt von 1721 bis 1754 der aus Bremen stammende Heinrich Bass (1690-1754; Professor extraordinarius. für Anatomie und Chirurgie).  

 

 

  

                             Franz Schieck                 Wilhelm Clausen

 

Raummangel als Handicap

Der Mangel an universitären Gebäuden und Räumlichkeiten ermöglichte fast ausschliefllich eine theoretische studentische Ausbildung. Das 1717 von Johann Juncker (1679-1759) auf dem Waisenhaus zu Halle institutionierte Collegium clinicum Halense wertete das Studium der Medizin mit der nunmehr auch praktischen Ausbildung auf. Von Johann Junckers Sohn, Friedrich Christian Juncker (1730-1770) wurde dieser praxisbezogene studentische Unterricht fortgeführt- Philipp Adolf Bˆhmer (1717-1789) jedoch reduzierte ihn drastisch und "verhalf" so dem Collegium clinicum zum Untergang. 

  

                              Günter Batke                 Karl-Ernst Krüger

Nach H. Bass sind zwischen 1788 und 1806 Augenvorlesungen von Leberecht Supprian (1723-1789), dem erwähnten Ph. A. Böhmer (1717-1789), Ernst Anton Nikolai (1722-1802) und vor allem Johann Christian Reil (1759-1813) nachgewiesen. Nach dem Tode von Johann Friedrich Gottlieb Goldhagen (1742-1788) übernahm Reil die Leitung der aus dem vom Magistrat eingerichteten Lazarett hervorgegangenen Schola clinica. Diese zweite klinische Einrichtung in Halle diente ihm, der als Stadtphysikus und Lazarettarzt auch augenärztlich tätig war, zur konservativen und chirurgischen Behandlung seiner Augenpatienten. Reils Bemühungen um Abgrenzung der Augenheilkunde von der Chirurgie schlugen fehl, da die von Karl Eberhardt, Schelling (1783-1854) geforderten Konditionen - unter anderem der Bau eines augenärztlichen Klinikums - nicht bewilligt wurden.

 

Augenheilkundler am Domplatz

Nachdem die chirurgisch-ophthalmiatrische Klinik als Interimslösung in das alte reformierte Gymnasium neben dem Dom eingezogen war, wurde der Westfügel der Residenz im Jahre 1811 Carl Heinrich Dzondi (1770-1835) für die chirurgisch-ophthalmologische Klinik zugewiesen. Politische Gründe und Intrigen von Johann Friedrich Meckel d. Jüngeren (1781-1833) und Kurt Polykart Joachim Sprengel (1766-1833) führten 1817 zur Absetzung Dzondis. Das Direktorat der Chirurgischen Klinik wurde Übertragen. Dzondi richtete sich im gleichen Jahr die Privatklinik Nosocomium ophthalmo-chirurgicum ein, die er bis zu seinem Tode 1835 betrieb. Die Nachfolge von Weinhold trat 1830 Carl Wilhelm Wutzer an. Der schnelle Ruf nach Bonn liefl keinen herausragenden Aufschwung der Klinik zu. Erst die Berufung von Ernst Blasius (1802-1875) sorgte dank seines 36 Jahre dauernden Direktorates, seiner praxisbezogenen Lehrtätigkeit und seines klinisch-wissenschaftlichen Arrangements für ein qualitativ und quantitativ höheres Niveau. 1861 zog die Klinik in das Gebäude des heutigen Zoologischen Institutes am Domplatz um. Die in diese Zeit (1858) fallende Habilitation von Alfred Graefe (1830-1899), die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie sowie in der Technik verliehen der Separierung der Ophthalmologie von der Chirurgie spürbaren Auftrieb. 

 

Novum: Ophthalmologische Ordinariate

Die endgültige Bewilligung der Einrichtung des Ordinariats Ophthalmologie in Deutschland initäerte Ludwig Jacobson in Königsberg. Graefe richtete sich 1859 am Steinweg 21 eine private Augenklinik ein. Diese wurde 1873 infolge der Zuerkennung des Lehrstuhles für Ophthalmologie an AIfred Graefe und der staatlichen Subventionierung mit 2400 Mark pro Jahr die erste Universitäts-Augenklinik in Halle. 1884 zog Graefe schliefllich - gemeinsam mit dem HNO-Lehrstuhl unter Hermann Schwartze (1837-1910) in die nach seinen Plänen gebaute Universitätsklinik in der Magdeburger Strasse ein.

 

   Eingang zur Universitätsklinik für Augenheilkunde in der Magdeburger Straße 8

 

Der ursprünglich der Augen- und Ohrenklinik zugedachte Bauplatz wurde, wegen der von Julius Bernstein (1839-1917) gefürchteten Lärmbelästigung von der Straße her mit dem der Physiologie getauscht. Hör- und OP-Saal waren zur Nutzung beider Fachgebiete konzipiert; hinsichtlich aller anderen Bereiche, auch der Eingänge, erfolgte eine strikte Trennung. Die Augenklinik bekam drei Viertel, die HNO-Klinik ein Viertel der Räumlichkeiten zugeteilt. Der Eingang zum Hof war den Patienten, der zur Nordseite dem Personal und den Studenten vorbehalten. Graefes Nachfolger, Artur v. Hippel (1841-1916) erwirkte die Bewilligung zum Anbau des Hörsaals, der 1894 zur Nutzung freigegeben wurde. Sein Sohn Eugen v. Hippel (1867-1939) setzte 1909 den Anbau eines Tierstalls (zu Forschungszwecken) und 1913 den Auszug der Ohrenklinik durch. Der von Hermann Schmidt-Rimpler (1838-1915) und Eugen v. Hippel geplante Erweiterungsbau der Universitäts-Augenklinik - damit verfügte die Klinik seit 1934 über 168 Betten - gelang erst Wilhelm Clausen (1878-1961), dem Nachfolger von Franz Schieck (1871-1945), der das Lehramt von 1914 bis 1925 versah.

                         Prof. Dr. Gernot I.W. Duncker, Prof. Dr. Manfred Tost 

  und Prof. Dr. Hans-Gert Struck (v.l.n.r.) beim Lehrstuhlwechsel am 01.08.1997

 

 

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts 

Von 1955 bis 1966 hatte Günther Badtke (1910-1967), von 1966 bis 1976 Karl-Ernst Krüger (1918-1976) und von 1976 bis 1995 Manfred Tost (*1930) den Lehrstuhl inne. Nach 2-jährigem kommissarischen Direktorat durch Hans Gert Struck Übernahm am 1. August 1997 Gernot I. W. Duncker (2011 ausgeschieden) den halleschen Lehrstuhl für Ophthalmologie. Das Graefesche Profil der Klinik erfuhr einerseits bei den neun folgenden Ordinarien hohe Wertschätzung, andererseits wurde es den jeweils aktuellen Bedingungen, dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt und den Subspezialisierungen adaptiert. Neben der ophthalmologischpraktischen und chirurgischen Tätigkeit kristallisierten sich die Teratologie sowie die klinische und experimentelle Genetik - beginnend bei A. Graefe, A. u. E. v. Hippel, H. Schmidt-Rimpler, aber besonders bei G. Badtke und M. Tost - heraus und erreichten ihren wissenschaftspublizistischen Höhepunkt im Missbildungsband des Handbuches "Der Augenarzt" (Hg. K. Velhagen, 1897-1990) von Günther Badtke (1. Aufl., Bd. I.IV 1958/61) und Manfred Tost (2. Aufl., Bd. XI 1986). Graefe und Schieck verfassten je ein mehrbändiges Handbuch (Graefe-Saemisch 1874-77, Schieck-Brückner 1930-32). Unter Krüger wurde frühzeitig die Mikrochirurgie einbezogen, während Motilitätsstärung und Schielkrankheit herausragende Arbeitsgebiete von Graefe und Krüger waren. Beide v. Hippel (1891 und 1897), Leonhard Koeppe (1884-1969; 1922) und Velhagen (1949) wurden für ihre Werke mit dem Graefepreis geehrt.