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05.10.2020

Sprachansagen fördern Desinfektionsmittelgebrauch: Studiendaten rechtfertigen strenge Besuchsregeln


Die strengen Besuchsregelungen für Krankenhäuser aufgrund der Corona-Pandemie sind für Patientinnen und Patienten wie auch für ihre Angehörigen oft nicht nachvollziehbar. In vielen Einrichtungen in Deutschland galten und gelten für die Bereiche Geburtshilfe und Perinatalmedizin derzeit Besuchsverbote, Ausnahmen bilden häufig nur die Partner. Für Personal und Besucher gelten außerdem umfassende Schutzmaßnahmen. Zur Wirksamkeit von Hygieneregeln und Handhygiene hatten Medizinerinnen und Mediziner der Universitätsmedizin Halle (Saale) bereits 2016 eine randomisiert-kontrollierte klinische Studie gestartet, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden (DOI: 10.1055/a-1226-7257). Die Studiendaten belegen, dass automatisierte Sprachansagen den Verbrauch an Desinfektionsmittel um fast 30 Prozent steigern und dass sich das von Besuchern eingetragene Infektionsrisiko mittels gezielter Einflussnahme reduzieren lässt.

 

„Die automatisierte Sprachansage hat dazu geführt, dass sich mehr Menschen die Hände desinfiziert haben; ein Effekt, der eventuell durch die sehr direkte und eindringliche Aufforderung zur Händedesinfektion erklärbar ist. Und Besucherkindern haben wir mit dem Anbringen von Desinfektionsmittelspendern in kindgerechter Höhe überhaupt erst die Möglichkeit gegeben, sich die Hände zu desinfizieren“, erläutert Privatdozent Dr. Gregor Seliger, Oberarzt in der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Perinatalmedizin am Universitätsklinikum Halle (Saale). Er hat gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Tchirikov und einem Team aus Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Infektiologen und Krankenhaus-Hygienikern die Studie über vier Jahre durchgeführt.

 

„Unser Ziel war es, die Fragen zu beantworten, wie sich Besuchs- und Hygieneregeln gestalten lassen, die sowohl den Interessen von gefährdeten Bevölkerungsgruppen, als auch dem Anspruch von Familien gerecht werden. Gleichzeitig ging es darum herauszufinden, welche Maßnahmen wirksam sind, um die Händehygiene bei unserem Personal, insbesondere aber auch bei Besuchern zu optimieren“, so Seliger. Die Herausforderung bei perinatologischen Stationen bestünde darin, dass hier auch häufig Geschwisterkinder zu den Besuchern zählen und diese sich naturgemäß anders verhalten würden als Erwachsene.

 

Maßnahmen wie Informationsmaterial in Form von Flyern und Plakaten für Erwachsene und Kinder, Desinfektionsmittelspender in kindgerechter Höhe sowie Sprachansagen an den Desinfektionsmittelspendern sind implementiert und bewertet worden. Die Ergebnisse, die das Studienteam nun vorgelegen kann, eignen sich auch dazu, Empfehlungen für Ereignisse wie die aktuelle SARS-CoV2-Pandemie abzuleiten. „Die Daten stellen einen wichtigen Beitrag zur Optimierung von Handhygienemaßnahmen von Personal und Besuchern, auch Kindern, in Krankenhäusern dar. Sie rechtfertigen zudem strenge Besuchsregeln und im Extremfall auch ein generelles Besuchsverbot, insbesondere auf geburtshilflichen Stationen, in einer derartigen Situation“, so Seliger.