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WISDE - Wirksame Strategien eines kommunikativen Zugangs zu demenziell erkrankten und kognitiv beeinträchtigten Personen

Kurztitel

  • WISDE / T6

Zeitraum

  • 02/2007 - 01/2010

Leitung

  • Prof. Dr. Johann Behrens
  • Katharina Sadowski

Mitarbeiter

Partner

  • Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Sachsen-Anhalt und Sachsen
  • Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Hessen und Bayern

Förderung

  • BMBF

Zusammenfassung

Hintergrund 

Die Demenz ist eine der häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter. In Deutschland sind zurzeit schätzungsweise 953.000 Menschen von einer mittelschweren bis schweren Demenz betroffen; jährlich erkranken ca. 200.000 Menschen neu. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung wächst die Bedeutung der institutionalisierten Versorgung der Betroffenen: Nach Schätzungen werden in Deutschland 40% aller Demenzkranken in Einrichtungen versorgt (Bickel 1995, 2001). Laut einer Studie des BMG haben etwa 69% aller in Einrichtungen lebenden Bewohner eine Demenz (vgl. Hirsch/Kastner 2004; BMFSFJ 2006).

Neben den kognitiven Störungen sind es vor allem die nicht-kognitiven oder sekundären Symptome einer Demenzerkrankung wie Apathie, Angst, Depression, Aggressivität und herausforderndes Verhalten, welche das Leben der Betroffenen aber auch deren Begleitung erschweren (vgl. Wächter 2003). Nach Swearer (1988) kommt es bei etwa 80% der Betroffenen zu herausforderndem Verhalten. Die Schwierigkeit sich verständlich zu machen und zu verstehen behindert den kommunikativen Zugang der Betroffenen zu ihrer Umwelt ebenso wie umgekehrt, wodurch Demenz vordergründig als ein beiderseitiges Kommunikationsproblem gesehen werden kann. Oftmals bewegen sich Betroffene und Begleiter auf unterschiedlichen Interpretationsebenen, so dass häufig Zugangswege zu den Betroffenen verschlossen bleiben. Diese unterschiedlichen Interpretationen von Handlungen und Äußerungen wirken in einer "verrückten" Welt bedrohlich für die eigene Identität und Integrität.

Pflegende haben die Möglichkeit, über die Nutzung und Aktivierung noch verbliebener Ressourcen Interpretationsspielräume anzubieten, um mit den Betroffenen in Beziehung zu treten und Kommunikation von beiden Seiten zu ermöglichen. Als Ressourcen können, je nach Schweregrad der Demenz, biografisch bedeutsame Erinnerungen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Wahrnehmungen auf der somatischen und emotionalen Ebene verstanden werden. Zur Aktivierung dieser Ressourcen steht im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen eine Vielzahl von Interventionen zur Auswahl. Aber auch der Umgang mit den Betroffenen sowie die räumlichen, sächlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen spielen hierfür eine wesentliche Rolle.

Fragestellung 

Verschiedene pflegerische Interventionen werden in sehr unterschiedlicher Art und Weise teilweise mit großer Euphorie, meist jedoch allein auf Grund interner Evidence angewendet. Somit ist sowohl eine Legitimation vor Entscheidungsträgern als auch die Umsetzung eines gleichmäßigen Qualitätsniveaus in der Praxis deutlich erschwert. Erfahrungen der Praxis zeigen, dass ein hoher Bedarf darin besteht, geeignete pflegerisch-therapeutische Interventionen im Umgang mit demenziell Erkrankten sowie deren Wirksamkeit zu identifizieren und damit Belege durch externe Evidence zu schaffen.

Die konkrete Begleitung der demenziell erkrankten Betroffenen in stationären Einrichtungen wird momentan weder in der amtlichen Statistik noch durch wissenschaftliche Studien repräsentativ und differenziert erfasst (Bartholomeyczik et al. 2006; Deutsche Alzheimer Gesellschaft 2003). Hierdurch fehlen grundlegende Aussagen zu Art, Inhalt, Häufigkeit und Ergebnis angewendeter pflegerisch-therapeutischer Interventionsmethoden im Umgang mit Menschen mit Demenz, die ein Lernen voneinander und eine Weiterentwicklung der Begleitung von Betroffenen und deren Angehörigen wesentlich unterstützen könnten.

In diesem Kontext ergeben sich für das Projekt die folgenden Fragestellungen:

  1. Welche therapeutischen Interventionen werden von Pflegenden und Mitarbeitern anderer Berufsgruppen zurzeit in vollstationären Einrichtungen der Altenhilfe unter welchen Rahmenbedingungen in welcher Art und Häufigkeit durchgeführt, um einen Zugang zu Menschen mit Demenz zu erhalten?
  2. Sind die therapeutischen Interventionen "10-Minuten-Aktivierung", "strukturierte Biographiearbeit" und "Snoezelen" wirksame therapeutische Interventionen für Menschen mit Demenz?

Methoden 

Studienarm I: Deskriptive, teilstrukturierte, teilnehmende Beobachtung eines Früh- und Spätdienstes an zwei aufeinander folgenden Tagen in 40 Einrichtungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und Bayern. Standardisierte postalische Befragung zu pflegerisch-therapeutischen Angeboten in vollstationären Altenpflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und Bayern (Vollerhebung).

Studienarm II: Cluster-randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie in 20 vollstationären Altenhilfeeinrichtungen.