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Biologische Therapieverfahren

Hierbei handelt es sich um Therapieverfahren, die auf einem neurobiologischen Ansatz beruhen. Die in unserer Klinik angewandten Verfahren sind die Schlafentzugstherapie, die Lichttherapie und die Elektrokonvulsionstherapie.

Schlafentzugstherapie

Schlafentzugstherapie oder auch Wachtherapie genannt, ist ein biologisches Therapieverfahren, welches zur Behandlung depressiver Störungen eingesetzt wird. Je nach Symptomkonstellation kann ein teilweiser (eine Nachthälfte) oder vollständiger Schlafentzug (ganze Nacht)  durchgeführt werden. Unsere Schwestern unterstützen den Patienten dabei, durch Beschäftigung oder Gespräche wach zu bleiben. Ziel ist über eine Veränderung verschiedener, bei depressiven Störungen  aus dem Gleichgewicht geratener Botenstoffsysteme (z. B. Serotonin) im Gehirn, eine Besserung der depressiven Symptomatik zu erreichen. Da der Effekt manchmal nur kurz anhält, kann diese Behandlung auch mehrmals in Folge durchgeführt werden. Johann Christian August Heinroth, ein Leipziger Psychiater  und Vorreiter der Psychiatrie, beschrieb  bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die Wirksamkeit dieser Therapiemethode, die mittlerweile wissenschaftlich gut belegt ist. Dank ihrer geringen Nebenwirkungen bei guter Wirksamkeit, stellt sie bis heute einen wichtigen Pfeiler der Depressionstherapie dar.

Lichttherapie

Lichttherapie ist ein biologisches Therapieverfahren, welches insbesondere bei der Behandlung saisonal abhängiger Depressionen, der sogenannten Winterdepression, Anwendung findet. Dies sind Depressionen, bei denen sich in Jahreszeiten mit weniger natürlichem Licht wie Herbst und Winter eine depressive Symptomatik einstellt, die sich bessert, wenn die Tage wieder länger werden.

Bei der Lichttherapie sitzt der Patient mit geöffneten Augen vor eine Lampe, die Licht mit mehr als 2000 Lux ausstrahlt. Diese Beleuchtungsstärke entspricht in etwa dem Licht beim Blick aus dem Fenster an einem Frühlingstag. Hierdurch sollen sich bestimmte, bei der Depression gestörte Botenstoffsysteme (Serotonin, Noradrenalin) normalisieren und so zur Besserung der depressiven Symptomatik beigetragen werden.

Diese Therapieform wird von den meisten Patienten als sehr angenehm empfunden, Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen oder Übelkeit sind selten. Ihre Wirksamkeit ist mittlerweile so gut belegt, dass sie Eingang in die Behandlungsempfehlungen der Leitlinie für Depressionen gefunden hat.

Elektrokonvulsionstherapie

Die Elektrokonvulsionstherapie, oft auch Elektrokrampftherapie genannt, ist eine der in der Behandlung psychischer Störungen am längsten bekannten Behandlungsmethoden. Auch nach nunmehr fast 75 Jahren und trotz der ungerechtfertigter Weise sehr negativen Darstellung in der Öffentlichkeit, wird sie aufgrund ihrer hohen Effektivität bei vergleichsweise gutem Risiko- und Nebenwirkungsprofil bei speziellen Krankheitskonstellationen zur Behandlung eingesetzt. Insbesondere in der Therapie von schwer behandelbaren depressiven Störungen, besonderen Formen der Schizophrenie, der sogenannten Katatonen Schizophrenie, und der Behandlung ansonsten therapieresistenter Krankheitsverläufe hat die Elektrokonvulsionstherapie ihren festen Stellenwert.

Die Wirkung der EKT beruht auf der Auslösung eines epileptischen Krampfanfalls mittels eines kurzen Stromimpulses auf die Kopfhaut des Patienten über angelegte Elektroden. Dieser wird mittels eines speziellen Gerätes ausgelöst. Die Behandlung findet grundsätzlich unter Narkose in Anwesenheit eines Anästhesisten statt. Zusätzlich wird ein Medikament zur Entspannung der Muskulatur verabreicht, sodass die Verletzungsgefahr minimiert wird. Während der Behandlung findet eine umfassende Überwachung des Behandelten mittels EKG und EEG, der Muskelaktivität (EMG) und der Sauerstoffsättigung statt.

Das Komplikationsrisiko ist gering und wird in Studien mit 1:50.000 Behandlungen angegeben. Komplikationen sind zumeist auf die Narkose, wie sie auch bei vielfältigen anderen Eingriffen angewendet wird, zurückzuführen. Manchmal können nach der Behandlung zudem Störungen von Gedächtnis und Konzentration auftreten, wobei diese vorübergehender Natur sind.

Angesichts der obengenannten Punkte stieg die Akzeptanz und Häufigkeit dieser Behandlungsmethode im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren weiter an. Auch die Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, die Fachgesellschaft der Psychiater in Deutschland, empfiehlt aus obengenannten Aspekten den Einsatz der EKT bei entsprechender Indikation.