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Forscher zeigen, wie MicroRNAs den Krankheitsverlauf bei Leukämie steuern


Bestimmte, winzige Ribonukleinsäuren in den Zellen, sogenannte microRNAs (miRNAs), können Gene abschalten und an der Entstehung oder Verhinderung von Krebs beteiligt sein. Eine Forschergruppe der Medizinischen Hochschule Hannover hat nun entdeckt, dass miRNA-193b den Verlauf der Blutkrebs-Erkrankung Akute Myeloische Leukämie (AML) entscheidend beeinflusst. Die Gruppe wird von Prof. Dr. Jan-Henning Klusmann geleitet, der seit Januar Direktor der Universitäts- und Poliklinik für Pädiatrie I des Universitätsklinikums Halle (Saale) ist. 

In gesunden Zellen unterdrückt die Ribonukleinsäure die Entstehung von Krebs und das zu ihr gehörende Gen sorgt für eine fehlerlose Zellteilung. In Krebszellen gibt sie zudem den Befehl zur Selbstzerstörung. Aber: Tumorzellen können die Schutzfunktion der miRNA abschalten und sich dann ungehemmt vermehren. Das haben die Forscher anhand von Blutproben von rund 350 Patienten herausgefunden. Die Studie ist im Journal of Clinical Oncology (JCO) veröffentlicht worden (DOI: 10.1200/JCO.2017.75.2204). 

Erstautor der Studie ist Dr. Raj Bhayadia, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Klusmann, der ebenfalls ab März 2018 in Halle tätig sein wird und dann die Einsatzmöglichkeiten der miRNA-193 als Therapeutikum erforschen will. Damit wird das Forschungsfeld zu nicht-kodierenden RNA an der halleschen Universitätsmedizin und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg weiter aufgewertet, an dem bereits in verschiedenen Arbeitsgruppen geforscht wird und zu dem im Mai 2018 ein Vorantrag für einen Sonderforschungsbereich eingereicht werden soll, für den Klusmann Co-Sprecher ist.

Patienten mit AML, in deren Zellen viel miRNA-193b nachgewiesen werden konnte, zeigten einen deutlich günstigeren Krankheitsverlauf und hatten bessere Heilungschancen nach Chemotherapie und Stammzelltransplantation. „Somit ist miRNA-193 ein vielversprechender Biomarker für die personalisierte, das heißt auf den Patienten zugeschnittene, Therapie bei AML. Anhand eines Bluttests kann nun schon im Vorfeld eingeschätzt werden, welche Patienten von einer Chemotherapie und einer Stammzelltransplantation profitieren können“, erläutert Professor Klusmann. 

Auch für die Behandlung der Erkrankung könne miRNA-193b künftig eine Rolle spielen. Denn die Forscher fanden heraus, dass sich die Vermehrung von Krebszellen verlangsamt, wenn miRNA-193b aktiv ist. Umgekehrt entwickelte sich ohne miRNA-193b eine besonders aggressive Formen von AML. „Die miRNA inaktiviert gleich vier Gene, die auch an der Bildung von Therapieresistenzen beteiligt sind. Sie greift die Leukämiezellen an mehreren Punkten gleichzeitig an, und die Zellen sterben ab, ohne dass sich Resistenzmechanismen ausbilden können. Wir sind daher optimistisch, diese miRNA als neues Therapeutikum gegen kindliche und erwachsene AML für die klinische Anwendung weiterentwickeln zu können“, sagt Klusmann.