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Zum dritten Mal gewählt: Interview mit Dekan Professor Dr. Michael Gekle

Prof. Dr. Michael Gekle


Der bisherige Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Dr. Michael Gekle, wird dieses Amt auch für die kommenden vier Jahre bekleiden. Er ist dafür am Dienstag, dem 12. Juni 2018, vom Fakultätsrat ein weiteres Mal gewählt worden. Gekle tritt somit im September seine dritte Amtszeit als Dekan an. Erstmals wurde er 2010 gewählt. 

Als Dekan gehört er dem Fakultätsvorstand der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an und ist stimmberechtigtes Mitglied des Klinikumsvorstandes des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Gekle hatte im Mai 2007 als Professor für Physiologie und neuer Direktor des Julius-Bernstein-Instituts für Physiologie an der Medizinischen Fakultät seinen Dienst angetreten. Zuvor war er Professor für Physiologie in Würzburg.

Interview mit Prof. Gekle nach der Wahl 

1)    Wie sind die vergangenen vier Jahre aus Ihrer Sicht gelaufen? 

Unterm Strich sind sie positiv zu bewerten. Wichtiger Auftakt war die 5-Jahres-Zielvereinbarung mit dem Land, die 2015 in Kraft getreten ist. Es konnte ein großer Teil der Ziele umgesetzt werden. 

2)    Die Amtszeit wirkte recht ruhig im Vergleich zu der davor, die geprägt war von der Debatte um den Erhalt des Medizinstandortes. Täuscht das?

2013 war ein Sonderfall. Es hat uns Ansehen und Respekt eingebracht, dass wir diese Diskussion beziehungsweise Bedrohung „überlebt“ haben. Aber der Glamour verfliegt und jetzt muss man „machen“, das heißt Konzepte umsetzen, konkret gestalten. Wir haben den Studiengang Evidenzbasierte Pflege auf den Weg gebracht, die neue Zahnklinik eingeweiht, die Allgemeinmedizin gestärkt, das Krukenberg Krebszentrum zertifiziert und das Mitteldeutsche Herzzentrum gegründet. Weiterhin wurde das Dorothea Erxleben Lernzentrum als Institution gefestigt, die überregional anerkannt ist. Zusätzlich läuft viel im Hintergrund, vor allem viele aufwendige Berufungsverfahren und Kooperationsgespräche.

3)    Welche Projekte sollen in den kommenden vier Jahren umgesetzt werden, welche Schwerpunkte werden gesetzt? 

Vor allem die Baumaßnahmen sind in nächster Zeit ein ganz große Thema. Das Bettenhaus 2 muss ersetzt sowie abgerissen werden und auf dem Medizin-Campus Steintor ist der Umzug u.a. der Rechtsmedizin und der Pharmakologie innerhalb der nächsten drei Jahre an die Magdeburger Straße 16 vordringlich. Danach werden das Institut in der Hollystraße und das Ausbildungszentrum umziehen. Das Ziel ist, 2023/24 fertig zu sein. 

4)    Wie schätzen Sie den Nutzen die Novellierung des Hochschulmedizingesetzes und des Krankenhausstrukturgesetzes im Hinblick auf die Universitätsmedizin ein? 

Die Qualitätsorientierung in der Krankenversorgung und die Ausrichtung der Finanzierung darauf sind für uns von Vorteil, aber es geht darum, wie dies umgesetzt wird. Wir haben hochspezialisierte, aufwendige Therapien und dafür große Vorhaltekosten. Bei den Zentrenzuschlägen ist auch noch Luft nach oben. Höhere Standards erfordern höheren Aufwand und mehr qualifiziertes Personal, die Vergütung ist dem aber nicht angepasst. Gleiches gilt für die Zentralen Notaufnahmen. Ein weiterer Punkt sind die Extremkostenfälle: Das sind zwar wenige, aber sie belasten die Maximalversorger überdurchschnittlich, also vor allem die Universitätsmedizin. Wären diese ausfinanziert, hätte dies allein für Halle einen Effekt von bis zu zwei Millionen Euro mehr pro Jahr. Und zu guter Letzt haben wir den Zusatzaufwand aufgrund der überdurchschnittlich vielen Weiterbildungsassistenten. 

Ich hoffe, dass am Hochschulmedizingesetz wenig geändert wird, denn in Sachsen-Anhalt ist es gut. Es gibt der Fakultät in der Position zwischen Klinikum und Universität viel Gestaltungsfreiheit. In Richtung Professionalisierung der Universitätsverwaltung könnte die Universitätsmedizin vom HMG profitieren.

5)    Wie steht es um die auskömmliche Finanzierung der Hochschulen und Hochschulambulanzen?

Die Vergütung der Hochschulambulanzen wird besser. Bei der Formulierung der Vereinbarung, die bis 2019 läuft, gab es Verzögerungen, jedoch haben zwischenzeitlich die Krankenkassen zugestimmt. Die Frage ist, welche Steigerungen man danach erwarten kann. Des Weiteren diskutiert man nun doch wieder über einen sogenannten Systemzuschlag, weil die Universitätsklinika im Vergütungssystem vergleichsweise schlechter abgebildet sind und man deren Besonderheiten damit ausgleichen könnte. 

6)    Welche Bilanz ziehen Sie im Bereich Forschung, was ist in den kommenden Jahren zu erwarten und wie laufen die Bemühungen um einen Sonderforschungsbereich?

Im Bereich Molekulare Medizin der Signaltransduktion wird der Vorantrag für einen Sonderforschungsbereich geschrieben, der im Herbst zur DFG geht. Findet dieser Anklang, folgt der Vollantrag. Wenn auch dieser Teil der Antragsstellung positiv verläuft, könnte es 2021 losgehen. Weiterhin steht die Beantragung der Verlängerung des GRKs PROMOAGE an, die wir ebenfalls mit einem positiven Ergebnis abschließen wollen. Schließlich haben wir es geschafft, das Graduiertenkolleg 1591 der DFG in die zweite Förderperiode zu bekommen, was eine wichtige Bestätigung von außen darstellt. Demnächst wird die Entscheidung zu einer Nachwuchsgruppe fallen, die von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Für den Schwerpunkt Epidemiologie und Pflegeforschung muss nun unbedingt auch eine Verbundförderung eingeworben werden, damit dieser Bereich als Schwerpunkt nach außen Bestand hat. Hinsichtlich Drittmittelakquise haben wir einige sehr erfolgreiche Gruppen. Die externe Förderrate in der Breite ist jedoch noch nicht ausreichend, so dass ein heterogenes Bild entsteht. Dem wird mit einer konsequenten Entwicklung des Nachwuchses und durch Berufungen entgegengewirkt. Ansonsten hat sich die Forschungsinfrastruktur sehr gut entwickelt, unter anderem mit dem neuen Charles-Tanford-Proteinzentrum. Wir haben gute Core Facilities, also gemeinsam genutzte Gerätezentren, sowie gute Labor- und Forschungsflächen. 

7)    Welche Themen werden die Universitätsmedizin Halle zudem beschäftigen?

Wir haben im Moment eine Diskussion um mehr oder weniger Medizinstudienplätze sowie implizit um die Art der Studienplätze. Dabei gibt es auch Strömungen, günstigere Studienplätze an einer Art Medical Schools zu schaffen, an denen Krankenversorgung und Ausbildung stattfindet. Parallel gibt es eine Art Elitenbildung bei den Universitätsmedizinstandorten, die auch bei der Vergabe von Fördermitteln eine Rolle spielen wird. Deshalb müssen wir mehr Leistung in der Forschung, unserem schwächeren Standbein, bringen. Mein Ziel ist, dass 2025 in Halle immer noch Krankenversorgung, Lehre und Forschung stattfinden und nicht nur Ausbildung und Krankenversorgung. Ansonsten wird uns der Masterplan Medizinstudium 2020 beschäftigen und was davon in die neue Approbationsordnung kommt, die Landarztquote, die  sicher politisch vorangetrieben wird, und ebenso die mögliche Entwicklung und Einbindung eines Wissenschaftstracks im Medizinstudium. Schließlich könnte durch die Akademisierung der Hebammenausbildung mit einem eigenen Studiengang ein ganz neuer Aspekt in Halle hinzukommen.

8)    Was erwarten Sie sich von der geplanten Abschaffung des Verbots für „Haus-Berufungen“?

Generell gesprochen ist es so, dass mit einer konsequenten, unabhängigen, strikt qualitätsorientierten Politik bei der Personalentwicklung und -akquise eine Fakultät entwickelt werden kann – mit oder ohne Hausberufungen. Ich halte es für wichtig, dass immer wieder frischer Wind hereinkommt und es konstruktive Wechsel gibt, besonders an einem kleinen Standort. Wichtig ist die Frage: Was bewirkt eine Person für die Universitätsmedizin? Bisher ist uns keine tatsächliche Entwicklungschance aufgrund der Rahmenbedingungen verloren gegangen.

9)    Wie soll die Öffentlichkeit die hallesche Universitätsmedizin 2022 wahrnehmen?

Wir wollen ein Standort sein, der mit seinen zwei Forschungsschwerpunkten überregional sichtbar ist, an dem wissenschafts- und evidenzbasierte Medizin weiterentwickelt und angewandt wird und an dem als Institution Forschung auf weit überregionalem Niveau, Lehre auf höchstem Niveau und Krankenversorgung auf Maximalniveau stattfinden. Der dafür steht, dass hier Onkologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch mit Fokus auf den alten Menschen hochkompetent vertreten werden. Außerdem wird dann die Vorreiterrolle der ersten Absolventen des Studiengangs Evidenzbasierte Pflege zum Tragen kommen.