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Schnittstellenübergreifende, arbeitsbezogene Fall-Begleitung in der suchttherapeutischen Nachsorge als Schlüssel zu Erwerbsintegration und Rückfallprophylaxe

Kurztitel

  • SaBiNE

Zeitraum

  • 09/2011-08/2014

Studienregistrierung

  • DRKS00003574

Leitung

Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

AHG Klinik Römhild

  • Prof. Dr. med. habil. R. Schlößer (Leitung)
  • Jaqueline Zlatosch (Mitarbeiterin)

medinet AG Alte Ölmühle Magdeburg

  • Dr. med. Lukas Forschner (Leitung)
  • Kerstin Urban (Mitarbeiterin)

Diakonie-Krankenhaus Harz Elbingerode

  • Joachim Stopp (Leitung)
  • Jörg Mühlbach (Mitarbeiter)

Soteria Klinik Leipzig 

  • Prof. Dr. med. Th. Kallert (Leitung)
  • Bettina Stupnink (Mitarbeiterin)

Partner

  • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt

Förderung

  • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland
  • Bundesagentur für Arbeit 

Zusammenfassung

Hintergrund

Erwerbsarbeit kann eine stabile Abstinenz in wesentlichem Maße positiv beeinflussen (vgl. Bieker 2005). Die Rückfallforschung im Bereich der Suchtbehandlung zeigt, dass eine berufliche Wiedereingliederung das Rückfallrisiko sowohl bei Drogenabhängigen als auch bei Alkoholabhängigen deutlich reduziert (vgl. Henkel 2008). Da sich Suchterkrankungen jedoch negativ auf die Möglichkeit der Erwerbspartizipation auswirken und anhaltende Arbeitslosigkeit in deutlichem Zusammenhang mit der Etablierung von Suchtverhalten steht (vgl. Pockrandt et al. 2007), sind eine Vielzahl suchtkranker Personen arbeitslos, oft langzeitarbeitslos (vgl. Rose/Jacobi 2004). 

Fragestellung

Das Projekt verfolgt die Fragestellung, ob und inwieweit bei erwerbsfähigen Suchtrehabilitanden eine systematische, schnittstellenübergreifende und arbeitsbezogene Fallbegleitung (als zusätzliches Angebot zur Regelversorgung) in der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben wirksam ist. 

Methoden

Das Forschungsvorhaben ist eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie. Die Kontrollgruppe erhält die in den Studienzentren übliche Regelversorgung. Die Interventionsgruppe hat darüber hinaus zusätzlich Zugang zu Angeboten der arbeitsbezogenen Fall-Begleitung. 
Zu 4  Erhebungszeitpunkten innerhalb von 30 Monaten werden in einer standardisierten Befragung Haupt- und Nebenzielgrößen erhoben. Hauptzielgröße ist die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Als Nebenzielgrößen werden Abstinenz-Raten, Rückfallhäufigkeit, Beschäftigungsdauer, Zugang in Erwerbsminderungsrente, Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt, Soziale Wiedereingliederung (Wohnung, Schulden etc.), Sozial-Leistungshistorie sowie die Nutzung von Angeboten der Suchtnachsorge erhoben.

Stichprobe

In die Studie werden 320 Teilnehmer in insgesamt 4 Studienzentren eingeschlossen, die sich zu Beginn der stationären Entwöhnungsbehandlung arbeits- bzw. beschäftigungslos sind, erwerbsfähig, im Alter von 18-63 Jahren, mit einer Erstdiagnose aus dem Bereich F10-F19 (ICD 10) und die deutsche Sprache beherrschen.

Intervention

Die arbeitsbezogene Fallbegleitung ist in den Suchtfachkliniken verortet und setzt bereits während der Rehabilitation an. Diese initiale Phase dient der Vorbereitung und Einleitung notwendiger erwerbsintegrierender Maßnahmen auf der Basis einer ausführlichen Berufsanalyse. Es wird angestrebt, bereits in der Rehabilitation die Zusammenarbeit mit relevanten Ansprechpartnern der Arbeitsverwaltung und Suchtnachsorge anzubahnen. Die bis zu 12 Monate nach Entlassung aus der Rehabilitation dauernde Fallbegleitung hat das Ziel, durch Koordination und Beratung der an der Erwerbsintegration beteiligten Arbeitsbereiche Schnittstellen in der Nachsorgephase zu  überbrücken, den Betroffenen durch Beratung und Coaching zum Wiedereintritt ins Erwerbsleben zu befähigen  und damit  die Wiedereingliederung in Arbeit arbeitsloser Rehabilitanden signifikant zu verbessern. 

Erwartete Ergebnisse

Nach 12 Monaten wird für die Integration in Erwerbsstrukturen (erster und zweiter Arbeitsmarkt sowie Qualifizierungsmaßnahmen) ein Unterschied von 28 Prozentpunkten zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe erwartet.
Nach 24 Monaten nach der Entlassung aus der Entwöhnungsbehandlung wird erwartet, dass 15 Prozent mehr Teilnehmer in der Interventionsgruppe als in der Kontrollgruppe den Weg in den ersten Arbeitsmarkt (Berufstätigkeit ≥15h/Woche) geschafft haben.