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Familienministerinnen unterzeichnen Verwaltungsvereinbarung zu Frühen Hilfen am Universitätsklinikum Halle (Saale)


Es ist nicht ganz einfach für Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley gewesen. Die Verkehrssituation zwischen Berlin und Halle sorgte dafür, dass sie erst mit fast zwei Stunden Verspätung am Universitätsklinikum Halle (Saale) eintraf. Doch das Ziel war ein gutes und wichtiges und so warteten alle geduldig: Barley und die sachsen-anhaltische Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration und aktuelle Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz, Petra Grimm-Benne, unterzeichneten die Verwaltungsvereinbarung zur Bundesstiftung Frühe Hilfen. Damit unterstützt das Bundesfamilienministerium nun dauerhaft die Länder und Kommunen auf diesem wichtigen Gebiet mit jährlich 51 Millionen Euro. Diese fließen in die psychosoziale Unterstützung für Mütter und Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr.

Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, PD Dr. Thomas Klöss, verwies in seiner kurzen Begrüßung darauf, dass sich das Klinikum seit vielen Jahren bereits darum kümmert, Neugeborene und Familien gut zu versorgen. So verfügt das UKH über eine Frauenmilchbank, die vertrauliche Geburt ist möglich und seit 2006 gibt es Familienhebammen. „Dass die Vereinbarung bei uns unterzeichnet wird, ist auch eine Wertschätzung dessen, was wir bereits in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Gebiet geleistet haben“, so Klöss. 

Barley sagte, es sei ihr eine Ehre, die Vereinbarung in Halle unterzeichnen zu dürfen, die ein wichtiges Instrument sei, „um die Angebote der Frühen Hilfen auf Dauer absichern zu können“. Jedes Kind habe ein Recht darauf, gut und gesund und möglichst auch in der Geborgenheit einer Familie aufzuwachsen und deshalb sei es wichtig, frühzeitig zu ermitteln, ob Hilfebedarf vorhanden sei.

Sachsen-Anhalt sei beispielsweise ein Vorreiter-Bundesland beim Thema Familienhebammen, lobte die Bundesministerin. Der flächendeckende Ausbau im gesamten Bundesgebiet sei ein wichtiges Ziel. Denn der zweite Fokus sei die Vernetzung von Ansprechpartnern und Hilfsangeboten. „Ich bin stolz, dass ich stellvertretend für unser Bundesland diese Vereinbarung unterzeichnen darf“, sagte Grimm-Benne. Die Fondslösung finde sie gelungen. Sie verwies darauf, dass es in Sachsen-Anhalt bereits vor der Vereinbarung eine Koordinierungsstelle für Frühe Hilfen im Sozialministerium gegeben habe. Derzeit 58 Fachkräfte unterbreiten Müttern und Familien niedrigschwellige Angebote während und nach der Schwangerschaft. 

Familienhebammen seien bis zum ersten Geburtstag des Kindes zuständig, erklärte die am UKH angestellte Hebamme Katja Schumann. Die Ministerinnen hatten sich zwischenzeitlich auf den Weg in die Universitäts- und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin gemacht, die als Geburtsklinik in das Netzwerk Frühe Hilfen eingebunden ist. Im neuen Kreißsaal ließen sich die Politikerinnen von Direktor Professor Dr. Michael Tchirikov alles erklären und zeigen und kamen auch mit Familie Dworak und ihrem zweitjüngsten Kind Emma ins Gespräch. Die Teutschenthaler Familie, die insgesamt acht Kinder hat, nutzt das Angebot der Familienhebamme. Wegen ihrer Nähe zu den Familien können sie frühzeitig identifizieren, wie das Kind im Familiensystem eingebunden sei, ob ein frühkindlicher Förderbedarf gegeben sei oder welche Unterstützung auch der Vater in der ersten Zeit geben könne, erklärte Hebamme Schumann. „Wir sehen, welche Ressourcen da sind, geben Rat und bieten Verbesserungsvorschläge an. Aber wir kritisieren auch, wenn es nötig ist“, so Schumann.

Am Universitätsklinikum wurden bisher jährlich rund 1100 Kinder geboren. Dank neuem Kreißsaal und der Kombination aus moderner Hochleistungsmedizin und familienorientierter Geburtshilfe konnte bereits im ersten Halbjahr 2017 eine Steigerung von etwa 18 Prozent verzeichnet werden. Auf der Wochen- und Neugeborenstation werden die Patientinnen in Ein- oder Zwei-Bett-Zimmern untergebracht; das sogenannte Rooming-In ist seit Start des Klinikums 1974 eine Selbstverständlichkeit. Alle Zweibettzimmer können bei Bedarf zu Familienzimmern umgestaltet werden. Spezielle Stillberaterinnen unterstützen die Mütter auf der Station. Darüber hinaus gibt es wieder eine Frauenmilchbank, in der Mütter mit einem Überangebot an Frauenmilch diese abgeben und für bedürftige kranke Neu- bzw. Frühgeborene spenden können. Die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt wird im Universitätsklinikum seit Jahren angeboten und auch angenommen. Unter den angestellten Hebammen des Universitätsklinikums gibt es auch drei Familienhebammen, die bedürftige Mütter und Familien und ihre Neugeborenen in den ersten Wochen und Monaten begleiten und betreuen.  

Weiterhin werden alle Familien zum Thema der besonderen Gefahr des Schüttelns von Säuglingen aufgeklärt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer entwicklungspsychologischen Beratung bei Regulationsstörungen in den ersten Lebensjahren. Die Angebote sind integriert in das Netz der Frühen Hilfen der Stadt Halle (Saale). Die positive Evaluierung der Arbeit der Familienhebammen seitens des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaften unserer Medizinischen Fakultät fand Berücksichtigung in der ersten Verwaltungsvereinbarung „Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen“. Die Bundesinitiative Frühe Hilfen ist im Bundeskinderschutzgesetz geregelt.