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Wissenschaftler vergleichen erstmals Therapiemethoden für Hornhaut-Transplantierte


Bei Transplantationen denken viele zuerst an Herz, Leber oder Nieren. Doch das weltweit am häufigsten transplantierte Fremdgewebe ist die Hornhaut des Auges. Auch hier können wie bei jeder Transplantation schwere Abstoßungsreaktionen auftreten, die üblicherweise mit einer lokalen und systemischen Kortikosteroid-Therapie behandelt werden. Die Häufigkeit von Abstoßungsreaktionen ist abhängig von der Art der Hornhauttransplantation. Sie treten aber generell deutlich seltener auf als bei anderen Organ- und Gewebetransplantationen.

Wissenschaftler der Universitäts- und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Halle (Saale) und des Universitätsklinikums Saarland stellten sich die Frage, ob eine zusätzliche unterstützende sogenannte intrakamerale Kortikosteroid-Injektion (englisch: intracameral corticosteroid injection, ICI) bei einer heftigen Immunreaktion nach einer Hornhauttransplantation hilfreich sein kann und haben dazu eine vergleichende Patientenstudie durchgeführt. 

Diese zeigte, dass es sich bei der ICI um eine effektive und sichere Ergänzung der bisherige Therapie handelt – sowohl bei der Transplantation einzelner (lamellär) als auch aller Schichten (perforierend) der Hornhaut. Die Ergebnisse der Studie haben Dr. Miltiadis Fiorentzis, Prof. Dr. Arne Viestenz (Direktor der Universitäts- und Poliklinik für Augenheilkunde am UKH), Dr. Anja Viestenz und Prof. Dr. Berthold Seitz (Saarland) im internationalen Journal „Advances in Therapy“ (DOI: 10.1007/s12325-017-0583-y) publiziert. 

„Das ist unseres Wissens das erste Mal in diesem Bereich, dass eine solche vergleichende Studie gemacht wurde“, so Prof. Viestenz. Es habe sich gezeigt, dass die ICI-Methode nicht von massiven Nebenwirkungen begleitet werde und sich daher als zusätzliche Therapie insbesondere auch für jene anbiete, die aus verschiedenen Gründen keine langandauernde Behandlung mit immunsystemunterdrückenden Medikamenten bekommen können. 

In der Studie sind 24 Menschen mit der Standard-Steroidtherapie behandelt worden, die bei einer schweren Immunreaktion angewendet wird. Dreizehn Menschen sind aber zusätzlich mit der ICI-Methode behandelt worden, die anderen elf bildeten die Kontrollgruppe. Bei allen lagen Hornhautödeme, Falten in der Descemet-Schicht (ein Teil der Hornhaut), endotheliale Ablagerungen sowie Zellen in der Vorderkammer des Auges vor. All dies sind Gründe für die heftige Immunreaktion, denn normalerweise ist die Hornhaut gefäßlos, hat keine Antigen-präsentierenden Zellen und kann daher keine Immunantwort einleiten, schreiben die Autoren in ihrem Artikel. 

Im Durchschnitt waren die Patienten 63 beziehungsweise 60 Jahre alt (Studiengruppe bzw. Kontrollgruppe) und bis auf eine Erkrankung der Hornhaut gesund. Es lagen demnach weder ein Diabetes mellitus vor, noch frühere Augenhauterkrankungen, Glaukome oder andere Komorbiditäten. Gemessen wurden in der Studie bei allen Probanden unter anderem die bestkorrigierte Sehschärfe, die Dicke der Hornhaut, die Anzahl der Endothelzellen und der Augeninnendruck. Sechs Wochen sowie ein weiteres Mal nach drei Monaten nach der Behandlung wurden die Patienten erneut untersucht. 

Bei der ICI-Methode haben drei Operateure den Patienten unter lokaler Betäubung mittels Augentropfen und unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops das Medikament in die vordere Augenkammer injiziert. Danach erhielten die Patienten eine örtliche und systemische Kortikosteroid-Behandlung mittels Augentropfen sowie anfangs auch intravenös. Der Sinn sei, die reaktionsauslösenden Entzündungszellen direkt dort zu reduzieren, wo sie sich befinden: am Hornhautendothel und im Kammerwinkel. Das sei gelungen, so die Wissenschaftler, die selbst positiv überrascht gewesen seien, wie schnell die Transplantate nach der Injektion wieder aufklarten.

Das Universitätsklinikum Halle (Saale) verfügt über eine eigene Hornhautgewebebank. Etwa 200 Transplantationen der Augenhornhaut werden jährlich von den Spezialisten am UKH durchgeführt. 

Weitere Informationen sind über Dr. Miltiadis Fiorentzis, Telefon 0345 557 4171 oder E-Mail: miltiadis.fiorentzis(at)uk-halle.de, oder Prof. Dr. Arne Viestenz, Telefon 0345 557 4006 oder E-Mail: arne.viestenz(at)uk-halle.de, erhältlich.

Halle, 21. September 2017