Tumororthopädie

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Tumorerkrankungen des Skeletts sind selten. Aus diesem Grund ist es erforderlich, diese an Tumororthopädischen Zentren zu behandeln, die über Erfahrungen in Diagnostik und Therapie besitzen, aber auch die Möglichkeit haben, in Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen einen optimalen Behandlungsplan zu erarbeiten. Weiterführende Informationen finden Sie auf den Seiten des Sarkomzentrums.

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Grundsätzlich werden gutartige Knochen- und Weichteiltumore von bösartigen Tumoren unterschieden. Daneben kann der Knochen von tumorähnlichen Erkrankungen (z.B. Knochenzysten oder fibröser Dysplasie) befallen sein, die in aller Regel gutartig sind.

Weitere Informationen:

Bei gutartigen Knochentumoren und tumorähnlichen Erkrankungen handelt es sich vereinfacht gesagt um Gewebeansammlungen oder Wucherungen oder zystische Prozesse bei Knochenbildungsstörungen, die aufgrund einer gestörten Zellteilungs- oder Zelldifferenzierungsinformation am falschen Ort oder in vergrößerter Zahl entstehen und das normale Knochengewebe verdrängen können. 

Als Beispiel sei das Enchondrom genannt, bei dem es sich um einen Knorpeltumor, also um eine Ansammlung von Knorpelzellen im Knochen handelt. Knorpelzellen an sich sind keine bösartigen Zellen und kommen im Körper zum Beispiel an den Gelenkflächen vor und erfüllen dort als gut gleitende Kontaktfläche bzw. mechanischer Puffer eine wichtige Funktion. Innerhalb des Knochens sind sie jedoch nicht erwünscht. Sie können dort das Knochengewebe verdrängen und damit, wenn der Knorpeltumor eine kritische Größe erreicht, die Stabilität des Knochens gefährden. 

Es handelt sich häufig um einen Zufallsbefund, der zum Beispiel im Rahmen der aus anderen Gründen durchgeführten Röntgendiagnostik am Kniegelenk entdeckt wird. 

Manche Enchondrome weisen zentrale Verkalkungen auf, die im Röntgenbild besonders gut sichtbar sind (siehe Abbildung: Röntgen vom rechten Kniegelenk mit Enchondrom des Oberschenkelknochens).

Das Enchondrom erfordert in speziellen Situationen, zum Beispiel wenn es stammnah (= nahe am Rumpf)  lokalisiert ist oder eine Größe von 3-4 cm überschreitet, eine operative Therapie, die in der Ausräumung des Tumors und Knochenauffüllung (eigener oder Fremdknochen) besteht.  

In allen anderen Situationen ist keine Therapie erforderlich.

Gutartige Tumore des Muskel- und Skelettsystems zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht zerstörerisch in das umliegende Gewebe einwachsen und keine Absiedelungen (Metastasen, Tochtergeschwülste) in anderen Organen bilden. Damit stellen gutartige Tumore des Muskel- und Skelettsystems keine Bedrohung für das Leben dar, sie können aber eine Gefährdung der Gesundheit auslösen, wenn zum Beispiel die Stabilität des Knochens beeinträchtigt oder durch die Ausdehnung des gutartigen Tumors Druck auf Blutgefäße und Nerven ausgeübt wird. Knochentumore, gutartige Tumore des Muskelskelettsystems können in Einzelfällen auch Schmerzen auslösen. 

Auch Knochen kann der Ursprung bösartiger Tumore sein. Es handelt sich dabei um sehr seltene Erkrankungen.

Bösartige Tumore zeichnen sich dadurch aus, dass sie am Ort der Entstehung das umliegende Gewebe zerstören und in andere Organe, zum Beispiel in die Lunge, Metastasen absiedeln können.

Durch die Zerstörung des umliegenden Gewebes kann es bei Knochen- und Weichteiltumoren insbesondere dazu kommen, dass Knochen in ihrer Stabilität beeinträchtigt werden, die Muskelfunktion, zum Beispiel an Armen und Beinen gestört wird, und Nerven- oder Blutgefäße geschädigt werden. Als Konsequenz können dabei Schmerzen auftreten und die Funktion der Extremitäten beeinträchtigt werden. Im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens bedeutet dies oft eine Stabilitätsgefährdung, die zu Knochenbrüchen führen kann oder bei einem Tumorwachstum in Richtung Rückenmark Lähmungen an Armen oder Beinen hervorrufen kann.

Aufgrund der unterschiedlichen Gewebe aus denen das Muskelskelettsystem zusammengesetzt ist, unterscheidet man eine hohe Anzahl verschiedener bösartiger Tumore, die beispielsweise vom Knorpelgewebe, vom Knochengewebe, vom Muskelgewebe, vom Nerven- oder zum Beispiel vom Bindegewebe ausgehen können.

Erst nach der exakten Feststellung der Art des Tumors, die grundsätzlich durch eine feingewebliche Untersuchung nach Entnahme von Tumorgewebe möglich ist, kann die optimale Behandlung festgelegt werden.

In aller Regel versucht man, den bösartigen Tumor komplett zu entfernen und eine Rekonstruktion zum Beispiel der betroffenen Extremität durchzuführen, um die Funktion zu erhalten.

Abbildung links: Beispiel einer Knochenrekonstruktion nach vollständiger Knochentumorentfernung am Oberschenkelknochen und des Kniegelenkes durch eine Spezialprothese, mit der die Funktion des Beines erhalten werden kann.

Die Prothese besitzt eine Wachstums-funktion, die über den auf dem Bild links abgebildeten Sensor gesteuert werden kann. So ist eine Rekonstruktion auch an noch wachsenden Extremitäten bei Kindern und Jugendlichen möglich.

 

Um die Heilungschancen deutlich zu verbessern wird in aller Regel zusätzlich eine Chemo- und Bestrahlungstherapie durchgeführt, wobei diese Behandlungen in aller Regel nach der Operation erfolgen. In speziellen Fällen ist es erforderlich, den Tumor durch eine Chemo- oder Bestrahlungstherapie vorzubehandeln, um ein besseres operatives Ergebnis zu erreichen. 

Wenn bei Ihnen die Diagnose eines bösartigen Tumors am Muskelskelettsystem gestellt wird, bedeutet das für Sie eine hohe psychische und aufgrund der oftmals erforderlichen komplexen Operation und der langwierigen Nachbehandlung durch eine Chemotherapie und die lebenslang durchzuführenden Kontrolluntersuchungen eine hohe physische Belastung. 

Wir werden für Sie nicht nur nach dem heutigen Stand der Wissenschaft eine optimale Behandlungsmöglichkeit Ihres Tumors bereithalten. Um möglichst eine Heilung zu erreichen, finden Sie auch psychologische Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit Ihrer Tumorerkrankung, und selbstverständlich werden wir eine wirksame Schmerztherapie durchführen. 

Um diese Ziele zu erreichen, werden an unserer Klinik alle bösartigen Tumorerkrankungen in einer speziellen Tumorkonferenz für Knochen- und Weichteiltumore besprochen und durch die Diskussion mit den Fachkollegen, zum Beispiel aus den Bereichen Chemotherapie, Strahlentherapie, Radiologie und natürlich der operativen Behandlung, der beste Behandlungsweg gefunden. 

Während der stationären Behandlung, die in aller Regel für die operative Therapie und zumindest für den Beginn der Chemotherapie erforderlich sein wird, steht Ihnen unser Sozialdienst für alle Fragen, die im Zusammenhang mit einer langfristigen Krankschreibung, dem möglichem Verlust der Berufs- und Arbeitsfähigkeit sowie der Betreuung im häuslichen Milieu zusammenhängen, zur Verfügung.

Bei Knochenmetastasen, die durch andere bösartige Organtumoren (z.B. Lunge, Niere, weibliche Brust) hervorgerufen werden können, ist häufig eine orthopädische Therapie erforderlich. Diese kann an der Wirbelsäule durch die Verordnung stabilisierender Hilfsmittel wie zum Beispiel einem Korsett erfolgen oder auch durch operative Maßnahmen. Als minimalinvasive Maßnahme kann die Auffüllung von Wirbelkörpern mit Knochenzement (so genannte Kyphoplastie) ausreichend sein. Wenn allerdings eine Gefährdung des Rückenmarks und der Nervenfunktion durch die Metastase vorliegt, sind eine prophylaktische Entlastung des knöchernen Rückenmarkkanals und die anschließende Stabilisierung der Wirbelsäule (Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts durch Schrauben und Stäbe) erforderlich.

An den Extremitäten ist bei hochgradiger Bruchgefährdung die vorsorgliche Stabilisierung z.B. mit Platten in Verbindung mit Zement möglich, wenn nicht die definitive Metastasenentfernung sogar Erfolg versprechend ist und zum Heilungsprozess führen kann.

Abbildung links:Beispiel einer Stabilisierung einer ausgedehnten stabilitätsgefährdenden Metastase bei einem bösartigen Nierentumor durch einen Nagel und Knochenzementauffüllung nach Metastasenentfernung 

Prinzipiell können sich aus allen Weichteilgeweben des Körpers bösartige Tumore entwickeln, zum Beispiel aus dem Muskelgewebe, dem Fettgewebe oder dem Bindegewebe.

Auch für die bösartigen Weichteilsarkome des Rumpfes und der Extremitäten ist ein differenziertes Vorgehen für Diagnostik und Therapie notwendig, nachdem durch eine Biopsie und die sich anschließende feingewebliche Untersuchung der Tumor genau eingeordnet wurde.

Bösartige Weichteiltumore müssen vollständig entfernt werden. In der Regel ist eine zusätzliche Therapie durch Bestrahlung oder Chemotherapie erforderlich.

Auch diese Tumore werden an unserer Klinik in einer speziellen Tumorkonferenz besprochen. Durch die Diskussion mit den Fachkollegen, zum Beispiel aus den Bereichen  Chemotherapie, Strahlentherapie, Radiologie und natürlich der operativen Behandlung, wird für Sie der beste Behandlungsweg gefunden.