Stammzelltransplantation
In unserem Zentrum werden sowohl autologe als auch allogene Blutstammzelltransplantationen durchgeführt.
Bei der autologen Transplantation sind Spender und Empfänger die gleiche Person. Ziel ist es, eine hochdosierte Chemotherapie zur Behandlung der Erkrankung zu geben. Durch die hohe Dosis würden die Blutbildung und damit auch die Infektabwehr für lange Zeit lebensbedrohlich geschädigt. Um diese Gefahren zu vermeiden werden eigene (autologe) Blutstammzellen vor der Hochdosischemotherapie vom Patienten gewonnen und nach der Hochdosischemotherapie wieder zurückgegeben. Das Knochenmark kann sich nun schnell erholen, die Gefahren der Infektion werden deutlich geringer. Durch diese Methode können bösartige Erkrankungen effektiv mit hohen Dosen an Chemotherapie behandelt und teilweise geheilt werden.
Die Abnahme der autologen Blutstammzellen verläuft ähnlich wie eine Blutspende. Damit die Stammzellen im Blut abgesammelt werden können, ist eine Vorbehandlung mit einem Wachstumsfaktor, der in die Haut gespritzt wird notwendig. Die gewonnenen Stammzellen werden im Anschluss in flüssigen Stickstoff eingelagert.
Beispiele von Erkrankungen bei denen die autologe Stammzelltransplantation bei uns angewendet wird:
- Multiples Myelom
- Maligne Lymphome
- Hodenkarzinom
Nach der autologen Transplantation erfolgt Ihre Betreuung entweder in unserer von Dr. L. Müller geleiteten Spezialambulanz oder aber bei Ihrem Haus-Onkologen. Hier werden regelmäßig, zunächst alle 1 – 2 Wochen Blutwerte und Infektionszeichen überprüft. Sofern keine Komplikationen oder ein Rezidiv der Erkrankung auftreten, können die Intervalle der Vorstellungen verlängert werden. Verläuft all dies komplikationslos müssen Sie ab dem 2. Jahr nach Transplantation nur noch einmal im Jahr in unserer Ambulanz kontrolliert werden. Daneben übernimmt nun der Hausarzt einen Teil der Betreuung, z. B. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen.
Bei der allogenen Transplantation sind Spender und Empfänger verschiedene Personen. Ziel ist hier vor allem, eine Reaktion der Zellen des Spenders gegen die Tumorerkrankung des Empfängers auszunutzen. Aus den Blutstammzellen des Spenders entwickeln sich Immunzellen. Diese erkennen die Zellen des Empfängers als fremd. Hieraus kann eine Komplikation der allogenen Transplantation entstehen – die Transplantat-gegen-Wirt Reaktion, auch als Graft-versus-Host-Disease (GvHD) bezeichnet. Die Immunzellen richten sich aber auch gegen die noch im Körper befindlichen Tumorzellen des Empfängers. Dieser Effekt wird als Transplantat-gegen-Leukämie oder Graft versus Leukemia (GvL) bezeichnet. Der GvL-Effekt ist das wesentliche Prinzip der allogenen Transplantation mit der eine Heilung bei verschiedenen Erkrankungen, insbesondere Leukämien, angestrebt wird.
Die Blutstammzellen werden von Spendern gewonnen, die ein ähnliches genetisches Muster wie der Patient, d. h. der Empfänger, besitzen. In Frage kommen hier in erster Linie Geschwister des Patienten. Hierfür wird dem Patienten und den Geschwistern Blut abgenommen und es werden die Gewebemerkmale getestet. Weiterhin wird untersucht, dass keine anderen medizinischen Gründe gegen eine Blutstammzellspende durch den Bruder oder Schwester des Patienten sprechen. Sofern sich keine geeigneten Geschwister finden kann durch Anfrage an die großen Stammzellregister in Deutschland ein Spender in Deutschland oder im Ausland gesucht werden. Der fremde Spender bleibt für den Patienten anonym.
Zumeist werden die Stammzellen dann vom Spender nach einer Vorbehandlung mit Wachstumsfaktoren direkt aus dem Blut entnommen, ähnlich einer Blutspende. Die Punktion eines Knochens zur Gewinnung von Knochenmark ist kaum mehr nötig. Die Stammzellen werden dann wie eine Bluttransfusion dem Empfänger gegeben.
Vor der Transplantation wird der Patient behandelt um die Funktion des Knochenmark und des Immunsystems des Patienten zu unterdrücken und damit das Anwachsen der Zellen des Spenders zu ermöglichen. Hierbei kommen Chemotherapie, Bestrahlung und Antikörper zum Einsatz.
Nach der Transplantation muss das Immunsystem weiterhin mit Medikamenten unterdrückt werden. Hierdurch wird zunächst eine Abstoßung der Zellen des Spenders verhindert. Später – bis zu 180 Tage nach Transplantation – hilft diese Medikation das Auftreten einer GvHD zu verhindern.
Beispiele von Krankheitsbildern bei denen die allogene Transplantation bei uns angewendet wird sind:
- Leukämie (Blutkrebs)
- Multiples Myelom (Krebs der Plasmazellen mit Befall von Kochen)
- Maligne Lymphome (Lymphdrüsenkrebs)
Nach der allogenen Transplantation erfolgt Ihre Betreuung zunächst in unserer von Dr. L. Müller geleiteten Spezialambulanz. Hier werden regelmäßig, zunächst alle 1 – 2 Wochen Blutwerte, Infektionszeichen und die Spiegel der immunsuppressiven Medikamente überprüft. Ebenfalls werden das Anwachsen der Spenderzellen und die Heilung Ihrer Erkrankung regelmäßig überprüft. Sofern keine Komplikationen oder ein Rezidiv der Erkrankung auftreten, können die Intervalle der Vorstellungen verlängert werden. Die Medikamente zur Immunsuppression werden reduziert und schließlich abgesetzt. Verläuft all dies komplikationslos, müssen Sie ab dem 2. Jahr nach Transplantation nur noch alle 3 bis 6 Monate in unserer Ambulanz kontrolliert werden. Daneben übernimmt nun der Hausarzt einen Teil der Betreuung, z. B. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen.
Risiken der Transplantation und notwendige Verhaltensmaßregeln
Sofern eine Transplantation bei Ihnen geplant ist, haben Sie möglicherweise schon erste Informationen enthalten und wissen, dass eine Transplantation leider auch mit Risiken einhergeht.
Die Transplantation erfolgt mit dem Ziel Sie zu heilen. In allen Fällen stellt sie die beste Möglichkeit zur Heilung dar, in vielen Fällen sogar die einzige. Hierfür müssen leider Risiken in Kauf genommen werden. Einige von diesen sind potentiell lebensbedrohlich.
Das Hauptrisiko sowohl bei autologer als auch bei allogener Transplantation besteht im Auftreten von Infektionen. Trotz Transplantation der Blutstammzellen ist für eine bestimmte Dauer Ihr Immunsystem nahezu funktionslos. Wir schützen Sie durch unsere isolierte Station, die über ein spezielles Luftreinigungssystem verfügt. Dies bedingt leider auch, dass Fenster auf der Station nicht geöffnet werden können. Sie sollten sich an bestimmte Verhaltensmaßregeln halten, die wir in unserer Patientenbroschüre[NK1] detailliert dargestellt haben.
Weiterhin überwachen wir durch die Untersuchung und durch Labortests regelmäßig das Auftreten von Infektzeichen. Sofern sich diese finden, erfolgen weitere Untersuchungen, wie z. B. Computertomographie, Gewinnung von Blutkulturen. Um die Infektion zu beseitigen, erhalten Sie frühzeitig Antibiotika.
Bei der allogenen Transplantation ist das Risiko der Infektion zusätzlich durch die Gabe von Immunsuppressiva nach Transplantation erhöht und besteht länger.
Weitere Nebenwirkungen birgt die Behandlung mit Chemotherapeutika vor der Transplantation. Die Art und Dosis der Medikamente sowie schützende Maßnahmen werden individuell an Ihre Situation angepasst, um diese Risiken gering zu halten. Dennoch kann es zu Organschäden kommen, z. B. an Herz, Niere und Leber. Auch hier dienen regelmäßige Untersuchungen dazu, diese Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wir werden alle diese Risiken mit Ihnen ausführlich besprechen und auch während der Behandlung Ihnen offen und ehrlich über den Stand Ihrer Erkrankung und der Komplikationen Auskunft geben. Die an unserem Zentrum tätigen Mediziner und Pflegenden verfügen über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Transplantationen. Seien Sie versichert, dass wir Sie in dieser Phase Ihrer Behandlung mit all unserem Wissen, Können und Hilfe betreuen.
