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EvaSIS-Projekt am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft: Evaluation der Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation


In der Pflege kommt es nicht nur auf eine gute praktische Arbeit an, sondern auch darauf, sämtliche Handlungsschritte und ihre Auswirkungen korrekt zu dokumentieren. Im neuen Forschungsprojekt „Evaluation der Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation“ (EvaSIS) werden Qualität und Effizienz eines neuen Begutachtungs- und Dokumentationssystems in der Pflege wissenschaftlich bewertet. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV-S) hat dazu das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI, Karlsruhe) beauftragt. Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Umstellung auf die neue Pflegedokumentation zu gewinnen, die seit Anfang 2015 flächendeckend in Deutschland eingesetzt wird, die Erfahrungen der damit arbeitenden Akteure abzufragen und Empfehlungen zur Optimierung des Dokumentationssystems zu erarbeiten.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte im Jahr 2013 Empfehlungen zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation entwickelt, die in ein Strukturmodell mündeten und 2014 erstmals in der Praxis getestet wurden. Am 1. Januar 2015 begann auf Initiative der Bundesregierung die Einführung der neuen Pflegedokumentation auf Basis dieses Modells. Seitdem haben bundesweit knapp 10.000 Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen auf dieses neue Dokumentationssystem umgestellt. 

Bislang fehlen Erkenntnisse zur Effizienz der neuen Pflegedokumentation, das heißt, ob mit dem neuen System gut und einfach das Wesentliche erfasst werden kann, das außerdem für den Patienten relevant ist. Aus diesem Grund nimmt das Forschungsprojekt EvaSIS eine Qualitätsprüfung vor und untersucht die Auswirkungen der neuen Dokumentation, die aus strukturierter Informationssammlung, Maßnahmenplanung, Pflegeberichten und der Evaluation besteht. Ausgehend vom neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde ein Begutachtungsinstrument zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit entwickelt, womit ein grundlegender Perspektivwechsel im Verständnis von Pflegebedürftigkeit eingeleitet werden soll: Pflegeeinrichtungen sollen den Fokus auf eine umfassende Sicht von Pflege, Betreuung und Entlastung sowie die Stärkung der Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen legen. Im Rahmen des EvaSIS-Projekts wird auch überprüft, ob diese mit der Einführung verbundenen Ziele in der ambulanten und stationären Pflege erreicht wurden, das heißt, ob eine lückenlose Dokumentation bei gleichzeitiger optimaler Versorgung des Patienten erreicht wird. Zusätzlich erfolgt ein Vergleich zu anderen Pflegedokumentationssystemen.

Die Datenerhebung im Rahmen der Qualitätsprüfung greift auf vielfältige Untersuchungs-methoden zurück: So werden im Zeitraum von Oktober 2016 bis Mai 2017 standardisierte Befragungen mit involvierten Akteuren, Interviews mit Pflegekräften und Prüfungsinstanzen wie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und Heimaufsichten sowie Interviews mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen geführt. Darüber hinaus kommen auch Dokumentenanalysen von Pflegeakten zum Einsatz. Die Untersuchung bezieht dabei alle Einrichtungen mit ein, die seit mindestens drei Monaten mit der neuen Pflegedokumentation arbeiten. 

Neben Erkenntnissen zur Umstellung auf die neue Pflegedokumentation und den Erfahrungen der beteiligten Akteure sollen im Projekt EvaSIS auch Handlungsempfehlungen für den Implementierungsprozess und die Weiterentwicklung beziehungsweise Optimierungsmöglichkeiten des Pflegedokumentationssystems entwickelt werden.