Notfälle
Blutspende
Karriere
Presse
Forschung
Lehre
Patienten
Zuweiser

Die sektorenübergreifende Versorgung

Die Zeit nach der Überleitung aus einer stationären in die ambulante Behandlung ist eine sehr sensible Phase im Behandlungsverlauf psychisch kranker Patienten. Nach einem oft mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt ist es für Patienten meist eine Herausforderung, sich wieder in das gewohnte Lebensumfeld mit all seinen Anforderungen einzufinden.

Trotz intensiver Bemühungen diese Phase aus dem stationären Setting heraus vorzubereiten, zeigt sich erst dann, ob eine ausreichend belastungsstabile Besserung des Gesundheitszustandes vorliegt. Auch ob erfolgte therapeutische Maßnahmen, wie beispielsweise medikamentöse Einstellungen den realen Lebensbedingungen des Patienten angemessen sind, zeigt sich häufig erst nach der Entlassung.

Umso wichtiger ist eine enge Zusammenarbeit und Wachsamkeit des Patienten und des therapeutischen Teams, um gegebenenfalls mit Anpassungen der Therapie auf die veränderten Lebensbedingungen des Patienten reagieren zu können. 

Dass dies häufig noch nicht ausreichend gut gelingt, spiegelt sich in wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema wider. So konnte gezeigt werden, dass ein großer Anteil der Patienten mit schizophrenen Erkrankungen bereits den ersten Vorstellungstermin beim ambulanten Behandler nach Entlassung nicht wahrnimmt und die Medikation nicht wie verordnet einnimmt. Erneute Verschlechterungen der psychischen Situation und nicht selten auch resultierende Gefährdungsmomente sind die Folge.

Ein Faktor, den Patienten häufig als belastend empfinden und der zu diesen Problemen führen kann, ist der Wechsel des Behandlungsteams. Dabei spielt nicht nur die Ebene der über Wochen des stationären Behandlung aufgebauten persönlichen Bindung eine Rolle. Auch die gesammelten Erfahrungen über den aktuellen Behandlungsverlauf können trotz intensiver Bemühungen meist nicht vollständig auf den Nachbehandler übertragen werden. 

Um unseren Patienten in dieser sensiblen Phase die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, erfolgt auf unserer sozialpsychiatrischen Station Wernicke eine sektorenübergreifende Versorgung.

Dies bedeutet, dass Patienten nach Entlassung durch das ärztliche, psychologische und sozialtherapeutische Team der stationären Behandlung auch ambulant bis zur ausreichenden Stabilisierung im gewohnten Lebensumfeld nachbehandelt werden. Hierfür kann zusätzlich bereits auf die Ressourcen der Psychiatrischen Institutsambulanz, wie aufsuchende Hilfen oder Gruppentherapien zurückgegriffen werden.

Durch diese Behandlungskontinuität können mögliche Veränderungen des psychischen Zustandes schnell bemerkt und darauf reagiert werden. Nach ausreichender Stabilisierung im gewohnten Lebensumfeld erfolgt die Rücküberleitung zum ambulanten Vorbehandler.

Durch die zeitnahe, lückenlose und intensive Nachbehandlung konnte bei vielen Patienten neben einer Verkürzung der stationären Behandlungsdauer eine Verminderung der Rückfallhäufigkeit und möglichen Notwendigkeit der Wiederaufnahme erreicht werden.