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Schnittstellen geriatrischer Versorgung – PZG stellte Forschungsergebnisse vor


In Europa könnte ein Viertel aller Einweisungen in Pflegeheime von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, vermieden werden. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie mehrerer Universitäten, die durch Prof. Dr. Gabriele Meyer (Direktorin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft) geleitet wurde und im Rahmen eines Teilsymposiums des internationalen Alterskongresses „Stress und Alter – Chancen und Risiken“ in Halle vorgestellt wurde.  Unter dem Titel „Stress an den Schnittstellen geriatrischer Versorgung“ präsentierten fünf Experten/innen des Profilzentrums für Gesundheitswissenschaften (PZG) der halleschen Medizinischen Fakultät am Mittwoch, 24. September 2014, Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten im Hinblick auf unterschiedliche Aspekte der Gesundheitsversorgung älterer Menschen.

Eine der Herausforderungen an das Gesundheitssystem ist die steigende Zahl der an Demenz erkrankten Menschen. Durch den verstärkten Einsatz ambulanter Pflegedienste könnte ein Viertel der Betroffenen weiterhin zu Hause betreut werden. Über vier Jahre hinweg haben Wissenschaftler aus acht Ländern im Rahmen eines EU-Projektes etwa 2000 Erkrankte und deren Angehörige befragt. „Viele Betroffene hätten durchaus in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben können“, erklärt Frau Prof. Meyer. Dies hätte zudem auch einen ökonomischen Nutzen, denn eine Heimunterbringung ist deutlich kostenintensiver als die Betreuung zu Hause. Durch Einsparungen könnte die Qualität der Versorgung deutlich verbessert werden. Insgesamt habe die Studie eine große Bandbreite in der Versorgungsqualität aufgezeigt und dass Pflegende im häuslichen Umfeld deutlich stärker als in einem Pflegeheim belastet sind.

Über die Schnittstellenproblematik in einer Hausarzt-Praxis sprach Prof. Dr. Andreas Klement (Sektion Allgemeinmedizin). Anhand eines Falles zeigte er die Versorgungsproblematik auf Grund unterschiedlicher Interessen, Ansprüche und Aufgaben von Patienten, Angehörigen, Hausärzten, Krankenhäusern, Pflegediensten sowie Kranken- und Pflegekassen auf. Daraus erwuchsen mehrere Forschungsprojekte, die unter anderem der besseren Versorgung von Diabetes-Patienten dienen sollen. 

Jeanette Korbanek (Leiterin des Zentralen Dienstes Patienten- und Belegungsmanagement) referierte über die Installierung eines zentralen Entlassungsmanagements im Universitätsklinikum Halle (Saale). Alle Patienten bezogenen Dienstleistungen sind in einem zentralen Dienst gebündelt worden, um Versorgungsbrüche zu vermeiden. Ziele seien zudem eine kürzere Verweildauer, die Vermeidung des Drehtüreffektes und eine bessere Planbarkeit für Patienten, Angehörige, niedergelassene Ärzte und die Pflegedienste.

Dass sich Patient/innen mit einer Rheuma-Erkrankung mehr Angebote im Bereich der sozialen Teilhabe wünschen, konnte Anja Thyrolf an Hand einer Studie des Instituts für Rehabilitationsmedizin im Auftrag der Deutschen Rheumaliga belegen. Besonders im Bereich der Bewegungsangebote für Ergo- und Entspannungstherapie fehlten entsprechende Angebote oder waren nur schlecht zu erreichen. Außerdem wünschten sich die Befragten eine bessere Aufklärung über die unterschiedlichen Versorgungsangebote durch ihre behandelnden Ärzte. Mehr als die Hälfte der befragten Patient/innen kannten die Rheumaliga beispielsweise nicht.

Die Ergebnisse eines Teilbereichs der CARLA-Studie stellte Dr. Maria Elena Lacruz de Diego (Institut für Klinische Epidemiologie) vor. Sie berichtete über die Ergebnisse im Bezug auf den Zusammenhang zwischen "Feindseligkeit" und dem physischen Zustand. Teilnehmer mit Hypertonie, Diabetes, Bronchitis und selbsteingeschätzten, reduzierten Gesundheitszustand hatten einen leicht erhöhten Score im Bezug auf "Feindseligkeit", bei anderen Erkrankungen gab es diese Erhöhung nicht zu verzeichnen. 

Mit dem Profilzentrums Gesundheitswissenschaften (PZG) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat sich erstmalig in Deutschland ein breiter thematischer Verbund zur gesundheitswissenschaftlichen Forschung und Lehre an einer Medizinischen Fakultät gegründet. Das PZG ist eine dynamische Forschungs-, Lehr- und Fortbildungseinrichtung zur Verbesserung der Gesundheit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Das Zentrum ist einem umfassenden Ansatz von Public Health verpflichtet und führt die über die einzelnen Einrichtungen verteilten Kompetenzen systematisch zusammen. Das PZG bringt Forscher/Innen und Praktiker/Innen u. a. mit Expertise in den Bereichen Allgemein- und Arbeitsmedizin, Biometrie, Epidemiologie, Geschichte und Ethik, Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Medizinische Soziologie und Rehabilitationsmedizin zusammen. Damit wird eine Stärkung der interdisziplinären und institutsübergreifenden Zusammenarbeit in den Gesundheitswissenschaften erreicht. 14 Institute und weitere Einrichtungen der Medizinischen Fakultät wollen damit einen Beitrag zu den zentralen Herausforderungen unseres Gesundheitssystems im 21. Jahrhundert leisten.