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Geschichte der Klinik

 

 

Die Hallesche Psychiatrische und Nervenklinik am Standort Julius-Kühn-Straße wurde am 29.4.1891 durch Eduard Hitzig (1838-1907) eingeweiht. Bevor Hitzig dem Ruf nach Halle folgte war er Direktor der Irrenanstalt Burghölzli in Zürich. Hitzig leitete die Klinik bis 1903. Er ist bekannt für die von ihm zusammen mit Gustav Fritsch durchgeführten experimentellen Arbeiten über die Auslösbarkeit von Bewegungen kontralateraler Extremitäten durch elektrische Reizung der Hirnrinde. Hierdurch wurde zum ersten Mal die Existenz des motorischen Kortex nachgewiesen. Zudem erlangte seine Monographie "Der Schwindel" große Bedeutung.

Von 1903-1904 leitete Theodor Ziehen die Hallesche Nervenklinik. Neben vielen anderen Interessengebieten vorwiegend auf dem Gebiet der Psychiatrie beschäftigte er sich auch mit der vergleichenden Anatomie des Kleinhirns bei Primaten.  

1904 übernahm Carl Wernicke (1848-1905) die Leitung der Nervenklinik. Er war zuvor seit 1890 Ordinarius für Psychiatrie in Breslau und wegen seiner hirnphysiologischen Arbeiten bekannt. So hatte er das nach ihm benannte Sprachzentrum und die hemianoptische Pupillenreaktion beschrieben. 

 

 

 

Nach dem tödlichen Unfall Wernickes wirkte sein Nachfolger Gabriel Anton (1858-1933) bis 1926 als Direktor der Klinik. Zusammen mit dem Chirurgen von Bramann entwicklte er die Balkenstich-Operation, die eine Form der Ventrikeldrainage darstellt. Die von ihm beschriebene visualle Anosognosie wird noch heute als Anton-Syndrom bezeichnet. Nachfolger von Anton auf dem Lehrstuhl für Psychiatrie und Nervenheilkunde an der Universität Halle wurde 1926 Alfred Hauptmann.

Alfred Hauptmann wurde am 29.August 1881 in Gleiwitz geboren. Er wuchs in einem jüdisch-bürgerlichen Elterhaus auf und studierte Medizin in Heidelberg und München. Er arbeitete anfangs bei Wilhelm Erb in Heidelberg und später bei Max Nonne in Hamburg sowie bei Alfred Hoche in Freiburg. Zu dieser Zeit veröffentlichte er auch seine bekannteste Arbeit „Luminal bei Epilepsie“. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch Hauptmann Ziel antisemitischer Ausgrenzungen und Angriffe. Es erfolgte am 31.12.1935 im Zuge des Reichsbürgergesetztes, welches es jüdischen Bürgern nicht gestattete weiterhin als Ärzte zu arbeiten, die Versetzung in den Ruhestand. Am 9. November 1938 wurde  er im KZ Dachau inhaftiert.  Im Anschluss an seine Entlassung 1939 emigrierte er in die USA. Hier beschrieb er 1941 zusammen mit einem anderen Emigranten, Siegfried J. Thannhauser eine autosomal-dominante Myopathie, die später nach beiden benannte wurde. Er starb am 5. April 1948 in Boston.

1935-1936 wurde die Klinik kommissarisch von Karl Pönitz geleitet. Sein Nachfolger war bis 1939 Paul Hilpert. Im Jahre 1939 übernahm Fritz Flügel die Leitung der Klinik. Er ist mit der Entwicklung der Pneumenzephalographie in Deutschland hervorgetreten. Flügel verließ 1949 Halle. Später wurde er Ordinarius in Erlangen.  

1950-1558 wurde die Universitätsnervenklinik wiederum von Karl Pönitz geleitet, der überwiegend auf psychiatrischem Gebiet forschte. Unter Helmut Rennert, der die Klinik von 1958-1983 führte, begann die Etablierung der Neurologie als selbständige Fachdisziplin innerhalb der Nervenklinik. Die Leitung der Neurologischen Abteilung übertrug 1970 er seinem langjährigen Mitarbeiter Rudolf M. Schmidt. Schmidt wurde durch seine Monographien zum Liquor cerebrospinalis und zur Multiplen Sklerose bekannt. Rudolf M. Schmidt verstarb 2015.

Mit der Gründung einer eigenen Klinik für Neurologie im Jahre 1993 wurde auch in Halle die Verselbständigung der Neurologie vollzogen. Seit 1994 wird die Neurologische Klinik und Poliklinik, die sich jetzt im Standort Kröllwitz befindet, von Stephan Zierz geleitet.