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Medizinstudium in Halle

Bereits in den ersten Jahren des Bestehens übte die Medizinische Fakultät der 1694 gegründeten Academia Fridericiana Halensis eine große Anziehungskraft auf Studenten aus dem deutschsprachigen Raum aus. Verbunden ist diese Entwicklung mit den Namen zweier Ärzte, welche die ersten beiden Ordinariate für Medizin an der Fridericiana besetzten: Friedrich Hoffmann (1660-1742) und Georg Ernst Stahl (1660-1734). Für Hoffmann war die Verbindung von praktisch-ärztlichen Erfahrungen und theoretischer Reflexion Basis für eine erfolgreiche Behandlung. Seine Schilderungen konkreter Symptomatiken und Therapieverläufe gehörten zu den meistgelesenen medizinischen Lehrbüchern des 18. Jahrhunderts.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Bild der Wissenschaft in Deutschland, die Erforschung des Menschen und seiner Umwelt stand im Mittelpunkt. Die Vereinigte Friedrichs-Universität (Halle und Wittenberg) erlebte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Welle von Seminargründungen. Auch im Bereich der Medizinischen Fakultät kam es zu zahlreichen Neugründungen von Instituten, die sich teilweise aus bereits existierenden Fachrichtungen bildeten. Einige Beispiele: 1808 Lehrstuhl für Geburtshilfe, 1859 Augenheilkunde, 1880 Pharmakologisches Institut, 1885 Ohrenheilkunde, 1891 Gründung der Klinik für Nerven- und Geisteskrankheiten. 
 
 In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche Mediziner und Studenten aus der Universität aus politischen und rassistischen Gründen entfernt, dazu zählen Theodor Brugsch, Werner Budde, Theodor Grünberg und Alfred Hauptmann. Andererseits dienten einige Mediziner treu dem nationalsozialistischem Herrschaftssystem, so waren Günther Hennecke und Ernst Baumhard, die in Halle zu Ärzten ausgebildet worden waren, an der Ermordung von geistig Behinderten und psychisch Kranken in Grafeneck und Hadamar beteiligt. Horst Schumann, der ebenfalls in Halle studiert hatte, war an Menschenversuchen im KZ Auschwitz beteiligt. 

Nach dem Krieg nahm die Medizinische Fakultät am 1. Mai 1946 wieder die Arbeit auf. Im Laufe der Jahre orientierte die DDR das Hochschulstudium immer stärker auf die Erziehung einer neuen, marxistischen Elite. Dass mit dem Mauerbau 1961 auch die Wissenschaftsverbindungen in die BRD gekappt wurden, stieß besonders in der Medizinischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät auf Widerstand. Die traditionelle Autonomie der Universitäten wurde immer weiter eingeschränkt und zentralistische Strukturen etabliert. 

Mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Ende 1989/Anfang 1990 und dem damit verbundenen Ende der DDR begann an der Universität und auch der Medizinischen Fakultät ein grundlegender Erneuerungsprozess. Die Medizinische Fakultät bietet jetzt den Studierenden drei Studienrichtungen an: Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Etwa 2000 Studierende nutzen gegenwärtig die guten Studienbedingungen an modern angerichteten Kliniken und Instituten.

Foto/Abbildung: Archiv der Martin-Luther-Universität