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Liquor-Szintigraphie

 

Welchen Zweck hat die Untersuchung?

Bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen spielt die Verteilung des Nervenwassers (Liquor) eine entscheidende Rolle. Ihr behandelnder Neurologe oder Neurochirurg möchte deshalb bei Ihnen eine Szintigraphie des Liquors durchführen lassen um die Diagnose zu sichern und die Therapie zu optimieren. Die Liquor-Szintigraphie macht das Nervenwassers sichtbar, so dass die Verteilung und das Flussverhalten (und somit der Verbleib) des Nervenwassers über die Zeit beurteilt werden können.

 

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Anwendungsgebiete:

1.       Bei Liquorunterdruck-Syndrom zur Suche nach dem Liquorleck, zum Beispiel nach operativen Eingriffen an der Wirbelsäule oder im HNO-Bereich.

2.       Bei Verdacht auf Normaldruckhydrozephalus (NPH).

 

Welche Vorbereitung ist notwendig?

Die Untersuchung wird in der Regel im Rahmen eines stationären Aufenthaltes durchgeführt, welchen ihr behandelnder Neurologe oder Neurochirurg organisieren wird.

 

Sie müssen nicht nüchtern sein.

 

Es  müssen aktuelle Blutwerte für Gerinnung und Blutplättchen (Quick, INR, Thrombozyten) vorliegen.

Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, insbesondere orale Antikoagulanzien (z. B. Marcumar®) oder neue orale Antikoagulanzien (z.B. Xarelto®, Pradaxa® oder Eliquis®), müssen diese auf niedermolekulare Heparine umgestellt werden. Dies übernehmen in der Regel ebenfalls der überweisende Neurologe/Neurochirurg beziehungsweise die Stationsärzte.

 

Ein erhöhter Hirndruck muss im Vorfeld ausgeschlossen werden. Dafür ist eine CT oder MRT des Schädels oder eine augenärztliche Untersuchung notwendig.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung nimmt mindestens zwei Tage in Anspruch. Die Häufigkeit der Bildaufnahmen und damit die Dauer der Untersuchung sind von der Fragestellung abhängig.

Geht es um den Nachweis oder Ausschluss eines Normaldruckhydrozephalus, planen Sie bitte am 1. Tag etwa drei Stunden Zeit und am 2. Tag eine Stunde Zeit ein. In der Zwischenzeit werden Sie zurück auf Station gebracht.

Wenn ein Liquorleck gesucht wird, planen Sie bitte auf jeden Fall den 1. Tag vollständig ein; in den darauffolgenden Tagen werden wiederholt Bilder zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen, gegebenenfalls an bis zu drei aufeinander folgenden Tagen. Der Abstand und die Häufigkeit der Aufnahmen werden im Verlauf der Untersuchung je nach Befund festgelegt, wir werden Sie rechtzeitig darüber informieren.

 

Zur Darstellung des Liquors wird im Rahmen einer Nervenwasserpunktion (LP) ein radioaktives Pharmakon (111In-DTPA) in den Lumbalraum eingebracht und der Verbleib später mittels einer SPECT-Kamera sichtbar gemacht. Die LP wird im Sitzen oder Liegen durchgeführt. Dabei wird unter sterilen Bedingungen eine dünne Nadel zwischen zwei Lendenwirbelköpern in den Wirbelkanal eingebracht. Über diese Nadel wird zunächst etwas Liquor entnommen und anschließend das Radiopharmakon injiziert. Gegebenenfalls erfolgt eine Druckmessung mit einem Steigröhrchen. Die erste Bildaufnahme erfolgt direkt nach der Punktion. Nach der Punktion müssen Sie noch eine Stunde liegen bleiben.

 

Die Aufnahmen dauern jeweils etwa 15 – 30 Minuten. Während dieser Bildaufnahmezeit müssen Sie ruhig auf dem Rücken liegen. Sollten Sie dies z.B. schmerzbedingt nicht oder nur eingeschränkt können, teilen Sie uns dies bitte bereits Planung der Untersuchung mit, so dass wir gemeinsam eine Lösung finden können.

Die verwendete SPECT-Kamera dreht sich mit zwei großen Platten (den sogenannten Detektoren) langsam und relativ nahe um ihren Körper und ihren Kopf. Bei den Aufnahmen des Kopfes wird dieser in einer Schale mit einem Band über der Stirn gegen unwillkürliche Bewegungen leicht fixiert. Sollten Sie unter Raumangst leiden, teilen Sie uns dies bitte ebenfalls im Vorfeld mit.

 

Wird die Untersuchung gut vertragen?

Die wesentlichen Risiken und Nebenwirkungen resultieren aus der Liquorpunktion selbst und unterscheiden sich nicht von denen einer „normalen“ LP. Nach der Punktion kann ein sogenannter postpunktioneller Kopfschmerz auftreten. Durch Liegen und Flüssigkeitsaufnahme (insbesondere Koffein) kann der Verlauf günstig beeinflusst werden. Sehr seltene Nebenwirkungen sind Blutungen und Infektionen an der Einstichstelle, Hirnhautirritationen, Hirnhautentzündung (Meningitis) und Tinnitus.

 

Von dem Radiopharmakon selbst spüren Sie in der Regel nichts, allergische Reaktionen sind sehr selten.

Wie jede nuklearmedizinische Untersuchung ist auch diese mit einer (geringen) Strahlenexposition verbunden. Diese ist nicht höher als bei anderen radiologischen Untersuchungen. Bei Verwendung der üblichen Aktivität beträgt die effektive Dosis ca. 3,3 mSv. Zum Vergleich: die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt pro Jahr 2,1 mSv. Bei einer Computertomographie des Brustraums (CT Thorax) beträgt die effektive Dosis 5,8 ‑ 8 mSv.

 

Wann darf die Untersuchung nicht durchgeführt werden?

Schwangere dürfen die Untersuchung nicht erhalten.

 

Bezahlt meine Krankenkasse die Untersuchung?

Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes werden die Kosten durch die Krankenkasse übernommen.

 

Wo/Wie melde ich mich an?

Die Anmeldung erfolgt durch die Station.

Bei Fragen zu der Untersuchung können Sie sich telefonisch oder per E-Mail an uns wenden:

0345/557-4308 oder -4363 bzw.  nuklearmedizin@uk-halle.de

 

 

 

Weiterführende Literatur:

www.dgn.org/leitlinien/2288-ll-59-2012-liquorunterdrucksyndrom