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Glaukom-Sprechstunde

 

Das Glaukom (Grüner Star) bezeichnet eine Gruppe von Augenerkrankungen, die zu einer fortschreitenden Schädigung des Sehnervs führen. Die Folge sind Ausfälle im Gesichtsfeld. Das Tückische an der Krankheit: Das Glaukom bleibt für den Betroffenen vollkommen schmerzlos. Die Sehschärfe lässt über Jahre zunächst nicht nach. Selbst Ausfälle im Gesichtsfeld bleiben unbemerkt. Das Glaukom gehört auch heute noch zu den häufigsten Erblindungsursachen in den Industrienationen. Dabei ist ein Glaukom heute gut behandelbar, wenn es rechtzeitig erkannt wird.

Im Rahmen der Glaukomsprechstunde werden unter Einsatz moderner Diagnostik- und Therapieverfahren Patienten betreut, die uns von niedergelassenen Augenärzten zur Mitbeurteilung überwiesen werden.

  • Messung des Augeninnendrucks (u.a. PASCAL Dynamic Contour Tonometer)
  • Beurteilung des Kammerwinkels (Gonioskopie)
  • Gesichtsfelduntersuchungen (Schwellenwert-Perimetrie)
  • Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie)
  • Quantitative Ausmessung der Papille (Heidelberg Retina Tomographie; HRT)
  • Bestimmung der Nervenfaserschichtdicke (optische Kohärenztomografie)
  • stationäre Tages-Nachtdruckprofile

 

Therapeutisches Angebot:

  • Selektive Trabekuloplastik (SLT)
  • Trabekulektomie  
  • Kanaloplastik (I-TRACK und Onalene)
  • i-Stent 
  • XEN-Shunt
  • zyklodestruktive Verfahren (Zyklo-Photokoagulation, Zyklo-Kryokoagulation)
  • Drainage-Implantate (Ahmed, Baerveldt)
  • Laser-Iridotomie (YAG-IT)

 

    Leiter:

   OÄ Dr. med. A. Huth 
    Sprechzeiten:    Mittwoch 8:00 - 14:00

 

Terminvereinbarung:

Die Anmeldung erbitten wir im Regelfall durch die überweisende Augenarztpraxis per Telefax unter Mitteilung der Fragestellung und der wesentlichen Befunde:

Telefax: (0345) 557 46 20

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern unter der Telefonnummer (0345) 557 15 72 zur Verfügung.

 

 

Glaukom

 

was ist ein Glaukom (grüner Star) ?

Es handelt sich um eine multifaktorielle Erkrankung, die unbehandelt zur Erblindung führt durch zunehmende Defekte des Gesichtsfeldes (Sehbereich, der beim Blick geradeaus (ohne Augenbewegungen) wahrzunehmen ist). Der Krankheitsverlauf ist meist langsam und schleichend, sodass in den Anfängen die Ausfälle im Gesichtsfeld vom Betroffenen oft unbemerkt bleiben und kompensiert werden können. In dem Bild, das in unserem Gehirn von der Außenwelt entsteht, treten zu Beginn inselförmige "blinde Flecken" auf. Zunächst beschränken sich diese Ausfälle auf den Randbereich des wahrgenommenen Bildes, sie treten meist punktuell oder bogenförmig auf. Die bei einem Sehtest ermittelte zentrale Sehschärfe kann auch bei ausgedehnten Ausfällen noch 100-prozentig sein. Erst mit dem Fortschreiten der Krankheit verdichten sich die Ausfälle über den ganzen Sichtbereich, die letztlich nur noch eine Sehleistung in einem zentralen Bereich zulassen oder zu einer vollständigen Erblindung führen.

 

  

 

Das Glaukom ist eine der häufigsten Erblindungsursachen in den westlichen Industrienationen. In Europa und den USA sind nahezu 2 % aller Menschen über 40 Jahre am Glaukom erkrankt. In Deutschland leben etwa 5 Millionen Menschen mit einem Glaukomrisiko und rund 800.000 Menschen sind bereits manifest erkrankt. 

 

Welches sind die Risikofaktoren, die zum Glaukom führen?

1) ein erhöhter Augeninnendruck 

2) Durchblutungsstörungen von Sehnerv und Netzhaut

3) eine Kombination aus beiden Faktoren

Es kommt durch Einwirken dieser Faktoren zu Veränderungen des Sehnerven mit langsamem Verlust von funktionierenden Nervenfasern, die die Gesichtsfelddefekte bedingen.

 

Wie unterscheiden verschiedene Glaukomformen, abhängig von

 

1) der Anatomie des Auges: z. B. Weitwinkelglaukom, Engwinkelglaukom, Pigmentdispersionsglaukom, Pseudoexfoliationsglaukom, ...

2) dem Beginn der Erkrankung (kongenital = seit Geburt, jugendliche Formen, Altersformen, die den größten Prozentsatz dieser Erkrankung verursachen, ...)

3) sekundäre Formen im Rahmen anderer Augenerkrankungen (Zentralvenenthrombose, Entzündungen,...), medikamentöser Therapien (Kortikosteroide,...), Allgemeinerkrankungen (v.a. Diabetes mellitus)

Es gibt eine genetische Belastung. Wenn in einer Familie bereits mehrere Fälle von Glaukom aufgetreten sind, ist mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit zu rechnen. 

Höhergradig Kurzsichtige ab ca. minus 5 Dioptrien erkranken unabhängig vom Augeninnendruck eher an einem Glaukom. Menschen mit Migräne und anderen Durchblutungsstörungen im Sinne sog. Vasospasmen (Gefäßverengungen, die sich v.a. in kalten Händen, kalten Füßen manifestieren) weisen gehäuft ein sog. Normaldruckglaukom (zunehmende Gesichtsfelddefekte ohne das Vorliegen eines erhöhten Augeninnendruckes) auf.

 

Wie diagnostiziert man ein Glaukom?

Ein wesentliches, aber nicht alleiniges Kriterium für die Entwicklung einer Glaukomerkrankung ist ein erhöhter Augeninnendruckes (Normwert: zwischen 15 bis 21 mmHg mit allerdings breiter individueller Streuung!). Augeninnendruckmessungen sollten zu verschiedenen Tageszeiten, als sog. Tagesdruckprofil erfolgen. Insbesondere Nachtmessungen kommt zur Aufdeckung eines Glaukoms wesentliche Bedeutung zu. Ab dem 40. Lebensjahr sollte 1x/Jahr routinemäßig der Augeninnendruck kontrolliert werden, falls keine zusätzlichen Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukoms vorliegen.

Bei Verdacht auf eine Glaukomerkrankung muß das Gesichtsfeld überprüft werden.

Untersuchungen das Sehnerven müssen erfolgen. Die apparative Diagnostik zur objektiven Vermessung verschiedener Parameter des Sehnervenkopfes ist dabei heutzutage sehr hilfreich (z. B. Heidelberg Retina Tomographie (HRT) oder Okuläre Koherenztomographie (OCT) zur Analyse der Morphologie des Sehnerven, Fluoreszenzangiographie, Kapillarmikroskopie, Farbduplexsonographie und okuläre Blood Flow-Messungen zur Analyse der Durchblutungssituation der Netzhaut).

 

  

Normaler Sehnervenkopf (links) und glaukomtös veränderter Sehnerv (rechts).

Eine Bestimmung der Hornhautdicke dient der Differenzierung und Gewichtung der Augeninnendruckmessung.

Eine Aufzeichnung einer 24-h-Blutdruckkurve ist unerlässlich zur Beurteilung der Durchblutungssituation des Gesamtorganismus.

Wie therapiert man das Glaukom?

Die Therapie ist eine Stufentherapie. 

1) Basis ist die Applikation von Augentropfen als Mono- oder Kombinationstherapie. In ca. 90 % der Fälle kann mit diesen lokalen Medikamenten der Augeninnendruck befriedigend gesenkt werden. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine lebenslange Maßnahme. In den letzten Jahren sind neue Substanzklassen zur wirksamen Behandlung der Glaukome eingeführt worden (lokale Karboanhydrasehemmer, Prostaglandinanaloga, Alpha-Agonisten), die neben der Augeninnendrucksenkung auch eine Verbesserung des Sehnerven bewirken können. Viele dieser Präparate stehen ohne Konservierungsmittel zur Verfügung.

2) Bei schlecht einzustellendem Augeninnendruck und / oder Zunahme der Gesichtsfelddefekte können je nach Befund verschiedene Lasertherapien oder operative Verfahren zur Verbesserung des Abflusses des Augeninnenwassers und damit zur Senkung des Augeninnendruckes notwendig sein.

 

  

Befund eine Woche nach Trabekulektomie. Die Trabekulektomie ist die gängigste Methode der sog. Filtrationschirurgie, ein sehr sicherer und meist auch erfolgreicher Eingriff. Durch die Operation wird für das Kammerwasser ein neuer Abfluss geschaffen. Dazu wird in der Nähe des Trabekelmaschenwerks ein kleines Stückchen der Lederhaut (Sklera) entfernt. Das Kammerwasser kann über diese Öffnung aus der vorderen Augenkammer nach außen zur Bindehaut absickern und wird dort über die großen Gefäße der Bindehaut entsorgt.

 

 

Wichtig sind regelmäßige und lebenslange Kontrollen von Augeninnendruck, Gesichtsfeld und Sehnervenkopf. Heutzutage können durch die modernen Diagnose - und Therapiemethoden meist schwere Verläufe mit progressiven Gesichtsfeldausfällen und Erblindung verhindert werden.

In der Universitäts- Augenklinik Halle werden alle traditionellen und modernen diagnostischen Möglichkeiten und Therapieformen angeboten und eingesetzt.