Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Größere, krankheitsfreie Phasen im Alter angestrebt


"Wir wissen über das Altern zu wenig", beschreibt Dr. Andreas Simm, Organisator der Tagung und Sekretär des Sonderforschungsbereiches, ein Anliegen der Veranstaltung. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der Gerontologie (Alternsforschung) sollen mit den Erfordernissen aus der klinischen Praxis verbunden werden. Dabei berichten zwei "ganz große Altersforscher" – George Martin und Ed Lakatta – über ihre Arbeit. Martin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit neurologischen Erkrankungen im Alter – zum Beispiel Parkinson und Alzheimer. Er arbeitete bis zu seiner Emeritierung als Pathologie-Professor an der University of Washington (Seattle). Der nun 78-jährige Martin wird für seine Verdienste im September in Halle mit dem Karl-Ludwig-Schober-Preis ausgezeichnet.

Für diese Tagung wurden mehrere Schwerpunkte gesetzt: von den molekularbiologischen Konzepten und Grundlagen des Alterns über die Gewebeprotektion im Alter, der Alterung von unterschiedlichen Organen bis hin zur klinischen Bedeutung des Faktors Alter und potentielle präventive Interventionsmöglichkeiten gegen degenerative Alterserkrankungen.

Derzeit werden verschiedene Interventionsmöglichkeiten gegen das Altern erforscht. Dabei gehe es allerdings nicht um die Verlängerung der maximalen Lebensdauer der Menschen, sondern um größere, krankheitsfreie Phasen im Alter, berichtet Dr. Simm, der auch Forschungsleiter der Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie ist, über Entwicklungen in der Altersforschung. Das maximal mögliche Alter bei Menschen liegt bei etwa 120 Jahren. Grund für die limitierte menschliche Lebenserwartung scheint die begrenzte Lebenszeit von Zellen zu sein. Allerdings nahm die durchschnittliche Lebenserwartung in den Industriestaaten allein im 20. Jahrhundert um etwa 30 Jahre zu – damit aber auch die demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zum Beispiel durch altersbedingte degenerative Erkrankungen.

Um möglichst lange ohne große Erkrankungen älter werden zu können, sollte die Zufuhr von Kalorien stark reduziert werden (in Tierversuchen bis auf die Hälfte), so lautet ein Forschungsansatz. Allerdings nehme bei Menschen, die dies versuchen, die Lebensqualität stark ab, erklärt der Wissenschaftler. Ein weiterer wirkungsvoller Interventionsansatz wurde über die Auswirkungen körperlicher Betätigung auf das Altern gefunden. Wissenschaftler erforschen zudem, ob durch Stammzellen Gewebe wie der Herzmuskel regeneriert werden können. Eine vierte Möglichkeit besteht darin, durch Proteinmodifikationen versteiftes Gewebe mittels so genannter Crosslink-Breaker wieder elastisch zu machen. Bisher wurden die Versuchsreihen nur an Tieren durchgeführt. Das Altern an sich könne aber nicht aufgehalten oder verhindert werden und sei biologisch auch nicht erstrebenswert, erklärt der Forscher aus Halle. Noch vollkommen unklar seien die Auswirkungen der modernen Lebensweisen in der Wohlstandsgesellschaft. Einige Experten spekulieren, dass in den kommenden Jahrzehnten in den Industriestaaten die durchschnittliche Lebenserwartung auch wieder abnehmen könne. So fördert das immer stärker verbreitete Übergewicht Erkrankungen wie Altersdiabetes (Typ-II Diabetes), der mittlerweile schon bei übergewichtigen Kindern beobachtet werden kann.

Im Sonderforschungsbereich SFB 598 "Herzversagen im Alter" arbeiten Universitätskliniken und theoretische Institute über diese Problematik zusammen. Durch die Verschiebung der Altersstruktur in den Industrieländern – besonders in den neuen Bundesländern – hat das Erforschen des Alterns und der damit verbundenen Erkrankungen stark an Bedeutung gewonnen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung in den westlichen Ländern stirbt im Alter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gerade diesen widmet sich der Hallesche Sonderforschungsbereich "Herzversagen im Alter". Ein weiterer vergleichbarer Sonderforschungsbereichexistiert in Deutschland nicht. Die Universitätskliniken für Innere Medizin I und III sowie das Koordinierungszentrum für Klinische Studien veranstalten das Satellitensymposium "Der ältere Gefäßpatient" unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Gesellschaft für Gefäßmedizin. Im Mittelpunkt stehen Gefäßkrankheiten als häufige Komponenten der altersassoziierten Multimorbidität. Mit steigender Lebenserwartung wird das biologische Alter zum Hauptrisiko der Atherosklerose. Die Referenten vermitteln am Freitag, 23. September, zwischen 14 und 17 Uhr den aktuellen Stand der klinischen Forschung. Die Veranstaltung findet im Hörsaal 1, Universitätsklinikum Kröllwitz, statt.