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Orchester spielt Böhmische Hirtenmusik

Zwei Konzerte stehen auf dem Weihnachtsprogramm des Orchesters der Medizinischen Fakultät: Am Freitag, 7. Dezember 2012, 19.30 Uhr, in der Konzerthalle Ulrichskirche und am Dienstag, 11. Dezember 2012, 19.30 Uhr, in der Elisabethkapelle (Provinzhaus der Schwestern der Heilgen Elisabeth im Krankenhaus St.Elisabeth und St.Barbara). Dabei handelt es sich um ein Benefizkonzert für den Elisabethtisch. Auf dem Programm steht in beiden Konzerten die Böhmische Hirtenmesse von Jakub Jan Ryba. Neben dem Orchester musizieren Sarah Mengs (Sopran), Konstanze Topfstedt (Alt), Reinaldo Dopp (Tenor) und Tobias Bader (Bass) sowie der Jugendchor der Stadt Halle. Die Gesamtleitung hat Dr. Volker Thäle inne.


Jakub Jan Ryba wurde 1765 nahe Pilsen im südböhmischen Přeštice als Sohn eines Kantors in ärmlichen Verhältnissen geboren. Ein Los, das für diesen Berufszweig typisch war. Frühzeitig erlernte und beherrschte er sowohl mehrere Instrumente als auch Generalbaß und Musiktheorie. Ab 1780 war er Schüler des Prager Piaristengymnasiums, eines Schulordens, der für seine hervorragende fortschrittliche Bildungs – und Erziehungsarbeit bekannt war. Ryba erhielt hier die Grundlagen seiner allumfassenden humanistischen Bildung und pädagogischen Ansichten. Obendrein bot Prag Möglichkeiten, den musikalischen Horizont bezüglich zeitgenössischer und tradierter Musik zu erweitern und Anregungen für eigene Kompositionen zu erhalten. 1786 sehen wir ihn kurzzeitig – ähnlich der Vita Franz Schuberts – als Hilfslehrer in seiner unmittelbaren Heimat. 1788 fand er eine lebenslange Anstellung als Lehrer und Kantor in Rožmitál pod Třemšinem, einer südböhmischen Kleinstadt mit vorwiegend erzbischöflicher Beamtenschaft neben bäuerlicher Bevölkerung. Mit Gewissenhaftigkeit und Eifer versah er seine Ämter. Nebenbei war er kompositorisch tätig. Als Kantor angesehen, enttäuschte ihn bald sein Wirken als Lehrer, da er sich außerstande sah, die von ihm verfochtene josephinische Schulreform verwirklichen zu können. Trotz allen Bemühens vermochte sich Ryba zeit seines Lebens nicht aus den bedrückenden Verhältnissen zu befreien. Ständige Querelen, vor allem um das Ausbleiben seiner Entlohnung, sowie zunehmende Anfeindungen trieben in nach und nach immer mehr in die gesellschaftliche Isolation. Als Konsequenz dieser Misere sah er 1815 nur den Freitod.

Das Orchester der Medizinischen Fakultät (OMF) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde im Januar 1996 gegründet. Bestand es zunächst nur aus einem Doppelquartett, zeugt die schnell zunehmende Zahl der Musiker/Innen von der wachsenden Beliebtheit des Klangkörpers. Inzwischen sind mehr als fünfzig Laienmusiker in ihm vereint. Neben Mitarbeitern und Studenten/Innen der Medizinischen Fakultät finden sich Universitätsangehörige und Studenten/Innen anderer Fakultäten zum gemeinsamen Musizieren. Das Orchester arbeitet ohne finanzielle Unterstützung und trägt sich weitgehend selbst. Nur durch das außergewöhnliche Engagement aller Mitglieder ist in Zeiten eines allgemeinen kulturellen Niedergangs die Erfolgsgeschichte des Ensembles zu erklären. Das Orchestermotto "Freude am Musizieren" wird hier noch wörtlich genommen. Jeglicher kommerzielle Gedanke bleibt unberücksichtigt. Einnahmen aus Konzerten bzw. Spenden werden zu Notenkauf bzw. - leihe, Orchesterausstattung (z.B. Notenpulte) oder zur Finanzierung der Orchesterlager verwendet. Seit einigen Jahren arbeitet das Ensemble eng mit dem halleschen Verein "pro musica e.V."

 

Text: Dr. Volker Thäle