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Bündnis gegen Depression Halle – Saale und Magdeburg

Depression
Depression ist eine schwere psychische Erkrankung von enormer gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Depressive Episoden können Denken und Handeln des Individuums und seines Umfelds maßgeblich negativ beeinflussen. Oftmals kommt es zu wiederkehrenden Verlaufsformen mit anhaltendender Beeinträchtigung und Belastung. Gemäß Bundesgesundheitssurvey wurde die Lebenszeitprävalenz mit 17 % angegeben, Alt und Jung, Männer und Frauen können betroffen sein. Die Ausgestaltung der Erkrankung kann sehr vielgestaltig und variabel sein und sich nicht nur in tiefer Traurigkeit und affektiven Symptomen sondern beispielsweise auch in körperlichen Beschwerden oder Suchtmittelkonsum manifestieren. Trotz aller bisherigen Maßnahmen ist nach wie vor von einem hohen Anteil unbehandelter Patienten auszugehen. Auch international ist die Bedeutung depressiver Erkrankungen enorm: Gemäß grundlegenden und weitreichenden Veröffentlichungen und Statistiken der WHO (Global Burden of Disease) ist die unipolare Depression global die Erkrankung mit der höchsten Gesundheitslast in der Prognose für das Jahr 2030, noch vor anderen „Volkskrankheiten“ wie der ischämischen Herzkrankheit, COPD oder Diabetes mellitus. 
Besonders zu beachten ist die Verbindung von Depression und Suizid. Die Mehrheit der Selbsttötungen geht mit einer depressiven Entwicklung im Vorfeld der suizidalen Handlung einher. Weltweit gibt es ca. eine Millionen Suizide pro Jahr, in Deutschland wird von jährlich etwa 10.000 ausgegangen. Diese Zahl ist nach positiven Entwicklungen seit den 80-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den letzten Jahren etwa konstant geblieben. Anzumerken ist, dass dies für Deutschland bedeutet, dass mehr Menschen durch Suizid als durch HIV/AIDS, Verkehrsunfälle und Mord/Totschlag zusammen versterben.

Bundesweites Bündnis gegen Depression 
Der gemeinnützige Verein "Deutsches Bündnis gegen Depression e.V." verfolgt unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mehrere mit Depression und Suizidprävention assoziierte Ziele. 
Explizit soll die gesundheitliche Situation depressiver Menschen verbessert werden, das Wissen über die Krankheit in der Bevölkerung erweitert und Suiziden vorgebeugt werden. Zahlreiche Städte und Landkreise haben regionale Bündnisse gegen Depression gegründet und sich dem Erreichen dieser Ziele verschrieben. Innerhalb der einzelnen Bündnisse arbeiten unterschiedlichste Institutionen und Personen zusammen, mit den verschiedensten professionellen oder privaten Verbindungen zur Depression. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet eine hohe Akzeptanz und breite Wirksamkeit des Aktionsprogramms auf lokaler Ebene. 
Zum Erreichen der verschiedenen Ziele haben sich im bundesweiten und allen regionalen Bündnissen Aktivitäten auf vier Ebenen etabliert. Diese sind namentlich

  • Angebote für Betroffene und Angehörige
  • die Kooperation mit Hausärzten
  • die Zusammenarbeit mit Multiplikatoren wie Pfarrern, Lehrern und Altenpflegekräften z. B. im Bereich Selbsthilfe sowie für Risikogruppen
  • PR-Aktivitäten zur Aufklärung der breiten Öffentlichkeit 

Dieses 4-Ebenen-Interventionsmodell gehört mittlerweile zu den am besten evaluierten und am häufigsten implementierten gemeindebasierten Programmen zur Verbesserung der Versorgung depressiv Erkrankter und zur Prävention suizidaler Handlungen (Hegerl, Rummel-Kluge, & Heinz, 2016). 
Empirische Evaluationen dieser Bündnisaktivitäten konnten zeigen, dass die gemeindebasierten Bündnisse gegen Depression und die daraus hervorgegangenen digitalen Angebote nachhaltig und erfolgreich die Versorgung depressiv Erkrankter verbessern konnten. Eine Übersicht findet sich bei Hegerl et al. (2016).
Bis heute sind über 75 weitere regionale Bündnisse gegen Depression in Deutschland aktiv. Im Sinne von Bottom-up-Prozessen arbeiten hier interessierte Personen und Institutionen (u. a. kommunale Einrichtungen, psychosoziale Vereine, Selbsthilfekontaktstellen, Ärzte, Therapeuten, sozialpsychiatrische Dienste und Ärzte/Psychotherapeuten) an der jeweils regionalen Umsetzung der genannten Ziele.

Bündnis gegen Depression Halle – Saale und Magdeburg
Ein erstes Bündnis gegen Depression entstand in Sachsen-Anhalt unter der Federführung der AWO Magdeburg im Jahr 2011 und war auf drei  Jahre festgelegt. 54 Partner waren vorwiegend in den Ballungsräumen Halle und Magdeburg beteiligt. Das Projekt endete planmäßig zum 19. April 2014.
Unter Federführung der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Halle wurde in einer Auftaktveranstaltung am 08. Juni 2016 unter breiter Beteiligung verschiedenster Akteure aus dem Gesundheitsbereich, aus kulturellen Einrichtungen und sportlichen Verbänden, aus Schulen und Ausbildungsinstituten die Neugründung eines Bündnisses gegen Depression in der Region beschlossen (Mitteldeutsche Zeitung vom 8.6.2016). 
Als Schirmherrinnen für dieses neue Bündnis konnten die Landesministerin für Arbeit, Soziales und Integration Frau Petra Grimm-Benne sowie die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin und promovierte Neurobiologin Antje Buschschulte gewonnen werden.
Aktuell engagieren sich zahlreiche Akteure des psychosozialen Versorgungssystems der Region in diesem Bündnis mit Schwerpunkt in der Region. 
Um unsere Aktivitäten von Beginn an einer großen Gruppe von Betroffenen, Angehörigen und im Sinne der Primärprävention der Bevölkerung insgesamt zugänglich zu machen, streben wir starke Vernetzungen mit den wichtigen Versorgern unseres Landes an.
Inhaltlich fokussiert unser Bündnis entsprechend der bundesweiten Zielstellung der Stiftung „Deutsche Depressionshilfe“ auf Aktivitäten in den genannten vier Bereichen. 
Insbesondere sieht sich unser Bündnis als zentrale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und die Allgemeinbevölkerung zur Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, den Aufbau eines regionalen und umfassenden Versorgungskalenders mit leichter Zugänglichkeit, die Information der Allgemeinbevölkerung über öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen sowie die Entstigmatisierung der Betroffenen durch Schaffung breiter Akzeptanz der Erkrankung in Betrieben, Schulen und öffentlichen Einrichtungen.