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Medizinstudium in Wittenberg

Bereits im 16. Jahrhundert konnte in Wittenberg Medizin studiert werden. Dabei wurde die auf "eigene Betrachtung" (Autopsie) beruhende Anatomie wiederbelebt und 1572 in der Satzung der Medizinischen Fakultät zu einem zentralen Bestandteil des Studiums erklärt. Die Fakultät errichtete zudem ein anatomisches Theater, um die Sektionen auch Besuchern zugänglich zu machen. Der empirische Erkenntnisweg in der Anatomie führte bei der Kurierung von Krankheiten etwa in der Wundbehandlung zu Neuerungen.

In Wittenberg wurde am 21. April 1610 durch drei Professoren und den Wundarzt Jeremias Trautmann der erste erfolgreiche (beschriebene) Kaiserschnitt durchgeführt. Der Wittenberger Konrad Viktor Schneiders berichtete im 17. Jahrhundert über die Funktionen der Schleimhäute und die Anatomie des Nasen-Rachen-Raumes. Ein weiterer wichtiger Mediziner in dieser Zeit war Daniel Sennerts, der sich mit der "chemischen Therapie" von Erkrankungen befasste. Auch einer der Gründerväter der Wittenberger Universität war ein Mediziner: der Leibarzt Friedrichs des Weisen, Martin Pollich (gest. 1513).

Die medizinische Versorgungspflicht der Universität gegenüber den Studenten führte zum Bau universitätseigener Hospitäler. Erstmals wurde 1512 ein solches erwähnt, fünf Jahre später gab es bereits zwei. Etwa 100 Jahre später wurde ein neues Hospital gebaut, wobei die Fenster der Krankenzimmer nicht zum Friedhof zeigen durften. Das Krankenhaus verfügte zudem über einen Küchen- und einen Arzneigarten, zur Versorgung dienten Korn- und Hopfenfelder, zwei Fischteiche und Obstbäume.