Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Invasive koronare Bildgebung

 

In unserem hochmodernen Herzkatheterlabor mit zwei modernen Katheteranlagen der Firma Philips untersuchen wir im Jahr über 1800 Patienten im Rahmen diagnostischer Herzkatheteruntersuchungen. Mehr als ein Drittel der Untersuchungen werden dabei transradial, d.h. über eine Unterarmarterie durchgeführt, sodass die Patienten unmittelbar nach der Untersuchung wieder aufstehen und sich normal bewegen können. Die sonst übliche mehrstündige Bettruhe ist damit nicht erforderlich, auch können die Blutungskomplikationen am Zugangsort reduziert werden. Der Zugang über die Leistenarterie (transfemoral) wird dann gewählt, wenn die Patienten voroperiert sind (Zustand nach Bypassoperation), komplexe Interventionen an den Kranzgefäßen erforderlich werden, oder eine simultane Untersuchung des kleinen Kreislaufs mit Druckmessung in den Lungengefäßen durchgeführt wird (Rechtsherzkatheteruntersuchung).

Durch die Verwendung eines elektronischen Kontrastmittelinjektors kann bei der Katheteruntersuchung die Kontrastmittelmenge auf das geringste mögliche Maß begrenzt werden ohne dass dabei qualitative Einbußen in der Darstellung der Kranzgefäße in Kauf genommen werden müssen.I

Zur intravaskulären Bildgebung steht ein modernes intravaskuläres Ultraschallsystem (IVUS) der Firma Boston zur Verfügung. Damit ist eine direkte morphologische Beurteilung von Plaques und Stenosen möglich, die die Planung interventioneller Prozeduren erleichtert und hilft, das Ergebnis der Stentintervention zu beurteilen (Anliegen der Stentmaschen an die Gefäßwand).

Bei Koronarstenosen, die sich angiographisch als grenzwertig (ca. 50 % Lumeneinengung) darstellen, wird routinemäßig eine funktionelle Beurteilung der Relevanz der Koronarstenosen mittels fraktioneller Flussreservenmessung (FFR) durchgeführt. Dabei wird ein Druckdraht hinter die Stenose gelegt und die Veränderung des Druckgradienten zwischen Aorta und distalem Koronargefäß unter Gabe des Vasodilatators Adenosin gemessen. Bei einem Druckabfall über der Stenose von über 20 % ist eine Koronarintervention prognostisch sinnvoll. Durch dieses Verfahren können die Patienten identifiziert werden, die von koronaren Interventionen profitieren, und unnötige Stentinterventionen vermieden werden.

Medikamentenbeschichtete Stentsysteme

Falls eine Intervention an den Koronarien erforderlich wird werden in den meisten Fällen beschichtete Koronarstents eingesetzt. Wir verwenden ausschließlich Stents der aktuellsten Generation, die entweder mit Everolimus oder Biolimus A9 beschichtet sind. Bei diesen neuen Beschichtungen kann nach den aktuellen Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) bereits nach sechs Monaten eine duale Plättchenhemmung gegebenenfalls beendet werden.

Patienten, die aufgrund chronischen Vorhofflimmerns oder durchgemachter thrombembolischen eine dauerhafte orale Antikoagulation benötigen, haben nach Stentimplantationen ein deutlich erhöhtes Blutungsrisiko. Daher ist es hier wichtig, die Dauer der zusätzlichen dualen Plättchenhemmung möglichst kurz zu halten. In der Vergangenheit war dies nur durch den Einsatz unbeschichteter Stents möglich, die allerdings den Nachteil deutlich erhöhter Restenoseraten aufweisen. Seit Dezember 2014 bieten wir für diese Patienten mit hohem Blutungsrisiko als erstes Klinikum in Mitteldeutschland einen neuen polymerfreien medikamentenbeschichteten Stent an, dessen Wirkstoff zu 97 % innerhalb von vier Wochen an die Gefäßwand abgegeben wird (BioFreedom Stent). Damit liegt nach einem Monat praktisch ein unbeschichteter Stent im Gefäß vor. Mit dieser neuen Technologie ist es möglich, auch bei beschichteten Stents in die Dauer der dualen Plättchenhemmung auf vier Wochen zu reduzieren und gleichzeitig die Vorteile beschichteter Stents zu nutzen.

Bifurkationsinterventionen und –stents

Ein Schwerpunkt unserer interventionellen Arbeit liegt in der Behandlung so genannter Bifurkationsstenosen. Dabei bezieht die Koronarstenosen eine Gefäßaufzweigung mit ein, so das oft nicht nur das Hauptgefäß sondern auch der Seitenast mit Stents versorgt werden müssen. Für diese spezielle Situation können wir sowohl selbst expandierende Bifurkationsstents (Axxess-Stent) anbieten, die an ihrem Ende eine trichterförmige Öffnung aufweisen, oder die Aufzweigung durch bestimmte Stenttechniken (Mini-Crush, Crush-Stenting mit Resondierung und Kissing-Balloon-PTCA) rekonstruieren. Diese Techniken erfordern ein hohes Maß an Erfahrung, die an unserem Zentrum in besonderer Weise vorliegt.

Rekanalisation chronischer Gefäßverschlüsse (CTOs)

Wenn im Rahmen der Koronardiagnostik Gefäßverschlüsse festgestellt werden, wird häufig primär eine operative Revaskularisation angestrebt. Allerdings erlauben uns verbesserte Drähte und innovative Techniken heute in vielen Fällen, erfolgreich auch chronische Gefäßverschlüsse zu rekanalisieren. In Kooperation mit Dr. Mashayeki (Klinikum Plauen) bieten wir am Universitätsklinikum Halle nicht nur antegrade Rekanalisationen sondern auch sogenannte retrograde Rekanalisationen an, bei denen der Gefäßverschluss von der distalen Seite über Kollateralen erreicht und durchstoßen wird. Mit diesen Techniken kann häufig eine Operation vermieden werden.

CTO