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Berufsbild und Selbstverständnis

Hebammen nehmen wahr, dass schwangere Frauen nicht ausreichend darüber informiert sind, was Hebammen tun können und dürfen. Auch in der Schwangerschaft – wie im Wochenbett – können sie die Frauen ohne ärztliche Anweisung betreuen und Hausbesuche machen. Hebammen möchten die Frauen dabei „ganzheitlich“ betreuen, das heißt sowohl auf ihren Körper als auch ihre Seele achten.

Hebammen wünschen sich, dass in den öffentlichen Medien (z.B. im Fernsehen) mehr über die Hebammenarbeit in der Schwangerschaft, bei der Geburt, im Wochenbett und in der Stillzeit berichtet wird, aber nicht mit dramatischen Geburtsdarstellungen und unnötigen ärztlichen Maßnahmen. 

Hebammen sehen es als ihre Aufgabe an, den normalen Verlauf von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit zu begleiten, sich auf die Wünsche und die persönliche Situation der Frau einzustellen, sie vorausschauend und kundig zu beraten, sie vor unnötigen medizinischen Maßnahmen zu schützen und die Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Selbsthilfe zu unterstützen. Dafür ist es jedoch wichtig, die Frauen frühzeitig kennen zu lernen. Hebammen finden, dass sie von ihren mehrmaligen Beratungen profitieren können, insbesondere wenn es darum geht, die Gesundheit von Mutter und Kind zu fördern. Hebammen beziehen auch die nächsten Angehörigen in die Unterstützung der Frau mit ein.

Wenn Hebammen einzelne Frauen über mehrere Monate umfassend betreuen, können sie nur eine begrenzte Anzahl von Frauen gleichzeitig zur Betreuung annehmen. Sie bedauern, dass viele Frauen viel zu spät oder erst über den Geburtsvorbereitungskurs zu ihnen kommen, wenn die Zeit schon vorbei ist, sie über unterschiedliche Betreuungsformen und Entscheidungsmöglichkeiten zu informieren. 

Eine besondere Schwierigkeit in der Schwangerenvorsorge ist, dass die Zuständigkeiten von Ärztin / Arzt und Hebamme nicht klar geregelt sind. Hebammen wundern sich, dass sich auch selbstbewusste Frauen leicht durch ärztliche Befunde (z.B. beim Ultraschall) verunsichern lassen. Ihr großer Zeitaufwand für die Beratung wird aus Sicht der Hebamme nicht ausreichend durch das Honorar vergütet.

Eine besondere Schwierigkeit erleben Kreißsaal-Hebammen darin, dass sie mehrere Frauen unter der Geburt parallel betreuen müssen und dass ihre abwartende Haltung, ob die Geburt nicht doch ohne medizinische Eingriffe vorankommt, eher als Untätigkeit und Bequemlichkeit fehlgedeutet wird.

Hebammen stellen fest, dass die von ihnen betreuten Frauen oft das Bedürfnis haben, von der Hebamme ganz und gar versorgt und bemuttert zu werden. Hebammen finden es manchmal schwierig, eine gute Mitte zwischen einer Art „Mutter“ oder „Freundin“ und „Fachkraft“ zu finden. Manche bieten der Frau das „Du“ an, andere bleiben beim “Sie“.

Hebammen freuen sich über Lob und Anerkennung der Frauen. Diese bekommen sie von Frauen, die einen geringen Bildungsgrad oder eine komplizierte Lebenssituation haben, eher nicht. Für Frauen kann das Ende der Betreuung schwierig sein, wenn es unklar ist für sie, wer ihnen in Zukunft helfen kann.

Hebammen verstehen, dass Frauen eine Hebamme haben wollen, die ihnen sympathisch ist. Sie versuchen, wenn möglich, diesen Wunsch in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen zu unterstützen. 

Die Kommunikation zwischen Frauen und Hebammen funktioniert in bestimmten Situationen nicht gut: beispielsweise, wenn eine Frau einen Geburtsplan mit in die Klinik bringt, der aus Sicht der Hebamme zeigt, dass sich die Frau nicht über die Vorgehensweisen im Kreißsaal informiert hat; oder, wenn Frauen nicht die Ratschläge von Hebammen befolgen. 

Hebammen stellen fest, dass ihre Berufsgruppe sich nicht darauf geeinigt hat, was sie unter einer guten Betreuung versteht. Aus ihrer Sicht könnten die Frauen davon profitieren, wenn es gemeinsame Richtlinien und einheitliche Empfehlungen geben würde. Die gegenseitige Vertretung von Hebammen könnte leichter erfolgen, weil alle genau wüssten, was auf welche Weise zu tun ist. Hebammen könnten zum Beispiel auch Aufgaben an eine Sekretärin abgeben und so mehr Zeit für die Frauen haben. 

Folgende Kriterien für eine gute Qualität schlagen Hebammen vor: Berücksichtigung der Wünsche und Situation einer Frau in der Beratung und Betreuung, aktuelle Informationen und eine umfassende Sicht auf die Versorgungssituation der Frau. Hebammen wünschen sich diesbezüglich Schulungen für die Beratungstätigkeit und insbesondere für die Betreuung von geflüchteten und traumatisierten Frauen. Einerseits würden Hebammen gerne an Veranstaltungen zur Verbesserung der Qualität teilnehmen, andererseits haben sie dafür kaum Zeit.

Hebammen wollen die erste Ansprechpartnerin der Frau in der Schwangerschaft sein. Sie können sich auch vorstellen, neue Modelle der Versorgung auszuprobieren und anzubieten: beispielsweise ein Geburtsvorbereitungskurs von längerer Dauer, Wochenbettkurse, Elterntreffs oder Still-Cafés mit Hebammenberatung und Sexualaufklärung für Jugendliche.  

09.09.2016


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