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25.11.2013

Internationaler Kongress der Studiengruppe Glykobiologie


Die Studiengruppe Glykobiologie trifft sich vom 24. bis zum 26. November 2013 zu ihrem 24. internationalen Kongress in Wittenberg. Prof. Dr. Rüdiger Horstkorte  (Institut für Physiologische Chemie, Medizinische Fakultät) hat die Veranstaltung, welche in der Leucorea stattfindet, organisiert. Er ist 1. Sprecher dieser Studiengruppe, die Teil der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie ist und mit niederländischen, belgischen und französischen Arbeitsgruppen kooperiert. Gäste werden aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Mexiko, Österreich, Frankreich und Italien erwartet.

In der 1977 gegründeten Studiengruppe Glykobiologie haben sich Mitglieder der GBM zusammengeschlossen, die über Struktur und Funktion komplexer Glykane auf molekularer und zellulärer Ebene arbeiten. Komplexe Glykane stellen posttranslationale Modifikationen von Proteinen dar oder sind Komponenten von Glykolipiden, Lipopolysacchariden, Peptidoglykanen und Proteoglykanen. Man weiß heute, dass komplexe Glykane als primäre Marker der biomolekularen Erkennung fungieren und in Prozesse wie Zellerkennung, Zell-Zell- bzw. Zell-Matrix-Adhäsion, die zelluläre Zielsteuerung von Membranglykoproteinen (N- und O-Glykane), die Qualitätskontrolle von Glykoproteinen im Sekretionsprozess (N-Glykane) involviert sind, aber auch als Modulatoren der Proteinfunktion in nukleocytosolische Steuerungsprozesse (O-GlcNAc) oder über Signaltransduktion (Notch O-Fucosylierung) in die Regulation der Proteinexpression eingreifen. 
 
 Glykokonjugate spielen häufig eine essentielle Rolle bei Abwehr- und Erkennungs- prozessen, die bei der Ausbildung angeborener Immunität und damit im Kontext der Evolution von großer Bedeutung sind und deshalb in der Immunologie (Leukocyten-Rekrutierung am Ort des Entzündungsgeschehens), der Parasitologie, der Virologie (Viruserkennung und Infektion), der Reproduktionsbiologie (Ei-Spermienerkennung) und der Biotechnologie (z.B. als Bestandteil von Heilmitteln oder Vakzinen) zunehmendes Interesse finden. Glykokonjugate greifen tief in lebenswichtige Vorgänge ein, deren Störungen weitreichende Konsequenzen haben. Veränderte Glykanstrukturen sind beteiligt oder Ursache bei einer Reihe von Krankheiten, wie Herz-Kreislauferkrankungen, Tumoren und ihrer Metastasierung, Entzündungsvorgängen, Infektionen durch Pilze oder Bakterien, bei rheumatischen Erkrankungen oder erblichen Glykosylierungskrankheiten (CDG, Congenital Disorder of Glycosylation), wie sie z.B. bei einigen Muskeldystrophien vorliegen.
 
 Technische Hürden machen die Glykobiologie teilweise immer noch zu einem Forschungsfeld für Spezialisten. Neue Techniken in der Synthese komplexer Glykane oder der metabolischen Markierung von Glykanen könnten den Zugang zu diesem Forschungsfeld jedoch ebenso erleichtern wie dies auf analytischer Seite durch die Entwicklung einer leistungsfähigen Massenspektrometrie geschehen ist.
 
 Die Studiengruppe mit derzeit 261 Mitgliedern betrachtet es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Kommunikation unter den Mitgliedern zu fördern und für einen schnellen Austausch von Forschungsergebnissen und technischem know how zu sorgen. Dies geschieht vor allem durch Kleinkonferenzen, Workshops und die jährliche, gemeinsame Tagung mit den niederländischen, französischen und (seit 2005) belgischen Studiengruppen für Glykobiologie. Die internationale Konkurrenzfähigkeit unserer Arbeitsgruppen soll durch die Mitwirkung der Studiengruppe an einer Reihe von regelmäßig stattfindenden Tagungen gesichert werden, wie dem International Symposium on Glycoconjugates, dem European Carbohydrate Symposium (Eurocarb), den Tagungen der Society for Glycobiology oder dem International Carbohydrate Symposium.
 
 Entsprechend dem fachübergreifenden Charakter des Forschungsgebietes werden von der Studiengruppe Wissenschaftler angesprochen, die auf den Feldern der Biochemie, der Zellbiologie, der Kohlenhydrat-Chemie, der Biotechnologie bis hin zur molekularen Medizin tätig sind.

Kursiver Text: Studiengruppe Glykobiologie