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Filmreihe "eMERgency in Cinema": „Nebel im August“ steht auf dem Spielplan


Die Filmreihe "eMERgency in Cinema - Medizin, Ethik & Recht im Film" findet am Mittwoch, 5. Juli 2017 2017, um 18 Uhr eine Fortsetzung. Im LuchsKino wird der Film „Nebel im August“ gezeigt. Der Beitrag ist der letzte Film aus dieser Reihe im Sommersemester.

„Nebel im August" erzählt von Ernst Lossa, der 1942 mit 13 Jahren als schwer erziehbar in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee eingewiesen wurde. Er wurde dort am 9. August 1944 im Alter von 14 Jahren ermordet. 

Im Film wird er nach anfänglichem Widerstand gegen die Behandlung in der Heilanstalt Helfer des Hausmeisters Witt und durchschaut zunehmend die perfide Grausamkeit, die hinter der scheinbaren Menschlichkeit des Anstaltsleiters Dr. Veithausen steckt. Ernst versucht, den anderen Kindern der Anstalt zu helfen, und hofft für sich selbst, dass eines Tages sein Vater kommt und ihn abholt. Als er aber zunehmend mit der Mordpraxis in der Anstalt konfrontiert wird, beschimpft er Dr. Veithausen als Mörder und Lügner. 

Der Film sucht die Auseinandersetzung mit einem nach wie vor unzureichend aufgearbeiteten Thema: die Euthanasie an (vermeintlich) psychisch kranken und behinderten Menschen im Nationalsozialismus. Dabei blitzt immer wieder das menschenverachtende Vokabular der Täter auf, das stärker als jede Erklärung die Unmenschlichkeit des Mordens verdeutlicht. 

Als Expertin konnte apl. Prof. Dr. Maike Rotzoll gewonnen werden. Sie ist Medizinhistorikerin und Fachärztin für Psychiatrie sowie Kommissarische Leiterin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie forscht insbesondere zu medizinhistorischen Fragen der Psychiatrie mit Schwerpunkten zur Psychiatrie in der NS-Zeit und der Psychiatriereform.

Die Filmreihe bietet Gelegenheit, sich anhand der Darstellung verschiedener Themenfelder innerhalb von Spielfilmen, ethischen und rechtlichen Fragen zu widmen, die immer wieder eine wichtige Rolle in klinischer Praxis und medizinischer Forschung spielen. Betroffen davon sind nicht nur einzelne Patienten; medizinische Entwicklungen und die sich daraus ergebenden Kontexte im Zusammenspiel mit Ethik und Recht haben Einfluss auf unsere gesamte Gesellschaft. Insofern werden die im Spannungsfeld der drei Disziplinen aufgeworfenen Aspekte sehr kontrovers diskutiert. 

"eMERgency in Cinema" nimmt die Darstellung dieser Fragestellungen im Kontext der Medizin im Spielfilm in den Blick und spannt einen Bogen von ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen des Klonens, der Sterbehilfe, der Patient-Arzt-Beziehung und der Betreuung von Demenzpatienten bis hin zu historischen Hintergründen aktueller Debatten. Jeder Film wird durch eine kurze Einführung und eine anschließende Diskussion begleitet, für die Expert/Innen und Praktiker/Innen aus Medizin, Ethik und Recht gewonnen werden konnten.

Organisiert wird die Reihe durch das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin und dem Interdisziplinären Wissenschaftlichen Zentrum Medizin‐Ethik‐Recht der Martin‐Luther‐Universität Halle‐Wittenberg sowie dem Verein meris e. V..