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Interdisziplinäres Zentrum für Gefäßanomalien

Vaskuläre Anomalien werden nach der International Society for the Study of Vascular Anomalies (ISSVA) beruhend auf histologischen, klinischen und biologischen Grundlagen in vaskuläre Tumoren und vaskuläre Malformationen unterteilt. Bei den vaskulären Tumoren ist der häufigste Vertreter das kindliche Hämangiom, welches eine Endothelzellproliferation (Wachstum) aufweist und danach oft wieder eine Regression (Rückbildung) zeigt. Vaskuläre Malformationen sind anlagebedingte Entwicklungsfehler mit einem normalen Endothelzellumsatz. Es handelt sich dabei um angeborene Gefäßfehlbildungen, die nie zu einem spontanen Regress kommen und erst im Laufe des Lebens smyptomatisch werden können. Sie werden je nach betroffener Gefäßart unterteilt in low-flow (kapilläre, venöse, lymphatische Malformationen) und high-flow (arterio-venöse Malformationen).

Die Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie versorgt als Bestandteil des Interdisziplinären Zentrums für Gefäßanomalien (IZG) am Universitätsklinikum Halle (Saale) Kinder und Jugendliche mit Gefäßanomalien ambulant und stationär. Hierbei arbeiten 10 verschiedene Fachkliniken eng interdisziplinär zusammen, jeder bringt sein spezialisiertes Wissen ein. Dies gilt sowohl für die exakte Diagnose als auch für das heute notwendige breite Spektrum an verschiedensten Therapieverfahren. Unser Angebot umfasst dabei medikamentöse, minimal-invasive interventionelle (LASER) und offen operative Therapien. Unsere Patienten werden im Rahmen einer interdisziplinären Fallkonferenz mit allen beteiligten Kliniken besprochen.

Diagnostik

Die individuelle, ausführliche Krankengeschichte in Kombination mit einer ausführlichen und fachkundigen klinischen Untersuchung sowie ggf. eine zusätzliche bildgebende Diagnostik sind essentiell für die exakte Einteilung der Gefäßanomalie und Voraussetzung für eine optimale Therapie. Ohne korrekte genaue Diagnose ist keine sinnvolle Beratung und Therapie möglich. Für die Bilddiagnostik stehen modernste Verfahren zur Verfügung (z.B. 3 Tesla MRT, biplanare Angiografie und Kontrastmittel-Ultraschall).

Therapie

Abhängig von Art, Ausdehnung und Lokalisation der Erkrankung stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur verfügung. Viele Gefäßmalformationen können minimal-invasiv behandelt werden. Hierbei wird je nach Erkrankung, Ausdehnung und Vorbehandlung der Kinder und nach ausführlicher Aufklärung der Eltern die individuelle Therapie festgelegt, wobei neben der individuell erfolgversprechendsten Maßnahme die Behandlung mit dem geringsten Risiko ausgesucht werden kann.

  • konservativ

    Speziell bei Hämangiomen ("Blutschwämmchen") ist nicht immer eine Therapie erforderlich ("watch and wait"), da hier - insbesondere bei Säuglingen - diese wieder spontan verschwinden können. Bei dieser Entscheidung sind jedoch immer weitere Faktoren wie die Größe des Hämangioms und seine Dynamik bzw. bereits aufgetretene Komplikationen zu berücksichtigen. Ein schnelles Flächen- oder Dickenwachstum (Hämangiom wächst schneller als das Kind) muss unbedingt verhindert werden, insbesondere wenn es sich um funktionell oder kosmetisch ungünstige Lokalisationen wie Gesicht, Hals, behaarter Kopf, Anogenitalbereich, Hände und Füße handelt.

                stecknadelkopfgroße Hämangiome - keine Therapie erforderlich, "watch and wait"

  • medikamentöse Therapie

    Mittlerweile liegen sehr gute Erfahrungen mit Propanolol vor. Hierbei handelt es sich um einen Beta-Blocker, der üblicherweise zur Senkung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Ein für unsere Patienten interessanter Nebeneffekt ist, dass es unter Gabe von Propanolol als Saft oder Tabletten sehr oft zu einer Verkleinerung oder gar dem Verschwinden von Hämangiomen kommt. Wegen der typischen Nebenwirkungen wie Blutdrucksenkung und verlangsamtem Puls wird nach Durchführung eines EKGs während eines kurzen stationären Aufenthalts die Dosis in kleinen Schritten gesteigert, so dass sich der Kreislauf des Kindes bis zum Erreichen der gewünschten Menge daran gewöhnen kann. Danach wird das Medikament meist gut vertragen; lediglich bei reduzierter Nahrungsaufnahme (z.B. bei Magen-Darm-Infekt) muss wegen der Gefahr einer Unterzuckerung pausiert werden.

             rückläufiges, abblassendes Hämangiom unter Therapie mit Propanolol

  • Kryotherapie (Kältetherapie)

    Die Kontakt-Kryotherapie kann unter Einsatz von hautbetäubenden Pflastern ("Zauberpflaster"), wenn nötig auch mit zusätzlicher Sedierung, ambulant in der Sprechstunde erfolgen. Applikationssonden unterschiedlicher Größe, die mit einem speziellen Gerät auf -32° gekühlt werden, werden 20 Sekunden auf die Oberfläche des Hämangioms gesetzt. Dies führt zu einer Zerstörung der Hämangiomzellen unter der Hautoberfläche.

         oberflächliche, flache Hämangiome bis 1cm Größe, geeignet für Kryotherapie

  • Lasertherapie

    Die Lasertherapie kann sowohl bei oberflächlichen Gefäßfehlbildungen als auch bei Malformationen in der Körpertiefe zum Einsatz kommen, wobei wir den CO2-Laser oder den Neodym-YAG-Laser verwenden. Bei tiefliegenden Malformationen wird eine Punktionsnadel unter die Haut direkt an die Malformation gebracht und durch Laserlicht das Gewebe zerstört. Dies geschieht bei Kindern und Jugendlichen nahezu immer in Narkose. Es kommt danach zu einer lokalen Entzündungsreaktion und mittelfristig zu einer Abheilung des Areals. Öfters ist eine mehrfache Therapie erforderlich, wobei eine erneute Laseranwendung frühestens nach 4 Wochen wieder erfolgen sollte.

         "erhabenes" Hämangiom mit subkutanem Anteil, geeignet für Lasertherapie 

  • Embolisationstherapie

    Diese Therapie eignet sich besonders bei arteriovenösen Malformationen mit hohem Blutdurchfluss. Hierbei wird (in Narkose) die Malformation minimal-invasiv über Gefäße und selektive Mikrokatheter aufgesucht und mit speziellen Materialien gezielt verschlossen. Wichtig ist hierbei, selektiv alle kleinen pathologischen Gefäßverbindungen zu verschließen und nicht nur die großen zuführenden Arterien. Meist sind auch hier mehrere Sitzungen notwendig. Das durch den Verschluss gezielt ausgeschaltete Gewebe kann im Verlauf gegebenenfalls operativ entfernt werden, um ein Wiederauftreten zu vermeiden.

  • Sklerosierungstherapie

    "Sklerosieren" heißt "Verkleben". Diese Behandlung wird bei venösen und lymphatischen Malformationen durchgeführt. Hierbei wird mittels Ultraschall über die Haut eine Punktionsnadel eingeführt, über die je nach Läsion spezielle Medikamente (Alkoholgel, Doxycyclin, Aethoxysklerol, OK-432) direkt in die Läsion injiziert werden. Sie führen zu einer lokalen Entzündungsreaktion und anschließend nach einigen Wochen zum "Verkleben" der Gefäße. Diese Methode ist besonders schonend, muss jedoch ebenfalls oft mehrfach durchgeführt werden. Hier bevorzugen wir insbesondere bei so genannten großzystischen Lymphangiomen die Behandlung mit OK 432 (Picibanil), da wir dabei die besten Erfahrungen gemacht haben. Bei Kindern werden die Maßnahmen ebenfalls meistens in Narkose durchgeführt.

          ausgedehnte, "blutreiche" Gefäßtumoren und AV-Malformationen sind für Embolisation
oder Sklerosierung geeignet

  • Resektionsoperationen

    Der Nachteil offen operativer Resektionen besteht neben der Narbenbildung darin, dass z.B. am Hals eine Verletzung von Begleitstrukturen (Nerven, Gefäße) möglich ist oder bei inkompletter Entfernung ein Rezidiv (Wiederauftreten) möglich ist. Somit versuchen wir dies durch minimal-invasive Techniken zu vermeiden. Eine gute Indikation für eine operative Entfernung besteht jedoch bei Gefäßmalformationen, die vom umliegenden Gewebe abgegrenzt sind, oder im Rahmen einer Kombinationsbehandlung, wenn zuvor die Gefäßfehlbildung mittels Embolisation oder Sklerosierungstherapie verschlossen wurde.

Kontakt/Sprechstunde

Universitätsklinik und Poliklinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie
Sprechstunden
Mo, Di, Do, Fr             9.00 - 13.00
Mi                             14.00 - 17.30

Tel.:                          +49 (345) 557-2075
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Anschrift: Universitätsklinikum Halle (Saale), Ernst-Grube-Str. 40, 06120 Halle

Internationale Patienten

Um uns optimal auf Ihren Fall vorzubereiten, benötigen wir zur Planung und vor der ersten Vorstellung verschiedene Unterlagen. Am besten senden Sie uns Kopien zu, die wir dann in Ihre Akte integrieren können. Nehmen Sie hierzu bitte Kontakt auf mit:
Frau Svatko
Tel.:                         +49 (345) 557-2742
Fax:                         +49 (345) 557-5072
E-Mail:                     zhanna.svatko(at)uk-halle.de

Erwünschte Unterlagen für die Vorbereitung und Sprechstunden/Ambulanztermine

  • Kopien bisheriger Vorbefunde aus Behandlungen und Diagnostik, zum Beispiel Arztbriefe, Op-Berichte vorheriger Eingriffe, Histologiebefunde usw.
  • Bildgebende Untersuchungen (MRTs, CTs, Angiografien, Sonografien o.ä.), wenn möglich auf CD, bitte vorher zusenden
  • unser spezieller Eigen-Anamnese-Bogen und ein Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität kann Ihnen vorher zugesandt werden.

International (foreign) patients:
To prepare the first consultation, documents in copy are required as follows:

  • previous data of diagnosis and treatment, for example medical records, operative reports, histological findings
  • medical imaging (MRI, CT, angiography, ultrasonography)
  • our special questionnaire is available on request