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Wissenschaftliche Expertise der Unimedizin Halle bei Konferenz in China gefragt

Dr. Andreas Lauenroth


Deutschland und China sind in vielen Belangen recht unterschiedlich. Eine Herausforderung, die beide Länder jedoch gleichermaßen bewältigen müssen, ist der Umgang mit dem demografischen Wandel: China, weil es das bevölkerungsreichste Land der Welt ist und Deutschland, weil hier die Geburtenrate zu den niedrigsten weltweit zählt.

Sich über Lösungen in den Bereichen Bildung, Versicherungen und altengerechtes städtisches Leben auszutauschen, ist am 30. November und 1. Dezember 2017 der Sinn in Yantai City in China. An der unter anderem vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit veranstalteten Konferenz „Zwei Länder, eine Herausforderung: Altersgerechte Lösungen in der Altenpflegeausbildung, Pflegeversicherung und der Entwicklung altengerechter Stadtquartiere in China und Deutschland“ nimmt mit Dr. Andreas Lauenroth auch ein Wissenschaftler der Universitätsmedizin Halle (Saale) teil. Er ist als Ausrichter eines Workshops und Teilnehmer einer Podiumsdiskussion eingeladen worden. 

„Mein wissenschaftlicher Fokus liegt unter anderem auf dem Komplex Altern und körperliche Aktivität. In China stelle ich in einem Workshop einen Alterssimulationsanzug und wissenschaftlich objektive Daten dazu vor“, erklärt Lauenroth. Er habe in einer Gangstudie untersucht, wie hoch der Alterssprung objektiv ausfällt, der mit dem Anzug simuliert werde. Das heißt, die Probanden sind beim Laufen auf einer Gangmatte gemessen worden – mit Anzug und ohne diesen. Der Anzug ist so konzipiert, dass er physische Beeinträchtigungen schafft, die als typische Erscheinungen des Alters auftreten können.

Darauf basierend habe Lauenroth 2014 an seiner früheren Wirkungsstätte in Heidelberg eine Konferenz organisiert, die auf sehr großes Interesse bei Akteuren der Aus- und Weiterbildung gestoßen sei. Die Tagung sowie seine wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema, an dem er neben anderen auch im Forschungslabor des Departments für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am halleschen Universitätsklinikum arbeitet, hätten nun zur Einladung nach China geführt.  

„Ein Aspekt beim Altern ist die körperliche Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Berufstätigkeit. Damit muss sich China genauso wie Deutschland auseinandersetzen. Bei meinem Workshop kann der Anzug ausprobiert werden, das schafft ein Bewusstsein dafür, wie sich die physische Leistungsfähigkeit im Alter verändert. Das wiederum sorgt dafür, dass Lösungen gefunden werden, wie man dem begegnen kann“, sagt Lauenroth. Bei der Konferenz spiele aber auch die Zeit nach der Berufstätigkeit eine wichtige Rolle, wenn beispielsweise Pflegebedürftigkeit auftrete und diese einerseits finanziert, aber andererseits auch Gebäude und Stadtquartiere altengerecht konzipiert werden müssen oder wie es in der Workshop-Beschreibung heißt: das Bewusstsein für die täglichen Herausforderungen von älteren Menschen zu stärken und gemeinsam Ansätze der inklusiven Stadtquartiersentwicklung zu erarbeiten. „Solche Lösungsansätze sollen dann auch in der Podiumsdiskussion innerhalb der Tagung thematisiert werden, bei der ich einer von zwei deutschen Teilnehmern bin“, sagt der Wissenschaftler.

Er selbst freue sich zudem darauf, einen Einblick zu bekommen, wie China mit dem Thema demografischer Wandel und Alter umgehe. „Man sagt ja immer, dass es eine andere Kultur ist, in der auch ein anderes Bild vom Altern herrscht, weil Familie und Traditionen einen besonders hohen Stellenwert haben sollen“, sagt er. Und er hoffe, aus dem Austausch der Konferenzteilnehmer auch neue Impulse wieder mit nach Deutschland nehmen zu können.