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Der Elektro-Geiger im Arztkittel


Martin Zschornak zu beschreiben, ist spannend. Sieht man ihn in seinem weißen Kittel, ist klar: Aha, vermutlich irgendwas mit Medizin. Aber das stimmt nur für einen Bereich seines Lebens. In diesem kennt man ihn als Martin Zschornak. Für andere, die den weißen Kittel an ihm noch nie gesehen haben, ist er Seth Schwarz. 

Der 29-Jährige ist im Alltagsleben Arzt im Department für Strahlenmedizin am Universitätsklinikum Halle (Saale). In seiner Freizeit ist er allerdings ein international bekannter Elektro-Geiger, tritt weltweit auf Festivals als DJ und Musiker auf und produziert, mixt und komponiert im eigenen Tonstudio zuhause elektronische Musik. In dieser Welt ist er unter dem Künstlernamen Seth Schwarz unterwegs. Der ist entstanden aus dem altägyptischen Wüstengott für Chaos und Verderben und der Übersetzung seines Nachnamens aus dem Sorbischen.

„Die Kunst ist, die Balance zu finden. Ohne die Unterstützung meiner Kollegen in der Klinik und eine langfristige Planung wäre das nicht machbar“, sagt Martin Zschornak und man merkt ihm an, dass er das nicht für selbstverständlich hält. Er arbeitet zwar in Teilzeit und ist in Nacht- und Wochenenddienste eingebunden, aber gerade in den Sommermonaten ist er viel auf Festivals und Veranstaltungen unterwegs. Berlin, Lübeck, Hamburg, Harz, aber auch international - fast jedes Wochenende spielt er dann woanders Konzerte. Gerade erst beim „Burning Man“-Festival in den USA, danach bei „Techno for Peace“ im brasilianischen Rio de Janeiro. Hier macht er auch gleich Urlaub und feiert seinen runden Geburtstag. Im November geht es dann nach Kapstadt in Südafrika, im Dezember nach Kenia. Er kommt in der Welt herum, doch sein Ruhepol ist Halle. „Ich genieße es, dass es in Halle ruhiger zugeht als in Berlin“, sagt er. Das brauche er, wenn er von Großveranstaltungen zurückkomme oder der Arbeitstag schwierig war. 

Der gebürtige Wittichenauer ist wegen des Medizinstudiums aus der Lausitz nach Halle gekommen – und geblieben. Dabei war das Studienfach gar nicht von Anfang an klar. Bereits zu Schulzeiten hat er Musik gemacht, und das ist eigentlich zu schlicht ausgedrückt: Er war an einem Musik-Gymnasium, hat im Orchester gespielt, im Chor gesungen, selbst Musik am Computer produziert, Klavier und Geige gelernt. Letzteres in einer zwölfjährigen klassischen Ausbildung. Aber er hatte auch immer Interesse an den Naturwissenschaften, wollte jedoch nicht nur im Labor stehen. „Meine Hausärztin empfahl mir deshalb, Medizin zu studieren“, erzählt er lachend.

Und weil ihm Lernen auch im Studium leichtgefallen sei und ihm die Geige und seine Leidenschaft, die Musik, gefehlt haben, fing er nebenher wieder an zu tüfteln. Seither improvisiert er, erschafft Klangwelten, verfremdet seine Geige auch mal elektronisch. „Ich spiele nicht nach Noten, sondern drücke frei aus, was das Publikum und ich fühlen“, beschreibt er seinen Stil. Der Ausgleich kommt auch den Kollegen und Patienten im Klinikum zu Gute. „Die Kollegen sagen, ich bringe positive Energie mit in den Alltag“, sagt er.

Er würde sich immer wieder so entscheiden, auch für seine Fachrichtung, sagt er. Er habe Kontakt zu Menschen und sein Faible für Naturwissenschaften werde bedient, weil die Strahlenmedizin recht technisch und physikalisch sei. „Und mein Beruf hat einen wissenschaftlichen Ansatz, beispielsweise die Tumorforschung oder Strahlentherapie. Zu sehen, dass das dann Anwendung finden könnte, finde ich spannend“, sagt er. Als nächstes hat er seine Doktorarbeit im Visier. Die ist bisher dann doch ein wenig zu kurz gekommen. Hierfür forscht er zu Betulinsäure, die zum Beispiel in Birken und Platanen vorkommt und ein potenzielles Antitumormittel sein könnte.

Musikalisch ist er mittlerweile in der Musikrichtung Techno zuhause, angefangen hat es mit Electro-Swing und House. Von den Anfängen bis heute kann jeder seine Musik auf seinem Soundcloud-Profil nachvollziehen. „Da sind auch die alten Sachen von mir zu hören. Und eigentlich ist es auch schön zu hören, wie sich meine Musik entwickelt hat“, sagt Martin „Seth Schwarz“ Zschornak.