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Geburtstag von Professor Hoffmann jährt sich zum 350. Mal


Friedrich Hoffmann war ein gebürtiger Hallenser. Sein Vater, Friedrich Hoffmann der Ältere, praktizierte als Arzt in Halle und war gleichzeitig Leibmedicus des Administrators des Erzstiftes Magdeburg. Hoffmann besuchte ab 1678 die Universität Jena, wo er bei dem bekannten Iatrochemiker Georg Wolfgang Wedel Medizin studierte. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Erfurt wurde Hoffmann im Jahr 1681 in Jena zum Dr. med. promoviert. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Jena ging Hoffmann als praktischer Arzt nach Minden. Von hier aus begab er sich im Jahr 1683 auf eine Bildungsreise nach Belgien, Holland und England, wo er mit Robert Boyle zusammentraf. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1684 war er zunächst wieder in Minden tätig. Im Jahr 1685 nahm er dort eine Stelle als Garnisonsarzt an, um im Jahr 1687 als Landphysikus nach Halberstadt zu wechseln. Im Jahr 1693 wurde Hoffmann vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. von Preußen, auf die erste Professur für Medizin an der neu gegründeten Universität Halle berufen. Hoffmann las über Anatomie, Chirurgie, Therapie, Physik sowie Chemie und erwies sich als sehr erfolgreicher akademischer Lehrer, der zahlreiche Studenten nach Halle zog. Unter der Leitung von Hoffmann und Georg Ernst Stahl wurde die Hallesche medizinische Fakultät an der Wende zum 18. Jahrhundert zur führenden deutschen Ausbildungsstätte für akademische Ärzte. Im Jahr 1709 berief Friedrich I. Hoffmann als Leibarzt nach Berlin. Intrigen am Hof veranlassten Hoffmann drei Jahre später, den Dienst in Berlin zu quittieren und nach Halle zurückzukehren. Hier lebte und lehrte er (mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 1734, als er nochmals für einige Monate nach Berlin gerufen wurde) bis zu seinem Tod. Hoffmann war achtundvierzigmal Dekan der medizinischen und fünfmal Dekan der philosophischen Fakultät sowie fünfmal Prorektor der Universität. Unter seinem Vorsitz fanden etwa 320 Disputationen statt, von denen er ca. 230 selbst ausgearbeitet hatte. In seinen Hauptwerken, den Fundamenta medicinae (1695), der Medicina rationalis systematica (1718 ff.) und der Medicina consultatoria (1721 ff.), präsentierte sich Hoffmann als konsequenter Vertreter einer medizinischen Richtung, die im Anschluss an Descartes" mechanische Naturphilosophie die Funktionen des menschlichen Körpers ausschließlich mit Grundsätzen der Mechanik zu erklären versuchte. Der menschliche Körper galt als eine kunstvoll zusammengesetzte Maschine, deren einzelnen Bestandteile sich so bewegten, wie es sich aus ihrer Form, Größe, Lage und ihrem Zusammenwirken notwendig ergab. Diese Bewegung - und dabei vor allem die Kreisbewegung des Blutes - war das wichtigste Merkmal des lebendigen Körpers. Leben bedeutete nichts anderes als beständige Bewegung; Stillstand bewirkte Verderbnis und war gleichbedeutend mit dem Tod. Als Ursprung der Bewegung postulierte Hoffmann eine feinstoffliche Substanz, die mit der Atemluft aufgenommen und im Organismus mit einem Teil des Blutes vermischt wurde. Dieser Äther, der an die spiritus der antiken und mittelalterlichen medizinischen Tradition erinnert, sorgte über eine in ihm enthaltene Kraft für die kontinuierlichen Bewegungen des Herzens, die den Blutkreislauf unterhielten. Auch die Bewegung der anderen Muskeln des Körpers beruhte auf einer spiritus-ähnlichen Substanz, einer Nervenflüssigkeit, die im Gehirn gebildet wurde und über die Nerven zu den Muskeln gelangte, um den Bewegungsimpuls zu vermitteln. In umgekehrter Richtung vermittelte die Nervenflüssigkeit Wahrnehmungen als wellenförmige Bewegungen an das Gehirn. Die Existenz einer Seele wurde von Hoffmann - auch aus religiösen Gründen - nicht abgelehnt. Deren Beziehung zu den mechanischen Vorgängen im Körper war in Hoffmanns Augen aber für die Theorie der Medizin und für die praktische Tätigkeit des Arztes ohne Bedeutung. Krankheiten fasste Hoffmann als Störungen in den normalen Bewegungen der festen und flüssigen Teile des Körpers auf. Aufgabe des Arztes war es demzufolge, dem Organismus zu einer Normalisierung der Bewegungsabläufe zu verhelfen. Hoffmanns Therapie war zurückhaltend und mild: Im Wesentlichen bestand sie in diätetischen Maßnahmen und in der Verschreibung einfacher Medikamente. Als "Hoffmannstropfen" sehr bekannt geworden ist das von Hoffmann entwickelte und verkaufte Schmerzmittel, der so genannte Liquor anodynus mineralis. Text: PD Dr. Jürgen Helm, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin