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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz informierte sich zu Krankenversorgung und Forschung der Unimedizin Halle


„Ich muss nochmal wiederkommen“, sagte Martin Schulz, designierter Kanzlerkandidat der SPD, zum Abschluss seines Besuchs der halleschen Universitätsmedizin am heutigen Donnerstag, dem 23. Februar 2017. Es wolle noch mehr erfahren zu den Themen Hausarztversorgung auf dem Land, Akademisierung in der Pflegeausbildung und Fachkräftemangel in diesem Bereich. 

Punkt 10.33 Uhr war er knapp anderthalb Stunden zuvor in Halle am Universitätsklinikum angekommen. In Begleitung der Bundestagsmitglieder Dr. Karamba Diaby und Burkhard Lischka, den beiden Landtagsabgeordneten Dr. Katja Pähle und Dr. Andreas Schmidt (alle SPD) sowie zahlreichen Medienvertretern wurde er vom Dekan der Medizinischen Fakultät Halle, Prof. Dr. Michael Gekle, der Kaufmännischen Direktorin Dr. Petra Bohnhardt und der Pflegedirektorin Christiane Becker des Klinikums begrüßt. 

Um einen Einblick in die Krankenversorgung, aber auch die Forschung zu bekommen, statteten die Gäste der Universitäts- und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie einen Besuch ab. Martin Schulz ließ sich dabei die Arbeit an der Klinik von Direktor Prof. Dr. Stefan Plontke erklären. Interessiert schaute Schulz in die verschiedenen Räume, sprach kurz mit Patienten und Personal und machte auch einen Abstecher ins Forschungslabor der Klinik. „Es war zwar ein Highspeed-Rundgang, aber er war extrem interessant“, sagte Schulz beeindruckt. 

Dem Rundgang schloss sich ein Gespräch mit Vertretern des Vorstands der Universitätsmedizin Halle, Mitgliedern des Personalrats des Klinikums sowie Studierenden der Medizinischen Fakultät an. Dekan Prof. Gekle hob die Wichtigkeit der Universitätsmedizin hervor, die sozusagen einen Gesellschaftsvertrag erfüllt und aufgrund ihrer mehr und mehr evidenzbasierten Ausrichtung einen wichtigen Beitrag leistet, Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen. „Universitätsmedizin ist kein Modell zum Geld verdienen, sondern eine öffentliche Investition in Daseinsfürsorge und damit in die Lebensqualität der gesamten Gesellschaft“, betonte der Dekan.

Er hob zudem die hallesche Besonderheiten hervor, die zum einen in der Akademisierung der Pflege mit dem neuen Studiengang „Evidenzbasierte Pflege“ liegen und zum anderen in der Stärkung der allgemeinmedizinischen Ausbildung unter anderem mit dem Projekt „Klasse Allgemeinmedizin“. „Wir bilden Hausärzte aus, aber dass diese sich dann auch im ländlichen Raum niederlassen, dafür sind wir nicht zuständig“, sprach er die Thematik des Hausärztemangels auf dem Land an. Da müsse es kommunale Lösungen und ein Umdenken in den Kassenärztlichen Vereinigungen geben. 

Hier knüpfte Martin Schulz an und fragte interessiert nach, auch direkt bei Student Nils Kathmann, der Allgemeinmediziner werden wird. „Das Interesse für die Allgemeinmedizin muss sich aus dem Studium heraus entwickeln“, sagte er. Eine Landarztquote sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll. Bei ihm habe die „Klasse Allgemeinmedizin“ dazu beigetragen, dass er nun Hausarzt werden möchte. Die 20 Studierenden, die pro Jahr in das Projekt aufgenommen werden, haben zusätzlich zum normalen Medizinstudium ein allgemeinmedizinisches Curriculum, das bereits ab dem 1. Semester praktische Erfahrungen in einer Hausarztpraxis einschließt. Der jeweilige Allgemeinmediziner fungiert dabei über die Zeit des Studiums als Mentor. Nadine Schäfer, Medizinstudentin und Mitglied des Fachschaftsrates ergänzte, dass außerhalb Halles viele das Programm schätzen und die Teilnehmer sogar beneiden würden. 

Im Gespräch ging es aber ebenso um die Veränderungen und Schwierigkeiten in den Pflegeberufen, woran Schulz und die Landes- und Bundespolitiker ebenfalls großes Interesse zeigten. Dabei fragte der SPD-Kanzlerkandidat unter anderem auch kritisch nach, wie die Akademisierung der Pflege, also das Studium, unter den Pflegenden selbst bewertet wird und sagte, dass es insgesamt auch eine finanzielle und personelle Aufwertung dieses Bereichs brauche. „Wir sind in einem Bereich, in dem es um Menschenwürde geht, um Jahrzehnte zurück“, sagte Schulz im Hinblick auf die sich nun erst langsam verändernden Strukturen in der Pflege und sprach auch selbst ein Problem an: „Es ist ein gesellschaftlicher Prozess, der bisher unterschätzt wurde, dass Paare in eine Art Sandwich-Position kommen, weil sie einerseits spät Kinder bekommen, die dann noch im Haus leben und andererseits vielleicht schon pflegebedürftige Angehörige haben“, sagte Schulz.

„Pflegende tragen eine enorme Verantwortung und in Anbetracht des bestehenden Fachkräftemangels ist eine sachgerechte Berücksichtigung der Pflege im Vergütungssystem der Krankenhäuser erforderlich, um mit mehr Personal entlastend zu wirken und den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen“, mahnte Pflegedirektorin Christiane Becker. Eine Ausdifferenzierung in den Qualifikationen der Pflegeberufe, eben mittels akademisierter Ausbildung neben der klassischen Ausbildung sowie die Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung, könne ebenso dazu beitragen. Es müssen aber auch die Finanzierungslücken der Universitätsmedizinen politisch gelöst werden, ergänzte die Kaufmännische Direktorin Dr. Petra Bohnhardt, damit eine angemessene Refinanzierung universitärer Gesundheitsleistungen erfolgt. Der Personalratsvorsitzende Hans-Ullrich Spannaus gab daher den Politikern mit auf den Weg, dass geprüft werden müsse, inwiefern die Finanzierung der Hochschulambulanzen bundesweit finanziell vereinheitlicht werden könne. Die Landtagsabgeordnete Dr. Katja Pähle sagte, dass auch sie sich mehr Unterstützung des Bundes bei der Finanzierung der Hochschulmedizin wünsche. „Länder und Bund müssen ins Gespräch kommen“, sagte sie. 

Der knappen Zeit Martin Schulz‘ war es geschuldet, dass viele Fragen nur angerissen werden konnten, was er selbst sehr bedauerlich fand. Aber: Er möchte wiederkommen und sich dann im Detail informieren.