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Wie funktioniert der PFO-Verschluss?

Um bei Patienten nach kryptogenem Schlaganfall ein erneutes neurologisches Ereignis zu vermeiden, bietet sich ein interventioneller PFO Verschluss an. Dabei wird in der Leiste die große Beinvene mit einer Nadel punktiert und ein Draht durch das offene Foramen ovale hindurch in eine Lungenvene gelegt. Über den Draht hinweg wird anschließend eine drei bis 4 mm große Schleuse von der Leiste aus in den linken Herzvorhof vorgeschoben. Durch diese Schleuse hindurch lässt sich ein spezielles Verschlusssystem, das meist aus einem Drahtgeflecht aus einer Nickeltitanlegierung besteht, im PFO positionieren. Der Sitz des Verschlusssystems wird unter Druck und Zug kontrolliert, anschließend kann das Verschlusssystem durch Abschrauben abgelöst werden.

Die gesamte Prozedur und die Positionierung des Verschlusssystem des werdenden über eine transösophageale Echokardiographie überwacht. Damit Sie diese etwas unangenehme Prozedur nicht miterleben müssen, erhalten sie für den Zeitraum der Schirmchen-Implantation eine milde Narkose, bei der Sie schlafen, jedoch Atem- und Kreislauffunktionen stabil erhalten werden.

Nach dem interventionellen PFO Verschluss ist für 24 Stunden eine Blutverdünnung mit Heparin erforderlich, um die Bildung von Blutgerinnseln auf dem frisch implantierten Schirmchen zu vermeiden. Für einen Zeitraum von insgesamt sechs Monaten müssen Sie anschließend täglich eine Tablette ASS 300 (Acetylsalicylsäure – Aspirin) einnehmen, vor dem Einwachsen des Schirmchens Gerinnselbildungen zu vermeiden.

Ambulante nach Kontrolluntersuchungen finden in unserer Tagesklinikambulanz nach vier Wochen, sowie drei und sechs Monaten statt. Bei diesen Kontrolluntersuchungen wird der korrekte Sitz sowie die Dichtigkeit des Verschlusssystem des durch eine Echokardiographie überprüft.

Wie sicher ist der PFO-Verschluss im Vergleich zur medikamentösen Therapie?

Von neurologischer Seite aus wird aktuell als Standardbehandlung nachabgelaufenem Schlaganfall eine medikamentöse Therapie ASS 100 oder Falithrom (Coumadin) als Therapie der ersten Wahl empfohlen. Erst wenn es unter dieser Behandlung zu mehr als einem erneuten Schlaganfall gekommen ist, empfehlen die neurologischen Leitlinien einen interventionellen PFO Verschluss.

Große Metaanalysen publizierter Studien zu den Langzeit-Ergebnissen nach interventionellem PFO-Verschluss im Vergleich zur medikamentösen Therapie liegen jedoch nahe, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Schlaganfalls durch einen PFO Verschluss um 80 bis 90% im Vergleich zur Standardtherapie der medikamentösen Behandlung reduziert werden kann. Einschränkend muss man jedoch sagen, dass bis heute keine Studien veröffentlich worden sind, in denen ein direkter prospektiver Vergleich beider Behandlungsverfahren stattgefunden hat. Derartige Studien laufen zurzeit, am Herzzentrum Leipzig nehmen wir an eine dieser Studien zum Vergleich zwischen Intervention und medikamentöse Behandlung aktiv teil (PC-Trial).

Hat der Okkluder Folgen für das weitere Leben?

Bei jedem Metallimplantate besteht prinzipiell die Sorge, dass es bei weiteren erforderlichen medizinischen Untersuchungen, zum Beispiel im Kernspintomographen, ein Problem darstellen könnte. Für die bei uns verwendeten Occluder bestehen diese Einschränkungen lediglich in den ersten vier Wochen nach Implantation. Sobald das Schirmchen komplett eingewachsen ist, ist eine MRT- Untersuchung problemlos möglich.

Die Menge des implantierten Metalls ist zudem so gering, dass Metalldetektoren zum Beispiel an Flughäfen darauf nicht reagieren.

Eine häufig gestellte Frage von Patienten mit Nickelallergie in bezieht sich auf die Zusammensetzung des Materials der PFO Occluder. Die Mehrzahl der Occluder besteht aus einer Nickeltitanlegierung mit einem Nickelanteil von 50%. Bei den wenigen Patienten mitbekannter Nickelallergie, bei denen ein solcher Occluder unserem Haus bisher implantiert wurde, ergaben sich keinerlei Probleme aus immunologischer Sicht. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es sich bei den meisten Formen der Nickelallergie um Hautallergien handelt, für die andere Abwehrzellen verantwortlich sind als im Blutstrom. Um das Risiko von allergischen Reaktionen weiter zu verringern, implantieren wir bei Patienten mit Nickelallergie vorzugsweise Occluder aus einem Edelstahlgeflecht, dass eine Nickel Anteil von unter 0,5% aufweist.

Ist der interventioneller PFO Verschluss ein sicheres Verfahren?

Jede Intervention am Herzen hat prinzipiell ein geringes Risiko für Komplikationen. Beim interventionellen PFO Verschluss sind theoretisch Komplikationen durch Übertritt von Luft aus der Schleuse in den linken Vorhof möglich (so genannte Luftembolie). Um dieses Risiko weitestgehend auszuschalten, verwenden wir entweder Occludersysteme, die schleusenfreie implantiert werden können (Solysafe-System), oder achten beim Anlegen der Schleuse mit besonderer Sorgfalt auf die Entfernung von Restluft durch Aspiration.

Ein weiteres in der Literatur beschriebenes Risiko besteht in der Dislokation des Occluders, das heißt einer unbeabsichtigten Ablösung des Occluder es aus dem Vorhofseptum mit Embolisierung im arteriellen Kreislauf. Die meisten dieser Fälle sind für solche Kliniken beschrieben, die nicht routinemäßig die Implantationsprozedur mit transösophagealer Echokardiographie überwachen. Ein weiterer Faktor für die Sicherheit des Occludersitzes ist die Größe des Defektes, die wir bei jedem Patienten individuell mit einem kleinen Ballon ausmessen. Durch diese Vorsichtsmaßnahmen haben wir bei den letzten 300 Patienten keinerlei Komplikationen beobachtet.

Etwas häufiger aber dafür weitaus ungefährlicher sind lokale Komplikationen im Bereich der Punktionsstelle an der rechten Leiste. Aufgrund der starken Blutverdünnung mit Heparin kann es bei circa 2% der Patienten zu Einblutungen in der Leiste kommen. Um dieses Risiko zu vermindern werden arterielle Punktionen mit einem speziellen Verschlusssystem verschlossen und die venösere Punktion durch einen straffem Druckverband für sechs bis acht Stunden komprimiert.

Sollten Sie weitere Fragen zum technischen Vorgehen oder zur Sicherheit der Intervention haben, so können Sie uns auch gerne telefonisch unter der Rufnummer (0345) 557 2601 kontaktieren.

Ihr Ansprechpartner

Dr. med. Sebastian Nuding
Oberarzt                           
Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie,
Intensivmediziner, Notfallmediziner

Tel.: (0345) 557 5294       
email: Sebastian.Nuding(at)uk-halle.de