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Medizinische Psychologie

Erstes Ziel der Lehrveranstaltungen der Medizinischen Psychologie ist es, das Fach als eines der attraktivsten vorklinischen Fächer an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität weiterzuentwickeln. In enger Kooperation mit den Fachvertretern der Medizinischen Soziologie ist es gelungen, beide Fächer einerseits schärfer voneinander abzugrenzen und den Studierenden die Bedeutsamkeit sowohl psychologischer als auch sozialer Mechanismen im ärztlichen Handeln spezifisch zu vermitteln. Andererseits werden geteilte Themen und inhaltliche Berührungspunkte revolvierend gemeinsam be- und überarbeitet, um eine die Wissensgebiete verbindende, aber nicht redundante Lehre anzubieten.

Am Standort Halle arbeitet die Medizinische Psychologie als Abteilung der Universitätspsychiatrie.  Diese besondere Stellung weist einige strukturelle Vorteile auf, die in zunehmendem Umfang für die vorklinische Lehre genutzt werden. Zum einen wird die Lehre in der Medizinischen Psychologie ausschließlich von approbierten Psychotherapeuten bzw. Personen in weit fortgeschrittener Ausbildung mit hohem klinischem Tätigkeitsanteil gehalten. Dieser Umstand sichert eine hohe inhaltliche Qualität der Lehre und erlaubt es, die vermittelten Inhalte für die Studierenden jeweils mit klarem Bezug zum klinischen Alltag zu präsentieren. Zunehmend werden Patientenbefragungen in den Unterricht z. B. zu kommunikativen Aspekten der Arzt-Patient-Beziehung integriert. Dies fördert bei den Studierenden das Verständnis der vermittelten Inhalte als substanziell für ihre weiterführende Ausbildung und ihre spätere ärztliche Tätigkeit und stellt einen klaren Vorteil gegenüber rein akademischen Konzeptionen ohne klinischen Alltagsbezug dar. Zum anderen erlaubt die Nähe zur Klinik eine enge Abstimmung der vorklinischen Lehrinhalte der Medizinischen Psychologie mit den im klinischen Abschnitt gelehrten Fächern Psychosomatik und Psychiatrie.

Gemeinsam arbeiten wir mit dem SkillsLab am Dorothea-Erxleben-Lernzentrum kontinuierlich an der  Gestaltung des longitudinalen Kommunikationscurriculums der Medizinischen Fakultät. Dabei bildet die Ausbildung zu Grundlagen der Arzt-Patient-Beziehung und Gesprächsführung im 1. FS in der Medizinischen Psychologie die Basis für weitere Veranstaltungen im vorklinischen und klinischen Studienabschnitt. Im Rahmen dieses longitudinalen Kommunikationscurriculums (siehe Abbildung) übernimmt die Medizinische Psychologie weitere Lehreinheiten, u.a. in der konzeptionellen Ausarbeitung von SkillsLab-Stationen und in der PJ-Lehre. Gemeinsame Lehrveranstaltungen unter Einbezug von Schauspielpatienten und Videofeedback im 1. FS werden seit dem WS15/16 mit äußerst positiven Rückmeldungen der Studierenden umgesetzt.

Ein zweiter Schwerpunkt der medizinpsychologischen Lehre besteht in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der theoretischen Lehre in Seminar und Vorlesung. Hier besteht ein enger Kontakt zur Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie und den assoziierten Arbeitsgruppen im IMPP. Dies ermöglicht die Abstimmung der vermittelten Lehrinhalte sowohl mit konsensuell vereinbarten Lernzielkatalogen als auch mit den abschließenden Prüfungen des vorklinischen Studi-enabschnittes. Die Ausrichtung der Lehrinhalte erfolgt zudem unter Berücksichtigung möglichst zahlreicher Verknüpfungen zu anderen vorklinischen Fächern. Das aktuelle Vorlesungskonzept folgt einem stringenten Plan von biologischen Verhaltensgrundlagen über grundlegende emotio-nale, motivationale und kognitive Prozesse, darauf aufbauend hin zu komplexeren psychologischen Konstrukten wie Persönlichkeitsmerkmalen und deren biologischer Grundlage. Diese Neufokussierung der Lehre ermöglicht es den Studierenden der Medizin, ihr Wissen um organische/somatische Funktionen des Körpers und aus diesen Funktionen resultierende psychologische Verhaltensaspekte leichter zu integrieren. Seitens der Studierendenschaft wurde das Engagement dadurch gewürdigt, dass die Hauptvorlesung Medizinische Psychologie seit der Umstrukturierung regelmäßig einen der vordersten Plätze der Lehrevaluation der Medizinischen Fakultät belegt.

Die Ausrichtung psychologischer Lehrinhalte am Schnittpunkt somatischer und psychischer Prozesse stellt zahlreiche Querverbindungen z. B. zur Anatomie/Neuroanatomie und zur Physiologie her und bildet eine Brücke zu verschiedenen Querschnittsfächern (z. B. Q7: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Q13: Schmerz- und Palliativmedizin) des klinischen Studienabschnitts, zu denen Beiträge aus der Abteilung Medizinische Psychologie geleistet werden.

Insgesamt stellt das Konzept der Medizinischen Psychologie die konkrete und an tatsächlichen Fällen orientierte Vermittlung eines biopsychosozialen Krankheitsverständnisses ins Zentrum seiner Bemühungen. Neben der Vermittlung und praktischen Überprüfung psychosozialer Aspekte in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Erkrankungen werden auch im Wahlfach (Verhaltensanalyse in der Medizin) Techniken geschult, die es in somatischen Feldern tätigen Ärzten ermöglichen, ihr Erkrankungsverständnis um psychische Faktoren zu erweitern.