Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Optimierung der Reha-Überleitung onkologischer Patienten in der akutstationären Versorgung

Kurztitel 

 

OPTIREHA 

 

Förderung

  • Wilhelm-Roux-Programm FKZ: 27/11 

Förderzeitraum

  • 11/2013-10/2014

Projektleitung 

  • Administrative Projektleitung: Dr. rer. medic. Patrick Jahn (Dipl. PGW), Leiter Pflegeforschung und Entwicklung, Universitätsklinikum Halle
  • Wissenschaftliche Koordination: Dr. med. Heike Schmidt 

 Mitarbeiter:

  • Dr. med. Heike Schmidt 
  • Dipl. PGW Katrin Beutner

 

Hintergrund: Das Ziel der onkologischen Anschlussrehabilitation besteht in einer Reduktion krankheits- und behandlungsbedingter Symptome und Funktionseinschränkungen sowie beruflicher und sozialer Reintegration. Aktuelle Studien und eigene Vorarbeiten zeigen Schnittstellenprobleme zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation, die möglicherweise eine optimale Nutzung des Rehabilitationspotentials einschränken (Assmann et al., 2012, Schmidt et al. 2014). Es gibt Hinweise für Optimierungsbedarf bezüglich der frühzeitigen Identifikation geeigneter Patienten, der Erfassung und Dokumentation Reha-relevanter Befunde und deren Weiterleitung an die Rehabilitationsklinik sowie der Information von Patienten über Ziele und Methoden der onkologischen Rehabilitation (Schmidt et al. 2014). 

Methode: Im Rahmen einer Pilotstudie (OPTIREHA) wurde an 2 Zentren der Prozess der Überleitung mittels einer stichprobenartigen Analyse relevanter Patientenakten (n=12) (Arztberichte, Pflegeanamnese, Antragstellung und pflegerische Überleitung) und strukturierter Befragung der beteiligten Berufsgruppen (n=15) untersucht. Vorschläge und Materialien zur Optimierung der Überleitung onkologischer Patienten aus der Akutbehandlung in die Anschlussrehabilitation wurden erarbeitet, mittels Expertenkonsens (Delphiverfahren) konsentiert und an 4 Zentren pilotiert.

Ergebnisse: Die erarbeiteten Vorschläge betreffen die Identifikation und Information geeigneter Patienten, die systematische Erfassung des Reha-Bedarfs durch die beteiligten Berufsgruppen sowie die Weiterleitung Reha-relevanter Befunde. Mit dem Ziel der frühzeitigen Identifikation geeigneter Patienten wird vorgeschlagen, die Rehabilitation als Teil des onkologischen Gesamtbehandlungskonzeptes bereits in der Tumorkonferenz anzusprechen. Um die Information der Patienten über Ziele und Methoden der Rehabilitation durch die beteiligten Berufsgruppen zu unterstützen, wurde auf der Basis einer bestehenden Informationsbroschüre (Höder & Deck 2014, Höder 2014) patientengerechtes Informationsmaterial für die onkologische Rehabilitation entwickelt. Für die systematische Erfassung von Informationen, die zur Einschätzung des Reha-Bedarfs und der Reha-Fähigkeit dienen können, wurde ein ICF-orientierter Überleitungsbogen zur weiteren poststationären Versorgung entwickelt. Dieser Bogen bietet die Möglichkeit der systematischen Erfassung und Dokumentation Reha-relevanter Aspekte einschließlich Barthel-Index, besonderen Pflegebedarfen und „Roten Fahnen“ zur Kennzeichnung kritischer medizinischer Zustände, die eine direkte Rücksprache mit der Rehaklinik erfordern. Zusätzlich bietet der Bogen die Möglichkeit, Informationen zu besonderen Belastungen, Krankheits-oder Behandlungsfolgen, zur psychischen, sozialen, familiären, beruflichen und finanziellen Situation und zu diesbezüglichen patientenbezogenen Ressourcen und Barrieren zu dokumentieren. Der Bogen wird primär von Pflegekräften ausgefüllt, kann aber auch zur interdisziplinären Dokumentation und Informationsweitergabe im onkologischen Team genutzt werden. Die Informationen können für die Antragstellung verwendet werden und sollten an die nachbehandelnde Rehabilitationsklinik weitergeleitet werden. Die Pilottestung dieser Materialien erfolgte an 4 Zentren (n=18 Überleitungsbögen). Die Bearbeitungszeit des Überleitungsbogens wurde mit min. 5 Minuten (ein Durchgang, eine Pflegekraft) und max. 15 Minuten (mehrere Durchgänge, mehrere Personen) angegeben. Rückmeldungen der beteiligten Berufsgruppen (Pflege und Psychoonkologie) sowie der Rehabilitationskliniken bezüglich Anwendbarkeit und potentiellem Nutzen waren positiv.

Diskussion: Bereits die Vorabbefragung (Schmidt et al. 2014) zeigte deutliche Unterschiede der Dokumentationsstandards und der Qualität der Informationsweiterleitung zwischen einzelnen Akutkliniken. Daher sind auch die Ergebnisse der Prozessanalyse aufgrund der kleinen Stichprobe nicht zu verallgemeinern, sondern dienen als Hinweise für Optimierungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse der Pilotierung sind ebenfalls aufgrund der kleinen Stickprobe nicht zu verallgemeinern, zeigen jedoch die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der entwickelten Materialien. 

Schlussfolgerungen: Die Einbeziehung und gute Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen ist wesentlich, um eine Verbesserung des Prozesses zu erreichen. Während durch räumliche Nähe kooperierender Kliniken unterstützte Konzepte wie ärztliche und pflegerische Reha-Konsile durch den direkten Kontakt eine optimale Informationsweitergabe gewährleisten, stellt der Überleitungsbogen zur weiteren poststationären Versorgung eine einfache Alternative dar, deren Nutzen in weiteren klinischen Studien geprüft werden sollte.

 

Klinische Partner:

  • Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Innere Medizin1
  • Universitätsklinikum Halle, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
  • Universitätsklinikum Halle, Klinik für Strahlentherapie
  • Universitätsklinikum Halle, Klinik für Innere Medizin IV

Wissenschaftlicher Beirat und Experten des Delphi Panels:

 

Prof. Dr. med. Wilfried Mau, Direktor des Instituts für Rehabilitationsmedizin, MLU Halle, Prof. Dr. med. Oliver Rick, Chefarzt der Klinik Reinhardshöhe Bad Wildungen, Sprecher der Arbeitsgruppe Onkologische Rehabilitation der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), PD Dr. med. Ulf Seifart, Chefarzt der Klinik Sonnenblick Marburg, Vorsitzender des Arbeitskreises Onkologische Rehabilitation der DGHO, PD. Dr. med. Thomas Beinert, Paracelsus Klinik am See, Bad Gandersheim, Prof. Dr. med. Wolfgang Wagner, Medizinisches Versorgungszentrum für Strahlentherapie, Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Osnabrück, Prof. Dr. med. Hans Helge Bartsch, Ärztlicher Direkt der Klinik für Tumorbiologie Freiburg, Kerstin Paradies, Vorstandssprecherin der Konferenz onkologischer Kranken- und Kinderkranken-pflege (KOK) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., Dipl. Med.-Inf. Anke Wittrich, stellvertretene Geschäftsführerin des Bundesverbandes Geriatrie (BVG), Simone Pareigis-Hoppe, Selbsthilfegruppe Leukämie- und Lymphompatienten, Halle, Arbeitskreis Rehabilitation und Sozialmedizin der SAKG, Sven Weise, Geschäftsführer der Sachen-Anhaltischen Krebsgesellschaft (SAKG), Dipl. PGW Jan Richter, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannstrost Halle, Stabstelle Qualitätsmanagement

Prof. Dr. med. Wolfgang Wagner, Medizinisches Versorgungszentrum für Strahlentherapie, Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Osnabrück

 

Literatur:

 

Assmann, C., Iseringhausen, O., Schott, T. & Staender, J. (2012). Übergänge gestalten! Patientenorientierung und vernetzte Versorgung zwischen den Sektoren. In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 21. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium vom 5. bis 7. März 2012 in Hamburg. Rehabilitation: Flexible Antworten auf neue Herausforderungen. DRV-Schriftenband 98 (S. 152-153).

Höder, J., Deck, R. (2014) Vorbereitung auf die Reha: Auswirkungen leichtverständlicher Informationen In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium 10.-12. März 2014 in Karlsruhe. Rehabilitationsforschung Arbeit Gesundheit Rehabilitation (S. 231-232). DRV-Schriftenband 103 (S 410-412). 

Höder, J, So geht Reha Informationen für den Reha-Erfolg, Gefördert von der Deutschen Rentenversicherung Bund.http://www.forschung-patientenorientierung.de/files/broschuere_so-geht-reha.pdf

Schmidt, H., Abraham, J., Landenberger, M., Jahn, P. (2014) Überleitung onkologischer Patienten aus der akutstationären Behandlung in die Anschlussrehabilitation: Erste Ergebnisse einer Befragung deutscher Rehabilitationskliniken In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium 10.-12. März 2014 in Karlsruhe. Rehabilitationsforschung Arbeit Gesundheit Rehabilitation. DRV-Schriftenband 103 (S 410-412).

Ergebnisse:

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Ergebnisse der OPTIREHA Studie in der Zeitschrift GMS Onkologische Rehabilitation und Sozialmedizin unter 

www.egms.de/de/journals/ors/2016-5/ors000028.shtml veröffentlicht wurden.