Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Individuell – Interdisziplinär - Sicher

Seit Anfang diesen Jahres hat die Chirurgische Klinik einen neuen Namen: Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie. Der Name beschreibt inhaltlich die drei Schwerpunkte der Klinik: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie und Endokrine Chirurgie, und strukturell die Organisation der Klinik. Die Bereiche Gefäß- und Endokrine Chirurgie werden fachlich eigenständig geleitet.  Die zunehmende Spezialisierung der Medizin und insbesondere der chirurgischen Behandlung erfordert die Bildung von Schwerpunktbereichen, die in zunehmender Eigenverantwortung geführt und weiterentwickelt werden. Dies soll die chirurgische Versorgung im jeweiligen Schwerpunkt auf höchstem fachlichem Niveau sicherstellen.

Die Interdisziplinarität der Patientenbehandlung ist ein weiterer entscheidender Punkt. Ohne die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen und ohne enge Abstimmung mit den Kollegen der diagnostischen, internistischen und operativen Abteilungen, ist eine moderne patienten-orientierte Chirurgie nicht erfolgreich.

 

In der Viszeralchirurgie, insbesondere in der onkologischen Viszeralchirurgie hat es in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte gegeben, die an einigen Beispielen kurz erläutert werden. 

 

Pankreas: Das Pankreaskarzinom hat nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, und die meisten Patienten sind keine Kandidaten für eine operative Therapie. Mit Hilfe moderner präoperativer/neoadjuvanter Therapiekonzepte und mit einer Ausweitung chirurgischer Strategien, die auch Gefäßresektionen und multiviszerale Operationen beinhalten, gelingt es heutzutage jedoch immer häufiger, Patienten mit initial lokal nicht resektablen Tumoren einer potentiell kurativen Operation zuzuführen. Zusammen mit modernen adjuvanten Therapiestrategien haben sich die Überlebensraten nach Resektion eines Pankreaskarzinoms in den letzten Jahren verdoppelt. 

 

Leber/Gallenwege: Auch die Leberchirurgie hat sich weiterentwickelt, sowohl in der Therapie der häufigeren Lebermetastasen als auch von primären Lebertumoren. Die Chirurgie ist dabei eingebettet in moderne multimodale Therapiekonzepte - denn wie auch beim Pankreaskarzinom ist Chirurgie alleine häufig nicht genug. Primärtumore oder Metastasen, die früher als nicht resektabel galten, können heute vielfach erfolgreich reseziert werden. Leberhypertrophie-Induktion durch Verschluss der Pfortader ist eine gängige Methode. Zweizeitige Verfahren wie die „in-situ Split“ Leberresektion ist ein neues Verfahren, dass ausgedehnte Resektion von Tumorbefallenen Lebersegmenten erlaubt. Parenchym-schonende anatomisch orientierende Resektionsverfahren (auch zentrale Resektionen) gehören zum Standard der modernen Leberchirurgie. 

 

Magen und Ösophagus: Stadien-abhängige interdisziplinäre Therapiekonzepte sind hier ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Bei Frühkarzinomen reicht das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten von endoskopischen Resektionverfahren zu organ-erhaltenden Resektionen (z.B. die sogenannte Merendino Operation bei Frühkarzinomen des gastro-ösophagealen Überganges). Bei fortgeschrittenen Karzinomen ist vielfach eine Kombination aus moderner Chemotherapie mit aggressiver Chirurgie, ggf. mit Multiviszeralresektionen oder auch experimentellen Verfahren wir hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC) notwendig; letztere solle aber nur unter Studienbedingungen durchgeführt werden.

 

Kolon und Rektum: Insbesondere in der kolorektalen Chirurgie sind minimal-invasive Verfahren heutzutage Standard, da sie Vorteile für die Patienten bieten und onkologisch zumindest gleichwertige Ergebnisse liefern. Fortschritte in der Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie von tiefsitzenden Rektumkarzinomen haben dazu geführt, dass diese Tumore heute häufig Sphinkter-erhaltend operiert werden können; der permanente künstliche Darmausgang kann vielfach vermieden werden. 

 

Viele Eingriffe -auch in der onkologischen Viszeralchirurgie- können heute minimal-invasiv durchgeführt werden. Allerdings ist die Sicherheit der Patienten entscheidend. Chirurgie muss so sicher und komplikationsarm wie möglich sein. Manche Eingriffe sollten auch heutzutage noch offen durchgeführt werden, wenn das minimal-invasive Verfahren nicht besser oder zumindest gleichwertig ist.