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Tag der Rückengesundheit am 15. März 2016


Orthopädie-Experte spricht über Ursachen und Therapie der Rückenschmerzen


Fast jeder hat schon mindestens einmal eine Episode mit starken Rückenschmerzen erlebt. Zum Glück lösen sich diese in 90 Prozent der Fälle nach sechs Wochen wieder auf. Aber was passiert, wenn sie immer wieder kommen? Lange Zeiten der Arbeitsunfähigkeit drohen. Wer länger als sechs Monate wegen Rückenschmerzen aus dem Job raus ist, schafft es selten wieder in den Beruf zurück. Deshalb ist es wichtig
die Schmerzursache zu finden und frühzeitig mit der geeigneten Therapie zu beginnen.

Welche Ursachen gibt es für Rückenschmerzen?
Oftmals sind die Schmerzen durch eine Fehlbelastung (Tragen schwerer Lasten), monotone Körperhaltungen, fehlende Bewegung, übertriebene sportliche Belastung oder ein erhebliches Übergewicht verursacht. Am „Organ“ Wirbelsäule kann z.B. der Verschleiß von Wirbelgelenken Arthroseschmerzen verursachen, eine Instabilität chronische Muskelverspannungen oder ein großer Bandscheibenvorfall Beinschmerzen
und Lähmungen verursachen. Zusätzlich haben aber auch psychische und soziale Belastungen einen Einfluss auf Entstehung, Intensität und Dauer von  Rückenschmerzen. Auch organische Veränderungen (Niere, Harnleiter, Eierstöcke, Bauchschlagader) können Beschwerden verursachen, die teilweise als heftige
Rückenschmerzen empfunden werden.

Es gibt also nicht die EINE Ursache. Wie finde ich dann die richtige Therapie?
In dem zunächst ein Experte die richtige Diagnose stellt. Eine umfassende Beschreibung des Beschwerdebildes, eine gezielte krankheitsbezogene Familien- und
Berufsanamnese und eine gründliche körperliche Untersuchung lassen den Wirbelsäulenspezialisten meistens schon erkennen, welche Art von Rückenschmerzen vorliegt. Röntgen/MRT/CT sind nur sinnvoll, wenn nach einer sechswöchigen Behandlung die Beschwerden immer noch da sind, oder Warnhinweise vorliegen für eine/n Fraktur/Entzündung/Tumor oder Nervenschädigung. Bei chronischen Rückenschmerzen (mehr als zwölf Wochen) wird es immer schwieriger die ursprüngliche Ursache herauszufinden. Veränderungen an der Wirbelsäule und
psychische sowie soziale Belastungsfaktoren vermischen sich immer mehr
und lassen sich oftmals nur noch unzureichend trennen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wir unterscheiden zwischen konservativen und operativen Therapien. Wobei wir in der Regel zunächst versuchen, das Rückenleiden ohne einen Eingriff zu beheben.

Wie sieht die konservative Therapie aus?
Der unkomplizierte akute Rückenschmerz lässt sich durch kurzzeitige Schonung und muskelentspannende Maßnahmen gut behandeln. Bettruhe ist nicht zu empfehlen! Ausreichend Bewegung, evtl. unter kurzfristiger Einnahme eines Schmerzmittels,
ist notwendig, um Schonhaltungen zu vermeiden, Bandscheiben und Muskeln ausreichend zu ernähren und Muskelverspannungen entgegen zu wirken. Ambulante physiotherapeutische Behandlungen können eingesetzt werden. Die akute, starke
Schmerzsymptomatik lässt sich so oftmals positiv beeinflussen. Wichtig ist die Analyse und Behandlung muskulärer Dysbalancen, Fehlbelastungen und daraus resultierender Funktionsstörungen. Wenn eine Chronifizierung der Rückenschmerzproblematik droht oder eingetreten ist, muss die Behandlung im Rahmen einer interdisziplinären
Therapie erfolgen. Dazu stehen bei uns spezielle Behandlungskonzepte zur Verfügung. Ein individuell angepasster Behandlungspfad wird durch unser interdisziplinäres Team
gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet, die Umsetzung eingeleitet und die Fortführung auch nach dem stationären Aufenthalt veranlasst.

Wann muss operiert werden?
Bei sogenannten spezifischen Rückenschmerzen (z.B. Entzündung, Wirbelfraktur, Tumor, Bandscheibenvorfall mit Nervenkompression) ist häufig die dringende operative
Therapie notwendig. Dazu steht immer ein spezialisiertes OP-Team zur Verfügung. Für die effektive Behandlung der verschleißbedingten Rückenschmerzen (z. B. degenerative Instabilität, enger Wirbelkanal) ist die sehr enge Kooperation operativ und konservativ tätiger Ärzte dringend notwendig. Bei uns führen zertifizierte
Wirbelsäulenchirurgen den Eingriff mit modernsten technischen Hilfsmitteln (Navigation, Hybrid-OP, minimal-invasive Technik) durch.

Kontakt:
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Department für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Direktor: Prof. Dr. Karl-Stefan Delank
Telefon: (0345) 557-4870/5750
Telefax: (0345) 557-7189
E-Mail: orthopaedie(at)uk-halle.de

www.medizin.uni-halle.de/douw