Die Hallesche Psychiatrische und Nervenklinik wurde am 29.4.1891 durch Eduard Hitzig (1838-1907) eingeweiht. Bevor Hitzig dem Ruf nach Halle folgte, war er Direktor der Irrenanstalt Burghölzli in Zürich. Hitzig leitete die Klinik in Halle bis 1903. Er ist bekannt für die von ihm zusammen mit Gustav Fritsch durchgeführten experimentellen Arbeiten über die Auslösbarkeit von Bewegungen kontralateraler Extremitäten durch elektrische Reizung der Hirnrinde. Hierdurch wurde zum ersten Mal die Existenz des motorischen Kortex nachgewiesen. Zudem erlangte seine Monographie "Der Schwindel" große Bedeutung.

Adolph Seeligmüller (*1837 in Naumburg, † 1912 in Halle/Saale) leitete von 1876 bis 1904 die Poliklinik für Nervenkrankheiten an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg. 1876 beschrieb er wenige Wochen bis Monate nach Julius Thomsen die erst 1881 von Adolf Strümpell so bezeichnete Erkrankung Myotonia congenita. Im Unterschied zu Thomsen, der die primäre Störung "in der einen Thätigkeitshälfte des Gehirns, des Willens" mit Sitz "im Cerebrospinalsysteme" lokalisierte, vermutete Seeligmüller eine Erkrankung der Seitenstränge des Rückenmarks mit einer Veränderung der Muskelsubstanz, die "weniger flexibel" sei und damit eine auf den Willensimpuls hin verlangsamte Muskelbewegung bedinge. 1882 und 1887 publizierte er zwei Bände eines Lehrbuches, in dem er neben der "modernen Neuropathologie" auch ausführlich die Anatomie und Physiologie darstellte und welches international große Beachtung fand.

Von 1903-1904 leitete Theodor Ziehen die Hallesche Nervenklinik. Neben vielen anderen Interessengebieten vorwiegend auf dem Gebiet der Psychiatrie beschäftigte er sich auch mit der vergleichenden Anatomie des Kleinhirns bei Primaten.

1904 übernahm Carl Wernicke (1848-1905) die Leitung der Nervenklinik. Er war zuvor seit 1890 Ordinarius für Psychiatrie in Breslau und wegen seiner hirnphysiologischen Arbeiten bekannt. So hatte er das nach ihm benannte Sprachzentrum und die hemianoptische Pupillenreaktion beschrieben.

Nach dem tödlichen Unfall Wernickes wirkte sein Nachfolger Gabriel Anton (1858-1933) bis 1926 als Direktor der Klinik. Zusammen mit dem Chirurgen von Bramann entwicklte er die Balkenstich-Operation, die eine Form der Ventrikeldrainage darstellt. Die von ihm beschriebene visualle Anosognosie wird noch heute als Anton-Syndrom bezeichnet.

Alfred Hauptmann wurde am 29.August 1881 in Gleiwitz geboren. Er wuchs in einem jüdisch-bürgerlichen Elterhaus auf und studierte Medizin in Heidelberg und München. Er arbeitete anfangs bei Wilhelm Erb in Heidelberg und später bei Max Nonne in Hamburg sowie bei Alfred Hoche in Freiburg. Zu dieser Zeit veröffentlichte er auch seine bekannteste Arbeit „Luminal bei Epilepsie“. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch Hauptmann Ziel antisemitischer Ausgrenzungen und Angriffe. Es erfolgte am 31.12.1935 im Zuge des Reichsbürgergesetztes, welches es jüdischen Bürgern nicht gestattete weiterhin als Ärzte zu arbeiten, die Versetzung in den Ruhestand. Am 9. November 1938 wurde er im KZ Dachau inhaftiert. Im Anschluss an seine Entlassung 1939 emigrierte er in die USA. Hier beschrieb er 1941 zusammen mit einem anderen Emigranten, Siegfried J. Thannhauser eine autosomal-dominante Myopathie, die später nach beiden benannte wurde. Er starb am 5. April 1948 in Boston.

Im Jahre 1939 übernahm Fritz Flügel die Leitung der Klinik. Er ist besonders mit der Entwicklung der Pneumenzephalographie in Deutschland hervorgetreten. Flügel verließ 1949 Halle und wurde später Ordinarius in Erlangen.

1935-1936 wurde die Klinik kommissarisch von Karl Pönitz geleitet. Von 1950 bis 1958 wurde die Universitätsnervenklinik wiederum von Karl Pönitz geleitet, der überwiegend auf psychiatrischem Gebiet forschte.

Unter Helmut Rennert, der die Klinik von 1958-1983 führte, begann die Etablierung der Neurologie als selbständige Fachdisziplin innerhalb der Nervenklinik. Die Leitung der Neurologischen Abteilung übertrug 1970 er seinem langjährigen Mitarbeiter Rudolf M. Schmidt.

Prof. Schmidt wurde durch seine Monographien zum Liquor cerebrospinalis und zur Multiplen Sklerose bekannt.

Mit der Gründung einer eigenen Klinik für Neurologie im Jahre 1993 wurde auch in Halle die Verselbständigung der Neurologie vollzogen. Seit 1994 wird die Neurologische Klinik und Poliklinik, die sich jetzt im Standort Kröllwitz befindet, von Stephan Zierz geleitet.