Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Sie bekommen eine Narkose

Das Aufklärungsgespräch:

Bereits im Vorfeld Ihrer Narkose werden wir tätig und führen das sogenannte Aufklärungsgespräch durch. Üblicherweise findet dieses in den Räumen unserer anästhesiologischen Sprechstunde statt, in denen es am wenigsten gestört wird und Ihre Intimsphäre gewahrt bleibt. Falls Sie Ihr Bett nicht verlassen können beziehungsweise während der Dienstzeiten nachts und am Wochenende, kommen wir gern zu Ihnen auf die Station.
Zunächst bekommen Sie einen Fragebogen; dessen erster Teil bringt Ihnen das Thema Anästhesie näher, während im zweiten Teil wichtige Fragen zu Ihren Vorerkrankungen gestellt werden. Wir bitten Sie, diesen sorgfältig auszufüllen. Somit hat der Anästhesist (Narkosearzt), der sich anschließend mit Ihnen unterhält, eine gute Grundlage, um Ihre Krankengeschichte und insbesondere Ihre aktuelle Belastbarkeit umfassend zu erheben. Auch werden Sie dabei (mit besonderem Augenmerk auf Herz, Kreislauf und Lunge) untersucht. Gegebenenfalls wird der Anästhesist spezielle Untersuchungen veranlassen. Dabei möchten wir uns ein genaues Bild von Ihnen und Ihrem individuellen Narkose- sowie Operationsrisiko machen und das für Sie am besten geeignete Verfahren der Anästhesie finden. Dann wird der Anästhesist Ihnen dieses Verfahren einschließlich aller relevanten Risiken erläutern. Sollten Sie weitere Fragen haben, so können Sie diese selbstverständlich stellen. 

Auch werden wir Ihnen einige Verhaltensregeln an die Hand geben, um Zwischenfälle zu minimieren:

6 Stunden vor der Anästhesie nichts Festes mehr essen, auch keine Milch oder Getränke mit festen Bestandteilen 

2 Stunden vor der Anästhesie keine Flüssigkeit mehr trinken (Ausnahme: etwas Wasser im Rahmen unserer Vorbereitungstablette) 

am Operationstag nicht mehr rauchen bitte abschminken und alle abnehmbaren Schmuckstücke auf der Station lassen 

Kontaktlinsen, Brillen, Hörgeräte und insbesondere herausnehmbare Zahnprothesen ebenfalls in Ihrem Zimmer lassen (Falls Sie ohne Brille fast nichts mehr sehen beziehungsweise ohne Hörgerät fast nichts mehr hören, können sie diese ausnahmsweise mit in den OP nehmen.) 

Welche Ihrer Medikamente Sie am OP-Tag nehmen dürfen, wird Ihnen der Anästhesist erklären. Auch wird er dies genau auf Ihrem Narkoseprotokoll vermerken, damit die Schwestern Ihrer Station Bescheid wissen.


Sie dürfen nicht erschrecken! Auch wenn eine Narkose Routine und in den meisten Fällen nicht riskant ist, werden wir Ihnen alle erdenklichen, schlimmen Komplikationen darlegen. Schließlich benötigen wir eine Unterschrift von Ihnen, mit welcher Sie unserer Anästhesie und allen denkbaren Komplikationen zustimmen. 
Im Rahmen unserer Aufklärung sind wir bemüht, Ihnen durch ein vertrauensvolles Gespräch die Angst vor der Narkose zu nehmen und Ihren Stress zu vermindern. Hierbei können uns auch Tabletten helfen, welche Sie bei Bedarf am Vorabend und/oder unmittelbar vor der Operation auf Ihrer Station bekommen. 

 

Die Anästhesie:

Kurz vor Ihrem Eingriff wird in unserem Aufwachraum ein venöser Zugang am Handrücken oder Unterarm gelegt. Anschließend werden Sie durch eine unserer erfahrenen Pflegekräfte in den dem Operationssaal unmittelbar angrenzenden Vorbereitungsraum gebracht. Dort werden Sie an die Überwachungsgeräte angeschlossen, die Ihren Blutdruck, Ihre Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt Ihres Blutes aufzeichnen. Auch wird ein Tropf mit Flüssigkeit angehängt. Die eventuell zu hörenden akustischen Alarmmeldungen sind an dieser Stelle normal und brauchen Sie nicht zu beunruhigen. Weiterhin lernen Sie Ihre Narkoseärztin/Ihren Narkosearzt kennen. Es kann sein, dass diese/dieser nochmals nach Ihrem Namen und ein zweites Mal nach wesentlichen Punkten Ihrer Krankengeschichte fragt, überprüft, ob Sie nüchtern sind und ob beziehungsweise welche Allergien Sie haben. Anschließend wird mit der Anästhesie begonnen. 

Es werden unterschieden: 

Lokalanästhesie: ein kleiner Bezirk wird empfindungslos 

Regionalanästhesie: ein größerer Abschnitt des Körpers ist betroffen 

Allgemeinanästhesie: ein schlafähnlicher Zustand 

Bei einer Lokal- oder Regionalanästhesie wird das Schmerzempfinden ausgeschaltet. Sie sind wach und ansprechbar. Dabei können wir Ihnen ein leichtes Schlaf-/Beruhigungsmittel verabreichen, so dass Sie entspannen und in der Regel eindösen. 

Die Regionalanästhesie lässt sich in Spinal-, Epidural- und Plexusanästhesie einteilen. Die sogenannte Spinalanästhesie ermöglicht Operationen des Unterbauches, Beckens und der Beine. Nach örtlicher Betäubung wird im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule eine dünne Nadel in den Zwischenwirbelraum eingeführt. Dabei sind Verletzungen des Rückenmarks fast ausgeschlossen, weil sich auf dieser Höhe kein Rückenmark mehr befindet. Nun wird ein örtliches Betäubungsmittel in den mit Nervenwasser gefüllten Raum der Lendenwirbelsäule eingespritzt. Erst verspüren Sie ein Wärmegefühl, dann eine Taubheit und schließlich lassen sich die Beine weniger oder gar nicht mehr bewegen. (In einzelnen Fällen nimmt der Patient trotz erfolgreicher Spinalanästhesie eine Berührung als leichten Druck wahr. Dies stört jedoch weder Sie noch den operierenden Kollegen, da das Schmerzempfinden komplett ausgeschaltet ist.) Die Wirkung hält für zwei bis drei Stunden an. Sollte die Operation länger dauern oder eine vollständige Schmerzfreiheit nicht erreicht werden können, kann Ihr Narkosearzt jederzeit zu einer Vollnarkose wechseln. 
Wird die dünne Nadel im Bereich der Brustwirbelsäule gesetzt, sprechen wir von einer Epiduralanästhesie. Zwar befindet sich auf dieser Höhe Rückenmark, doch wird die Nadel nicht bis zum Nervenwasser, sondern lediglich in das das Rückenmark umgebende Fettgewebe vorgeschoben. Demnach sind auch hier Verletzungen des Rückenmarks nahezu unwahrscheinlich. Auf diese Weise können das Schmerzempfinden etwa bei großen Brust- oder Baucheingriffen ausgeschaltet werden. 
Auf diese Art und Weise können auch ein Arm beziehungsweise ein Bein oder gar nur Anteile desselben, etwa die Schulter, betäubt werden. Wir sprechen von der sogenannten Plexusanästhesie. Ebenfalls mit einer dünnen Nadel suchen wir die Nervenbahnen, beispielsweise im Bereich der Achsel, auf, welche den Arm versorgen. Dann wird örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. 

Wird nur ein ganz kleiner Bezirk des Körpers empfindungslos, handelt es sich um eine Lokalanästhesie. Sie kennen diese bereits, denn Ihr Zahnarzt macht mit seinen Betäubungsspritzen nichts anderes.
Der große Vorteil einer Regional- oder Lokalanästhesie gegenüber einer Vollnarkose besteht darin, dass nicht Ihr gesamter Organismus mit Narkosemitteln und vor allem nicht Ihr Kreislauf mit den möglichen Nebenwirkungen einer Allgemeinanästhesie belastet werden.

Demgegenüber führt die Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) zu einem Verlust von Bewusstsein und Atmung. Diese wird normalerweise durch Einspritzen eines Einschlafmittels über den vorher gelegten Venenzugang begonnen. Ihre Fortführung erfolgt dann über die weitere Zugabe von Medikamenten über die Vene (intravenöse Narkose) oder über den Zusatz von Narkosegas (Gasnarkose) zur Atemluft so lange die Operation dauert. Zum Zuführen der Atemluft kann eine Beatmungsmaske (auf das Gesicht aufgesetzt), eine sogenannte Larynxmaske (wird in den Mund eingeführt) oder ein sogenannter Tubus (wird in die Luftröhre eingeführt) verwendet werden.
Während der gesamten Anästhesie sind wir bei Ihnen und sorgen dafür, dass Sie entspannt sind beziehungsweise - im Falle der Vollnarkose - tief und fest schlafen und keine Schmerzen haben. Wir überwachen alle wesentlichen Organfunktionen, zum Beispiel Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Sauerstoffgehalt des Blutes, und beheben eventuell auftretende Störungen sofort. Hinterher wird die Zufuhr des Narkosemittels beendet, und Sie wachen langsam auf. Manchmal macht es durchaus Sinn, Regional- und Allgemeinanästhesie miteinander zu kombinieren. 

 

Die Nachsorge:

Unmittelbar nach dem Eingriff werden Sie im Aufwachraum überwacht. Erst wenn alles wieder in Ordnung ist, verlegen wir Sie wieder auf Ihre Station. Nach größeren Operationen oder aufgrund bestimmter Vorerkrankungen kann es nötig werden, Sie nach einem Eingriff besonders zu überwachen. Hierfür stehen mehrere Intensiv-/Überwachungsstationen zur Verfügung.
Natürlich kann es im Bereich einer frischen Operationswunde mal zwicken. Größere Schmerzen müssen Sie aber nicht erleiden, da Sie bereits im Aufwachraum, aber auch auf Ihrer Station ausreichend Schmerzmittel verabreicht bekommen. Sollten die dort gängigen Verfahren der Schmerzbekämpfung nicht ausreichen, steht Ihnen der Schmerzdienst unserer Abteilung rund um die Uhr, auch auf Ihrer Station, zur Verfügung.