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Mitraclip

Die Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz hat in den letzten Jahren durch technischen Fortschritt und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine deutliche Weiterentwicklung erfahren. Die Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Therapie von Insuffizienzen degenerierter bzw. destruierter Mitralklappen sind eindeutig. Bei dieser primären, valvulären Form der Insuffizienz ist derzeit die operative Therapie - möglichst eine Rekonstruktion mit Erhalt der Klappe - angezeigt.

Ein Großteil der Patienten leidet jedoch an einer sekundären, sog. funktionellen Insuffizienz der Mitralklappe, welche Folge einer Dilatation des linken Ventrikels bei Herzinsuffizienz ist. Sind hier die medikamentösen und gerätebasierten Therapien zur Behandlung der Herzinsuffizienz ausgeschöpft, konnte diesen Patienten lange nicht geholfen werden. Eine Operation der Herzklappe (Rekonstruktion oder Ersatz) bessert zwar die Symptome, nicht aber die Prognose. Vielen Patienten wurde diese Behandlung jedoch vorenthalten, weil die existierenden Komorbiditäten das Operationsrisiko derart ansteigen ließen, dass es den Nutzen einer OP überstieg. Auch scheuten viele Patienten eine klassische Herzoperation wegen ihres Alters und der Schwere des Eingriffes generell.

Hier wurden in den letzten Jahren mehrere interventionelle Verfahren parallel entwickelt, von denen das MitraClip®-System das am weitesten fortgeschrittene, am breitesten eingesetzte und am besten evaluierte System ist. Eine EU-Zulassung mit CE-Zertifizierung besteht seit 2008. Bei dieser Prozedur wird ein spezieller Clip meist mittig so auf die Mitralklappe aufgesetzt, dass daraus eine Raffung und damit Abdichtung der Klappe resultiert. Der Clip wird über das venöse Gefäßsystem eingeführt und dann durch eine Punktion des Vorhofseptums in das linke Herz eingebracht. Von besonderem Vorteil ist dabei die geringe Invasivität, da lediglich eine venöse Punktion in der Leiste notwendig ist.

Im direkten Vergleich zwischen MitraClip®- und klassischer OP, reduziert ein Klappenersatz die Insuffizienz zwar deutlicher, die symptomatische Verbesserung ist jedoch bei beiden Therapieverfahren gleichwertig. Allerdings ist die Belastung durch den Eingriff und die Rate an Komplikationen bei einer Behandlung mit dem MitraClip®-System deutlich geringer. Damit existiert ein interventionelles Verfahren geringer Invasivität, das einen vergleichbaren symptomatischen Erfolg erzielt wie eine Klappen-Operation, jedoch komplikationsärmer ist. Dies entspricht einem nahezu idealen Therapieverfahren für multimorbide oder ältere Patienten mit chronischer, funktioneller Mitralklappeninsuffizienz. In weiteren Analysen konnten Patientengruppen identifiziert werden, die besonders von dieser neuen Therapieform profitieren: Ältere Patienten (≥70 Jahre) mit funktioneller Mitralklappeninsuffizienz. Einen prognostischen Vorteil bleiben beide Verfahren jedoch bisher schuldig.

Bei Patienten, die mit einer Mitrallklappeninsuffizienz an das  Universitätsklinikum Halle (Saale) (UKH) überwiesen werden, wird Art und Ausmaß der Mitralklappeninsuffizienz mittels dreidimensionaler Echokardiographie und ggfs. Herzkatheter analysiert. Danach erfolgt eine interdisziplinäre Diskussion der Untersuchungsergebnisse im Herz-Team. Daran beteiligt sind sowohl die Kardiologen des Mitralklappen-Interventions-Team (MIT), Herzinsuffizienzexperten und Herzchirurgen des Herzzentrums des UKH. Die Entscheidung über die empfohlene Therapie erfolgt im Konsens mit den beiden Fachrichtungen. Der Patient wird ergebnisoffen über alle Therapieoptionen informiert und hat auch die Möglichkeit, zur eigenen Entscheidungsfindung mit Experten beider Fachrichtungen zu sprechen und ggfs. auch eine zweite Meinung einzuholen.

Seit April 2011 wird das MitraClip®-System von unserem Kardiologen-Team der Klinik für Innere Medizin III des Herzzentrums angewendet. Bisher wurden 56 Patienten mit dieser Methode erfolgreich behandelt. Bei allen Patienten konnte die Insuffizienz signifikant reduziert werden. Die Implantation erfolgt derzeit im 2012 neu eingerichteten Hybrid-OP in Intubationsnarkose durch ein spezialisiertes Team (Mitralklappen-Interventions-Team - MIT). Dieses MIT besteht aus Ärzten, die Experten in invasiver Kardiologie, Herzinsuffizienz, Intensivmedizin und 3D-Echokardiographie sind. Die Prozedur dauert ca. 2-3h und wird aufgrund der geringen Invasivität hämodynamisch von den Patienten sehr gut vertragen. Der Ablauf der Prozedur erlaubt es zu jedem Zeitpunkt der Behandlung, das Ergebnis der Clip-Implantation, also das Ausmaß der Insuffizienzreduktion und die Veränderung hämodynamischer Parameter zu beurteilen und gegebenenfalls durch Umpositionieren des Clips oder Implantation weiterer Clips zu optimieren. Dafür ist eine intraprozedurale, transösophageale Echokardiographie notwendig, die in unserem Zentrum mit wiederholten 3D-Rekonstruktionen der Mitralklappe erfolgt.

Die Patienten werden nach der Prozedur bis zum nächsten Morgen auf einer Internistischen Intensivstation betreut und verlassen nach wenigen Tagen das Krankenhaus. Auch die spezialambulante Naschsorge inklusive echokardiographischer Beurteilung des kurz- und mittelfristigen Ergebnisses der Patienten wird von uns am UKH gesichert. Dabei erfolgt begleitend eine Evaluation durch die implantierenden Kollegen.

Ihr Ansprechpartner

Dr. med. Sebastian Nuding
Oberarzt                           
Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie,
Intensivmediziner, Notfallmediziner

Tel.: (0345) 557 5294       
email: Sebastian.Nuding(at)uk-halle.de