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Blutvergiftung – Wenn jede Minute zählt – Zum Welt Sepsis Tag informieren Experten – Olympiasiegerin Ilke Wyludda berichtet über ihre Erkrankung


Die angehende Anästhesistin Dr. Ilke Wyludda, 1996 Olympiasiegerin im Diskuswerfen, berichtet im Rahmen einer Informationsveranstaltung zum Welt Sepsis Tag am Samstag, 13. September 2014, über ihre „Blutvergiftung“, die Behandlung und wie sie mit den Folgen umgeht. Die Sportlerin und Medizinerin hatte sich vor mehr als vier Jahren nach einer Operation durch eine schlecht heilende Wunde eine Blutvergiftung zugezogen und nur durch das Geschick erfahrener Ärzte überlebt. Die Universitätsklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin und die Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III laden interessierte Besucher ein, mehr über die im allgemeinen Sprachgebrauch „Blutvergiftung“ genannte Erkrankung zu erfahren.

Seit September 2012 wird weltweit einmal im Jahr der Welt Sepsis Tag begangen. Auf Initiative der Deutschen Sepsishilfe e.V. und der Deutschen Sepsisgesellschaft e.V. wurde durch die ebenfalls auf deutsche Initiative hin gegründete Global Sepsis Alliance (GSA) der Welt Sepsis Tag unter dem Slogan "stop sepsis, save lives" initiiert. Weltweit werden an diesem Tag verschiedene Aktivitäten organisiert. Das Universitätsklinikum Halle (Saale) macht auf das Thema mit einer Informationsveranstaltung aufmerksam. Professor Karl Werdan, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, und Professor Michael Bucher, Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, beide international anerkannte Sepsis-Experten, berichten über die medizinischen Herausforderungen, die dieses Krankheitsbild nach wie vor an die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte stellt. Die Veranstaltung findet im Universitätsklinikum Halle (Saale), Ernst-Grube-Straße 40, Lehrgebäude, Hörsaal 1, statt und dauert von 10 bis 11.30 Uhr.

Die weltweite Zunahme der Erkrankung und die weiter sehr hohe Sterblichkeit machen es nach Ansicht der Initiatoren notwendig, Prävention, Behandlung und Nachsorge durch bessere Ausbildung zu optimieren und das Krankheitsbild noch mehr in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Sepsis, entsteht, wenn es aufgrund einer Infektion zu einer systemischen Entzündungsreaktion des Organismus kommt und das eigene Gewebe und die eigenen Organe geschädigt werden. Sepsis kann zu Schock, Multiorganversagen und Tod führen, vor allem wenn sie nicht frühzeitig erkannt und sofort behandelt wird. Trotz aller Fortschritte der modernen Medizin, wie Impfungen, Antibiotikatherapie und intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten, bleibt Sepsis eine der Haupttodesursachen weltweit. Nach wie vor stirbt im Durchschnitt jeder zweite Sepsis-Patient. In Deutschland ist die Sepsis nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und noch vor den Tumorerkrankungen die häufigste Todesursache. Allein die direkten Kosten nur für die intensivmedizinische Behandlung belasten das Gesundheitssystem jährlich mit mehr als 1,7 Mrd. Euro.

In den Entwicklungsländern ist Sepsis für 60 bis 80 Prozent aller jährlichen Todesfälle verantwortlich. Jedes Jahr fallen ihr mehr als sechs Millionen Neugeborene und Kinder und mehr als 100.000 Wöchnerinnen zum Opfer. Jede Stunde sterben ungefähr 36 Menschen an Sepsis. Sepsis verursacht jährlich mehr Todesfälle als Brustkrebs, Prostatakrebs und HIV/AIDS zusammen. Weltweit werden jährlich 18 Millionen Fälle geschätzt. Es ist davon auszugehen, dass Sepsis für die Mehrzahl aller Todesfälle in Verbindung mit HIV/AIDS, Malaria, Lungenentzündung und anderen Infektionen verantwortlich ist, unabhängig davon ob diese zuhause, im Krankenhaus oder nach Verletzungen erworben werden.

Patienten, die eine Sepsis überleben, haben im Vergleich zu anderen Krankenhauspatienten ein doppelt so hohes Risiko, in den folgenden fünf Jahren zu versterben. Zudem leiden sie häufig an körperlichen, kognitiven und psychischen Spät- und Langzeitfolgen.

Sepsis ist ein medizinischer Notfall

Während Herzinfarkt und Schlaganfall als medizinische Notfälle im Bewusstsein der Bevölkerung verankert sind, so gilt dies für die Sepsis leider noch nicht. Und das, obwohl die zügige Einleitung adäquater Behandlungsmaßnahmen, insbesondere Antibiotikatherapie, der intravenösen Flüssigkeitsgabe und der Sanierung des Infektfokus nachgewiesenermaßen das Risiko zu versterben deutlich senken können. Patienten mit Verdacht auf eine Sepsis sollten sofort in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden. Eine frühe Sepsisbehandlung ist entscheidend für den Behandlungserfolg und verkürzt die Liegedauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus. Leider wird Sepsis zu oft fehldiagnostiziert und zu spät effektiv behandelt.