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Bildgebung und Mehr: Neuer Radiologie-Professor etabliert minimal-invasive Behandlungsmethoden – Zentrum für Gefäßanomalien wird ins Leben gerufen


Moderne Technik gewährt ihm nicht nur faszinierende Einblicke in den menschlichen Körper, sondern gibt ihm auch die Möglichkeit, auf schonende Art Erkrankungen und Verletzungen zu behandeln. Dr. Dr. Walter Alexander Wohlgemuth ist neuer Professor für Radiologie an der halleschen Universitätsmedizin. Er trat seinen Dienst zum 1. Juni 2017 an. Bisher war er am Universitätsklinikum Regensburg tätig. Prof. Wohlgemuth ist bundesweit anerkannter Experte für die interventionelle Radiologie, insbesondere bei der Behandlung von Gefäßanomalien. Unter interventioneller Radiologie versteht man die schonende, zielgerichtete Behandlung unter Kontrolle und Navigation bildgebender Verfahren, beispielsweise bei Gefäßerkrankungen, bei Lebererkrankungen oder in der Tumortherapie. Prof. Wohlgemuth: „Ich habe den Eindruck, dass ich in Halle und an der Universitätsmedizin meine Vorstellungen von einer modernen Radiologie umsetzen kann.“ Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Michael Gekle, erwartet vom neuen Radiologie-Professor eine Akademisierung des Faches über den reinen Dienstleister für andere medizinische Fachdisziplinen hinaus: „Professor Wohlgemuth wird sein Fachgebiet in Halle ein großes Stück voranbringen und dabei – neben neuen Behandlungsmethoden auch Impulse für Lehre und Forschung geben.“

Ein Radiologe hat heutzutage zwei große Arbeitsfelder: die Diagnostik von Erkrankungen und Verletzungen durch die moderne Bildgebung als wichtiger Baustein zur Unterstützung anderer Fachdisziplinen und die minimal-invasive Therapie von Erkrankungen mittels radiologischer, bildgesteuerter Verfahren. „Kaum ein anderes medizinisches Fachgebiet hat sich in den vergangenen Jahren so rasant entwickelt wie die Radiologie“, stellt Professor Wohlgemuth fest. Die technischen Entwicklungen – als Technik seien Computertomograph und Magnetresonanztomograph und Ultraschall mit den verschiedensten Spezialausführungen genannt – und neue Möglichkeiten der Informationstechnologie haben die Basis dafür gelegt. „Erst entstand die immer bessere Technik für die Bildgebung. Aus diesen neuen Möglichkeiten entwickelten sich dann minimal-invasive Therapieformen unter Einsatz der hochauflösenden Bildgebung.“

Es seien heute Eingriffe möglich, die noch vor zehn Jahren undenkbar schienen – zum direkten Vorteil für die Patienten. Denn entweder können erstmals völlig neue Therapien angeboten oder schonendere, alternative Verfahren eingesetzt werden. Als Beispiel nennt der Radiologe die Therapie von schwierigen Gefäßerkrankungen bei Säuglingen und Kindern, die Mittels Katheterverfahren minimal-invasiv behandelt werden können. „Lebensbedrohliche Erkrankungen können so erfolgreich therapiert werden.“ Ebenso ließen sich verletzte Arterien nach einem schweren Unfall ohne offene Operation durch den Radiologen verschließen. Auch das Spektrum der Behandlung von Tumorerkrankungen wurde durch radiologisch-interventionelle Verfahren wesentlich verbreitert.

Mehrere Neuerungen in der Klinik – Zentrum zur Behandlung von Gefäßanomalien wird aufgebaut

Seine Klinik wird künftig nicht nur eine neue Ambulanz für die Interventionelle Radiologie verfügen, sondern außerdem auch Betten im UKH belegen, um Patienten – insbesondere mit Gefäßerkrankungen oder Tumoren – stationär betreuen zu können. Prof. Wohlgemuth gilt als einer der führenden Experten in Deutschland für schwierige Gefäßerkrankungen. „Ich bringe meine Erfahrungen aus Regensburg mit und werde in Halle ein Interdisziplinäres Zentrum für Gefäßanomalien aufbauen“. Er erwarte, dass aus dem gesamten Bundesgebiet Patienten an das hallesche Universitätsklinikum kommen werden. Ein weiterer Schwerpunkt werde die Behandlung von Kindern mit Gefäßerkrankungen sein. „Dabei bin ich bereits bundesweit als Experte im Einsatz gewesen.“ Innerhalb der halleschen Universitätsmedizin werde er mit den anderen Fachgebieten wie der Gefäßchirurgie, Onkologie oder Angiologie interdisziplinär zusammenarbeiten. Zudem strebe er eine Kooperation mit dem Magdeburger Universitätsklinikum an. Das UKH wird außerdem die Infrastruktur der Klinik weiterentwickeln.

In der Forschung setzt der Radiologie-Professor auf mehrere Schwerpunkte: die Verminderung der Strahlendosis beim Einsatz radiologischer Methoden, Gefäßanomalien und die Untersuchung der subjektiven Lebensqualität von Patienten in der interventionellen Radiologie seien als Beispiele genannt. „Ich will herausfinden, ob eine nach klassischen medizinischen Kriterien erfolgreiche Behandlung auch die gefühlte Lebensqualität der Patienten wirklich erhöht“, sagt der Radiologe und studierte Gesundheitsökonom: „Wir therapieren schließlich Menschen und keine Bilder.“ Patientenversorgung und zukunftsorientierte Forschung werden so verbunden. Damit passen seine Vorhaben auch zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Fakultät. In der Ausbildung der Studierenden werde er moderne Methoden etablieren. So ist der Einsatz eines 3D-Druckers geplant, mit dem die Studierenden in der Lernklinik unterschiedliche Gefäßmodelle erstellen können.

Zur Person: Prof. Dr. Dr. Walter Alexander Wohlgemuth wurde 1966 in Bad Kreuznach geboren. Er studierte in München Humanmedizin (Abschluss 1994) und in Bayreuth Gesundheitsökonomie (Abschluss 2004) Seine Facharztausbildung zum Diagnostischen Radiologen absolvierte er im Klinikum Augsburg, wo der zweifache Vater danach als (geschäftsführender) Oberarzt arbeitete. Der Radiologe wechselte 2011 an das Universitätsklinikum Regensburg und war dort als leitender Oberarzt und Leiter der Interventionellen Radiologie und des Interdisziplinären Zentrums für Gefäßanomalien tätig. In seiner Habilitation (2005) untersuchte Prof. Wohlgemuth die subjektive Lebensqualität von Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. 2011 erhielt er eine W2-Professur für Interventionelle Radiologie in Regensburg. Neben seiner klinischen Tätigkeit war er zudem wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth.