Kurztitel 

  • ACTIFCare

Zeitraum

  • März 2014 bis August 2017

Leitung

Mitarbeiterinnen

  • Astrid Stephan
  • Anja Bieber 
  • Anja Broda
  • Gabriele Bartoszek

Partner

  • Maastricht University, Maastricht, Niederlande
  • Bangor University, Bangor/University College London, London, Großbritannien
  • Karolinska Institutet, Stockholm, Schweden
  • Oslo University Hospital, Oslo, Norwegen
  • Dublin City University, Dublin, Irland
  • Universidade Nova de Lisboa, Portugal
  • IRCCS "Centro S.Giovanni di Dio", Fatebenefratelli, Brescia, Italien

 Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (funding code: 01ED1401)

Zusammenfassung

Die zeitgerechte Inanspruchnahme von professioneller Unterstützung kann die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz und ihrer pflegenden Angehörigen verbessern. Das Forschungsprojekt Actifcare untersucht in acht EU-Ländern, wie Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Zugang zu professioneller Unterstützung finden; welche fördernden bzw. hemmenden Faktoren den Zugang beeinflussen und welche Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Gesundheitskosten zu verzeichnen sind. 

Hintergrund

Demenzielle Erkrankungen sind bisher nicht heilbar. Eine zeitgerechte Diagnose ist entscheidend für die Behandlung und Versorgung und kann Menschen mit Demenz helfen, die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten und für die  Zukunft zu planen. Zudem kann der rechtzeitige Zugang zu Unterstützungsangeboten, wie ambulanten Pflegediensten, Gesundheitskosten reduzieren, indem Heimaufnahmen hinaus gezögert oder gar verhindert werden könnten.

Menschen mit mittelschwerer Demenz erhalten jedoch oft keine passgenaue Versorgung und Unterstützung. Das Forschungsprojekt Actifcare möchte das  Missverhältnis zwischen den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen und der Inanspruchnahme von Unterstützung untersuchen, sowie Unterschiede hinsichtlich der Zugangsmöglichkeiten erfassen. 

Ziel

Ziel des Vorhabens ist es, länderspezifische Gute-Praxis Empfehlungen für einen rechtzeitigen Zugang zu professionellen Unterstützungsangeboten zu identifizieren.

Fragestellungen

Welche professionellen Unterstützungsstrukturen für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen gibt es in den acht Ländern (Niederlande, Italien, Portugal, Schweden, Norwegen, Irland, Großbritannien und Deutschland)? Welche Erkenntnisse ergeben sich aus einem Länder-Vergleich?

  1. Welche Zugangsmöglichkeiten zu professioneller Unterstützung haben Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in den acht Ländern? Welche Zusammenhänge sind zwischen dem Unterstützungsbedarf und der Lebensqualität der Menschen mit Demenz bzw. der pflegenden Angehörigen erkennbar?
  2. Wie gestalten sich die Kosten der Versorgung mit und ohne professionelle Unterstützung?
  3. Welche Gute-Praxis Empfehlungen lassen sich aus den Untersuchungsergebnissen generieren, um den Zugang zu professioneller Unterstützung  zu optimieren?

Methode

Zur Beantwortung der Fragestellungen werden unterschiedliche Methoden herangezogen und in vier inhaltlichen Arbeitspaketen (Work Packages [WP]) erarbeitet. Zudem gibt es die Arbeitspakte Projektmanagement und Verbreitung der Ergebnisse (Dissemination).

WP1 Projektmanagement (Verantwortung Niederlande)

  •  Administration und Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen
  • Koordination und Monitoring der einzelnen inhaltlichen Arbeitsschritte 
  • Sicherstellung klarer Kommunikationswege und Aufgabenverteilungen
  • Unterstützung bei der nachhaltigen Verbreitung und Anwendung der Ergebnisse

WP2 Zugang zu professioneller Pflege und Unterstützung in Europa (Verantwortung Deutschland)

  • Erfassen der Versorgungsstrukturen  für  zu Hause lebende Menschen mit Demenz
  • Erfassen der  Zugangsmöglichkeiten zu professioneller Pflege und Unterstützung
  • Fokusgruppen-Interviews mit Menschen mit Demenz in einem frühen Stadium der Erkrankung und ihren Hauptpflegepersonen (n= 2-4 pro Land)
  • Fokusgruppen-Interviews mit professionell Pflegenden und Mitarbeitern anderer Berufsgruppen (n=2-4 pro Land)
  •  Semi-strukturierte Einzelinterviews mit nationalen Entscheidungsträgern (n=3-5 pro Land)

WP3 Inanspruchnahme von bzw. Verzicht auf professionelle Pflege und Unterstützung (Verantwortung Großbritannien)

  • Prospektive Kohortenstudie über einen Zeitraum von einem Jahr mit Datenerhebungen am Beginn, sowie nach 6 bzw. 12 Monaten (n= 50 Dyaden von Menschen mit Demenz und ihre Hauptpflegepersonen pro Land)
  • Qualitative Interviews im Anschluss an die Kohortenstudie (n= 10 pro Land) 

WP4 Ökonomische Aspekte (Verantwortung Schweden)

  • Kostenanalyse der mit dem Resource Utilization in Dementia (RUD) Instrument erhobenen Daten
  • Untersuchung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihrer pflegenden Angehörigen mit verschiedenen Instrumenten (EuroQol-5D, ICECAP-O, DEM-QOL, CarerQol-VAS und CarerQol-7D)
  • Erhebung weiterer beschreibender Merkmale, wie kognitive Beeinträchtigung und Verhalten (Clinical Dementia Rating Scale [CDR], Mini Mental State Examination [MMSE] und Neuropsychiatrisches Inventar [NPI])

WP5 Best-Practice Strategien (Verantwortung Norwegen)

  • Systematische Literaturübersicht über Zugang und Nutzung von professioneller Pflege und Unterstützung in der Phase der mittelschweren Demenz
  • Anwendung der Delphi-Methode zur Ableitung von guten Zugangsmodellen zu professioneller Pflege basierend auf den Ergebnisse der Arbeitspakete 2, 3, 4
  • Abschließende Entwicklung von Empfehlungen zur Implementierung länderspezifischer Gute-Praxis Strategien

WP 6 Dissemination (Verantwortung Irland)

  • Internetseite http://www.Actifcare.eu/
  • Öffentlichkeitsarbeit mit Pressemitteilungen, Flyern, Broschüren etc.
  • Organisation eines "think-tank" - einer "Denkfabrik" von wissenschaftlichen und klinischen Experten zum Umsetzen der Projektergebnisse
  • Einsetzen von Expertengruppen in mindestens zwei  Ländern unter Beteiligung von Serviceplanern, Politikern, sowie Menschen mit Demenz und ihren Hauptpflegepersonen
  • Bereitstellen der Ergebnisse auf den nationalen Internetseiten der Alzheimer-Gesellschaften, sowie von Alzheimer Europe
  • Initiierung eines europäischen Forschungsnetzwerkes auf dem Gebiet gesundheitsökonomischer Aspekte der Versorgung von Menschen mit Demenz (SMARD- Scientific Modelling for Alzheimer's and Related Dementias) 

Stichworte

Dementia (middle-stage), (in)formal care, care needs, access to health care services, quality of life, country comparison, economic evaluation.

Demenz (mittleres Stadium), informelle/professionelle Pflege, Unterstützungsbedürfnisse, Lebensqualität, Zugang zu professionellen Angeboten, Länder-Vergleich, ökonomische Evaluation.

Publikationen

Kurztitel

  • Altern zu Hause / T5

Zeitraum

  • 02/2007 - 01/2010 

Leitung

  • Prof.Dr. Johann Behrens

Mitarbeiter

Partner

  • Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
  • Universität Bremen, Zentrum für Sozialpolitik 

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung 

Zusammenfassung

Hintergrund

Im Zuge der demografischen Entwicklung wird die zukünftige Zahl alter und hochaltriger Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf ansteigen. Für viele Menschen ist gerade das Altern in gewohnter Umgebung ein großes Bedürfnis. Heimübergänge werden hingegen oftmals als einschneidendes Lebensereignis empfunden und stellen zudem für den Einzelnen wie auch die sozialen Sicherungssysteme eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Neben der Betreuung und Pflege durch Angehörige zu Hause gewinnt in einer von Singularisierung gekennzeichneten Gesellschaft der langfristige Erhalt der Selbstversorgungs- und Selbstpflegekompetenz sowie die Unterstützung durch ambulante Dienste außerhalb des familiären Netzwerkes zunehmend an Bedeutung. 

Fragestellung

Können präventive Hausbesuche durch geschultes Personal helfen, den individuellen Hilfs- und Pflegebedarf von über 80-jährigen zu ermitteln, deren Kompetenzen und Ressourcen für eine autonome Lebensführung zu stärken, die Versorgung durch Angehörige zu optimieren sowie bei Bedarf ambulante Dienstleister zu vermitteln? 

Ziel

Das vorliegende Projekt soll zeigen, ob sich durch präventive Hausbesuche, die mit einer Verbesserung der ambulanten Versorgung und mit einer besseren Nutzung von Ressourcen älterer Menschen im häuslichen Bereich verbunden sind, Heimübergänge in einem definiertem Zeitraum vermeiden oder aufschieben lassen. 

Methoden

Die Studie ist als kontrollierte, randomisierte, longitudinale (2 Messzeitpunkte: Prä- und Post-Messung nach 18 Monaten) Interventionsstudie konzipiert, die durch eine prospektive sozialepidemiologische Studie zu Prädiktoren der Heimeinweisung und einer gesundheitsökonomischen Evaluation begleitet wird. 

Stichprobe

Insgesamt werden 320 Studienteilnehmer aus Hausarztpraxen und in Krankenhäusern in Leipzig und Halle rekrutiert. Eingeschlossen werden Personen ≥ 80 Jahre, Pflegestufe I, beantragte aber abgelehnte Pflegestufe (Pflegestufe 0) oder Beeinträchtigung in mindestens 3 ADL/IADL-Bereichen. Die Studienteilnehmer werden randomisiert einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe zugeteilt. 

Intervention

Beide Gruppen werden einer Baseline-Erhebung unterzogen (Soziodemographie, Diagnosen, MMSE, Kostenbuch, Lebensqualität). Bei der Interventionsgruppe erfolgt im Anschluss an die Baseline-Erhebung zum selben Termin ein umfassendes Assessment (mod. nach Geriatrisches Basisassessment der Arbeitsgruppe AGAST) zum Ist-Stand der Pflegesituation. Im Abstand von 2-3 Wochen erfolgt eine Beratung, in welcher die Ergebnisse, der in der Zwischenzeit stattgefundenen Fallkonferenz mit dem Probanden besprochen werden. Im Zeitraum von einem weiteren Monat erfolgt dann ein 3. Gesprächstermin, sozusagen als "Boostersession", in dem ggf. weitere Umsetzungshilfen gegeben werden. 

Erwartete Ergebnisse

Es wird erwartet, dass der Nachweis der Wirksamkeit und Kosteneffektivität präventiver Hausbesuche als sinnvolle und umsetzbare Intervention für ältere Menschen im häuslichen Umfeld erbracht wird. 

Kurztitel

  • AMI

Zeitraum

  • 2005 - 2008 

Leitung

Mitarbeiter

  • Simone Apling
  • Kerstin Celik
  • Anja Feicke
  • Birgit Feindt
  • Steffi Kern 

Partner

  • August-Viktoria-Klinikum Berlin 
  • Berufsgenossenschaftliche Kliniken Halle 
  • Klinikum der Chirurgie Erxleben 
  • Universitätsklinik Leipzig 
  • Universitätsklinik Magdeburg 

Kurztitel

  • Anwendung einer Checkliste zur körperlichen Schonung im Rahmen ärztlich verordneter Immobilisation bei Schwangerschaftskomplikationen. Eine Pilotstudie unter Beteiligung von Familienpflegeeinrichtungen in Bayern

Zeitraum

  •  04/2010 - 04/2012

Leitung

Projektausführung

  • Evangelischer Familienpflegedienst Hesselberg mit 12 Einrichtungen in ganz Bayern, Hesselbergstrasse 26, 91726 Gerolfingen 
  • Familienpflegestation der Diakonie Lohr/Aschaffenburg/Schweinfurt, Rossmarkt 29, 63739 Aschaffenburg
  • Kongregation der Rita Schwestern, Bereich Familienpflege, Friedrich Spee Str. 32, 97072 Würzburg
  • Caritas Sozialstation St. Gregor, Fährbrück bei Würzburg 
  • Diakonie Aktiv GmbH Schenkstr. 69 91052 Erlangen

Zusammenfassung

Fragestellung:

Frauen, denen im Rahmen ambulanter Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen körperliche Schonung verordnet wird, beschreiben häufig Ängste, Unsicherheit und Konflikte. Diese können durch bereits vorhandene Kinder und geringes Verständnis des sozialen Umfeldes für die Notwendigkeit dieser Maßnahme verstärkt werden. In einer vorangegangenen Untersuchung äußerten betroffene Frauen in diesem Zusammenhang den Wunsch nach klaren Verhaltensanweisungen für die häusliche Schonung (Schmidt 2008, 2009).

Familienpflegerinnen beschreiben bei manchen Frauen große Ängste und Unsicherheit, bei anderen ein Risikoverhalten und würden schriftliche Anhaltspunkte zum Grad der häuslichen Schonung als Unterstützung für ihre Arbeit mit den Frauen und in den Familien begreifen.

Um diesen Wünschen entgegenzukommen wird in einer Pilotstudie eine Checkliste zur körperlichen Schonung (Maloni J A 1994, Schmidt 2008) erprobt. Es soll zunächst an einem kleinen Kollektiv untersucht werden, ob die Checkliste von den behandelnden Ärzten als Möglichkeit angenommen wird, manche Frauen bei der Umsetzung der körperlichen Schonung im Alltag zu unterstützen, ob die Checkliste den betroffenen Frauen hilft, ihrem behandelnden Arzt Fragen bezüglich der körperlichen Schonung zu stellen und ihnen die Umsetzung der körperlichen Schonung im häuslichen Alltag erleichtert. Zusätzlich soll der Nutzen der Checkliste von Familienpflegerinnen bewertet werden.

Methode:

In die Studie aufgenommen wurden Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen, deren Behandlung durch häusliche körperliche Schonung unterstützt werden soll und denen eine Haushaltshilfe/Familienpflegerin verordnet wurde. Die Bewertung der Checkliste erfolgte durch Rating-Skalen ergänzt durch Freitextangaben.

Erste Ergebnisse:

Die Ergebnisse, die aufgrund der kleinen Stichprobe mit Vorsicht zu interpretieren sind, zeigen, dass die überwiegende Anzahl der teilnehmenden Ärzte den Einsatz der Checkliste in bestimmten Situationen für sinnvoll hält. Es wurden keine Kontraindikationen formuliert und nur wenige Ärzte lehnen den Einsatz einer Checkliste ab, da sie zusätzlich zu ihrer Aufklärung keinen Bedarf für schriftliche Empfehlungen sehen. Von Interesse ist, dass die Checkliste vor allem von den befragten Familienpflegerinnen als Hilfe für die Arbeit mit den Frauen und den Familien beurteilt wird. Einige der befragten Frauen beschrieben die Checkliste als Hilfe im Gespräch mit dem Arzt und für die Umsetzung der körperlichen Schonung im Alltag, während andere Frauen keinen zusätzlichen Vorteil sahen.

Schlussfolgerungen und Ausblick:

Während es für viele Frauen kein Problem darstellt, die Anordnungen des behandelnden Gynäkologen für die körperliche Schonung im Alltag umzusetzen, wünschen andere Patientinnen schriftliche Verhaltensrichtlinien und scheinen davon zu profitieren. Es sollte an einem größeren Kollektiv untersucht werden, in welchen Fällen der Einsatz der Checkliste für die körperliche Schonung ratsam ist, ob die Anwendung auch von ggf.in die Unterstützung eingebundenen Familienangehörigen als sinnvoll beurteilt wird. Zudem sollte an einem größeren Kollektiv überprüft werden, ob durch den Einsatz der Checkliste bei den betroffenen Frauen Ängste und Unsicherheit verringert, Konflikte vermieden und die Adherence verbessert werden können.

Literatur:

  1. Maloni J A (1994) Home care of the high-risk pregnant woman requiring bed rest.
  2. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs 25: 17-23
  3. H. B. Schmidt, H. Faller, M. Sütterlin Belastungen und Bewältigung bei Immobilisation wegen drohender Frühgeburt In: F. Siedentopf et al. (Hrsg.), Zwischen Tradition und Moderne Psychosomatische Frauenheilkunde im 21. Jahrhundert Beiträge der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. 2008, Mabuse Verlag, Frankfurt; 199-204
  4. H. B. Schmidt , H. Faller , M. Sütterlin Immobilisation bei drohender Frühgeburt – Belastungen und Bewältigung Eine qualitative Analyse von Gesprächen mit betroffenen Frauen und ihren Partnern Geburtsh Frauenheilk 2009; 69:1-5

Kurztitel

  • Atmung

Zeitraum

  • 01.03.2016 bis 28.02.2017

Leitung

  • Prof. Dr. Gabriele Meyer

Mitarbeiter/-innen

  • Dr. rer. medic. Steffen Fleischer
  • Dr. rer. medic. Almuth Berg
  • Dr. rer. med. habil. Anja Broda
  • Astrid Bastian, M.Sc.

Förderung

  • AOK Sachsen-Anhalt
  • AOK Nordost

Zusammenfassung

Die anteiligen Aufwendungen für die Versorgung von Personen mit eingeschränkter Vitalfunktion „Atmung“ und vorzuhaltender pflegerischer Interventionsbereitschaft differieren zwischen den AOKn der Bundesländer zum Teil erheblich. Gleichzeitig unterscheiden sich die rohen Inzidenz- und Prävalenzraten zwischen den Bundesländern. 

Eine Berechnung altersstandardisierter Inzidenzen und Prävalenzen stand bislang jedoch aus. Die Unterschiede könnten sich möglicherweise durch Eigenheiten der jeweiligen Altersstruktur der Versichertenpopulationen in den Bundesländern erklären. Neben den Unterschieden in den rohen Inzidenzen und Prävalenzen zeigen sich auf Länderebene aber auch unterschiedliche quantitative Ausprägungen der Angebots- und Versorgungsstruktur. Demnach erschien es naheliegend, neben der Altersstruktur der Versichertenpopulation, die Angebotsstrukturen bei der Erklärung der Leistungsinanspruchnahme zu berücksichtigen. Zudem mussten aber auch andere Faktoren, die Einfluss auf regional unterschiedliche Inzidenzen und Prävalenzen haben könnten, geprüft und in eine Analyse miteinbezogen werden.

Kurztitel

  • BraFaP

Zeitraum

  • 10/2011 - 06/2013

Leitung

  • Prof. Dr. Johann Behrens

Mitarbeiter

Partner

  • Zentrum für Sozialforschung Halle (Sabine Böttcher, Susanne Winge)
  • Ruhr-Universität Bochum (Prof. Rolf Heinze)
  • Universität Siegen (Prof. Christoph Strünck)
  • Evangelische Hochschule Freiburg (Prof. Thomas Klie)

Förderung

  • Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg

Zusammenfassung

Ziel der Studie ist die Erarbeitung wissenschaftlich basierter Handlungsempfehlungen zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen Pflege in Brandenburg. In drei Untersuchungsebenen soll beantwortet werden:

(1) wie die Entwicklung von Pflegebedürftigkeit beeinflusst werden kann (Vermeidung und Reduzierung von Pflegebedürftigkeit), 

(2) welche Optionen in der Gestaltung der regionalen Versorgungsstrukturen in Brandenburg unter besonderer Berücksichtigung kommunaler Gestaltungsansätze und –spielräume und 

(3) welche betrieblichen Möglichkeiten der Fachkräftesicherung sowie bei der Organisation von ambulanter und stationärer Pflege bestehen.

Kurztitel

  • Cochrane LTx

Zeitraum

  • 05/2007 - 07/2010

Leitung

Mitarbeiter

Partner

  • Cochrane Hepato-Biliary Group
  • Klinikum Regensburg

Förderung

  • BMBF

Zusammenfassung

Es werden Cochrane Reviews erstellt zu folgenden Themen:

  1. Glucocorticosteroids for liver-transplanted patients
  2. Interventions for viral hepatitis B in liver-transplanted patients 
  3. Nutritional interventions for liver-transplanted patients

Publikationen

  • Großmann K, Langer G, Saal S, Grothues D, Wienke A. Mycophenolate mofetil for liver-transplanted patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. Art. No.: CD007446. DOI: 10.1002/14651858.CD007446. 
  • Langer G, Saal S, Großmann K, Grothues D, Wienke A. Glucocorticosteroids for liver transplanted patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 1. (Im Erscheinen) 
  • Langer G, Großmann K, Saal S, Grothues D, Wienke A. Nutritional interventions for liver-transplanted patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 1. (Im Erscheinen) 

Zeitraum

  • Februar 2017 – Dez. 2018 

Leitung

Mitarbeiter

Partner

  • Cochrane Deutschland, Universitätsklinik Freiburg

Förderung

  • keine externe Förderung

Zusammenfassung

Hintergrund

Nationale und internationale Studien zeigen, dass mechanische freiheitseinschränkende Maßnahmen (FEM) bei der Pflege und Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen (z.B. Demenz) regelmäßig angewendet werden, trotz fehlender Belege für ihre Wirksamkeit. Daher wird eine Pflege ohne FEM international gefordert. 

Ziel

Ziel des Projektes ist die Erstellung einer systematischen Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von Interventionen zur Vermeidung und Reduktion von FEM im Akutkrankenhaus (ohne Einbezug von Intensivstation oder Psychiatrie). 

Methoden

Die systematische Übersichtsarbeit wird nach den Methoden der Cochrane Collabotation erstellt.

Publikationen

  • Möhler R, Nürnberger C, Abraham J, Köpke S, Meyer G. Interventions for preventing and reducing the use of physical restraints of older people in general hospital settings. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 12. Art. No.: CD012476. DOI: 10.1002/14651858.CD012476.

Kurztitel

Darstellung sozialer Systeme mit dem neu für Blinde und Sehbehinderte angepassten Familienbrett - eine qualitative Pilotstudie im Rahmen beruflicher Rehabilitation 

Leitung

Projektausführung

  • Studierende Masterstudiengang Gesundheits- und Pflegewissenschaft M. Schröder und K. Kreißler
  • Einrichtung: 2BFW Halle (Saale) gGmbH, A. Kunnig

Zusammenfassung 

Hintergrund:

Eine neu auftretende schwere Sehbehinderung erfordert berufliche und soziale Neuorientierung z.B. unterstützt durch eine Rehabilitation in Berufsförderungswerken. Um Betroffenen zu ermöglichen, erlebte Änderungen im sozialen und familiären Beziehungsgefüge bildhaft darzustellen und so den Austausch darüber zu erleichtern, wurde das Familienbrett [1] für Sehbehinderte und Blinde angepasst [2] und im Rahmen dieser Pilotstudie eingesetzt.

Methode und Stichprobe: 

In dieser Pilotstudie wurde das subjektive Erleben der sozialen und familiären Situation bei sieben Probanden mittels Familienbrettaufstellungen im Rahmen der beruflichen Rehabilitation im Berufsförderungswerk Halle (Saale) erfasst. Die Teilnehmer beurteilten die Anwenderfreundlichkeit des angepassten Familienbrettes. 

Ergebnisse:

Es konnte gezeigt werden, dass diese Methode auch Blinden eine bildhafte Darstellung von Beziehungskonstellationen ermöglicht. Innere Bilder, die für manche nur schwer in Worte zu fassen sind, können so Sehenden und anderen Sehbehinderten vermittelt werden. Im Sinne barrierefreier Behandlung ist der Einsatz dieser Kommunikationsmethode u.a. zur Unterstützung der Krankheitsbewältigung, Ermittlung von Rehabilitationszielen, deren Überprüfung und Anpassung im Verlauf der Rehabilitation denkbar.  

Literaturverzeichnis:

  1. Ludewig 2000, Das Familienbrett, Hogrefe, Göttingen
  2. Schmidt H. & Abel, T. (2011), Neu aufgestellt - Das Familienbrett für Blinde und Sehbehinderte. Ein Beitrag zur Barrierefreiheit in Therapie und Beratung, Horus, Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter, Jahrgang 73, 4/2011 

Kurztitel

DCN (Link zum Flyer)

Zeitraum

Juli 2016 - Juli 2019

Leitung

Mitarbeiterin

Förderung

  • Land Sachsen-Anhalt
  • ESF (Europäischer Sozialfonds)

Zusammenfassung

Hintergrund

Derzeit haben in Deutschland schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen eine Demenz, wobei in Prognosen davon ausgegangen wird, dass sich die Anzahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppelt. Rund drei Viertel der Menschen mit Demenz werden zu Hause versorgt. Vor dem Hintergrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen gewinnt die angemessene medizinische und pflegerische Versorgung der Menschen mit Demenz an Bedeutung. Angebote, die auf eine gezielte Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen in der Häuslichkeit zielen, sind in Deutschland eher fragmentiert und selten wissenschaftlich evaluiert.

Projektziel

Ziele des Projektes sind die Entwicklung, Implementierung und wissenschaftliche Evaluation einer Qualifizierung zur „Dementia Care Nurse“ (DCN). Die DCN werden als Advanced Nurse Practitioner eine autonomiesichernde und familienorientierte Versorgung von Menschen mit Demenz sowie ihre pflegenden Angehörigen unterstützen. Dabei werden sie eigenständig entsprechend der Prinzipien der evidenzbasierten Pflege arbeiten. Zudem wird eine enge Kooperation der DCN mit Hausärztinnen/Hausärzten sowie weiteren Berufsgruppen angestrebt, ferner werden sie aufgrund ihrer Qualifikation auch Tätigkeiten anderer Professionen übernehmen können. 

Infolge der zielgerichteten und kontinuierlichen Begleitung durch die DCN soll die häusliche Versorgung verlängert werden, wodurch eine Entlastung der Kommunen und der Pflegekassen erwartet wird.

Methoden

Die Qualifikation der DCN richtet sich zunächst an Pflegende mit Berufserfahrung, die ein Bachelor- oder Masterstudium absolvieren und Bachelor- oder Masterabsolventen/-innen. Mittels Literaturrecherche werden Best-Practice-Beispiele identifiziert und bestehende nationale und internationale Versorgungskonzepte zusammengefasst. Experteninterviews mit Hausärztinnen/Hausärzten, Psychiaterinnen/Psychiatern und Case Managern werden ebenfalls als Grundlage für die Konzeption zukünftiger Tätigkeitsfelder und erforderlicher Qualifizierungsinhalte dienen. Zudem wird die Erstellung des Curriculums durch ein multiprofessionelles Advisory Board begleitet. Die anschließende Qualifizierungsphase unterteilt sich in theoretische und praktische Module. Die Umsetzung der Qualifizierungsmaßnahme wird durch eine wissenschaftliche Prozessevaluation begleitet, die Hinweise für weiteren Modellierungsbedarf der Maßnahme liefert und die Grundlage für eine Nutzenprüfung in einer späteren Studienphase legt.

Erwartete Ergebnisse/Transferperspektiven

Im Laufe des Jahres 2018 werden drei DCN qualifiziert, die im Rahmen der Pilotphase im südlichen Sachsen-Anhalt eingesetzt werden. Die Ergebnisse der Pilotierung fließen in die Weiterentwicklung des Curriculums ein und werden veröffentlicht. Darüber hinaus wird die Beantragung einer Folgeförderung avisiert, mit welcher anschließend die Wirksamkeit, Sicherheit und Kostenwirksamkeit der Einführung der DCN überprüft werden sollen. Es wird angestrebt, die Qualifikation über die Halle School of Health Care zu verstetigen.

Kurztitel

  • EBGI

Förderzeitraum

  • Januar 2018 - April 2021

Leitung

Mitarbeiterinnen

Förderung

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Bereitstellung von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen (EBGI) wird sowohl national als auch international gefordert. Im Rahmen einer Kooperation mit der Stiftung Gesundheitswissen werden verschiedene EBGI entwickelt. Es handelt sich zunächst um Gesundheitsinformationen zu den Themen (Wochenbett-)Depression, Angststörungen und Risikofaktor Rauchen. Des Weiteren werden die Themen Risikofaktor Alkohol und Diabetes mellitus (Typ 2) bearbeitet.

Methoden

Die Entwicklung der Gesundheitsinformationen folgt den Methoden evidenzbasierter Medizin und der Guten Praxis Gesundheitsinformation (Verlinkung: https://www.ebm-netzwerk.de/pdf/publikationen/gpgi2.pdf). Zudem werden die Erkenntnisse der Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation angewendet (Verlinkung: www.leitlinie-gesundheitsinformation.de/leitlinie).

Die Bedarfsanalysen und Evidenzsynthesen werden durch die Arbeitsgruppe durchgeführt. Weiterhin werden Grundlagentexte verfasst. Die Übersetzung in laienverständliche Texte und die (grafische) Ausgestaltung der Gesundheitsinformationen obliegt weitestgehend der Stiftung GesundheitswissenDie Pilotierungen der Gesundheitsinformationen erfolgen mit Angehörigen der Zielgruppen in Einzel- und /oder Fokusgruppeninterviews.

Kurztitel

  • EBN Südtirol

Zeitraum

  • 09/2006 - 04/2011

Leitung

Partner

  • Südtiroler Sanitätsbetrieb, Pflegedirektion
  • Gesundheitsbezirke Bozen, Brixen, Bruneck, Meran
  • Landesfachhochschule Claudiana
  • Berufsverband IPASVI

Förderung

  • Assessorat für Gesundheits- und Sozialwesen, Amt für Ausbildung des Gesundheitspersonals, Bozen, Italien

Zusammenfassung

Im Jahre 2006 wurde das Projekt "Evidence-based Nursing Südtirol" ins Leben gerufen mit der Zielsetzung, eine EBN-Expertengruppe aufzubauen. Hauptaufgaben dieser Gruppe sind das Erstellen von Leitlinien, die Unterstützung der Implementierung sowie die Evaluation der Umsetzung. Die Projektgruppe setzt sich aus Vertreterinnen der vier Gesundheitsbezirke Bozen, Brixen, Bruneck und Meran sowie der Fachhochschule Claudiana und des Berufsverbandes IPASVI zusammen. 

Bei der Erstellung der Leitlinien wurde folgendes Vorgehen in Anlehnung an qualitativ hochwertige Leitlinien wie zum Beispiel die WHO-Leitlinien gewählt: Die Leitliniengruppe wurde bewußt aus Vertretern aller Gesundheitsbezirke, der Landesfachhochschule sowie des Berufsverbandes zusammengesetzt, um eine Implementierung auf breiter Front zu erleichtern. Aus dem übergeordneten Thema "Mundpflege" wurden Fragestellungen mit hoher Praxisrelevanz abgeleitet sowie Outcomes per Brainstorming identifiziert. Diese Outcomes wurden in einem nächsten Schritt priorisiert und um Outcomes von Patientengruppen (Cochrane Consumer Network, Südtiroler Krebshilfe) ergänzt. Zu allen Fragestellungen mit den jeweiligen Outcomes wurden möglichst Systematische Übersichtsarbeiten erstellt. Hierzu wurde sensitiv in Medline, der Cochrane Library, CINAHL und Leitliniendatenbanken recherchiert. Die Qualität der Evidence wurde mittels GRADE bewertet, ebenso wurden Empfehlungen mit Hilfe der GRADE-Methodik abgeleitet.

Leider konnten nur zu sehr wenigen Fragestellungen Studien ausreichender Qualität gefunden werden. Eine Stärke der gewählten Vorgehensweise ist die Erstellung der Leitlinie durch Pflegende; dadurch können Barrieren bei der Umsetzung reduziert werden. 

Kurztitel

  • EPCentCare

Zeitraum

  • März 2014 - August 2017

Leitung

  • Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer (Halle) 
  • Prof. Dr. phil. Sascha Köpke (Lübeck)
  • Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen (Witten)

Mitarbeiter/-innen (Studienzentrum Halle)

Partner

  • Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Sektion Forschung und Lehre in der Pflege
  • Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Fkz.:01GY1335A)

Zusammenfassung  

Hintergrund

Die Mehrheit der Pflegeheimbewohner/-innen mit Demenz zeigen Verhaltensweisen wie Unruhe, Erregung und Angstzustände. Aktuellen Studien zu Folge haben etwa 30 Prozent der Pflegeheimbewohner/-innen mindestens eine Antipsychotika-Verordnung, häufig aufgrund herausfordernden Verhaltens bei Demenz. Antipsychotika werden in der Regel zu lange und ohne regelmäßige Überprüfung verordnet. Die Nebenwirkungen der Antipsychotika sind erheblich. Ruhigstellung, Schläfrigkeit und Schwindel sind die Folge und das Risiko für Sturz und Schlaganfall erhöht. Zur Reduktion von Antipsychotika haben Training und Unterstützung der in die Demenzversorgung involvierten Professionellen in einem Cochrane Review positive Effekte gezeigt.

Ziel

Gegenstand des Vorhabens ist die Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit eines in Großbritannien bereits erfolgreich getesteten Interventionsprogrammes (Fossey et al., 2006). Mit der Implementierung des an das deutsche Gesundheitssystem angepassten Programmes zu einem personenzentrierten Versorgungsansatz wird eine klinisch relevante Reduktion der Verschreibungshäufigkeit von Antipsychotika bei Pflegeheimbewohnern erwartet. 

Methodisches Vorgehen

Die Untersuchung ist als cluster-randomisierte kontrollierte Studie mit einer Interventionsgruppe (2-Tages Workshops zu personenzentrierter Pflege und Versorgung sowie ein kontinuierliches Unterstützungsprogramm) und einer Kontrollgruppe (optimierte Standardversorgung) konzipiert. Beide Studiengruppen erhalten eine systematische Sichtung der Medikation mit Rückmeldung an den verschreibenden Arzt. Insgesamt 36 Pflegeheime aus Ost-, West- und Norddeutschland sollen eingeschlossen und in eine der beiden Gruppen randomisiert werden. Als primäre Zielgröße wird der Anteil der Bewohner/-innen mit mindestens einer antipsychotischen Medikation nach 12 Monaten erhoben. Als sekundäre Endpunkte werden u. a. die Lebensqualität, neuropsychiatrische Demenz-assoziierte Symptome und Sicherheitsparameter wie Stürze, Sturz-bedingte medizinische Versorgung und mechanische freiheitsentziehende Maßnahmen erfasst. Darüber hinaus erfolgen eine Kosten- und Prozessevaluation. 

Studienregistrierung

ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02295462

Stichworte

  • Implementierungsstudie 
  • Pflegeheim 
  • Antipsychotika
  • Demenz

Publikationen

Studienprotokoll (666 kb)

Kurztitel

  • EvaSIS

Zeitraum

  • August 2016 - Juli 2017

Leitung

  • Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann (Bremen)
  • PD Dr. Gero Langer (Halle)
  • Dr. Tanja Bratan (Karlsruhe)

MitarbeiterInnen am Studienzentrum Halle

Kooperationspartner

  • Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (Koordination & Studienzentrum)
  • Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe (Studienzentrum)

Förderung

  • Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV-S)

Zusammenfassung

Hintergrund

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit wurden im Jahr 2013 Empfehlungen zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation entwickelt, die in ein Strukturmodell mündeten, welches 2014 einem ersten Praxistest unterzogen wurde. Seit dem 1. Januar 2015 startete auf Initiative des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigen für Pflege das Projekt zur flächendeckenden Einführung der neuen Pflegedokumentation Strukturmodell. Bis Anfang Juni 2016 registrierten sich bundesweit knapp 10.000 Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen für die Einführung des neuen Dokumentationssystems. Die Implementierung begleitend soll die Zielerreichung der neuen Pflegedokumentation auf der Grundlage der integrierten Strukturierten Informationssammlung SIS - auch im Hinblick auf die Dokumentationsqualität - wissenschaftlich evaluiert werden.

Ziele und Fragestellungen

In der wissenschaftlichen Evaluation der neuen Pflegedokumentation wird das Erreichen der mit der Einführung verbundenen Ziele im Kontext ambulanter und stationärer Pflege untersucht. Hierzu wird die neue Pflegedokumentation mit bisherigen Dokumentationsverfahren und zu mehreren Zeitpunkten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nach §71 SGB XI im Hinblick auf ihre (Aus-)Wirkungen verglichen. Einbezogen werden dabei sowohl verschiedene Evaluationsebenen als auch die von der neuen Pflegedokumentation direkt betroffenen Personengruppen.

Im Zentrum der Evaluation steht die Überprüfung der Effizienz und der Qualität der neuen Pflegedokumentation im Zusammenhang mit dem damit verbundenen Aufwand und der Wirkungen auf die interne Qualitätssicherung sowie die externe Qualitätsprüfung unter Berücksichtigung von fachlicher Kompetenz und beruflicher Erfahrung der Pflegenden. Zudem erfolgt eine Prüfung und Bewertung der Kohärenz und Transparenz der gemäß des Strukturmodells erstellten Dokumentation im Vergleich zu bislang benutzten Pflegedokumentationssystemen.

Die wissenschaftliche Evaluation beantwortet folgende übergreifende Fragen:

  1. Stellt die neue Pflegedokumentation auf der Grundlage der integrierten SIS eine geeignete Basis für Pflegeeinrichtungen und Pflegekräfte, übergeordnete Prüfinstanzen (MDK, Heimaufsicht) sowie Pflegebedürftige und Angehörige in Bezug auf die angestrebte Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation dar?
  2. Ist die neue Pflegedokumentation auf der Grundlage der SIS aus Sicht beruflich Pflegender praktikabel und lässt sie eine sach- und fachgerechte Einschätzung von pflegesensitiven Risiken und Phänomenen zu, die auch als Grundlage für eine individuelle Pflege- und Maßnahmenplanung geeignet ist?
  3. Beachtet die neue Pflegedokumentation auf der Grundlage der SIS Individualität und Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen?
  4. Ist die neue Pflegedokumentation auf der Grundlage der SIS ein geeignetes Instrument zur Sicherstellung einer internen und externen Qualitätssicherung und -prüfung?
  5. Welche Stärken und Schwächen weist die neue Pflegedokumentation auf der Grundlage der SIS im Vergleich zu bislang benutzten Pflegedokumentationssystemen auf?
  6. Welche Problematiken ergeben sich in der direkten Umsetzung der neuen Pflegedokumentation auf der Grundlage der SIS in den Einrichtungen?
  7. Gibt es Unterschiede in Bezug auf die Fragestellung 1-6 hinsichtlich ambulanter und stationärer Einrichtungen und ihrer Beurteilung?

Methodisches Vorgehen

Die Evaluation folgt einer formativen Prozessevaluation. Diese erlaubt eine Untersuchung der praktischen Durchführung der Einführung der neuen Pflegedokumentation (und damit verbundener Aktivitäten, Praktiken und Prozesse) sowie der Rahmenbedingungen und bereits erfassbarer Auswirkungen. Bei den Datenerhebungen kommen standardisierten Befragungen involvierter Akteure (Einrichtungsleitungen, Pflegefachkräfte, Mitarbeiter der Heimaufsicht und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung), Fokusgruppen-Interviews mit Pflegekräften und Prüfungsinstanzen, Interviews mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie Dokumentenanalysen von Pflegeakten zum Einsatz. In die Untersuchung eingeschlossen werden alle bei Ein-STEP registrierten Einrichtungen, die die neue Pflegedokumentation seit mindestens drei Monaten einsetzen (https://www.ein-step.de). Im Rahmen der Dokumentenanalyse wird zusätzlich eine Stichprobe der Eirichtungen, die noch nicht die neue Pflegedokumentation einsetzen, untersucht. 

Erwartete Ergebnisse

Die Evaluation wird zum einen Erkenntnisse über die Umstellung der Pflegedokumentation in den in die Erhebungen einbezogenen Einrichtungen sowie Erfahrungen der direkt beteiligten Akteursgruppen bereitstellen. Zum anderen werden aus diesen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für den Implementierungsprozess und die Weiterentwicklung und Optimierung der SIS abgeleitet. Konkret beinhalten die Handlungsempfehlungen Aussagen zu

  • Aspekten, die bei der Umstellung auf die neue Pflegedokumentation unter bestimmten Rahmen-bedingungen besonders zu beachten sind,
  • ggf. notwendigem Unterstützungsbedarf bei der Umstellung (z.B. hinsichtlich Schulungen, Praxisleitfäden, Bereitstellung von Informationen, etc.),
  • möglichen Ansätzen zur Verbesserung der SIS hinsichtlich des Aufbaus und der Inhalte,
  • Good-Practice Empfehlungen zum Implementierungsprozess in Pflegediensten und Pflegeheimen.

Die Handlungsempfehlungen geben ergänzend einen Ausblick auf notwendige Veränderungen der Rahmenbedingungen zur Gewährleistung einer effektiven und effizienten Pflegedokumentation und pflegerischen Versorgung.

Kurztitel

  • Familienhebammen im Land Sachsen-Anhalt 

Zeitraum

  • 06/2006-12/2007

Leitung

Partner

  • Landeshebammenverband Sachsen-Anhalt e.V. 

Förderung

  • Landeshebammenverband Sachsen-Anhalt e.V. 

Zusammenfassung

Hintergrund

Seit Anfang 2006 verwirklicht das Ministerium für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales von Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Landeshebammenverband das Projekt "Familienhebammen im Land Sachsen-Anhalt", das eine modularisierte, praxisreflektierende Weiterbildung von 260 Std. umfasst. Bis Ende 2007 wurden 21 Hebammen für ihr erweitertes Tätigkeitsfeld qualifiziert; ein weiterer Kurs wurde im Februar 2008 begonnen. Die Tätigkeit der Familienhebammen beinhaltet – neben den laut Hebammenhilfe-Gebührenverordnung (HebGV; Bund Deutscher Hebammen e.V. 2004) bis zur 8. Lebenswoche abrechnungsfähigen Leistungen – die gesundheits- und psychosozial orientierten Betreuungsbesuche im häuslichen Umfeld von besonders belasteten Frauen/ Familien bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes. Die Leistungsvergütung wird durch das Ministerium für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales von Sachsen-Anhalt im Umfang von maximal 10 Std. pro Woche pro Familienhebamme sichergestellt. 

Fragestellung

  • Wie wirksam sind die Interventionen durch die Familienhebammen hinsichtlich der Allgemeinen Selbstwirksamkeit und Elternkompetenz- bzw. -kontrollüberzeugung der Mütter? (Outcome-Orientierung)

  • Wie schätzen die Klientinnen die erweiterte Tätigkeit durch die Familienhebammen ein (Klientinnenorientierung)? 

  • Welche Betreuungsleistungen werden durch die Familienhebammen erbracht im Hinblick auf die gesundheitlichen und psychosozialen Bedürfnisse der betreuten Frauen/ Kinder? (Prozessorientierung) 

  • An welche Akteure des Gesundheits- und Sozialbereichs vermitteln die Familienhebammen die betreuten Familien und mit welchen Akteuren arbeiten sie zusammen? (Prozessorientierung) 

Methoden

Ein mehrzeitiges Präpost-Design; standardisierte Erhebungsinstrumente; prospektive Dokumentation der Betreuungsleistungen durch die Familienhebammen. 

Ergebnisse und Diskussion

siehe pdf-Datei der Publikationen  

Kurztitel

  • FAMKOL

Zeitraum

  • 03/2012 – 12/2015

Leitung

  • Alexander Bauer

Mitarbeiter

  • Dr. Stephanie Boese
  • Doreen Grund 
  • Madeleine Ritter-Herschbach

Partner

  • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Dr. Susanne Unverzagt)

Förderung

  • Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der Ressortforschung „Forschung im Nationalen Krebsplan“ (BMG) (Fkz NKP-332-032)

Projektausführung

  • Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 56 Klinken deutschlandweit (Stand Mai 2014)
    • Allgemeines Krankenhaus Celle 
    • Universitätsklinik Ulm
    • Diakoniekrankenhaus Mannheim
    • Universitätsklinikum Gießen und Marburg 
    • Klinikum Ludwigsburg
    • Universitätsklinikum Jena
    • Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen- Duisburg
    • Städtisches Klinikum Braunschweig 
    • Klinik Evang. Krankenhaus Kalk  -Köln
    • Städtisches Klinikum Lüneburg gemeinnützige GmbH  
    • Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer
    • Gastroenterologische Schwerpunktpraxis Völklingen
    • Klinikum Barnim GmbH-Eberswalde
    • Klinikum Stuttgart
    • Klinikum Osnabrück GmbH
    • Universitätsklinikum Erlangen
    • Krankenhaus Köln-Holweide
    • Universitätsklinikum  Bochum
    • Krankenhaus St. Marienwörth- Bad Kreuznach
    • Westküstenklinikum Heide
    • HELIOS Klinik Sangerhausen
    • Klinikum Aschaffenburg
    • Diakonissenkrankenhaus Dessau gGmbH
    • Klinikum Magdeburg gGmbH
    • Stiftung Juliusspital Würzburg
    • Evangelisches Krankenhaus Paul Gerhardt Stift Wittenberg
    • Klinikum Hanau 
    • Klinikum Lüdenscheid
    • Sankt Elisabeth Hospital Gütersloh
    • Kliniken Landkreis Sigmaringen 
    • Evangelisches Diakonissenkrankenhaus Leipzig 
    • Praxis für Innere Medizin Dr. med. Regine Lange  Wittenberg
    • Helios Kliniken Schwerin
    • Klinikum Ludwigshafen
    • Klinikum Ansbach
    • Klinikum Herford
    • Klinikum Augsburg
    • Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern
    • Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle
    • Darmzentrum Klinikum Mittelbaden Baden- Baden
    • Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung Hannover
    • Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
    • Klinikum Altenburger Land 
    • St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn
    • Johanniterkrankenhaus Bonn
    • Darmzentrum Kaufbeuren
    • Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf
    • Kreiskliniken  Reutlingen
    • Krankenhaus Friedberg
    • HELIOS Klinikum Berlin-Buch
    • Klinikum Weiden
    • Katholisches KH Erfurt
    • Elisabethstift Darmstadt
    • Krankenhaus Buchholz
    • Klinik am Bürgerpark Bremerhaven
    • Krankenhaus Hetzelstift Neustadt

Zusammenfassung

Hintergrund

Kolorektale Karzinome (ICD-10 C18-C20) sind mit insgesamt rund 73.000 Neuerkrankungen und über 26.000 Todesfällen jährlich die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Bei Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) von Patienten mit kolorektalem Karzinom ist das Risiko, auch an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken um ein 2 bis 4faches erhöht [1]. Sie stellen damit ein Risiko- und Hochrisiko-Kollektiv dar, bei dem die Teilnahme zu Früherkennungsmaßnahmen von besonderer Bedeutung ist. Die Vorsorgekoloskopie stellt dabei ein sehr zuverlässiges Verfahren dar, um Darmkrebs in einem frühen und weitgehend heilbaren Stadium zu erkennen. Bisher nehmen aber in Deutschland über das 10-Jahres-Screeningintervall betrachtet nur etwa 20-30 % der anspruchsberechtigten Bevölkerungsgruppe diese Möglichkeit der Früherkennung wahr [2-4].

Ziel

Die FAMKOL-Studie zielt darauf ab, die bisherige Teilnehmerrate bei erstgradig Verwandten von Darmkrebspatienten an der Vorsorgekoloskopie auf 50 % zu verdoppeln. Aus den Erkenntnissen der Studie sollen evidenzbasierte Empfehlungen zur Qualitätssicherung von Informationsangeboten und Effektivitätssteigerung primärpräventiver Maßnahmen bei Darmkrebs generiert werden.

Design und Methode

In einer bundesweiten prospektiven, cluster-randomisierten Studie mit längsschnittlichem Design soll an überwiegend DKG-zertifizierte Darmkrebszentren (DKZ) eine nicht-ärztliche, barrierenbezogene Beratungsintervention umgesetzt werden. Insgesamt sollen 492 Verwandte ersten Grades von Patienten mit diagnostiziertem kolorektalem Karzinom in die Studie eingeschlossen werden. Jeweils 246 Patienten werden dafür den beiden Studienarmen Interventions- und Kontrollgruppe zugeordnet.

Intervention

Patienten der Interventionsgruppe mit kolorektalem Karzinom (Indexpatienten) und deren erstgradig Verwandten (EGV) wird eine Beratung angeboten, die von speziell geschulten Pflegekräften umgesetzt wird. Ziel der Beratung bei den Indexpatienten in den Kliniken ist es, dass sie ihren erstgradig Verwandten die Teilnahme an der Studie empfehlen sowie die Studienunterlagen übergeben. Die EGV der Indexpatienten in der Interventionsgruppe erhalten nach einer Rückmeldung im Studienzentrum eine telefonisch durchgeführte Beratung. Speziell geschultes nicht-ärztliches Personal bespricht in diesem Telefonat bisherige Barrieren bei der Inanspruchnahme einer Vorsorgekoloskopie und versucht diese abzubauen. Zusätzlich ist eine Call-in-Möglichkeit zur Studienzentrale vorgesehen.

Endpunkte

Primärer Endpunkt ist die Teilnahmerate an der Vorsorgekoloskopie von erstgradig Verwandten von Darmkrebspatienten zu erhöhen. Als sekundäre Endpunkte werden die Karzinom-/Adenomerkennungsrate, die Akzeptanz der nicht-ärztlichen Beratung zur Vorsorgekoloskopie, Barrieren der Inanspruchnahme der Vorsorgekoloskopie, die Effektivität und Kosteneffektivität der Beratungsintervention, der Zeitversatz zwischen Beratung und Durchführung Koloskopie sowie aufgetretene Spätkomplikationen nach dem Eingriff ermittelt.

Ergebnisse

Es wird erwartet, dass sich der Anteil der erstgradig Verwandten von Darmkrebspatienten, die die Möglichkeit einer Vorsorgekoloskopie in Anspruch nehmen, durch die entwickelte Beratungsintervention auf 50% verdoppelt. Infolge dessen wird erwartet, dass im untersuchten Kollektiv 8 % mehr fortgeschrittene Adenome bzw. kolorektaler Karzinome aufgedeckt werden können. Des Weiteren können durch die Erkenntnisse der Studie Faktoren identifiziert werden, die die Bereitschaft zur Vorsorgekoloskopie beeinflussen und somit Strategien zum optimalen Umgang mit diesen in der Regelversorgung abgeleitet werden. Die Erfassung des Komplikationsspektrums lässt bevölkerungsbezogene Aussagen zu Nebenwirkungen der Vorsorgekoloskopie und die Sicherheit dieser Untersuchungsmethode zu.

Kurztitel

  • FrühStart

Zeitraum

  • 09/2007 - 10/2009

Leitung

Mitarbeiter

Partner

  • Nationales Zentrum "Frühe Hilfen" des BMFSFJ 
  • Landesministerium für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt 
  • Landeshebammenverband Sachsen-Anhalt e.V. 
  • Familienhebammen des Landes Sachsen-Anhalt 
  • Fachbereich Kinder, Jugend und Familie (Halle/Saale) 
  • Bundesweite Modellprojekte des Nationalen Zentrums "Frühe Hilfen" 

Förderung

  • BZgA, Köln 

Zusammenfassung

Hintergrund 

Das Projekt hat zum Ziel, die Wirksamkeit der seit dem Jahr 2006 in Sachsen-Anhalt qualifizierten Familienhebammen und deren Einbettung in vorhandene Versorgungsstrukturen zu untersuchen. Es bewertet nicht nur Leistungen der Familienhebammen für Frauen/Familien mit gesundheitlichen und psychosozialen Risikofaktoren, sondern analysiert auch die Zugänge, Schnittstellen und Überleitungen von und zu weiteren Akteuren des regionalen Gesundheits- und Sozialbereichs. Die Qualität der Versorgung und Unterstützung der Zielgruppe wird im Zeitverlauf von der Schwangerschaft bis zum Ende des dritten Lebensjahrs des Kindes erfasst. 

Methode 

Zur methodischen Herangehensweise zählen sowohl teilstandardisierte Messinstrumente und Dokumentationsbögen als auch Experteninterviews, in denen mit Hilfe von Fallvignetten (aus Praxisbeispielen erstellte Szenarien) typische Klientenpfade evaluiert und entwickelt werden. Zudem werden leitfadengestützte Interviews zur Ermittlung der subjektiven Perspektive der Klientinnen auf das Hilfenetz und teilstandardisierte Telefoninterviews mit Klientinnen zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Unterstützung und ihres Empowerments zur Selbsthilfe durchgeführt. Insbesondere stehen die Netzwerkkommunikation sowie die Eruierung von Zugangs- bzw. Überleitungsbarrieren oder Bruchstellen im Zentrum des Projektinteresses. 

Stichproben

  • Verlaufsdokumentationen von über 700 betreuten Frauen/Familien & deren Kinder;

  • 10 theoriegeleitet ausgewählte Klientinnen (teilstandardisierte Befragung);

  • 30 leitfadengestützte Experteninterviews zu verschiedenen Fallvignetten in drei regionalen Settings ( Fall-Kontroll-Vergleich);

  • 40 teilstandardisierte Telefoninterviews mit Klientinnen

Messgrößen und angestrebte Ergebnisse 

Darstellung des Einflusses der Familienhebammen auf die Situation der Familie/des Kindes, z.B. sichtbar in: 

  • Inanspruchnahme von Hilfsangeboten und Allgemeine Selbstwirksamkeit (Selbsteinschätzung der Frauen);

  • Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen (U-Untersuchungen, Impfungen);

  • Inobhutnahmen des Kindes/der Kinder infolge einer Kindeswohl-gefährdung;

  • Mütterliche Elternkontroll- und -kompetenzeinschätzung 

  • Akzeptanz und Bewertung der Familienhebammen durch die Frauen im Verlauf der Betreuung 

  • Darstellung der regionalen Einbettung und Vernetzung der Familien-hebammen und anderer Akteure im Hilfesystem: 

    • Fallvignetten (Szenarien) zur Veranschaulichung des Netzwerks; 

    • Regional und situativ adaptierbare Klientenpfade für eine schnelle Entscheidungsfindung; 

    • Darstellung der Versorgungsstruktur verschiedener Regionen (Fall-Kontroll-Vergleich) 

Pressemitteilung:
Familienhebammen werden positiv beurteilt 

Publikationen

  • Ayerle, G. M., Luderer, C.  Behrens, J. (2010) Modellprojekt FrühStart - Evaluation der Familienhebammen in Sachsen-Anhalt: Vernetzung, Sichtweise der Klientinnen und Verankerung im Netzwerk Früher Hilfen. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 53, 1158-1165 ISSN: 1436-9990

  • Ayerle, G. M., Luderer, C. & Behrens, J. (2010). FrühStart: Mütterliche Kompetenzen und Selbstwirksamkeitserleben. In Renner, I., Sann, A. & Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.), Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen: Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen. Köln: BZgA.

  • Luderer, C., Ayerle, G. M. & Behrens, J. (2010). FrühStart: Exemplarische Klientinnenpfade und Bruchstellen im System Frühe Hilfen. In Renner, I., Sann, A. & Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.), Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen: Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen. Köln: BZgA.

  • Ayerle, G. M. (2009). Prädikat Familienhebamme. Hebammenforum, 7, 529-535

  • Ayerle, G. M., Nitschke, M., Behrens, J. & Luderer, C. (2009). "FrühStart" - Die Betreuung hoch belasteter Familien durch Familienhebammen in Sachsen-Anhalt. In Frühe Hilfen interdisziplinär gestalten: Zum Stand des Aufbaus Früher Hilfen in Deutschland. Dokumentation der Fachtagung in Kooperation mit dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen und der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e. V. vom 19.-21. November in Berlin (pp. 185-193). Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik.

  • Luderer, C., Ayerle, G. M., & Behrens, J. (2009). Frühe Hilfen für Kinder in Familien mit multiplen psychosozialen Belastungen: Aufsuchende Hilfe durch Familienhebammen und interdisziplinäre Vernetzung im regionalen Hilfesystem. In M. Schulte-Markwort (Hrsg.), Psychosomatik Kinder- und Jugendpsychiatrie als interdisziplinäres Fach. XXXI. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (S. 275-276). Hamburg, 4.-7. März 2009. Abstracts. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. 

  • Ayerle, G. M., Luderer, C. & Behrens, J. (2009). Die Begleitung von Familien mit besonderen Belastungen durch Familienhebammen: Das Spektrum gesundheitsfördernder Leistungen und die Perspektive der Nutzerinnen. Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 8(1), 6-25. URL: media/HalBeitr/ Halle-PfleGe-08-01.pdf 

  • Ayerle, G. M. & Sadowski, K. (2008). Continuous health promoting care for vulnerable families by qualified 'family midwives' in Saxony-Anhalt. International Confederation of Midwives 28th Triennial Congress. Abstracts (CD-ROM), Amsterdam: Elsevier. 

  • Sadowski, K. & Ayerle, G. M. (2008). Evaluation des Projekts "Familienhebammen im Land Sachsen-Anhalt: Aufsuchende Familienhilfe durch qualifizierte Hebammen mit erweitertem Tätigkeitsfeld [Bericht für den Landeshebammenverband e.V.] 

  • Behrens, J., Ayerle, G. M., Höhne, A., Luderer, C. & Sadowski, K. (2007). FrühStart: Professionell gesteuerte Frühwarnsysteme für Kinder und Familien in Sachsen-Anhalt. Empowerment-Kongress. Magdeburg (Poster). 

Vorträge

  • ‚FrühStart – Familienhebammen in Sachsen-Anhalt'. Fachtagung des BMFSFJ und DGStB "Wirksamer Kinderschutz – Herausforderung(en) für die Kommunen", Berlin 2009 

  • ‚Continuous health promoting care for vulnerable families by qualified 'family midwives' in Saxony-Anhalt'. International Confederation of Midwives' 28th Triennial Congress, Glasgow 2008 

  • ‚Gesundheitsförderung durch Familienhebammen im Land Sachsen-Anhalt', XI. Hebammenkongress, Leipzig 2007 

  • ‚Familienhebammen im Land Sachsen-Anhalt: Aufsuchende Familienhilfe durch qualifizierte Hebammen mit erweitertem Tätigkeitsfeld’, 12. Bundesweiter Kongress Armut und Gesundheit"Prävention für Gesunde Lebenswelten – ‚Soziales Kapital’ als Investition in Gesundheit", Berlin 2006

Kurztitel

  • GenderMed

Zeitraum                  

  • Januar – Dezember 2018

Leitung                  

Mitarbeiterin                  

Förderung               

  • Hochschulpaktmittel

Zusammenfassung:

Hintergrund:

Geschlechtsspezifische Medizin betrachtet Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei verschiedenen Krankheiten. Dabei wird sowohl die biologische („sex“; z. B. Reproduktionsorgane, Sexualhormone) als auch die soziokulturelle („gender“; z. B. gesellschaftliche Erwartungen, Lebensstil, Verhalten) Dimension des Geschlechts einbezogen. Beide Dimensionen tragen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Erkrankungen (z. B. kardiovaskulären, neurologischen, psychiatrischen) sowie Unterschieden im Gesundheits- und Präventionsverhalten bei. Das Angebot geschlechtsspezifischer Inhalte ist, anders als in mehreren anderen europäischen Ländern, in den medizinischen Curricula in Deutschland sehr heterogen geregelt und nur wenige Medizinische Fakultäten haben bisher geschlechtsspezifische Aspekte in die Lehre integriert. Aktuell kann daher, in Folge mangelnder geschlechtsspezifischer Kompetenzen zukünftiger Ärzte und Ärztinnen, keine geschlechtsspezifische medizinische Versorgung von Patienten und Patientinnen gewährleistet werden. Die in den letzten Jahren gewonnenen empirischen Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Unterschieden z. B. in der Häufigkeit, Wahrnehmung und Ausprägung von Erkrankungen, zur Arzneimittelwirksamkeit (Verstoffwechselung, Nebenwirkungen etc.) oder dem Gesundheitsverhalten müssen systematisch in die medizinische Lehre integriert werden. 

Projektziel:

Ziel des beantragten Projektes ist die strukturierte Weiterentwicklung der Curricula der Medizinischen Fakultät im Hinblick auf die Integration geschlechtsspezifischer medizinischer und sozialer Inhalte in Lehre und Prüfung. Im Rahmen des Projektes sollen curricular verankerte Angebote in Form von Unterrichts- und Reflexionseinheiten sowie deren didaktische Beschreibung entwickelt werden. 

Methoden:

  1. Protokoll-gestützte Literaturrecherche zu Definition, Integration, Umfang und Evaluation geschlechtsspezifischer medizinischer und sozialer Inhalte der Curricula Medizinischer Fakultäten
  2. Strukturierte Experteninterviews mit Mitgliedern des Ärztinnenbundes bzw. durch diesen empfohlene Experten und Expertinnen 
  3. Konzeption von Lehr- und Lerneinheiten zu geschlechtsspezifischen medizinischen und sozialen Inhalten 
  4. Fokusgruppe mit Mitgliedern des Lehrausschusses und Vertretern bzw. Vertreterinnen der relevanten Lehrfächer zur Diskussion der Lehr- und Lerneinheiten 
  5. Ggf. Modifikation der Lehr- und Lerneinheiten und Konsentierung im Fakultätsrat
  6. Befragung der Fachbeauftragten der Fakultät zur Implementierung der Inhalte (12 Monate nach Fakultätsratsbeschluss)     

Erwartete Ergebnisse:

Auf Basis der Literaturrecherche und der strukturierten Experteninterviews wird ein Vorschlag zur Integration geschlechtsspezifischer medizinischer und sozialer Inhalte entwickelt, zur Implementierung vorbereitet (Meilenstein 1) und publiziert (Meilenstein 2). Interimistischer Erfolgsparameter des Projektes ist der Mehrheitsbeschluss im Fakultätsrat zur Integration der geschlechtsspezifischen Inhalte. Finaler Erfolgsparameter ist die erfolgte Umsetzung der Inhalte innerhalb eines Jahres nach dem Fakultätsratsbeschluss (Meilenstein 3). Die geschlechtsspezifischen medizinischen und sozialen Inhalte werden in den Prüfungen abgebildet und der üblichen Auswertung des Lernerfolgs unterzogen.

Kurztitel

  • GesinE

Zeitraum

  • 12/2009 - 11/2012

Leitung

  • Prof. Dr. Johann Behrens 
  • Prof. Dr. Margarete Landenberger 

Mitarbeiter

  • Dr. Gertrud Ayerle (v.a. Querschnittsaufgaben im Arbeitspaket 1 der Studie)
  • Katrin Beutner (Therapieberufe) ) 
  • Kathleen Karge (Medizinisch-technische Radiologieassistenz) 
  • Dr. Yvonne Selinger (Pflegeberufe & Projektkoordination) 

Partner

  • Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit Hildesheim, vertreten durch Prof. Dr. Bernhard Borgetto und die Mitarbeiter MSc Physiother. Holm Thieme und MSc Physiother. Susanne Max
  • Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), Düsseldorf, vertreten durch Dr. Karl Blum  
  • Projektbeirat:
    • Gerd Dielmann - ver.di Bundesverwaltung, Berlin 
    • Prof. Dr. Heidi Höppner - Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e.V. (HVG), Kiel 
    • Dr. Karl Kälble - AHPGS Akkreditierungsagentur gGmbH, Freiburg i. Br.
    • Karin Oster - BBJ Consult AG, Berlin 
    • Gertrud Stöcker - Deutscher Bildungsrat für Pflegeberufe (DPR) 
    • Marco Kachler und Stephanie Stumpe - Deutscher Verband technischer Assistenten in der Medizin e.V. (dvta)
  • Kontaktpersonen in den Vergleichsländern Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Österreich 

Förderung

  • BMBF 

Zusammenfassung

Hintergrund und Ziel

Impulse für das Forschungsprojekt sind die aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen, welche stetige Veränderungen im Gesundheitssystem bedingen und die Angehörigen der Gesundheitsfachberufe vor neue Herausforderungen in Bezug auf ihre Qualifikationen und Kompetenzen stellen. Diesbezüglich ist eine Weiterentwicklung der derzeitigen Qualifizierungswege und -profile auf der Basis gesicherter Forschungsergebnisse unerlässlich.

In Deutschland werden die Abschlüsse in den Gesundheitsfachberufen bisher - anders als in den meisten europäischen Nachbarländern üblich - im sekundären Bildungssektor und nicht an Hochschulen erworben. Da es ein Fehlschluss wäre, allein von der Verortung dieser Berufe im Hochschulsektor auf erhöhte Fähigkeiten und Kompetenzen der Absolventen zu schließen, ist eine systematisch angelegte europäisch-vergleichende Forschung erforderlich, die den Zusammenhang zwischen Akademisierung und Kompetenzen sowie die Verwertbarkeit der in unterschiedlichen Bildungssektoren erworbenen Qualifikationen untersucht. Bisher fehlen derartige Forschungsergebnisse bezogen auf die Gesundheitsfachberufe jedoch weitgehend. 

Die GesinE-Studie soll daher zu einer grundlegenden Bestandsaufnahme sowie zu einem systematischen Vergleich der Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen sowie ihren Tätigkeits-, Qualifikations- und Kompetenzprofilen in Europa beitragen. 

Methodisches Vorgehen

Die Studie wird in drei Schritten/Arbeitspaketen bearbeitet. 

  1. Für die Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Österreich werden die Ausbildungen für die 16 in Deutschland bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufe (mit Ausnahme der Veterinärmedizinischen Assistenz) vergleichend entlang eines zu entwickelnden Analyserasters beschrieben.  
  2. Es folgen Qualifikationsanalysen für die Berufe Gesundheits- und Krankenpflege, Medizinisch-technische Radiologieassistenz (MTRA) sowie Physiotherapie. 
  3. Zur Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse werden diese in Bezug gesetzt zu den jeweiligen Gesundheits- sowie den entsprechenden Systemen der (gesundheits-) beruflichen Bildung in den benannten Ländern.

Für die Realisierung der Forschungsziele werden in den drei Arbeitspaketen verschiedene qualitative und quantitative Untersuchungsmethoden genutzt. Dazu gehören umfassende Literaturrecherchen und -auswertungen, Stellenanzeigenanalysen, Berufsmigranteninterviews, Experteninterviews, Hospitationen und Fokusgruppeninterviews in exemplarischen Handlungsfeldern sowie eine Online-Befragung der Gesundheits- und Krankenpfleger-/innen, Medizinisch-technischen Radiologieassistent/-innen und Physiotherapeut/-innen in den fünf Vergleichsländern.

Die Erkenntnisse der drei Arbeitspakete werden einer komparativen Betrachtung zugeführt. 

Erwartete Ergebnisse

Das Projekt trägt im Verständnis einer präformativen Evaluationsstudie zu einer grundlegenden neutralen Bestandsaufnahme und zu einem systematischen Vergleich der Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen sowie ihren Tätigkeits-, Qualifikations- und Kompetenzprofilen in Europa, insbesondere in den Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Österreich bei. Die Ergebnisse der Studie können als Basis dienen für die weitere sachlich begründete Diskussion um die Weiterentwicklung und Neuordnung der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen sowie zur Anpassung der Qualifizierungswege in Europa.  

Kurztitel

  • Hausarztprogramm

Zeitraum

  • 01/2006 - 03/2007 

Leitung

  • Prof.Dr. Margarete Landenberger (Projektleitung) 
  • Dr. Anke Höhne (wiss. Leitung) 

Mitarbeiter

  • Dietmar Hobler
  • Katja Jedlitschka
  • Susanne Köbing
  • Sabine Weidlich 

Partner

Förderung

  • IKK gesund plus 

Zusammenfassung

Hintergrund 

Die Gesundheitsreform 2004 hat die Position des Hausarztes im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung der Versicherten gestärkt (vgl. § 73b des SGB V). Alle Krankenkassen sind seitdem angehalten, sog. Hausarztprogramme anzubieten. Die von den Gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten angebotenen Programme der Hausarztzentrierten Versorgung sehen vor, dass der Hausarzt eine Lotsenfunktion in der ambulanten Gesundheitsversorgung übernimmt. Auf diese Weise sollen kostenintensive Doppeluntersuchungen sowie medizinisch nicht notwendige Facharztbesuche vermieden und die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure und Einrichtungen des Gesundheitswesens (Hausarzt, Fachärzte, Krankenhaus, Heil- und Hilfsmittel) optimiert werden. Die ärztliche Betreuungspflicht soll so konzentriert und die Koordinierungsverantwortung des Hausarztes intensiviert werden. Alle Versicherten ab Vollendung des 18. Lebensjahres können, sofern die entsprechende Krankenkasse ein Hausarztprogramm anbietet, sich bei ihrer Krankenkasse durch eine Teilnahmeerklärung bei einem am Programm teilnehmenden Hausarzt am Hausarztprogramm beteiligen. Die Vorteile für die Hausärzte liegen zum einen in einer stärkeren Bindung der Versicherten an ihre Praxis und zum anderen in einer im Hausarztprogramm besser möglichen koordinierten ärztlichen Behandlung. Zudem erhöht sich das Budget pro Patient um 3 € pro Quartal, und die Hausärzte werden an der erzielten Kosteneinsparung der Kasse finanziell beteiligt. Nicht zuletzt profitieren die Hausärzte auch von den höheren Qualitätsanforderungen, die an sie selbst gestellt werden (Teilnahme an Qualitätszirkel und an speziellen Fortbildungen, Anwendung von Behandlungsleitlinien), da sie auf diese Weise auch stärker die Chance zur Mitgestaltung erhalten. 

Für die Versicherten ergeben sich folgende Vorteile durch die Teilnahme am Hausarztprogramm: 

  • Kürzere Wartezeit in der Hausarztpraxis bei vorheriger Terminvereinbarung, 

  • Befreiung von der Praxisgebühr (bei Zahlung einer einmaligen Teilnahmegebühr am Hausarztprogramm), 

  • Koordination komplexer Behandlungen durch den Hausarzt, 

  • Ermöglichung der direkten Inanspruchnahme eines Gynäkologen, 

  • Zusatzleistungen je nach Krankenkasse (z.B. zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen). 

Die Medienberichterstattung zu bereits laufenden Hausarztprogrammen der Krankenkassen (z.B. AOK, Barmer, GEK) zeigt, dass das Hausarztprogramm von den Versicherten sehr gut angenommen wird. Insbesondere Versicherte, die einen überdurchschnittlichen Bedarf an Leistungen haben und Haus- und Fachärzte häufiger konsultieren, haben sich in bereits laufende Hausarztprogramme eingeschrieben. 

Fragestellung 

Zentrale Fragestellungen des Forschungsprojektes sind: Wie wird das Hausarztprogramm durch die teilnehmenden Versicherten bewertet? Mit welcher Motivation tragen sich die Versicherten ins Hausarztprogramm ein? Nehmen die teilnehmenden Versicherten die Lotsenfunktion ihres Hausarztes wahr? Erhalten die Versicherten die Serviceleistungen, die ihnen laut Vertrag zustehen (geringe Wartezeit in der Hausarztpraxis, hochwertige qualitative Behandlung, koordinierte ärztliche Behandlung, bessere Abstimmung zwischen Hausarzt und Facharzt während der Therapie)? Halten sich die Versicherten an ihre Verpflichtungen (Aufsuchen von fachärztlicher und stationärer Behandlung grundsätzlich erst durch eine Überweisung des Hausarztes, Hausarztwechsel nur bei wichtigem Grund, stets Terminvereinbarung mit dem Hausarzt für Arztkonsultationen)? 

Methoden 

Die Studie wurde als schriftliche Befragung mit zwei Erhebungswellen bei einer Stichprobe der Teilnehmer am Hausarztprogramm (Interventionsgruppe, N="1".500) und bei einer Stichprobe der Nichtteilnehmer (Kontrollgruppe, N="1".500) durchgeführt. Der Rücklauf betrug 64,1 Prozent (n=962) für die Interventionsgruppe und 42,9 Prozent (n=644) für die Kontrollgruppe (1.Erhebungswelle). Durch das Design einer Wiederholungsbefragung konnten sowohl mögliche Veränderungen im Nutzungsverhalten der Versicherten als auch in der Lotsenfunktion der Ärzte erfasst werden. 

Ergebnisse 

Programmteilnehmer müssen im Durchschnitt kürzer auf einen Termin bei ihrem Hausarzt sowie auf das Aufrufen in der Hausarztpraxis warten als Nichtteilnehmer und profitieren überdies häufiger als die Nichtteilnehmer von der Hilfe der Hausarztpraxis bei der Vereinbarung von Facharztterminen. Bezüglich der Wartezeit in der Hausarztpraxis nach vorheriger Terminvereinbarung besteht allerdings noch Optimierungsbedarf, da nur jeder zweite Programmteilnehmer derzeit maximal 30 Minuten wartet, aber jeder zehnte Versicherte im Durchschnitt sogar länger als eine Stunde in der Praxis warten muss. Die Untersuchungsgruppen unterscheiden sich bei diesem Programmaspekt nicht gravierend voneinander, d.h. die Nichtteilnehmer müssen kaum länger in der Hausarztpraxis warten als die Programmteilnehmer. 

Die Programmteilnehmer akzeptieren die Lotsenfunktion des Hausarztes in dem sie fachärztliche und stationäre Behandlungen häufiger als die Nichtteilnehmer am Hausarztprogramm nur nach Überweisung ihres Hausarztes in Anspruch nehmen. 

Die Hausarztbindung und das Vertrauen zum Hausarzt sind bei den befragten Teilnehmern sehr hoch, ebenso die Zufriedenheit mit der Hausarztzentrierten Versorgung. 

Ältere und chronisch kranke Versicherte sowie Frauen entscheiden sich überproportional häufig für das Hausarztprogramm. Der stärkste Anreiz für die Teilnahmebereitschaft stellt unter den verschiedenen Teilnahmeaspekten die finanzielle Einsparung bei der Praxisgebühr dar. 

Diskussion 

Die Ergebnisse der Versichertenbefragung stellen für die Krankenkasse eine Evaluation des von ihnen angebotenen Hausarztprogrammes dar, die ihnen Hinweise auf erfolgreiche, aber auch auf optimierungsbedürftige Einzelregelungen der Hausarztzentrierten Versorgung gibt. Die Ergebnisse können beispielhaft als Grundlage für eine Erhebung der Zufriedenheit der Versicherten mit der Hausarztzentrierten Versorgung auch bei anderen Krankenkassen gelten, die bereits Hausarztprogramme initiiert haben oder planen. 

Publikationen

Download 

Informieren – diskutieren – die Zukunft skizzieren 

Am 30.9.2016 fand der Fachtag im Halleschen Saal der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Halle (Saale) zum Abschluss des Forschungsprojekts statt, das den Titel führte: "Präferenzen und Defizite in der hebammenrelevanten Versorgung aus Sicht der Schwangeren, Mütter und Hebammen“.

Seit Abschluss des Projekts wurden folgende Publikationen realisiert:

  • Ayerle, G.M. & Mattern, E. (2018). Erwartungen von Frauen an eine Hebamme. Die Hebamme, 31, 1-6.
  • Mattern E, Lohmann S, Ayerle GM. Experiences and wishes of women regarding systemic aspects of midwifery care in Germany: a qualitative study with focus groups. BMC Pregnancy and Childbirth. 2017;17(1):389. DOI:10.1186/s12884-017-1552-9 http://rdcu.be/y2Os
  • Ayerle, G. M. & Mattern, E. (2017). Priority topics for research by midwives: an analysis of focus groups with pregnant women, mothers and midwives. GMS Zeitschrift für Hebammenwissenschaft (GMS Journal of Midwifery Science), 4:Doc04 (20171215).

Der Abschlussbericht des DFG-Projekts ist unter dem Menüpunkt "Ergebnisse" abrufbar.

Sehr geehrte Hebammen, sehr geehrte Unterstützerinnen und Unterstützer,  
 
die DFG-geförderte Studie zur Hebammenversorgung in Deutschland unter dem Motto „Hebammenversorgung: Ich wünsche mir…“ ist schon sehr weit gediehen. 
 
Bisher haben 10 Fokusgruppengespräche mit insgesamt 50 schwangeren Frauen und Müttern in verschiedenen Bundesländern stattgefunden. Wir freuen uns, dass so viele Frauen uns davon berichtet haben, wie sie ihre gesundheitliche Versorgung durch Hebammen erlebt haben, was ihnen besonders wichtig war und welche Wünsche sie diesbezüglich haben.
 
In drei weiteren Fokusgruppen konnten wir auch schon die Sichtweise von Hebammen auf die Versorgung von Frauen in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und im ersten Lebensjahr des Kindes näher kennenlernen.
 
Viele Frauen hätten wir nicht erreicht, wenn Sie uns nicht dabei tatkräftig unterstützt hätten! Daher möchten wir Ihnen ganz herzlich unseren Dank aussprechen!
 
Zukünftig, d.h. im Frühjahr/Sommer 2016, werden Sie auf unserer Webseite aktualisierte Informationen über den Abschluss des Projekts und erste Ergebnisse vorfinden. Dort ist bereits ein Poster unter der Rubrik „Fachöffentlichkeit“ eingestellt, das das Projekt stichpunktartig darstellt.
Weitere Veröffentlichungen sind in relevanten Fachzeitschriften geplant. 
 
Mit Dank für Ihre hilfreiche Unterstützung verbleiben wir 
mit freundlichen Grüßen

Dr. Gertrud Ayerle

Elke Mattern M.Sc.

Dipl. Psych. Susanne Lohmann

Änne Kirchner B.Sc. 

Auf den Unterseiten finden Sie neben der Projektbeschreibung auch pdf-Dokumente zu aktuellen Präsentationen, die zum Projekt und seinen Ergebnissen gehalten wurden.

Präsentation auf der Bundesdelegiertentagung

Diese Präsentation zu ausgewählten Ergebnissen aus Sicht der Frauen (Nutzerinnen) wurde am 22.11.2016 in Berlin während der Bundesdelegiertentagung des Deutschen Hebammenverbandes e.V. gehalten. 

Versorgung durch Hebammen aus Sicht der Frauen: eine Auswahl der Ergebnisse (pdf)

 

Beschreibung (Poster)

Auf diesem Poster finden Sie Informationen zum Forschungsprojekt in Kurzfassung.

Das abgebildete Poster können Sie hier als pdf ansehen. 

 

 

Präsentation auf der MiPeTa

Auf der Mitteldeutschen Perinataltagung (MiPeTa) in Jena, 25.-26. November 2016, wurde eine Auswahl der Ergebnisse dem Publikum vorgestellt. Die Zuhörer*innen waren Hebammen, Fachärzt*innen für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderkrankenpfleger*innen und Auszubildende. 

Mit diesem Link erhalten Sie Zugang zur Präsentation (pdf-Dokument). 

 

Die Forschungsfragen lauteten: 

  • Welche Präferenzen haben die Nutzerinnen hinsichtlich der hebammenrelevanten Versorgung und Forschung in Deutschland?
  • Welche Defizite sehen die Nutzerinnen in der hebammenrelevanten Versorgung in Deutschland?

 Datenerhebung

  • 14 Fokusgruppengespräche: 
    • 10 Fokusgruppengespräche mit schwangeren Frauen und Müttern 
    • 4 Fokusgruppengespräche mit Hebammen
  • in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt

Teilnahme von 50 Frauen 

15 schwangere Frauen: 

  • erstes Kind 7 Frauen
  • zweites/folgendes Kind 8 Frauen

35 Mütter:

  • erstes Kind 22 Frauen
  • zweites/folgendes Kind 13 Frauen

Insgesamt 13 Alleinerziehende

Höchster Bildungsstand:

  • Hauptschulabschluss oder weniger 8 Frauen
  • Realschulabschluss 9 Frauen
  • Abitur / akademischer Abschluss  33 Frauen

Teilnahme von 20 Hebammen

Qualifikation

Höchster Abschluss:

  • Hebammenexamen 9 Hebammen
  • Bachelor (versch. Fachrichtungen) 6 Hebammen
  • Master (versch. Fachrichtungen) 7 Hebammen
  • Heb. Examen: 1979 - 2016 (Median: 2000)

Tätigkeitserfahrung (Mehrfachnennungen)

- Klinikangestellte

  • Vollzeit (n=10) / MW 3,0 Jahre / (min 0; max 7 Jahre)
  • Teilzeit (n=11) / MW 13,9 Jahre / (min 1; max 30 Jahre)

- Freiberuflich

  • Vollzeit (n=8) / MW 10,8 Jahre / (min 2; max 25 Jahre)
  • Teilzeit (n=16) / MW 14,3 Jahre / (min 0; max 30 Jahre)

- Bildungseinrichtung

  • Vollzeit (n=1) / MW 4,0 Jahre / (min 4; max 4 Jahre)
  • Teilzeit (n=2) / MW 5,8 Jahre / (min 1; max 13 Jahre)

Angebote / Leistungen der 20 Hebammen

- Entsprechend der Vergütungsvereinbarung:

  • Hilfe bei Beschwerden in Schwangerschaft 15 Hebammen
  • Vorsorgeuntersuchungen  12 Hebammen
  • Geburtsvorbereitung /Rückbildung 11  Hebammen / 8 Hebammen
  • Betreuung bei der Geburt  6 Hebammen
  • Wochenbettbesuche 13 Hebammen
  • Stillberatung / Beikosteinführung  14  Hebammen / 13 Hebammen

- Außerhalb der Vergütungsvereinbarung:

  • Spezielle Einzelberatung  2 Hebammen
  • Gruppenangebote  6 Hebammen

Der wissenschaftliche Bericht des DFG-geförderten Projekts "Präferenzen und Defizite in der hebammenrelevanten Versorgung aus Sicht der Schwangeren, Mütter und Hebammen" kann umfasst 90 Seiten. Er kann hier heruntergeladen werden:

Abschlusbericht des DFG Projekts "Präferenzen und Defizite in der hebammenrelevanten Versorgung aus Sicht der Schwangeren, Mütter und Hebammen" 2016

Zusammenfassungen der Ergebnisse können Sie in leicht lesbarer Sprache unter den Menüpunkten "Zusammenfassung der Ergebnisse aus Sicht der Frauen" und "Zusammenfassung der Ergebnisse aus Sicht der Hebammen" finden.

Frauen wissen Bescheid über die Hausbesuche der Hebamme in den ersten Tagen nach der Geburt. Darüber hinaus ist ihnen unklar, welche Arten der Hebammenbetreuung es gibt und was von der Krankenkasse bezahlt wird.

Frauen erfahren eher zufällig von Hebammenhilfe. Sie erwarten aber die Aufklärung darüber von ihrem Frauenarzt / Frauenärztin. Alternativ können sich Frauen vorstellen durch eine Broschüre oder einen Vermerk im Mutterpass, auf den der Arzt / Ärztin verweist, über die Leistungen der Hebamme informiert zu werden. Frauen wissen nicht, was eine freiberufliche Hebamme macht. Sie kennen auch nicht den Unterschied zwischen Hebamme und Familienhebamme. Viele Frauen können sich nicht vorstellen, wie sehr sie von der Betreuung durch eine Hebamme profitieren können, weil sie gar nicht wissen, welche Untersuchungen und Kontrollmaßnahmen eine Hebamme vornehmen darf.

Manche Frauen haben zu hohe oder zu niedrige Erwartungen an die Möglichkeiten der Hebammenhilfe. Rückblickend betrachtet, berichten Frauen von vielen Beratungsthemen und Maßnahmen, die sie positiv oder negativ mit der Versorgung durch Hebammen in Verbindung bringen. Manchmal wurden Themen für sie auch zu spät angesprochen. Es ist Frauen nicht bewusst, dass die Vorsorgeuntersuchungen dazu dienen, Abweichungen von einer normalen Schwangerschaft zu erkennen. Sie wissen auch nicht, wie die Betreuung einer normalen Geburt aussehen könnte, dass die Betreuung einer Geburt in unterschiedlichen Umgebungen (Zuhause, Geburtshaus, Klinik) anders gestaltet wird und welche Maßnahmen in der Klinik typisch sind.

Frauen wünschen sich im Geburtsvorbereitungskurs vor allem umfassende Informationen über normale Schwangerschaftsveränderungen und über die Geburt, aber auch über das Wochenbett und das Thema Stillen. Sie wissen zu wenig über Inhalte und Schwerpunkte von Geburtsvorbereitungskursen, die von verschiedenen Hebammen und Kliniken angeboten werden. Diese Kurse sollten standardisiert sein (d.h. bestimmte Themen unbedingt enthalten), damit jede Frau ein Mindestmaß an Informationen und Übungen erhält.

Frauen sind verwirrt, wenn ihnen Fachpersonen unterschiedliche Ratschläge geben. Sie erhalten so eigentlich keine verlässliche Information über Entscheidungsmöglichkeiten, sondern werden verunsichert. Frauen wünschen sich Beratungsgespräche mit einer Hebamme, um die vielen Informationen mit ihr zu bewerten und zu sortieren. Sie nutzen die Gespräche mit der Hebamme auch gerne, um sich Diagnosen des Arztes / Ärztin erklären zu lassen.

Hebammen werden auf der Wochenstation, auf der gynäkologischen Station (z.B. bei vorzeitigen Wehen), aber auch bei der Geburt nicht immer als Hebammen erkannt. Frauen unterscheiden somit nicht unbedingt zwischen Hebamme und Pflegekraft. Es ist deshalb möglich, dass Unzulänglichkeiten der Pflegekräfte den Hebammen zugeschrieben werden.

Frauen wünschen sich, erst mehrere Hebammen kennenzulernen und sich dann für eine zu entscheiden. Frauen möchten vorher über die angebotenen Leistungen der Hebamme informiert werden und erfahren, welche anderen Möglichkeiten es eventuell noch bei anderen Hebammen gäbe. Sie finden es unangenehm, wenn ihnen in einer Praxisgemeinschaft eine Hebamme zugeteilt wird.

Frauen benötigen noch am Entlassungstag aus der Klinik die Hilfe ihrer Hebamme zu Hause. Das gilt auch am Wochenende und an Feiertagen.

Frauen schätzen es, dass die Hebamme fast immer erreichbar ist. Sie erwarten klare Angaben darüber, zu welchen Zeiten und wie sie die Hebamme erreichen können und wo sie außerhalb dieser Zeit anrufen können. Wenn ihre Hebamme im Urlaub ist, wünschen sich Frauen eine hilfreiche Vertretung. Diese soll gut über sie und ihre Bedürfnisse Bescheid wissen. Wenn sich die Hebamme bei den Frauen nicht meldet, wenn sie lange auf einen Termin warten müssen oder wenn Hausbesuche oft abgesagt werden, finden Frauen die Hebamme unzuverlässig.

Frauen wollen mehr über die Hebammenhilfe wissen. Sie brauchen Informationen, die leicht für sie zugänglich sind, aber auch Bücher und Zeitschriften. Zur Hebammen-Suche erhalten sie im Vorfeld nicht genug Hinweise. Frauen möchten sich im Internet zu jeder Hebamme informieren, auch darüber, ob sie noch freie Plätze hat. Frauen glauben außerdem, dass Glück und Beziehungen wichtig sind, um eine Hebamme zu bekommen.

Der große Aufwand, der mit der Hebammen-Suche verbunden ist, stresst die Frauen. Sie bedauern, dass sie sich selbst darum kümmern müssen. Es frustriert sie, wenn eine Betreuung nicht klappt, weil die Entfernung zu groß ist oder die Hebamme keinen freien Platz mehr hat. Besonders schwer fällt die Hebammen-Suche denjenigen Frauen, die keinen Internetzugang haben, Frauen, die aufgrund ihrer Berufstätigkeit über wenig freie Zeit verfügen, oder Frauen, die schlecht Lesen und Schreiben können. Aber auch Frauen, die in eine andere Gegend ziehen, fühlen sich benachteiligt.

Frauen berichten, dass sie aufgrund des Mangels an Hebammen schon vor der 12. Schwangerschaftswoche damit anfangen müssen, eine Hebamme zu suchen. Davon fühlen sie sich unter Druck gesetzt. Um die richtige Hebamme zu finden, hätten sie gerne mehr Zeit. Die fehlende Wahlmöglichkeit frustriert sie. Wenn sie mit ihrer Hebamme nicht zufrieden sind, scheint ein Wechsel gar nicht möglich zu sein. Die Frauen wünschen sich, dass es in Zukunft wieder ausreichend viele Hebammen mit genügend Zeit für jede Frau geben wird. Ein Wochenbett ohne Hebamme wollen sie sich nicht vorstellen.

Frauen finden die Aufgabentrennung von Hebamme und Familienhebamme sinnvoll, aber nicht alle wissen darüber Bescheid. Manche lassen sich gleichzeitig von einer Hebamme und Familienhebamme betreuen, andere erst von der Hebamme und später von der Familienhebamme. Außerdem gibt es Frauen, die ihre Familienhebamme bitten, auch die normalen Hebammenaufgaben zu übernehmen. Die Frauen finden es zum Beispiel gut, dass die Familienhebamme sie zum Arzt begleitet oder auch ältere Geschwisterkinder fördert. Wenn Frauen nicht ganz freiwillig einer Familienhebamme zustimmen mussten, sind sie rückblickend trotzdem froh über die Betreuung.

Frauen finden die Hebammenbetreuung wichtig und unverzichtbar, egal ob sie ein erstes oder ein weiteres Kind erwarten – oder ob sie Probleme haben oder nicht. Sie erwarten, dass ihnen die Hebamme verlässliche Information gibt, sie umfangreich berät, wirksam hilft und sie zu Hause besucht. Außerdem benötigen sie eine praktische Anleitung und wollen von Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des Wochenbetts bzw. der Stillzeit körperlich und seelisch unterstützt werden. Sie rechnen außerdem mit der Hebammenbetreuung im OP, wenn sie einen Kaiserschnitt haben, und bei einer Fehlgeburt. Frauen fühlen sich durch die aktive Unterstützung der Hebamme nicht allein gelassen und werden von Ängsten entlastet. Die schwierigen Rahmenbedingungen der Hebammentätigkeit sind den Frauen bewusst. Sie erwarten aber gute Voraussetzungen für den Hebammenberuf.

Frauen sehen den Hebammenberuf als „Berufung“ und schätzen die Hebamme als Fachfrau für die gesundheitliche Versorgung von schwangeren Frauen / Müttern und ihren Säuglingen. Außerdem verstehen sie die Hebamme als eine Fachperson, die sie in Fragen rund um die alltägliche, praktische Versorgung des Kindes anleitet. Die Hebamme zeigt Handlungsmöglichkeiten und -grenzen auf und setzt sich als Fürsprecherin für ihre Anliegen ein. Auf der Wochenstation in der Klinik wünschen sich Frauen eine Hebamme als erste Ansprechpartnerin. Jedoch schreiben sie der freiberuflichen Hebamme mehr Entscheidungsspielraum zu als der Krankenhaushebamme.

Frauen erinnern sich positiv daran, von der Hebamme viel gelernt zu haben. Kompetenzen der Hebammen, die von den Frauen geschätzt werden, sind: Fachwissen, Beratungskompetenz, psychologisches Wissen, Einfühlungsvermögen und alltagspraktische Hilfe, die sich an der jeweiligen Situation orientiert. Frauen möchten, dass ihr Bauch berührt wird und dass die Hebamme Kontakt mit dem Ungeborenen aufnimmt. Sie möchten ausdrücklich über ihre Gefühle befragt werden und auch intime Themen mit der Hebamme besprechen.

Wenn die Hebamme nicht gut Bescheid weiß, wenn sie sich zu wenig auf die individuelle Situation der jeweiligen Familie einstellt und wenn die Hebamme sich nicht ausreichend auf ein Gespräch mit den Frauen einlässt, wird das von Frauen negativ erlebt. Außerdem kritisieren Frauen, dass Hebammen bei kindlichen Auffälligkeiten zu wenig Fachwissen haben und bei Telefonanrufen der Frauen mehr nachfragen sollten, bevor sie sie (eventuell unbegründet) in die Klinik schicken. Trotzdem erwarten Frauen, dass sich die Hebamme bewusst ist, welche Grenzen und Zuständigkeiten sie hat, und sie gegebenenfalls frühzeitig weitere Berufsgruppen oder ärztliche Hilfe hinzuzieht.

Besondere Bedürfnisse und Erwartungen an die Hebammenversorgung haben Frauen, die keinen Bildungsabschluss oder eine Lernbehinderung haben, alleinerziehende Frauen und Frauen mit fehlender sozialer Unterstützung, Schwangere mit Angst vor der Geburt, Frauen mit depressiver Verstimmung im frühen Wochenbett, Frauen mit Bindungs- oder Beziehungsschwierigkeiten und Frauen, deren Kind vor oder nach der Geburt gestorben ist.

Frauen möchten von nur einer Hebamme betreut werden, der sie vertrauen und die ihre persönlichen Lebensumstände kennt. Für Frauen ist es wichtig, die Hebamme erst einmal kennen zu lernen und zu schauen, ob sie gut zusammen passen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist notwendig für die Hausbesuche und intimen Untersuchungen. Frauen schätzen dabei die Verschwiegenheit der Hebamme.

Außerdem wünschen sich Frauen, dass die Hebamme nicht nur unter der Geburt, sondern auch in der Schwangerschaft und im Wochenbett viel Zeit für sie hat. Wenn die Hebamme den Frauen Zeit lässt, trauen sie sich auch, „peinliche“ Fragen zu stellen.

Frauen fühlen sich bei Besuchen der Hebamme bei ihnen zu Hause entspannt und entlastet. Auch Frauen, die eigentlich keine Probleme haben, möchten von der Hebamme versorgt werden. Sie finden es gut, wenn die Hebamme sie an Ruhepausen erinnert und Familienangehörige mit einbezieht.

Die Hebamme soll viel Einfühlungsvermögen haben und die jeweilige Situation der Frauen genau wahrnehmen. Bei einer Fehl- oder Totgeburt brauchen die Frauen die Feinfühligkeit und das Mitgefühl der Hebamme. Hebammen sollten dabei immer sehr genau auf ihre Wortwahl achten. Wenn es Probleme unter der Geburt gab, kann die Hebamme helfen, die Situation zu verstehen und zu verarbeiten.

Frauen sehen die Hebamme als ihre Fürsprecherin. Sie erwarten, dass sich die Hebamme für sie und ihre Wünsche einsetzt – zum Beispiel unter der Geburt gegenüber dem Arzt / Ärztin.

Um eine gute Entscheidung zu treffen, erwarten Frauen, dass die Hebamme aus eigener Initiative heraus Informationen gibt und sie berät. Frauen schätzen frühzeitige Erklärungen und eine Betreuung, die vorausschauend ist und sie auf mögliche Ereignisse einstellt. Sie möchten aufgezeigt bekommen, welche verschiedenen Möglichkeiten des Tuns und Verhaltens es für sie gibt. Frauen können eine begründete Entscheidung über den Geburtsort nur treffen, wenn sie sich auf die Geburt vorbereitet und selbst über verschiedene Geburtsorte informiert haben.

Frauen wünschen sich, umfassend aufgeklärt zu werden und ausreichend Zeit zu haben, um eine eigene Entscheidung zu treffen. Sie erwarten von der Hebamme Informationen, die wissenschaftlich belegt und wertfrei sind, das heißt zum Beispiel: Informationen über Maßnahmen, die wirksam sind und nicht von der Werbung von Firmen oder der Meinung der Hebamme beeinflusst sind. Sie sind aber auch offen für Maßnahmen, die (noch) nicht wissenschaftlich belegt sind, wenn ihnen deren Notwendigkeit erklärt wird.

Frauen wünschen sich ergänzend zur Hebammenbetreuung mehr allgemein zugängliche, schriftliche Informationen und Listen zu Themen, die in der Schwangerschaft, bei der Geburt, im Wochenbett und während der Stillzeit wichtig sind. Diese sollten fachlich begründet und wertfrei sein. Außerdem sollten die Frauen, Hebammen und Arztpraxen in gleicher Weise informiert werden, um die Frauen nicht mit unterschiedlichen Meinungen zu verwirren.

Wenn Frauen mit Hilfe der Unterstützung der Hebamme erfahren, dass sie selbst etwas bewirken und über ihre Betreuung entscheiden können, stärkt das ihr Wohlbefinden, ihre Sicherheit und ihre Entschlossenheit zu einer weiteren natürlichen Geburt. Frauen möchten alles "richtig" machen und wollen von der Hebamme viel lernen. Sie möchten vieles allein machen, benötigen dafür jedoch die praktische Unterstützung der Hebamme. Es tut Frauen gut, wenn die Hebamme sie ermutigt, auf ihren Körper zu achten und auf ihr eigenes Gefühl zu vertrauen. Wenn die Entscheidungen der Frauen ernst genommen werden, sehen sie sich auch in der Lage, schwierige Situationen zu meistern und ihr Verhalten so zu ändern, dass es positiv für ihre Gesundheit ist.

Frauen möchten frühzeitig darüber aufgeklärt werden, dass sie auch medizinische Maßnahmen ablehnen können. Wenn sie das tun, wünschen sie sich, dennoch respektvoll behandelt zu werden.

Besonders bei einer Klinikgeburt haben Frauen bei ihrer Betreuung den Eindruck, dass alles routinemäßig abläuft und sie keinen Einfluss darauf haben. Wenn sie keine Erläuterungen und Entscheidungsmöglichkeiten erhalten, ist das für sie so, als würden andere Personen über sie bestimmen. Sie sind enttäuscht, dass sich die Auskünfte zur Geburtsbegleitung am Infoabend in der Klinik und die Wirklichkeit unterscheiden. Frauen machen die Erfahrung, dass in der Klinik nur eine schnelle Geburt als gute Geburt gilt. Sie glauben, dass zu schnell mit medizinischen Maßnahmen in den Geburtsverlauf eingegriffen wird und befürchten, dass sie einen Kaiserschnitt bekommen, nur weil er sich für die Klinik finanziell lohnt. Während einige Frauen bezweifeln, dass die Klinikversorgung für sie selbst und ihr Kind immer sicher ist, erscheint die Klinik für andere Frauen ein sicherer Ort für die Geburt ihres Kindes zu sein.

Frauen wünschen sich in der Schwangerschaft mehrere Treffen mit der Hebamme, um zeitgerecht die passenden Informationen zu Schwangerschaftsveränderungen und -beschwerden zu erhalten. Die Hilfe der Hebamme ist nötig, weil Frauen oft nicht einschätzen können, ob ihre Beschwerden normal sind oder ein Problem besteht. Sie erwarten eine wirksame Linderung ihrer Schwangerschaftsbeschwerden (z.B. Übelkeit, Sodbrennen, Rücken- und Beinschmerzen).

Frauen schätzen die praktischen Hilfen und naturheilkundlichen Mittel der Hebamme, besonders bei Schwangerschaftsbeschwerden, bei Übertragung, in der Latenzphase der Geburt und bei Brustproblemen im Wochenbett. Frauen finden es gut, wenn die Hebamme die alternativen Heilmittel auch gleich dabei hat und anwendet.

Frauen erwarten, dass die Hebamme sie aus eigener Initiative heraus berät und auch sensible Themen anspricht. Während der Geburt wünschen sich Frauen von der Hebamme praktische Tipps zur Bewältigung von Wehenschmerzen, zu Atemtechniken, Körperhaltungen und Maßnahmen zur Entspannung. Nach der Geburt würden sie gerne mit der Hebamme nochmal genau über die Geburt sprechen.

Auch im Krankenhaus möchten Frauen in einer individuellen und normalen Geburt unterstützt werden. Sie wünschen sich eine abwartende und beobachtende Hebamme. Schlimm finden sie einen Einlauf und einen Dammschnitt, oder wenn zu sehr auf ihren Bauch gedrückt oder ihre Intimsphäre verletzt wird. Frauen finden es gut, wenn die Hebamme die Kontaktaufnahme zwischen Vater und Kind fördert und auch die Männer von den Informationen der Hebamme profitieren.

Frauen schätzen es, dass die Hebamme schon in der Schwangerschaft dazu anleitet, eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Das Vertrauen in den eigenen Körper und das Ungeborene tut den Frauen gut. Nach der Geburt wünschen sich Frauen viel Zeit für die erste Kontaktaufnahme mit dem Baby - auch nach einem Kaiserschnitt, um von Anfang an eine starke Bindung zu entwickeln. Frauen möchten Tipps, damit sie ihr Kind gut und wirksam beruhigen können. Manchmal muss die Hebamme die Frauen auch mehrmals beraten, bis sie lernen, die Bedürfnisse des Kindes richtig zu erkennen.

Frauen erwarten auch in der Klinik fachliche Hilfe beim (ersten) Stillen. Dabei sollte aber auf die individuelle Situation der Frau eingegangen werden. Dies gilt ebenso für das Stillen nach einem Kaiserschnitt. Wenn Frauen nicht stillen können oder nicht stillen wollen, möchten sie insbesondere bei bestehenden Kreislaufproblemen lieber ohne Medikamente abstillen. Nicht stillende Frauen schätzen Informationen zur Ersatznahrung. Später wünschen sich Frauen außerdem Beratung zur Beikost-Einführung.

In der Klinik sind viele Frauen mit der Beratung zum Neugeborenen auf der Wochenstation nicht zufrieden. Auch im Wochenbett zu Hause erwarten die Frauen praktische, situationsgerechte Tipps für die Pflege des Neugeborenen und Besonderheiten beim Kind. Bei nächtlichen Unsicherheiten mit dem Kind zu Hause würden sie sich über eine Telefon-Hotline freuen, die sie ohne Hemmungen anrufen könnten.

Frauen möchten während der Schwangerschaft, dem Wochenbett und der Stillzeit regelmäßig zu Hause von der Hebamme besucht werden. Dabei sollte sie besonders im Wochenbett viel Zeit mitbringen.

Frauen finden es gut, dass die Hebamme ihre Ratschläge an die Bedürfnisse der jeweiligen Frau und ihrer Familie anpasst. Sie erwarten außerdem, dass die Hebamme ihre Persönlichkeit und ihren Einzelfall respektiert.

Frauen erwarten eine gleichberechtigte Betreuung und Zusammenarbeit von Arzt / Ärztin und Hebamme in der Schwangerschaft. Es bringt sie in Konflikte, dass zwischen Arzt / Ärztin und Hebamme nicht geklärt ist, wer welchen Teil der Vorsorgeuntersuchungen übernimmt. Bei der ärztlichen Vorsorge wünschen sich Frauen eine ausführliche und verständliche Aufklärung und mehr Einfühlungsvermögen.

Frauen möchten nicht auf den Ultraschall verzichten. Aber sie finden, dass Ärzte / Ärztinnen zu schnell Probleme darin sehen, wenn die Befunde etwas vom Üblichen abweichen. Frauen, die nur für den Ultraschall zum Arzt / zur Ärztin gehen, fühlen sich dort sehr unter Druck gesetzt. Sie berichten von nur wenigen Ärzten / Ärztinnen, die einem Geburtshaus, der Hausgeburt oder der Schwangerenvorsorge, die ausschließlich durch eine Hebamme vorgenommen wird, positiv gegenüberstehen. Frauen, die ihre Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen einzig bei einer Hebamme in Anspruch nehmen, sind zufrieden.

In der Klinik fehlt den Frauen eine Hebammenbetreuung ganz am Anfang der Geburt, wenn die Wehen gerade begonnen haben. Sie erhalten in dieser Zeit keine praktische Unterstützung darin, wie sie mit den Wehen umgehen sollen – weder zu Hause noch in der Klinik. Deshalb sind sie verunsichert. Sie würden gern mit ihrer Hebamme zu Hause entscheiden, wann sie in die Klinik fahren sollen.

Frauen möchten auch in Zukunft die Gelegenheit haben, ihr Kind nicht in der Klinik zu gebären. Sie können sich diese Möglichkeiten vorstellen: eine außerklinische Geburt (zu Hause oder im Geburtshaus), eine ambulante Geburt in der Klinik (bei der sie innerhalb von 24 Stunden wieder nach Hause gehen) oder eine normale Geburt in der Klinik. Frauen bringen ihr nächstes Kind häufig am selben Ort zur Welt.

Frauen ist es wichtig, sich mit anderen Schwangeren und Müttern über ihre Erfahrungen auszutauschen. Das kann bei Kursen in der Schwangerschaft, im Geburtsvorbereitungskurs, im Wochenbett in der Klinik, im Rückbildungskurs, in einem Still-Café oder im Elterntreff stattfinden. Dabei lernen sie andere Meinungen und Handlungsweisen kennen. Frauen finden es gut, wenn eine Hebamme als Fachperson dabei ist, falls Fragen auftreten.

Frauen möchten, dass die gleiche Hebamme sie bereits während der Schwangerschaft und dann auch bei der Geburt betreut. Ein Arzt / eine Ärztin soll nur hinzugezogen werden, wenn die Hebamme oder die Frau es wünscht. Dadurch hoffen sie, bei einer normalen Schwangerschaft keine unnötigen medizinischen Maßnahmen zu erhalten. Insgesamt möchten Frauen, dass sich alle Personen, die an ihrer Betreuung beteiligt sind, besser absprechen, um unnötige oder doppelte Untersuchungen zu vermeiden und um bestens versorgt zu werden.

Frauen fänden es gut, wenn auch die Hebamme Ultraschalluntersuchungen durchführen dürfte. Da dies nicht möglich ist, würden sie die 3 Vorsorgetermine, an denen die 3 Ultraschalltermine vorgesehen sind, gern komplett vom Arzt / der Ärztin durchführen lassen (d.h.: nicht aufgeteilt mit der Hebamme), um Zeit zu sparen. Frauen, die sich viele Ereignisse, Inhalte und Informationen in der Schwangerschaft nicht so gut merken können, wünschen sich eine Begleitung der Hebamme zu Arztterminen. Außerdem möchten Frauen eine Hebammensprechstunde in einem Familienzentrum und würden ihre Hebamme auch gerne später bei Problemen in der Säuglingszeit des Kindes aufsuchen. Individuellere Geburtsvorbereitungskurse werden benötigt, zum Beispiel für Frauen mit Lernbehinderung oder geringer Bildung. Für sie wäre es gut, wenn die Hebamme den Kurs auch als Hausbesuch gestalten oder insgesamt verlängern könnte.

Frauen wünschen sich die gleiche Hebamme für ihre gesamte Betreuung, das heißt vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. Eine solche Betreuung erleben sie in Hebammenpraxen und Geburtshäusern. Nach Meinung der Frauen könnte eine gute Hebammenversorgung (beispielsweise durch eine einzige Hebamme) sie dazu bewegen, wieder mehr Kinder zu bekommen. Sie verstehen nicht, warum die Politik dies nicht unterstützt.

Frauen sind offen dafür, bei Bedarf an weitere Fachkräfte vermittelt zu werden. Positiv erinnern sie sich zum Beispiel an die Schreiambulanz oder eine Ernährungsberatung in einer diabetologischen Praxis. In dem Fall, wenn ein Kind gestorben ist, sollten Hebammen die Eltern zu einer Trauerbegleitung, Seelsorge oder Selbsthilfegruppe vermitteln.

Frauen, die in der Klinik geboren haben, möchten, dass ihnen dort in jedem Fall ein Familienzimmer angeboten wird. Damit sie besser entlastet werden, wünschen sich Frauen, dass ihr Partner und Familienangehörige mehr in ihre Versorgung und die des Kindes eingebunden werden.

Hebammen nehmen wahr, dass schwangere Frauen nicht ausreichend darüber informiert sind, was Hebammen tun können und dürfen. Auch in der Schwangerschaft – wie im Wochenbett – können sie die Frauen ohne ärztliche Anweisung betreuen und Hausbesuche machen. Hebammen möchten die Frauen dabei „ganzheitlich“ betreuen, das heißt sowohl auf ihren Körper als auch ihre Seele achten.

Hebammen wünschen sich, dass in den öffentlichen Medien (z.B. im Fernsehen) mehr über die Hebammenarbeit in der Schwangerschaft, bei der Geburt, im Wochenbett und in der Stillzeit berichtet wird, aber nicht mit dramatischen Geburtsdarstellungen und unnötigen ärztlichen Maßnahmen. 

Hebammen sehen es als ihre Aufgabe an, den normalen Verlauf von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit zu begleiten, sich auf die Wünsche und die persönliche Situation der Frau einzustellen, sie vorausschauend und kundig zu beraten, sie vor unnötigen medizinischen Maßnahmen zu schützen und die Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Selbsthilfe zu unterstützen. Dafür ist es jedoch wichtig, die Frauen frühzeitig kennen zu lernen. Hebammen finden, dass sie von ihren mehrmaligen Beratungen profitieren können, insbesondere wenn es darum geht, die Gesundheit von Mutter und Kind zu fördern. Hebammen beziehen auch die nächsten Angehörigen in die Unterstützung der Frau mit ein.

Wenn Hebammen einzelne Frauen über mehrere Monate umfassend betreuen, können sie nur eine begrenzte Anzahl von Frauen gleichzeitig zur Betreuung annehmen. Sie bedauern, dass viele Frauen viel zu spät oder erst über den Geburtsvorbereitungskurs zu ihnen kommen, wenn die Zeit schon vorbei ist, sie über unterschiedliche Betreuungsformen und Entscheidungsmöglichkeiten zu informieren. 

Eine besondere Schwierigkeit in der Schwangerenvorsorge ist, dass die Zuständigkeiten von Ärztin / Arzt und Hebamme nicht klar geregelt sind. Hebammen wundern sich, dass sich auch selbstbewusste Frauen leicht durch ärztliche Befunde (z.B. beim Ultraschall) verunsichern lassen. Ihr großer Zeitaufwand für die Beratung wird aus Sicht der Hebamme nicht ausreichend durch das Honorar vergütet.

Eine besondere Schwierigkeit erleben Kreißsaal-Hebammen darin, dass sie mehrere Frauen unter der Geburt parallel betreuen müssen und dass ihre abwartende Haltung, ob die Geburt nicht doch ohne medizinische Eingriffe vorankommt, eher als Untätigkeit und Bequemlichkeit fehlgedeutet wird.

Hebammen stellen fest, dass die von ihnen betreuten Frauen oft das Bedürfnis haben, von der Hebamme ganz und gar versorgt und bemuttert zu werden. Hebammen finden es manchmal schwierig, eine gute Mitte zwischen einer Art „Mutter“ oder „Freundin“ und „Fachkraft“ zu finden. Manche bieten der Frau das „Du“ an, andere bleiben beim “Sie“.

Hebammen freuen sich über Lob und Anerkennung der Frauen. Diese bekommen sie von Frauen, die einen geringen Bildungsgrad oder eine komplizierte Lebenssituation haben, eher nicht. Für Frauen kann das Ende der Betreuung schwierig sein, wenn es unklar ist für sie, wer ihnen in Zukunft helfen kann.

Hebammen verstehen, dass Frauen eine Hebamme haben wollen, die ihnen sympathisch ist. Sie versuchen, wenn möglich, diesen Wunsch in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen zu unterstützen. 

Die Kommunikation zwischen Frauen und Hebammen funktioniert in bestimmten Situationen nicht gut: beispielsweise, wenn eine Frau einen Geburtsplan mit in die Klinik bringt, der aus Sicht der Hebamme zeigt, dass sich die Frau nicht über die Vorgehensweisen im Kreißsaal informiert hat; oder, wenn Frauen nicht die Ratschläge von Hebammen befolgen. 

Hebammen stellen fest, dass ihre Berufsgruppe sich nicht darauf geeinigt hat, was sie unter einer guten Betreuung versteht. Aus ihrer Sicht könnten die Frauen davon profitieren, wenn es gemeinsame Richtlinien und einheitliche Empfehlungen geben würde. Die gegenseitige Vertretung von Hebammen könnte leichter erfolgen, weil alle genau wüssten, was auf welche Weise zu tun ist. Hebammen könnten zum Beispiel auch Aufgaben an eine Sekretärin abgeben und so mehr Zeit für die Frauen haben. 

Folgende Kriterien für eine gute Qualität schlagen Hebammen vor: Berücksichtigung der Wünsche und Situation einer Frau in der Beratung und Betreuung, aktuelle Informationen und eine umfassende Sicht auf die Versorgungssituation der Frau. Hebammen wünschen sich diesbezüglich Schulungen für die Beratungstätigkeit und insbesondere für die Betreuung von geflüchteten und traumatisierten Frauen. Einerseits würden Hebammen gerne an Veranstaltungen zur Verbesserung der Qualität teilnehmen, andererseits haben sie dafür kaum Zeit.

Hebammen wollen die erste Ansprechpartnerin der Frau in der Schwangerschaft sein. Sie können sich auch vorstellen, neue Modelle der Versorgung auszuprobieren und anzubieten: beispielsweise ein Geburtsvorbereitungskurs von längerer Dauer, Wochenbettkurse, Elterntreffs oder Still-Cafés mit Hebammenberatung und Sexualaufklärung für Jugendliche.  

09.09.2016

Aus Sicht der Hebammen würden mehr Frauen eine umfassende Betreuung erhalten, wenn sie frühzeitig von Frauenärztinnen/-ärzten über Hebammenhilfe informiert werden würden. Dann könnten sie schon von Anfang an die Vorsorge bei Hebammen und deren Beratung bei Beschwerden in der Schwangerschaft in Anspruch nehmen.

Über verschiedene Informationskanäle müssten Frauen über die vielfältigen Leistungen der Hebammen erfahren oder direkt angesprochen werden, weil Hebammen nicht nur Geburtsvorbereitungskurse anbieten. Auch wenn nicht jede Hebamme das gesamte Spektrum an Hebammenleistungen anbietet, so sollte sie doch die Frauen darüber informieren und sie gegebenenfalls an Kolleginnen weiterleiten.

Hebammen vermuten, dass den Frauen ihre unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten in der Schwangerschafts- und Geburtsbetreuung nicht bekannt sind, zum Beispiel: wie viel und bei wem sie Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen oder dass sie auch vaginale Untersuchungen ablehnen können. Es wäre auch Aufgabe der Hebammen, den Frauen die unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten zu erläutern, damit sie sich informiert entscheiden können. Anscheinend haben Frauen eine Vorstellung von der „normalen" Geburt, die sie möglicherweise aus Doku-Soaps übernommen haben: die Frau liegt passiv in Rückenlage, erhält eine PDA und muss unter Anleitung pressen. So sehen sie eher nicht die Notwendigkeit, medizinische Maßnahmen zu hinterfragen.  

Hebammen beobachten, dass Frauen einerseits sehr interessiert an Informationen sind, aber andererseits auch sehr leicht durch unterschiedliche Empfehlungen und Angebote verunsichert werden. In der Gesellschaft stehen schwangere Frauen unter dem Druck, alles richtig zu machen, und sind eher ängstlich, sich falsch zu entscheiden. Dabei gerät die Wahrnehmung ihres eigenen Körpers in den Hintergrund. In dieser Situation könnten sie von Hebammen Hilfestellung in einer Einzelberatung erhalten. 

Hebammen begrüßen grundsätzlich, dass Frauen sich weitestgehend selbst über die Routine-Betreuung in der Klinik informieren und ihre Wünsche, die darüber hinausgehen, den Hebammen mitteilen. In der Wochenbettbetreuung erwarten Frauen, dass Hebammen sie engmaschig versorgen und mehrmals am Tag ganz praktisch unterstützen. Da Hebammen diese Erwartungen größtenteils nicht erfüllen können, ermutigen sie die Frauen, für zusätzliche Unterstützung ihre Angehörigen und Bekannten zu aktivieren. 

Die Erzählungen von Frauen, die früher von Hebammen betreut wurden, zeigen, dass die Ereignisse rund um die Geburt und die Betreuung durch eine Hebamme etwas Besonderes in ihrem Leben sind. Die Tatsache, dass Frauen in einer nachfolgenden Schwangerschaft zur Hebamme schon frühzeitiger Kontakt aufnehmen und ihre Geburt vielleicht in einem Geburtshaus planen, weist darauf hin, dass Frauen sich durch ihre früheren Erfahrungen mehr zutrauen. Hebammen ist es insbesondere wichtig, dass Frauen ihre Betreuung rund um die Geburt als unkompliziert in Erinnerung behalten.

19.09.2016

Hebammen, die an einer Hochschule ausgebildet werden, können bei der Betreuung von Frauen auch aktuelle Forschungsergebnisse einbeziehen und ihnen so helfen, Entscheidungen zu treffen, die auf verlässlichen Informationen beruhen. Darüber hinaus können sie den Frauen helfen, die vielen, teilweise widersprüchlichen Empfehlungen zu sortieren und mit Ärztinnen / Ärzten eher gleichberechtigt über Betreuungsmaßnahmen sprechen. 

Hebammen, die nicht an einer Hochschule ausgebildet wurden, haben keinen Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und wissen meist nicht, dass bei einer „evidenzbasierten Betreuung“ sowohl die Forschungserkenntnisse als auch die persönliche Situation der Frauen berücksichtigt werden sollten. Bis alle Hebammen Zugang zu Forschungserkenntnissen haben, benötigen sie ein Institut oder eine Expertin / einen Experten, an die sie sich mit ihren Fragen wenden können.

Frauen verlassen sich meist ohne Diskussion auf die Empfehlung der Ärztin / des Arztes. Das heißt, sie werden nicht frühzeitig daran beteiligt, zusammen mit der Fachkraft eine gute Entscheidung für sich zu finden und werden nicht über positive und mögliche negative Auswirkungen informiert. Sie erhalten meist keine Bedenkzeit, um zu entscheiden, welcher Betreuungsweg für sie stimmig ist.

Hebammen wünschen, dass schwangere Frauen und Mütter sich kritischer mit medizinischen Maßnahmen auseinandersetzen und nicht zustimmen, dass unnötige Maßnahmen gemacht werden, die durch aktuelle Forschungsergebnisse als nicht sinnvoll gelten.

Im Kliniksystem, in dem die Ärzteschaft den Hebammen Anweisungen für die Betreuung der Frauen gibt, fällt es Hebammen besonders schwer, unnötige medizinische Maßnahmen abzulehnen und nicht durchzuführen. Das ungleiche Wissen über Forschungsergebnisse könnte durch eine gemeinsame Ausbildung von Ärztinnen / Ärzten und Hebammen verbessert werden. 

Hebammen fordern, dass noch besser Nebenwirkungen und Folgen von Maßnahmen durch beide Berufsgruppen bedacht werden. Frauen hätten vielleicht weniger den Eindruck, dass  sie von Ärztinnen / Ärzten aus den negativen Folgen von zahlreichen Maßnahmen „gerettet“ wurden. 

Da die Arbeitssituation in der Klinik für Hebammen unbefriedigend ist, setzen sie sich mit der Ärzteschaft auseinander oder verlassen die Klinik, um freiberuflich zu arbeiten.

09.09.2016

Durch den Mangel an Hebammen kann eine gute Versorgung oft nicht gewährleistet werden. In der Klinik haben Hebammen zu viele Frauen gleichzeitig zu betreuen, was einerseits den Druck erzeugt, die Geburtsdauer möglichst kurz zu halten, und andererseits die Hebammen unzufrieden macht. Eine gute Betreuung, die sich auf die neuesten Forschungserkenntnisse stützt, ist aus Sicht der Hebammen erschwert, weil in den Kliniken sowohl das Vergütungssystem als auch die Furcht vor juristischen Folgen vermeidbare medizinische Maßnahmen und Kaiserschnitte begünstigen. Hebammen haben entweder wenig Einfluss auf die Qualität der Betreuung in der Klinik oder müssen zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um sich für die Interessen der Frauen einzusetzen.

Hebammen wünschen sich, dass es in der Klinik eine klarere Aufteilung der Zuständigkeiten von Hebammen und Frauenärztinnen/-ärzten gibt, nämlich: Hebammen sind für den normalen Verlauf der Geburt und Ärztinnen-Ärzte sind für Komplikationen zuständig. Weitere Verbesserungen in der Versorgung von Frauen wären eine Stellensaufstockung und  Supervision für Klinikhebammen oder eine bessere Kommunikation zwischen der Klinik und den freiberuflich tätigen Hebammen.

In der ambulanten Versorgung der Frauen kommt es aufgrund eines regionalen Hebammenmangels zu Engpässen. Daher finden es Frauen mühsam und schwierig, eine Hebamme für ihre Versorgung zu gewinnen; für Hebammen ist es frustrierend, dass sie viele Leistungen der Hebammenhilfe, zum Beispiel die Schwangerenvorsorge, wegen Überlastung nicht in ausreichendem Umfang anbieten können. Eine besondere Herausforderung sind die weiten Wege, die Hebammen zur Versorgung der Frauen zu fahren haben. 

Beleghebammen müssen für Frauen, deren Geburt beginnt, jederzeit über die Rufbereitschaft verfügbar sein. Dadurch können sie nicht jeder anderen Frau garantieren, in vollem Umfang die Wochenbettbetreuung durchführen zu können. 

Da in manchen Regionen die Nachfrage nach Wochenbettbetreuung in größer ist als die zeitlichen Kapazitäten der Hebammen, erhalten diejenigen Frauen die Hausbesuche, die sich zuerst bei der Hebammen melden. Dies bedeutet, dass es für manche Frauen sehr mühsam ist, eine Hebamme für ihre Betreuung zu finden. Das frustriert sie und sie reagieren manchmal ärgerlich und beleidigend der Hebamme gegenüber, die jedoch selbst unglücklich mit dieser Situation sind. Auch werdende Hebammen (in Ausbildung) würden zwar gerne im ambulanten Bereich arbeiten, scheuen aber aufgrund der ungünstigen Arbeitsbedingungen davor zurück.

Ein deutlicher Mangel an Unterstützung für die Frauen besteht in der so genannten Latenzphase, wenn die Frau bereits Wehen spürt, die Geburt aber noch nicht aktiv begonnen hat. Die Frauen würden sich wünschen, dass die Hebamme zu ihnen nach Hause kommt und mit ihr gemeinsam entscheidet, wann es Zeit ist, zur Geburt in die Klinik zu gehen. Allerdings ist die Honorierung dieser Versorgung nicht vorgesehen und aus haftungsrechtlichen Gründen zählt die Latenzphase zur Geburt. Das bedeutet, dass Hebammen eine enorm hohe Haftpflichtversicherung für die Geburt mit abschließen müssten, um Frauen in dieser Zeit zu betreuen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist dies für sie nicht möglich.

Wegen Mangel an Hilfe im häuslichen Umfeld gehen viele Frauen frühzeitig in die Klinik, wo sie entweder wieder nach Hause geschickt werden oder auf die Station aufgenommen werden. Allerdings setzen sie sich dabei dem erhöhten Risiko aus, frühzeitig und unnötig medizinische Maßnahmen zu erhalten, die möglicherweise weitere Konsequenzen nach sich ziehen.

Hebammen beklagen sich, dass es bei den Frühe-Hilfen-Zentren oft lange Wartezeiten und keine Notfallhilfe gibt, so dass sie selber viel herum telefonieren müssen, um für die Frau die beste Versorgung zu organisieren. Dadurch fühlen sich Hebammen mit den Problemen von Familien, die sich in in komplizierten und belastenden Lebenssituationen befinden, alleingelassen. 

Hebammen bieten insbesondere diejenigen Leistungen an, die Ihnen besonders gut liegen und in ihre eigene familiäre Situation passen. Dadurch bieten sie nicht die volle Bandbreite aller Hebammenleistungen an, das heißt: manche Hebammen bieten nur ein Vorgespräch in der Schwangerschaft an und besuchen die Frauen dann im Wochenbett, ohne sie über weitere Leistungen, wie zum Beispiel die Schwangerenvorsorge, zu informieren. 

Hebammen müssen sich entscheiden, ob sie für wenige Frauen eine kontinuierliche, umfassende Betreuung von Frauen anbieten (einschließlich der Hilfe bei Beschwerden in der Schwangerschaft, Schwangerenvorsorge, gegebenenfalls Geburtsbetreuung, Wochenbettbetreuung bis zum Abstillen) oder ob sie viele Frauen mit weniger Hausbesuchen betreuen. Hebammen haben Verständnis für die Not der Frauen, (k)eine Hebamme für ihre Betreuung zu finden. Dies führt sowohl auf Seiten der Hebammen als auf Seiten der Frauen zu Unzufriedenheit, da letztlich die notwendige umfassende Betreuung für alle Frauen nicht gewährleistet werden kann

Dies hat auch Auswirkungen auf die gegenseitige Vertretung der Hebammen untereinander: Hebammen, die in Vollzeit im ambulanten Bereich viele Frauen betreuen, haben es schwer, im Falle ihres Ausfalls eine Kollegin zu finden, die zusätzlich zu ihren eigenen Frauen auch noch diese Vertretungsfälle übernehmen kann. Den Hebammen ist bewusst, dass ihre Berufsgruppe dadurch womöglich für unzuverlässig gehalten wird, wenn Frauen nicht durch andere Hebammen, die ihre Kolleginnen vertreten, lückenlos versorgt werden. Ein möglicher Lösungsansatz wäre die Zusammenarbeit in einem Hebammenteam, wo sich 3-4 Kolleginnen die Rufbereitschaft für Haus- oder Beleggeburten und die gesamte Betreuung der Frauen teilen und sich wechselseitig vertreten.

Hebammen haben verschiedene Ideen, wie die Vermittlung von Hebammen verbessert werden könnte: durch ein Hebammenregister, eine Hebammenvermittlungszentrale, eine Software oder einen Administrator, der freie Hebammenkapazitäten erfasst, so dass sich die Frauen aktuell informieren und gezielter anfragen können. Hebammen sind schon jetzt bemüht, für alle Frauen eine Wochenbett-Betreuung zu organisieren, dass sie die Kooperation von Hebammen wichtiger finden als Konkurrenz.

Eine besondere Herausforderung besteht in ländlichen Gebieten: Hier könnten gezielt Praxisansätze mit guter Praxisanleitung für werdende Hebammen (Auszubildende) angeboten werden, um sie für eine spätere Tätigkeit in diesen Gebieten anzuwerben. In Kliniken, wo die geburtshilfliche Abteilung geschlossen werden soll, könnte ein hebammengeleiteter Kreißsaal oder ein Geburtshaus eingerichtet werden, in dem eine Hebammengemeinschaft mit guten Arbeitsbedingungen selbstbestimmt tätig ist. Weitere Überlegungen sind, die Wochenbettbetreuung anders zu gestalten, das heißt: die Hausbesuche im Wochenbett auf weniger Wochen zu beschränken und die Frauen ergänzend zu Sprechstunden in einem Familienzentrum einzuladen. Damit könnten mehr Frauen von Hebammenhilfe profitieren und die Hebammen den hohen Zeitaufwand für Hausbesuche reduzieren.

19.09.2016

Manche Hebammen und niedergelassene Frauenärztinnen / -ärzte haben unterschiedliche Auffassungen davon, wie Frauen in der Schwangerschaft am besten betreut werden und wo sie ihr Kind bekommen können oder sollten. 

Hebammen arbeiten nicht gerne mit Frauenärztinnen / -ärzten zusammen, die ihre Arbeit nicht respektieren. Sie vermuten, dass beide Berufsgruppen kaum mit einander sprechen, weil sie darum fürchten, Frauen aus ihrer Praxis zu verlieren und damit weniger zu verdienen.

In der Klinik werden die Wünsche der Frauen zwar in der Gestaltung des Kreißsaals und der Wochenstation berücksichtigt. Allerdings werden die Frauen in den Gesprächen zur Geburtsplanung hauptsächlich über die medizinischen Maßnahmen unter der Geburt informiert, statt sie zu ihren Wünschen zu befragen. 

Hebammen sehen es kritisch, dass bei Informationsabenden und Führungen durch den Kreißsaal zwar auf eine frauenfreundliche Betreuung in der Klinik (wie z.B. aufrechte Gebärhaltungen oder eine Wassergeburt) hingewiesen wird, diese aber dann während der Geburt nicht umgesetzt wird.

Hebammen fänden es gut, wenn Frauen sowohl die Betreuung von Ärztinnen / Ärzten als auch Hebammen bekommen könnten, ohne sich unwohl fühlen zu müssen, weil sie sich von beiden Berufsgruppen betreuen lassen. Sie würden gerne die Kompetenzbereiche von Hebammen und Ärztinnen / Ärzten in der Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen nach Aufgabenbereichen aufteilen: Hebammen sollten – wie in anderen Ländern – für die normal verlaufene Schwangerschaft und Geburt (wie bereits für das Wochenbett) zuständig sein und die Frau erst bei Komplikationen an die Arztpraxis oder die Klinik verweisen. Hebammen betonen, dass sie nicht nur für die Gefühle der Frauen zuständig sind, sondern die Fähigkeit und Ausbildung haben, die Frauen auch körperlich heilkundlich zu versorgen. 

Hebammen helfen Schwangeren bei ihren Beschwerden, beraten sie ausführlich oder klären alltagspraktische Fragen. Damit nehmen sie den  Ärztinnen / Ärzten auch viel Aufwand ab, für den diese in der Arztpraxis nicht die Zeit haben. Zu manchen Vorsorgeuntersuchungen, wie dem Ultraschall, müssen Hebammen die von ihnen betreuten Frauen an Ärztinnen / Ärzte verweisen, jedoch sind manche Ärztinnen / Ärzte nicht zu einer Zusammenarbeit bereit. Wenn Frauen diese Untersuchungen daher in der Klinik machen lassen müssen, ist dies eine zusätzliche Belastung für die Frauen.

Hebammen bedauern, dass Frauen darunter leiden müssen, dass die Schwangerenvorsorge nicht klar aufgeteilt ist oder die Frau die Kritik von Ärztinnen / Ärzten fürchten muss, wenn sie eine Geburt im Geburtshaus oder bei sich zu Hause plant.

Hebammen sehen in der Macht der Ärzteschaft und der untergeordneten Stellung der Hebammen die Ursache dafür, dass die Betreuung der Frauen unter der Geburt nicht gut abgestimmt ist. Einerseits können Hebammen ärztlich angeordnete medizinische Maßnahmen nicht verhindern, wenn sie sie als unnötig betrachten. Andererseits kommen sie in Situationen, in welchen sie den Ärztinnen / Ärzten während der Geburt die Angst vor möglichen Komplikationen nehmen müssen, um die Frauen vor unnötigen Interventionen zu schützen. Hebammen beobachten auch, dass Frauen dem ärztlichen Personal für medizinische Maßnahmen dankbar sind, die aus Sicht der Hebamme aber nur dadurch erforderlich wurden, weil damit die negativen Folgen von vorhergehenden unnötigen Maßnahmen abgewendet werden mussten, die ärztlich angeordnet waren.

Hebammen sehen die Notwendigkeit, dass der Übergang zwischen Klinik und Betreuung durch eine freiberuflich tätige Hebamme neu gestaltet werden muss: Sie schlagen Übergabeprotokolle oder Begleitschreiben mit Befunden vor oder eine Vereinheitlichung der Geburtsvorbereitungskurse oder  der Klinikgeburtshilfe. Es müsste eine Person dafür bestimmt werden, um diese Übergabeprotokolle oder Standards zu entwerfen, da Hebammen selbst keine zusätzliche Zeit dafür haben.

Für Frauen mit besonderen Anforderungen, zum Beispiel psychisch erkrankte Schwangere und Mütter, müssten zeitnah Hilfen bereitgestellt werden. Dafür sind Hebammen aber nicht gut über die Ansprechpartner in Beratungsstellen, Praxen oder Tageskliniken informiert. Frauen mit sozialen oder finanziellen Problemen können bereits von Hebammen an andere Kooperationspartner der Frühe-Hilfen-Netzwerke vermittelt werden.

Hebammen erwarten von Frauen eigentlich, dass sie mit eigenen Vorstellungen zu ihnen kommen, wie ihre Betreuung aussehen soll. Stattdessen erleben sie, dass Frauen unangenehme Maßnahmen über sich ergehen lassen, selbst wenn sie erfahren haben, dass sie eigentlich gar nicht nötig sind. Hebammen erklären sich das so, dass Frauen in ihrem Verhalten nicht von den Empfehlungen der Fachpersonen abweichen wollen, um nicht negativ aufzufallen.

Hebammen kritisieren, dass es in unterschiedlichen Kliniken und bei anderen Kolleginnen verschiedene Empfehlungen zum Stillen und zur Wochenbett-Betreuung gibt, weil das zu unnötiger Verunsicherung der Frauen führt. Sie fordern, dass Hebammen sich mit Fortbildungen und Fachzeitschriften auf dem aktuellen Stand halten.

Eine Lösung für eine gute Versorgung der Frauen und Säuglinge wird in der gemeinsamen Zusammenarbeit und Fortbildung von Hebammen und Ärztinnen / Ärzten gesehen (auch Praktikumszeiten von Hebammen-Auszubildenden in einer Arztpraxis könnten hilfreich sein). Sie müssen wichtige Entscheidungen in der Betreuung gemeinsam treffen und dabei die Wünsche der Frau berücksichtigen. Hebammen wünschen sich mehr Kommunikation mit Ärztinnen / Ärzten sowie aktuelle und rückblickende Besprechungen, um daraus lernen zu können. Auch Hebammengemeinschaften und Zentren, in denen mehrere Berufsgruppen arbeiten, könnten die Versorgung und die Beratung der Frauen durch einheitliche Empfehlungen verbessern.

09.09.2016

Kurztitel

  • HEICO

Zeitraum

  • Juni 2020 bis September 2020

Leitung in Halle

Partner

  • Universität zu Lübeck
  • Hochschule Fulda
  • Universität zu Köln
  • Bergische Universität Wuppertal
  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Universität Bielefeld
  • Universität Witten-Herdecke
  • Otto von Guericke Universität Magdeburg
  • Technische Hochschule Rosenheim

Förderung

  • Eigenmittel

Zusammenfassung 

Die Pflegeeinrichtungen mussten sich auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zur COVID-19 Prävention bzw. zum Umgang mit Infektionen einstellen und gleichzeitig die Pflege und Versorgung der Bewohner*innen gewährleisten. Geltende Prüfrichtlinien und Dokumentationspflichten wurden teilweise außer Kraft gesetzt. Die psychosoziale Situation von Bewohner*innen wurde durch die Kontaktsperre beeinflusst. 

Die COVID-19 bedingten Herausforderungen und Veränderungen in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen sollen untersucht werden.

Der Standort Halle übernimmt im Konsortium die Verantwortung für die Koordination aller Projektpartner und aller Arbeitspakete. Daneben ist das Studienzentrum in die Rekrutierung von Einrichtungen, sowie die Durchführung und Analyse von Interviews eingebunden.

Forschungsfragen des Projekts:

  1. Welche Herausforderungen, Maßnahmen und Konsequenzen haben sich aufgrund der COVID-19 Pandemie auf organisationaler Ebene in Einrichtungen der stationären Altenpflege ergeben?
  2. Welche Herausforderungen, Maßnahmen und Konsequenzen haben sich aufgrund der COVID-19 Pandemie für die direkte Pflege in Einrichtungen der stationären Altenpflege ergeben?
  3. Welche Herausforderungen, Maßnahmen und Konsequenzen ergeben sich für Bewohner*innen und Angehörige durch die COVID-19 Pandemie aus der Perspektive von Vertreter*innen der Bewohner*innen und Angehörigen?

Untersuchungsmethode

Die Studie wird als qualitative Querschnittsstudie in einer Gelegenheitsstichprobe (n=4-5 Pflegeeinrichtungen pro Studienzentrum) durchgeführt. In leitfadengestützten Telefoninterviews werden Einrichtungs- bzw. Pflegedienstleitungen sowie Wohnbereichsleitungen und Pflegefachkräfte mit Leitungsverantwortung zu Ihren Erfahrungen von Beginn der Maßnahmen an bis zur Lockerung der Kontaktbeschränkung in ihrer Einrichtung befragt (Leitung durch Universität zu Köln und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg). Darüber hinaus werden Angehörige und Interessenvertreter*innen der Heimbewohner*innen interviewt und können Auskunft über die erlebten Einschränkungen sowie Strategien zum Umgang mit der Pandemie-Situation geben (Leitung durch Universität Witten-Herdecke und Universität Bielefeld). 

Die Interviews werden digital aufgezeichnet, anschließend transkribiert und anhand der Thematic Framework Analysis nach Ritchie und Spencer ausgewertet. Alle Interviews werden zudem unter dem Aspekt des Gewaltgeschehens und des Umgangs mit Gewalt durch die Einschränkungen der Covid19-Pandemie analysiert (Leitung durch Hochschule Fulda).

Kurztitel

  • IDAK

Zeitraum

  • 09/2004 - 06/2006

Leitung

Mitarbeiter

  • Monika Risse
  • Katrin Klaus
  • Tamara Heinich
  • Kathrin Kempe
  • Susanne Nebe
  • Martin Luderer
  • Anett Kretschmar
  • Maria Bauseler 
  • u.a. 

Partner

  • Universitätsklinikum Halle: Ingrid Horn, Waltraud Janssen, Prof.Dr. Schmoll, Dr. Bettina Wollschläger
  • Universitätsklinikum Leipzig: Christine Naß, Prof.Dr. Krüger, Prof.Dr. Wirtz

Förderung

  • Robert-Bosch-Stiftung
  • Wilhelm-Roux-Programm 

Zusammenfassung

Hintergrund 

Die Aufklärung des Patienten über Diagnose, Prognose und die erforderliche medizinische Therapie liegt allein in der Verantwortung der ärztlichen Profession. Sie kann nur innerhalb der Berufs­gruppe der Ärzte delegiert werden (LÄK Baden-Württemberg, 2006). Pflegende dürfen mit den Patienten über deren Erkrankung, Prognose und Therapie sprechen. Die ganzheitliche Patientenbetreuung ist pflegerischer Auftrag, und das Führen der Gespräche Inhalt des Handlungsprofils der Pflegenden (KrPflG § 3 Absatz 1, Großkopf, 2002). Der Umfang dessen, was Pflegende den Patienten an Wissen vermitteln, darf jedoch nicht über die Infor­mationen, die von ärztlicher Seite an die Patienten herangetragen wurden, hinausgehen oder diese in ihrem Sinn verändern (Wiesing, Braunwald, Faul, 2000). Hier offenbart sich ein Problem: wenn die Pflegenden nicht wissen, inwieweit ein Patient bereits aufgeklärt wurde, werden sie dadurch verunsichert und in der Kommunikation mit den Patienten behindert (Luderer & Behrens 2005).

Fragestellung 

Trägt die Implementierung eines Bogens zur berufsgruppenübergreifenden Dokumentation des Aufklärungszustandes der Patienten zur Erhöhung der durchschnittlichen Kontaktzeit des Personals beim Patienten bei?

Ist damit eine Verbesserung der Zufriedenheit der Patienten mit der kommunikativen Kompetenz des Personals verbunden?

Methoden 

Design: Duozentrische Interventionsstudie

Setting/Teilnehmer: Zwei ablauf- und aufbauorganisatorisch vergleichbare Stationen, Einschluss: Patienten mit Bronchial-Ca oder Verdacht darauf, deutsch sprechend, bewusstseinsklar, Einverständnis-erklärung. Ausschluss: keine Kontaktzeitmessung, wenn Aufnahmen oder Entlassungen im Zimmer stattfinden.

Methode: Randomisierte Zuweisung der in die Erhebung fallenden Zimmer, Verblindung gegenüber dem Personal, Protokollierung aller Aufenthalte des Personals im Zimmer bei konstanter Belegung im 24-Stunden-Profil (6.00 bis 6.00 Uhr werktags). Befragung der Patienten mittels Fragebogen zur Zufriedenheit mit der Kommunikation des Personals (26 Items), Erfassung der Depressivität und Angst mittels HADS-D sowie Erfassung der Lebensqualität mittels WHOQuoL-Bref. Statistische Auswertung mit Excel und SPSS 12.0.

Bisherige Ergebnisse

Im Interventionsbereich konnten 76 und im Kontrollbereich 69 (N=145) 24-Stunden-Profile der Kontaktzeiten und –frequenzen erhoben werden. Zudem wurden im Interventionsbereich 21 und in der Kontrollgruppe 25 Patienten befragt.

Das Ziel des Projektes, die Wirksamkeit der Dokumentation nachzuweisen, konnte nur ansatzweise erreicht werden. Weder die Kontaktdauer- noch –frequenz im Tagesmittel ist im Interventionsbereich signifikant gegenüber dem Kontrollbereich erhöht. Während die Pflegenden im Frühdienst im Kontrollbereich stärker in den Zimmern anwesend sind, sind sie es im Spätdienst im Interventionsbereich. Deutlich ist jedoch, dass in der Interventionsgruppe die durchschnittliche Verweildauer der Pflegenden beim Patienten pro Gespräch höher ist. Im ärztlichen Bereich zeigen sich keinerlei Unterschiede zwischen den Gruppen.

Die Patientenbefragung ergab hinsichtlich der Messung der Depressivität und Angst sowie der Lebensqualität keine Aussagen auf einen möglichen Effekt der Dokumentation. Die positivere Beurteilung des Personals im Interventionsbereich ist insbesondere durch eine von den Patienten attestierte angemessene Aufklärung und Information durch die Pflegenden zu begründen.

Diskussion 

Der IDAK-Bogen stellt besonders für die Pflegenden im Bedarfsfall ein praktikables und hilfreiches Instrument dar, hat aber nur geringe Effekte auf die Verweildauer des Personals im Zimmer und die Lebensqualität der Patienten.

Es ist bedeutend, das ärztliche und pflegerische Personal auf die bestehende Rechtslage aufmerksam zu machen: die Pflicht zur Aufklärung obliegt dem Arzt (MBO-Ä, 2006), das Führen von Informationsgesprächen dagegen ist Sache der Ärzte und Pflegenden, wobei Pflegende all das zur Sprache bringen dürfen, was vom Arzt bereits gegenüber dem Patienten erwähnt wurde (Wiesing, Braunwald, Faul, Garmer et al., 2000). In Praxi bedeutet das nicht, dass umfassende Gesprächssequenzen dokumentiert werden müssen, sondern dass das Pflegepersonal darüber zu informieren ist, ob ein Patient seine Diagnose mitgeteilt bekommen hat und ob der Arzt den Eindruck hat, dass diese Diagnose auch beim Patienten "angekommen" ist. Daraus ergibt sich, dass die Ärztinnen und Ärzte für ihre Verpflichtung zur Dokumentation gegenüber den Pflegenden sensibilisiert sein sollten. Es bedarf für die Implementierung des IDAK-Bogens bereits einer guten Kommunikationskultur unter den Mitarbeitern. Diese dadurch herzustellen, ist ein unrealistischer Anspruch an einen Dokumentationsbogen.

Publikationen

  • Luderer, C.; Behrens, J.: Aufklärung im Krankenhaus. In: Pflege 18, 2005: 15-23 

Kurztitel

  • IMPRINT

Zeitraum

  • Januar 2014 - Dezember 2016

Leitung

  • Prof. Dr. Sascha Köpke (Universität zu Lübeck)
  • Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer

Mitarbeiter

  • Ralph Möhler, MScN, Dipl.-Pflegewirt (FH) (Universität Witten/Herdecke)
  • Ramona Kupfer (Universität Hamburg)
  • Jens Abraham, M.Sc GPW

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Fkz.: 01GY1336B)

Zusammenfassung  

Hintergrund und Fragestellung

Nach wie vor werden freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter und Gurte regelhaft in deutschen Pflegeheimen angewendet, obwohl wissenschaftliche Belege bezüglich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit fehlen. In einer Cluster-randomisierten Studie zur Effektivität einer Leitlinien-basierten komplexen Intervention konnte eine signifikante Reduzierung freiheitsentziehender Maßnahmen (FEM) aufgezeigt werden, ohne dass es negative Auswirkungen wie eine Zunahme von Stürzen gab.

Ziel

Das Ziel dieser Studie besteht in der Implementierung und Überprüfung der Wirksamkeit unterschiedlicher Varianten eines Leitlinien-gestützten komplexen Interventionsprogramms zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen in einer großen Gruppe von Pflegeheimbewohnern in vier unterschiedlichen Regionen Deutschlands (Halle, Lübeck, Witten, Hamburg). 

Methoden

Zuerst muss die Leitlinie aktualisiert werden. Dann werden in einer Cluster-randomisierten Implementierungsstudie drei Möglichkeiten der Praxiseinführung untersucht (1. aktualisiertes Originalprogramm, 2. gekürztes Programm, 3. Bereitstellung von Printmaterialien). Insgesamt 120 Pflegeheime sollen eingeschlossen und in eine der drei Gruppen randomisiert werden. Die Beobachtungszeit beträgt 12 Monate, wobei als Erfolgskriterium die Anwendung von FEM durch direkte Beobachtung erfasst wird.  

Leitlinie FEM

Publikationen

 

Kurztitel

  • Informationen auf ICU / T4 

Zeitraum

  • 04/2007 - 03/2010

Leitung

Mitarbeiter

  • Stephan Wendroth (Studienzentrum Halle)
  • Ralf Becker (Studienzentrum Marburg)

Partner

  • Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg
  • Universitätsklinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • Sana Herzchirurgische Klinik Stuttgart GmbH

Förderung

  • BMBF

Zusammenfassung

Hintergrund

Untersuchungen zum Kommunikationsverhalten auf Intensivstationen zeigten von Patienten überwiegend als problematisch empfundene Interaktionen und Interaktionsbedingungen. Diese nicht-gelungenen kommunikativen Situationen sind seitens des Erlebens des Patienten häufig mit Gefühlen der Angst, Unsicherheit aber auch Ärger assoziiert. Die hohe Priorität gelungener Kommunikation mit kommunikativ eingeschränkten Patienten auf der Intensivstation ist jedoch auch den dort tätigen Pflegekräften bewusst.

Im Kontext kontroll- und pflegetheoretischer Konzepte wird deshalb die Vermittlung von Wissen aufgegriffen, um den Patienten eine situative Einordnung des Intensivstationsaufenthaltes und eine Vorhersage damit verbundener ungewohnter Ereignisse zu vereinfachen. Dadurch kann nicht nur eine Verbesserung der kommunikativ schwierigen Situation auf der Intensivstation erreicht, sondern frühzeitig auf eine kognitive Neubewertung der ungewohnten Ereignisse Einfluss genommen werden, resultierend in einer erhöhten kognizierten Kontrollüberzeugung und Stressreduktion.

Fragestellung

Lassen sich durch strukturierte Informationen zur Intensivstation, dargeboten zu Beginn des Aufenthaltes auf der Intensivstation, mit dieser schwierigen Kommunikationssituation zusammenhängende spezielle Aspekte der Lebensqualität der Patienten verbessern, also auftretende Ängste vermindern?

Methoden

Das Projekt wird als multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie mit 3 Studienzentren durchgeführt (Hauptphase). Daran schließt sich eine Schulung des Intensivstationspflegepersonals zur Kommunikation mit beatmeten Patienten und der Durchführung des Informationsprogramms an (Implementierungsphase).

Diskussion 

Bei positivem Einfluss des Programms auf die Erlebniswelt der Patienten ist es möglich, eine dauerhafte Einführung strukturierter Information unter Einbezug individueller Bedürfnisse nach Information zu realisieren und stärkeres Engagement im Arbeitsfeld Information und Beratung zu erzielen. An der Vorgehensweise der Implementierungsphase orientiert kann die Adaption weiterer intensivtherapeutischer Bereiche erfolgen. 

Kurztitel

  • InterBALANCE

Zeitraum

  • Juni 2016 – Mai 2018

Leitung

  • Dr. med. Franziska Jahn

Mitarbeiter

Partner

  • Arbeitsgruppe Supportive Therapie, Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV/UKH (apl. Prof. Dr. Karin Jordan)
  • Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie/UKH (Dr. med. Berit Jordan)
  • Labor für Experimentelle Orthopädie und Sportmedizin/UKH (apl. Prof. Dr. phil. René Schwesig, Dr. phil. Andreas Lauenroth)
  • Department Sportwissenschaft, MLU (Prof. Dr. Andreas Lau)
  • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Dr. Susanne Unverzagt)

Förderung

gefördert im Wilhelm-Roux-Programm (Modul TIF) (FKZ: 30/11).

 

Projektausführung

Fünf Rekrutierungskliniken am Universitätsklinikum Halle (Saale)

  • Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV
  • Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
  • Universitätsklinik  und Poliklinik für Strahlentherapie
  • Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin I
  • Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) ist eine häufige Nebenwirkung einer Tumorbehandlung mit neurotoxischen Therapeutika. Die Folgen einer CIPN reichen von Schmerzen, über Funktionsverluste bis zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Höhergradige CIPN kann außerdem dosislimitierend für eine wirksame onkologische Therapie sein. 

Standardisierte prophylaktische Maßnahmen oder kausale Therapieansätze stehen für die CIPN nicht zur Verfügung. Im Rahmen der nicht medikamentösen Therapie stellt das sensomotorische Training (SMT) eine vielversprechende Option dar, denn insgesamt konnte ein positiver Effekt zur Behandlung der Polyneuropathie unterschiedlicher Genese durch eine Bewegungstherapie belegt werden. Inwiefern ein Training sensorischer Qualitäten und Gleichgewichtstraining zur Prophylaxe dienlich ist, ist derzeit ungeklärt. Es scheint aber sinnvoll, den CIPN bedingten Einschränkungen durch ein gezieltes SMT vorzubeugen um konsekutiv auftretende, zusätzliche motorische Störungen zu minimieren. Das SMT auf dem Wii Balanceboard stellt durch den virtuell-spielerischen Kontext mit einem ständigen visuellen Feedback und einem hohen motivierenden Charakter eine vielversprechende Alternative zum klassischen SMT dar.

Ziel

Es soll untersucht werden, ob bei Tumorpatienten mit hohem Risiko für eine CIPN durch ein prophylaktisches sensomotorisches Training im Vergleich zu keiner Prophylaxe die sensorische Polyneuropathie verhindert bzw. ihr Schweregrad reduziert werden kann.

Design und Methode

Vorgesehen ist eine dreiarmige, randomisierte, kontrollierte Studie. In fünf Kliniken des UKH werden mindestens 60 geeignete Patienten rekrutiert. Eingeschlossen werden Tumorpatienten mit einem hohen Risiko für CIPN. Ausschlusskriterien sind u.a. eine relevante Störung der Pallästhesie sowie eine vorbestehende PNP. 

Zur Feststellung der Wirksamkeit der Bewegungstherapie werden die für die Studie definierten Zielgrößen zu drei Messzeitpunkten, vor Interventionsbeginn (Baseline=T1), direkt nach Abschluss der Intervention (T2= Hauptmesszeitpunkt, 12 Wochen nach Baseline) und 4 Wochen nach Abschluss der Intervention (T3, 18 Wochen nach Baseline) erfasst.

Intervention

Geeignete Patienten werden zufällig einer von zwei Interventionsgruppen (SMT Standard oder SMT via Wii) sowie der Kontrollgruppe zugeteilt. Patienten beider Interventionsgruppen trainieren über einen Zeitraum von 12 Wochen im UKH zweimal wöchentlich mit einer Dauer von ca. 20 Minuten. Die Kontrollgruppe erhält die Standardversorgung.

Endpunkte

Als primärer Outcome-Parameter wurde die CIPN- spezifische Lebensqualität (QLQ-CIPN 20) als Patient reported Outcome ausgewählt. Ergänzend dazu wird, wie von der EORTC empfohlen, die globale Lebensqualität der Krebspatienten über den EORTC QLQ- C30 abgefragt. Die speziellen Parameter einer schmerzhaften Neuropathie werden über den Pain- Detect Fragebogen durch die Betroffenen eingeschätzt.

Parallel dazu erfolgt eine ausführliche Diagnostik der sensorischen Funktion mit Prüfung der Tiefensensibilität, Ästhesie, Algesie, Alldynie und Thermästhesie und der motorischen Funktion. Hier werden Trophik und Muskeleigenreflexe untersucht und auch Koordinationstests durchgeführt. Motorische und sensible Nervenleitgeschwindigkeit und Elektromyographie komplettieren die neurologische Spezialdiagnostik. Darüber hinaus werden über die Posturographie Körperschwankungen bei der Haltungs- und Gleichgewichtsregulation gemessen.

Ergebnisse

Erwartet werden Erkenntnisse zu dem potentiellen Nutzen eines sensomotorischen Trainings zur Prophylaxe der CIPN. Ziel ist der Nachweis einer klinisch relevanten Differenz von 10 Punkten zwischen den Sportinterventionsgruppen und der Kontrollgruppe in der CIPN-bezogene Lebensqualität (EORTC-QLQ-CIPN20).

Kurztitel

  • IRENA-Evaluation

Zeitraum

  • 12/2008 - 11/2011

Leitung

  • Prof. Dr. Johann Behrens
  • Prof. Dr. Wilfried Mau

Mitarbeiter

Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

Institut für Rehabilitationsmedizin

Partner

  • Deutsche Rentenversicherung Bund
  • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt-Thüringen

Förderung

  • Deutsche Rentenversicherung Bund

Zusammenfassung

Hintergrund

Zur Stabilisierung und/oder zum Ausbau der in der medizinischen Rehabilitation erreichten Therapieerfolge sowie zur Verstetigung gesundheitsfördernder Lebensweisen können Reha-Nachsorgemaßnah­men einen wesentlichen Beitrag leisten. Ein wichtiges spezifisches Nachsorgekonzept stellt das Intensivierte Rehabilitationsnachsorgeprogramm (IRENA) der DRV Bund dar, in dessen Rahmen - seit 2001 im Regelverfahren - komplexe Rehabilitationsnachsorgeleistungen indikationsspezifisch für die fünf Indikationsgebiete Orthopädie, Kardiologie, Psychische Störungen, Neurologie und Stoffwechsel­erkrankun­gen erbracht werden können. Während die Inanspruchnahme dieses Programms jährlich durch zweistellige Zuwachsraten der Teilnehmerzahlen stetig steigt, wurden Prozesse der Einleitung bzw. Empfehlung des IRENA-Programms zum Ende der medizinischen Rehabilitation sowie Aspekte dessen Durchführung bislang nicht systematisch evaluiert.

Gegenstand und Ziel

Ziel der Studie ist es, Erkenntnisse über Inanspruchnahme, Einschätzung des Verfahrens, Akzeptanz und Prozesse des Nachsorge-Programms "Intensivierte Rehabilitationsnachsorge (IRENA)" sowie über Ein-Jahres-Verläufe der Teilnehmer nach Maßnahmeabschluss zu gewinnen und daraus Anregungen und Vorschläge zur internen und externen Verfahrensoptimierung abzuleiten. Ein expliziter Schwerpunkt liegt dabei auf der Ermittlung von Ursachen geringer Inanspruchnahme insbesondere nach kardiologischer Rehabilitation.

Methoden

Die Datenerhebungen im Rahmen der Studie lassen sich in drei Bereiche unterteilen:

  1. Prozessdatenanalyse der IRENA-Basisdaten und der dazugehörigen Daten der vorhergehenden Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bund
  2. Befragung von Vertretern orthopädischer und kardiologischer Rehabilitationseinrichtungen. Einerseits erfolgt eine Vollerhebung zu relevanten Aspekten mittels schriftlicher Befragung. Andererseits werden weitere Erkenntnisse im Rahmen einer Stichprobe bei beiden Indikationsgebieten mittels persönlicher Befragung gewonnen.
  3. Schriftliche Befragung von IRENA-Teilnehmern der Indikationsgebiete Orthopädie und Kardiologie in zwei Wellen (nach Abschluss der IRENA und ein Jahr nach Abschluss der IRENA). Zudem werden die zugehörigen IRENA-Ergebnisdokumentationen und Prozessdaten der Deutschen Rentenversicherung Bund zur Analyse herangezogen.

Erwartete Ergebnisse

Als Ergebnis werden entsprechend der Fragestellung umfassende Erkenntnisse zur Empfehlungs- und Erbringungsrealität des Nachsorgeprogramms IRENA erwartet. Zugleich liefert das Vorhaben umfangreiche Informationen zur Beurteilung des Programms aus Einrichtungs- und Patientenperspektive. Diese werden durch Erkenntnisse zur gesundheitlichen Situation der Teilnehmer ergänzt.

Daraus leitet sich die Möglichkeit der Beurteilung des Programms und dessen Ausgestaltung sowie Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung ab.

Kurztitel

  • JointConEval

Zeitraum

  • September 2017 bis August 2020

Leitung

  • Prof. Dr. Gabriele Meyer
  • Prof. Dr. Martin Müller (FH Rosenheim; Projektkoordinator)
  • Prof. Dr. Ulrich Mansmann (LMU München)

Mitarbeiterinnen

Partner

  • Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fachhochschule Rosenheim, Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften
  • Ludwig-Maximilians-Universität München, Medizinische Fakultät, Institut für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (01GL1706B)

Studienregistrierung

  • Deutsches Register Klinischer Studien (DRKS), DRKS-ID: DRKS00015185

Mehr Details finden Sie hier: https://bewegung-verbindet.de/

Hintergrund und Ziel

Gelenkkontrakturen sind häufiges Problem bei gebrechlichen, älteren Menschen und insbesondere bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Die infolge von Inaktivität, Fehlbildung, Verletzungen oder Schmerzen entstehenden Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit wirken sich negativ auf die Lebensqualität, die Funktionsfähigkeit und die Selbstständigkeit der Betroffenen aus. 

Das Projekt JointConEval hat das Ziel der Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit einer Intervention zur Verbesserung von Funktionsfähigkeit und Lebensqualität von älteren Menschen mit Gelenkkontrakturen im Pflegeheim mit dem Schwerpunkt der Verbesserung der sozialen Teilhabe. Das Vorhaben soll eine evidenzbasierte Grundlage zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Gelenkkontrakturen im Pflegeheim liefern.  

Studiendesign und Methode

Die Überprüfung der Wirksamkeit der Intervention folgt den methodischen Vorschlägen zur Evaluation komplexer Interventionen des Medical Research Councils. Die in einer Vorstudie entwickelte Intervention wird auf Grundlage der Ergebnisse der Prozessevaluation und ggf. neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und in einer Cluster-randomisierten kontrollierten Studie in zwei Regionen Deutschlands (Halle/Saale und Rosenheim/München) überprüft. Die Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner als primäres Outcome wird mit der PaArticular Scale erfasst, welche in Vorstudien zum Einsatz bei Patientinnen und Patienten der geriatrischen Pflege mit Gelenkkontrakturen entwickelt wurde. Die Wirksamkeitsprüfung geht mit einer Prozessevaluation und einer gesundheitsökonomischen Evaluation einher.

Erwartete Ergebnisse

Wir erwarten eine Verbesserung der Partizipation der Pflegeheimbewohnerinnen und 
 -bewohner mit Gelenkkontrakturen aufgrund der implementierten Intervention. Die evaluierte Intervention soll in einem Handbuch präsentiert und für ein Fortbildungscurriculum aufbereitet werden. 

Die zu evaluierende Intervention hat das Potential, die an patientenrelevanten Endpunkten gemessene Versorgungsqualität zu verbessern und Effektivitätsgewinne im Gesundheitswesen, insbesondere in der Versorgung älterer Menschen, zu erreichen.

Stichworte

Gelenkkontraktur, Pflegeheim, Aktivität und Partizipation

Kurztitel

Zeitraum

  • Mai 2014 bis November 2016

Leitung

  • Prof. Dr. Gabriele Meyer
  • Prof. Dr. Eva Grill (LMU München)
  • Dr. Martin Müller (LMU München)

Mitarbeiterinnen

  • Katrin Beutner
  • Dr. Susanne Saal
  • Hanna Klingshirn (LMU München)
  • Ralf Strobl (LMU München)

Partner

  • Ludwig-Maximilians-Universität München

Förderung

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Fkz.: 01GY1327B)

Mehr Details finden Sie hier: JOINTCON-IMPROVE

Hintergrund und Fragestellung

Die freie Beweglichkeit der Extremitäten ist eine Voraussetzung für Mobilität und Autonomie im Alter. Gelenkkontrakturen sind Einschränkungen der vollen Beweglichkeit eines Gelenks aufgrund von Fehlbildung, Inaktivität und Schmerzen. Sie stellen häufige Probleme von gebrechlichen älteren Menschen und insbesondere von Bewohnern von Pflegeeinrichtungen da. Trotz ihrer weitreichenden Konsequenzen sind Gelenkkontrakturen sowohl im stationären Setting als auch in der häuslichen Pflege bislang nur wenig untersucht. Vor allem über den Einfluss von Gelenkkontrakturen auf das Wohlbefinden, die Aktivitäten und die soziale Teilhabe älterer Menschen ist wenig bekannt. Da diese Aspekte für die Betroffenen jedoch von besonderer Bedeutung sind, sollten präventive, therapeutische und rehabilitative Interventionen vor allem die kontrakturbedingten Einschränkungen in den Alltagsaktivitäten und der Teilhabe fokussieren. Interventionen, die lediglich auf die Funktionsverbesserung einzelner Gelenke abzielen, wie Stretching, passive Bewegung oder Lagerung, zeigten bisher nur geringe Effekte. 

Ziel

Ziel der Studie ist es, eine multifaktorielle Intervention zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit, insbesondere der sozialen Teilhabe (Partizipation) und Lebensqualität, von älteren Menschen mit Gelenkkontrakturen in Pflegeheimen zu entwickeln und anschließend in einer Pilotstudie hinsichtlich Wirksamkeit und Machbarkeit zu testen.

Methoden

Um dieses Ziel zu erreichen, folgt die Studie dem Framework des UK Medical Research Council zur Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen:

Schritt 1: Identifikation von Interventionszielen

Zur Identifikation der Interventionsziele wird ein grafisches Modell erstellt, welches Zusammenhänge und komplexe Interaktionen zwischen einzelnen Variablen herausstellen soll. Die anhand der grafischen Modellierung identifizierten Interventionsziele werden in einem Experten-Delphi-Survey validiert, ggf. ergänzt und einer Priorisierung unterzogen. Um auch die Patientenperspektive zu berücksichtigen, werden die Ergebnisse des Experten-Surveys anschließend in einer Fokusgruppe mit Patienten und ihren Angehörigen diskutiert.

Schritt 2: Identifikation und Entwicklung der Interventionskomponenten

Eine systematische Literaturrecherche soll Interventionen, die die im Schritt 1 identifizierten Ziele adressieren, aufzeigen. Die Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche werden nationalen und internationalen Experten vorgelegt, um daraus gemeinsam die potentiellen Interventionsbestandteile zusammenzustellen. Im Anschluss daran wird eine multifaktorielle Intervention zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit, insbesondere der sozialen Teilhabe (Partizipation) und Lebensqualität, von älteren Menschen mit Gelenkkontrakturen in Pflegeheimen entwickelt.

Schritt 3: Pilotierung der komplexen Intervention 

In einer Pilotstudie wird die entwickelte Intervention auf ihre Machbarkeit geprüft. Durch die Anwendung entsprechender Ergebnisparameter soll die Schätzung von Effektmaßen für die anschließend geplante Cluster-randomisierte kontrollierte Studie ermöglicht werden.

Stichworte

Gelenkkontraktur, Pflegeheim, Aktivität und Partizipation

Downloads

Kurztitel

  • KatHI

Zeitraum

  • 06/2015 - 05/2016

Leitung

  • Dr. Steffen Fleischer

Mitarbeiter/-innen

  • Marion Burckhardt, M.Sc GPW
  • Dr. Almuth Berg

Förderung

  • Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Wilhelm-Roux-Programm)

Zusammenfassung

Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen und bilden deshalb einen klinischen Versorgungsbereich mit hoher Relevanz. Zur Reduktion von Harnwegsinfektionen müssen wirksame Strategien identifiziert, implementiert und evaluiert werden, um einen patientenorientierten und leitliniengerechten Umgang mit Blasenverweilkathetern sicherzustellen.

Gegenstand des Projektes ist die Erstellung einer Potenzialanalyse zur Prävention von Katheter-assoziierten Harnwegsinfektionen bei älteren Menschen im akut-stationären Setting mit dem Ziel, gemäß dem geforderten Vorgehen des UK Medical Research Council eine fundierte Ausgangsbasis im Modeling-Prozess einer komplexen pflegerischen Intervention zu erhalten.

Die Erstellung der Potenzialanalyse gliedert sich in 3 Module:

Modul 1:

Aufbereitung der verfügbaren Evidenz zur Identifikation geeigneter Interventionen zur Reduktion Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen bei älteren Menschen

methodisches Vorgehen: Scoping Review

Modul 2: 

Erhebung grundlegender Daten zur bestehenden Versorgungslage in Deutschland

methodisches Vorgehen: postalisches Survey

Modul 3: 

Identifikation und Begründung von Interventionen und Interventionskomponenten, die einen substantiellen Beitrag für eine Verbesserung der Routineversorgung versprechen

methodisches Vorgehen: vergleichende Analyse der inhaltlichen und methodischen Ergebnisse des Scoping Reviews (Modul 1) mit der empirischen Datenbasis (Modul 2)

Kurztitel

  • KMT Projekt: Somato-psychosoziales interdisziplinäres Pflegekonzept für Patienten mit HSCT

Zeitraum

  • 03/2007 - 02/2010

Leitung

  • Prof. Dr. Margarete Landenberger (wissenschaftliche Leitung)
  • Ingrid Horn (klinische Leitung)

Mitarbeiter

Ehemalige Mitarbeiter 

  • Petra Renz
  • Steffi Oertel
  • Cornelia Baum (Study Nurse)

Partner

    • Institut für Medien, Kommunikation und Sport, Department. Sportwissenschaft
    • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    • Universitätsklinik Graz (Österreich)
    • Ben Gurion University Beer-Sheva (Israel)
    • St. Martin College, University of Lancaster (GB) 
    • Memorial Sloan-Kettering Cancer Center New York (USA) 

      Förderung

      • Deutschen Krebshilfe, Bearbeitungsnummer: 107498 

      Projektausführung

      • Universitätsklinikum Halle (AöR), Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

      Zusammenfassung

      Förderung

      Deutschen Krebshilfe, Bearbeitungsnummer: 107498 

      Projektausführung

      Universitätsklinikum Halle (AöR), Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

      Zusammenfassung 

      Hintergrund: Patienten mit hämatologischer Stammzelltransplantation (HSCT) leiden häufig krankheits- und therapiebedingt unter Mukositis, Fatigue und Bewegungsmangel. Mit dem Ziel, die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern, wurde eine evidenzbasierte Pflegeintervention entwickelt und evaluiert. 

      Methoden: Die Studie erfolgte im konsekutiven nicht randomisierten Kontroll-Interventionsgruppen-Design bei Patienten des Universitätsklinikums Halle >14 Jahre mit einer hämatologisch-onkologischen Erkrankung und allogener oder autologer HSCT. 

      Die Patienten der Interventionsgruppe erhielten nach der HSCT eine das Selbstmanagement fördernde Pflege mit den Modulen Aktivitätsförderung, Orale Mukositisprophylaxe sowie Ernährung. Hauptzielgröße war die globale gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ C30) bei Entlassung aus der Klinik. Zur Analyse des Interventionseffekts wurde ein lineares Regressionsmodell herangezogen, wobei a priori festgelegte Störgrößen als Adjustierungsvariablen in das finale Modell aufgenommen wurden.

      Ergebnisse: Insgesamt wurden 79 Patienten im Alter von 53 ±13 Jahren in die Studie eingeschlossen. Den ECOG Funktionsstatus ausgenommen waren beide Gruppen bezogen auf die Baselinevariablen vergleichbar. Patienten der IG hatten zu Studienbeginn eine signifikant (p<0,01) schlechtere Funktionalität. 

      Zur Entlassung aus der Klinik konnte für die Hauptzielgröße globale gesundheitsbezogene Lebensqualität kein signifikanter Effekt (p=0,9) der Intervention nachgewiesen werden.

      Jedoch profitierten Patienten der IG hinsichtlich der als Nebenzielgrößen erfassten Symptomskalen Dyspnoe (p=0,01) und Übelkeit/Erbrechen (p=0,01), nutzten die stationären Sportangebote intensiver und waren mit der Beratung zur Aktivitätsförderung zufriedener. Außerdem erreichten sie im Mittel früher einen entlassungsfähigen Zustand als Patienten der KG. Eine inhaltsanalytische Auswertung der Sporttherapeutenberichte unterstreicht die besondere psychische Situation der Patienten. Insgesamt 45% der Patienten brachten dem Therapeuten gegenüber ihre Ängste, Sorgen und Trauer zum Ausdruck.

      Schlussfolgerungen: 

      Die Intervention konnte keinen Effekt auf die Hauptzielgröße erzielen, aber die Ergebnisse für das Modul Aktivitätsförderung sollten in randomisierten Studien geprüft werden. Die Ergebnisse unterstreichen außerdem die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit und einer verbesserten Kommunikation zwischen Patienten und allen Partnern im therapeutischen Team.

      [Trial Registration: Clincal trials NCT00804817; Deutsche Krebshilfe (DKH), Bearbeitungsnr: 107498]

      Publikationen

      Download 

      Kurztitel

      • LiT

      Zeitraum

      • 07/2015 - 05/2016

      Leitung

      • Dr. Steffen Fleischer

      Mitarbeiter/-innen

      • Astrid Bastian, M.Sc GPW

      Förderung

      • Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Berlin

      Zusammenfassung

      Der Transfer gesundheits- und pflegewissenschaftlicher Evidenz in die Praxis erfolgt meist zufällig und zeitlich stark verzögert. Kein oder ein später Eingang von geprüften Wissensbeständen in die Gesundheitsversorgung ist insofern problematisch, da dadurch Empirie zur Verbesserung der Versorgungssituation und –ergebnisse nicht zu dem Zeitpunkt, ab dem sie zur Verfügung steht, wirksam werden kann. Die Implementierung von Studienergebnissen als zielgerichteter, geplanter Prozess stellt somit einen wichtigen Teil der Versorgungsforschung dar und rückt zunehmend in den Fokus der Pflegewissenschaft. Gegenstand dieses Projektes ist die Erstellung eines Scoping Reviews zur Darstellung von Institutionen in Deutschland und Europa mit Schwerpunkt in der Implementierungsforschung, den bisherigen Implementierungsbestrebungen von Interventionen in Deutschland sowie Modellen zur Förderung des Praxistransfers.

      Die Erstellung der Scoping Reviews gliedert sich in 3 Module:

      Modul 1: 

      Maximal sensitive Datenbankrecherche nach Autoren, die Beiträge zur Implementierungs­forschung publiziert haben. Identifikation von Institutionen über Autorennamen und Eruierung der Forschungsschwerpunkte über die jeweiligen Homepages.

      Modul 2: 

      Systematische Literaturrecherche nach Interventionen, die in den Pflegesettings in Deutschland (quasi-)experimentell durchgeführt wurden und strukturierte Befragung der korrespondierenden Autoren zu den Disseminations- und Implementierungsaktivitäten in Bezug auf ihre Intervention.

      Modul 3:

      Literaturrecherche nach publizierten Rahmenmodellen/Empfehlungen für die Implementierung von (Pflege-)Forschung in die Versorgungspraxis sowie Skizzierung der Modelle und Zusammenstellung methodischer Publikationen zu den Rahmenmodellen/ Empfehlunge

      Kurztitel 

      • MARAH

      Zeitraum

      • Juni 2016 – Mai 2018 

      Leitung

      Mitarbeiter

      Partner

      • Universitätsklinik Halle (Saale), Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
      • Dr. med. Rüdiger Neef
      • Dr. med. Katharina Bolte

      Förderung

      Wilhelm-Roux-Programm zur Nachwuchs- und Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

      Zusammenfassung

      Hintergrund

      Freiheitseinschränkende Maßnahmen (FEM) wie Bettgitter oder Gurte in Stuhl oder Bett werden regelmäßig in deutschen Pflegeeinrichtungen angewendet, obwohl wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit und Sicherheit fehlen. Gleichzeitig ist die Anwendung von FEM mit negativen Folgen wie Mobilitätseinschränkungen und verminderten Wohlbefinden für die Patientinnen und Patienten verbunden. Für die stationäre Langzeitpflege liegen bereits verschiedene Studien vor, die Interventionen zur Vermeidung oder Reduktion von FEM entwickelt und evaluiert haben. Für Akutkrankenhäuser stehen solche Studien in Deutschland derzeit noch aus.

      Ziel

      Das Ziel dieser Studie ist die Entwicklung und Pilotierung einer komplexen Intervention zur Vermeidung oder Reduktion von FEM speziell für Akutpflegesettings in Deutschland. 

      Methoden

      Die Intervention wird nach dem Modell zur Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen des englischen Medical Research Councils (MRC) erstellt. Auf Basis systematischer Literaturrecherchen und in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Halle (Saale) wird eine an die Anforderungen des Zielsettings und der Zielgruppe angepasste Intervention entwickelt und auf Praktikabilität hin überprüft. Anschließend wird die Umsetzbarkeit der Intervention in einer Pilotstudie  untersucht.

      Erwartete Ergebnisse

      Durch die Pilotierung können Hinweise für eine eventuell notwendige Anpassung und Veränderung der Intervention gewonnen werden. Im Anschluss an die Entwicklung und Pilotierung soll die Intervention im Rahmen einer experimentellen Studie auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

      Kurztitel

      • Nachverfolgung von Rehabilitationsempfehlungen

      Zeitraum: 

      • Januar 2019- September 2019

      Kooperationsvorhaben mit dem Institut für Rehabilitationsmedizin

      Leitung (Teilprojekt IGPW)

      Mitarbeiterin

      Förderung

      • GKV-Spitzenverband

      Zusammenfassung

      Hintergrund

      Die bundeseinheitliche Einführung des optimierten Begutachtungsstandards (OBS) zur Beurteilung rehabilitativer Bedarfe im Rahmen der Pflegebegutachtung im Jahr 2015 führte zu einem Anstieg von Rehabilitationsempfehlungen, die Versicherten im Zuge der Beantragung von Pflegeleistungen ausgesprochen wurden. Es hat sich gezeigt, dass etwa 40 % der Versicherten mit einer Rehabilitationsempfehlung einer Antragstellung auf medizinische Rehabilitation zustimmen und insgesamt etwa jede vierte Empfehlung in einer in Anspruch genommenen Rehabilitationsleistung mündet. Vor dem Hintergrund dieses Antrags- und Inanspruchnahmeverhaltens hat der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen das Projekt „Nachverfolgung von Rehabilitationsempfehlungen im Rahmen der Pflegebegutachtung“ in Auftrag gegeben.

      Ziel- und Fragestellung

      Ziel dieses Projektes war es, die Gründe der fehlenden Zustimmung von Versicherten zur Rehabilitationsempfehlung in Folge einer Pflegebegutachtung sowie Gründe des Nichtantritts einer bewilligten Rehabilitationsleistung zu eruieren. Folgende zentrale Forschungsfragen wurden dazu bearbeitet:

      (1) Welche Faktoren beeinflussen, ob die im Rahmen der Pflegebegutachtung ausge-sprochenen Rehabilitationsempfehlungen in einen Antrag auf Leistung zur medizinischen Rehabilitation nach § 14 SGB IX i.V.m. § 31 Abs. 3 SGB XI münden? und

      (2) Welche Faktoren beeinflussen, ob die aus einer Pflegebegutachtung resultierenden, bewilligten Rehabilitationsmaßnahmen tatsächlich vom Versicherten in Anspruch genommen werden?

      Methodik

      Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden leitfadengestützte Experten*inneninterviews mit Gutachter*innen der Medizinischen Dienste, mit Sachbearbeiter*innen und Teamleiter*innen der Pflege- und Krankenkassen sowie mit Pflegeberater*innen der Pflegekassen durchgeführt. Mit Aus-nahme der Gutachter*innen der Medizinischen Dienste, die mehrheitlich persönlich vor Ort interviewt wurden, fanden die Interviews telefonisch statt. Die Datenauswertung erfolgte mithilfe der Analysesoftware MAXQDA nach der Methode der systematischen Textverdichtung.

      Ergebnisse

      Im Zeitraum von April bis Juni 2019 wurden Expert*inneninterviews mit insgesamt 56 Mitarbeiter*innen aus fünf Medizinischen Diensten (n=12), zehn Pflegekassen (n=21) und elf Krankenkassen (n=23) durchgeführt. Für die Zustimmung der Versicherten zur Rehabilitationsempfehlung und damit für die Auslösung eines Antrages auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Forschungsfrage 1) spielen aus Sicht der Prozessakteur*innen neben soziodemografischen und persönlichkeitsbezogenen Merkmalen sowie gesundheitlichen und finanziellen Aspekten insbesondere rehabilitationsbezogene Erwartungen, Ängste und Präferenzen der Versicherten eine Rolle. Versichertenseitige Wünsche beziehen sich dabei vor allem auf die Rehabilitationsform, eine bestimmte Klinik, den Ort bzw. die Region, eine Begleitperson oder die Verfügbarkeit von Einzelzimmern. Ebenfalls von Bedeutung sind die häusliche Bindung der Versicherten und die Unterstützung ihres sozialen Netzwerks. Einflussfaktoren einer Antragsauslösung, die sich aus dem Bearbeitungsverfahren ergeben, beziehen sich im Wesentlichen auf die unzureichende rehabilitationsbezogene Information und Beratung der Versicherten entlang des gesamten Leistungsprozesses sowie die Einbindung in den Entscheidungsprozess. 

      Einflussfaktoren auf die tatsächliche Inanspruchnahme bewilligter medizinischer Rehabilitationsleistungen (Forschungsfrage 2) sehen die Prozessakteur*innen vor allem in einem zwischenzeitlich veränderten, insbesondere (akut) verschlechterten Gesundheitszustand der Versicherten sowie in Diskrepanzen zwischen den bewilligten Rehabilitationsleistungen und den rehabilitationsbezogenen Wünschen der Versicherten. Zu diesem Zeitpunkt können auch verfahrensseitige Faktoren dazu führen, dass Diskrepanzen entstehen und nicht aufgelöst werden können. Darüber hinaus haben Angehörige offenbar einen großen Einfluss auf die Entscheidung der Versicherten eine Rehabilitation in Anspruch zu nehmen.

      Schlussfolgerungen

      Die generierten Hypothesen zu Versichertenmotiven der (Nicht-)Inanspruchnahme empfohlener Rehabilitationsleistungen sowie zu verfahrensseitigen Einflussfaktoren dienen als Grundlage für Empfehlungen, um die Begutachtungs- und Beratungsprozesse bei Versicherten mit einer Rehabilitationsindikation gezielter adressieren zu können. Zusätzlich sind auch verfahrensexterne Aspekte wie eine nicht flächendeckend verfügbare rehabilitative Angebotsstruktur für die betrachtete Zielgruppe zu berücksichtigen.

      Abschlussbericht (pdf Download 1,11 MB)

      Kurztitel

      • Frühe Hilfen

      Zeitraum

      • 08/2013 - 12/2013

      Leitung

      Prof. Dr. Gabriele Meyer/ Prof. Dr. phil. habil. Johann Behrens 
      Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät, 
      Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
      Magdeburger Str. 8
      06112 Halle/Saale

      Prof. Dr. med. Dieter Körholz 
      Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
      Universitätsklinikum Halle (Saale)
      Ernst-Grube-Straße 40
      06120 Halle/Saale            

      Mitarbeiter/innen

      • Elke Mattern MSc 
      • Dr. rer. medic. Steffen Fleischer 
      • Dr. rer. medic. Gertrud M. Ayerle 
      • OA Dr. med. Daniel Clauß

      Ansprechpartner/in:

      • elke.mattern(at)medizin.uni-halle.de
      • steffen.fleischer(at)medizin.uni-halle.de
      • daniel.clauss(at)uk-halle.de

      Partner (angefragt):

      • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V (Sachsen-Anhalt)
      • Berufsverband der Frauenärzte e.V. (Sachsen-Anhalt)
      • Deutscher Hebammenverband e.V. 
      • Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V.
      • Ärztekammer Sachsen-Anhalt
      • Kassenärztliche Vereinigung

      Förderer

      Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt
      Zentrum „Frühe Hilfen für Familien“
      Turmschanzenstraße 25
      39114 Magdeburg

      Ansprechpartnerin: Frau Ilona Oesterhaus
      Tel.: 0391 567 4037; Fax: 0391 567 4035
      E-Mail: Ilona.Oesterhaus(at)ms.sachsen-anhalt.de

      Zusammenfassung 

      Hintergrund

      Bisher ist nicht hinreichend bekannt noch wissenschaftlich erforscht – weder bundesweit noch für Sachsen-Anhalt – welche Erfahrungen und Bedarfe niedergelassene Kinder-, Frauen- und Hausärzt/innen sowie freiberuflich tätige Hebammen hinsichtlich einer Kooperation in den Frühen Hilfen, insbesondere den lokalen Netzwerken Kinderschutz, des Landes Sachsen-Anhalt haben. 

      Basierend auf der Rückmeldung von 13 Netzwerk-Koordinatoren/innen in Sachsen-Anhalt konnte quantitativ eine Veränderung der Netzwerkbeteiligung von Kinderärzt/innen von 23 % (2012) auf 8 5% (2013) und von Frauenärzt/innen von 0 % auf 15% beobachtet werden. Die berichtete Beteiligung von Hausärzt/innen stieg im gleichen Zeitraum von 15 % auf 31 % und von Hebammen von 23 % auf 54 % an (Oesterhaus &  Christoph, 2013). Es erfolgt also eine zunehmende Einbeziehung dieser Professionen in strukturelle Konzepte, jedoch ist unbekannt, welche Faktoren und Rahmenbedingungen diese fördern und erleichtern könnten.         

      Ziel

      Erhebung der Sichtweisen der niedergelassenen Kinder-, Frauen- und Hausärzt/innen sowie freiberuflich tätiger Hebammen als (potenzielle) Kooperationspartner der Frühen Hilfen in den lokalen bzw. regionalen Netzwerken für Frühe Hilfen 

      Forschungsfragen

      • Wie sehen niedergelassene Kinder-, Frauen- und Hausärzt/innen sowie freiberuflich tätige Hebammen in Sachsen-Anhalt eine multidisziplinäre und multiprofessionelle Kooperation in den lokalen bzw. regionalen Netzwerken für Frühe Hilfen?
      • Welche strukturellen Voraussetzungen sind aus Sicht von niedergelassenen Kinder- und Frauenärzten/innen sowie freiberuflich tätige Hebammen im Land Sachsen-Anhalt notwendig, um aktiv im System der Frühen Hilfen mit-wirken zu können? 
      • Wie arbeiten niedergelassene Kinder-, Frauen- und Hausärzt/innen sowie freiberuflich tätige Hebammen in Sachsen-Anhalt in ihrer Praxis mit anderen Professionellen und Akteuren der Frühen Hilfen (bisher) zusammen?
      • Welche praktischen Kooperationsformen (in den lokalen bzw. regionalen Netzwerken für Frühe Hilfen) haben sich aus Sicht der niedergelassenen Kinder-, Frauen- und Haus-ärzt/innen sowie freiberuflich tätigen Hebammen bewährt?
      • Welche Vorschläge haben niedergelassenen Kinder-, Frauen- und Haus-ärzt/innen sowie freiberuflich tätigen Hebammen zu praktischen Kooperationsformen, die für sie insbesondere in der alltäglichen Praxis eine Entlastung darstellen?

      Methodik

       In den Monaten September und Oktober 2013 erfolgt eine Querschnittsbefragung der Zielgruppen in Sachsen-Anhalt: 

      • niedergelassene Kinderärzt/innen: n = 194 (GBE-Bund, 2012)
      • niedergelassene Frauenärzt/innen: n = 323 (GBE-Bund, 2012) 
      • Hausärzt/innen: n = 1.680 (GBE-Bund, 2012)
      • freiberuflich tätig Hebammen: n = ca. 320 (Landeshebammenverband Sachsen-Anhalt)

      Ergebnis

      Es wird dem Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt ein Bericht vorgelegt, der die Ergebnisse der online-Befragung strukturiert und in ihren wesentlichen Aussagen zusammenfasst. Es werden daraus Empfehlungen zur Einbindung der niedergelassenen Kinder-, Frauen- und Hausärzt/innen sowie freiberuflich tätiger Hebammen in die lokalen/regionalen Netzwerke formuliert.

      Geplante Abgabe des Berichts: 31.12.2013

      Literatur

      • Baur, N & Florian. M. J. (2009). Stichprobenprobleme bei Online-Umfragen. In N. Jackob, H. Schoen  & T. Zerback (Hrsg.), Sozialforschung im Internet Methodologie und Praxis der Online-Befragung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
      • Bosnjak, M. & Batinic, B. (2002). Understanding the Willingness to Participate in Online Surveys. The Case of E-mail Questionnaires. In B. Batinic, U.-D. Reips, & M. Bosnjak, (Hg.), Online Social Sciences. Seattle et al., S. 81-92.
      • Couper, Mick & Coutts, E. (2006). Online Befragung. Probleme und Chancen verschiedener Online-Erhebungen. In A. Diekmann (Hrsg.) (2006), Methoden der Sozialforschung. Wiesbaden, S. 217-243.
      • Dillman, D.A. (2000): Mail and Internet Surveys. The Tailored Design Method. New York: John Wiley & Sons.
      • Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) (2013). Frühe Hilfen – Vernetzung lokaler Ange-bote mit vertragsärztlichen Qualitätszirkeln. www.kvbawue.de/praxisalltag/qualitaetssicherung/fruehe_hilfen/ (Stand: 25.6.2013)
      • Luderer, C., Ayerle, G. M. & Behrens, J. (2010). FrühStart: Exemplarische Klientinnenpfade und Bruchstellen im System Frühe Hilfen. In Renner, I., Sann, A. & Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.), Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen: Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (S. 222-240). Köln: BZgA.
      • Oesterhaus, I. &  Christoph, M. E. (2013). Regelhafter Ausbau Frühe Hilfen aus Sicht des Landes Sachsen-Anhalt. Landeskoordinierungsstelle im Zentrum „Frühe Hilfen für Familien“ im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt (Vortrag anlässlich des 18. Kongresses Armut und Gesundheit "Brücken bauen zwischen Wissen und Handeln - Strategien der Gesundheitsförderung" am 6. und 7.3.2013 in Berlin). www.fruehehilfen.de/fileadmin/user_upload/fruehehilfen.de/downloads/Regelhafter_Ausbau_Sachsen-Anhalt.pdf (Stand: 24.7.2013)

      Short title

      • NurseLead

      Project period

      • September 2017 - August 2020

      Project leader

      Project implementation

      Project partner

      • University of Iceland (coordinator), University Medical Center Utrecht, Escola Superior de Enfermagem de Lisboa, University of Turku, Vilnius University
      • Elevate - online platform

      Funding

      • Erasmus Programm (Erasmus+ strategic partnership for higher education)

      Summary

      The objectives of the project are 

      •  to stimulate the future generation of leaders in nursing education and research who encourage and foster high performing, education research environments, supportive and collaborative research output;  
      •  to train and educate postdoctoral nurses who will be qualified for professorships and doctoral students and thereby to focus on high quality education and research, as shown by substantial achievement in education, research, international collaboration impacting patients, families and  communities within Europe. 

      Project contents

      • The project will develop:
      • Two blended learning modules for postdoctoral nurses and doctoral students
      • Online community and website 
      • Competency profile for nursing leaders
      • Massive Open Online Course (MOOC)
      • Assessment using research conducted throughout the project resulting in publications
      • Business model and sustainability plan

      Kurztitel

      • NÄP-DMP

      Zeitraum

      • 01/2007 - 06/2007

      Leitung

      Mitarbeiter

      Förderung

      • AOK-Bundesverband

      Kurztitel

      Zeitraum

      • 05/2014 - 04/2015

      Leitung

      • Dr. Susanne Saal

      Mitarbeiter

      • Melanie Müller
      • Wissenschaftliche Hilfskräfte

      Partner

      • OA Dr. med. Tobias Müller, Oberarzt der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Halle
      • PD Dr. med. habil. Kai Wohlfarth, Direktor der Klinik für Neurologie, BG-Kliniken Bergmannstrost
      • Prof. Dr. med. Farsin Hamzei, Chefarzt der Neurologie, Moritz Klinik GmbH & CO. KG Bad Klosterlausnitz
      • Dr. med. Carsten Clewing, Chefarzt der Neurologie, Saale Reha-Klinikum Bad Kösen, Klinik II

      Förderung

      • Martin-Luther-Universität, Medizinische Fakultät, Nachwuchsförderung (NWF) der Wilhelm-Roux-Förderung

      Zusammenfassung

      Hintergrund und Fragestellung

      Die Rückkehr nach Hause ist für viele Menschen nach Schlaganfall und deren Familien mit Ungewissheit und der Sorge verbunden, wie sich der Alltag mit der Krankheit bewältigen lässt und wie es mit notwendigen Therapien weitergeht. Die Schnittstelle zwischen stationärer Therapie und nachfolgender ambulanter Weiterbehandlung von Schlaganfallerkrankten wird sowohl aus Perspektive von Patienten, stationären Behandlern als auch durch niedergelassene Hausärzte, Physio- und Ergotherapeuten derzeit als nicht zufriedenstellend angesehen.  

      Ziel

      Die Studie hat das Ziel, Ursachen für die aktuellen Tendenzen der Fehlversorgung mit ambulanten Therapieleistungen zu Beginn der ambulanten Gesundheitsversorgung zu identifizieren und mögliche Maßnahmen einer optimierten Therapieüberleitung systematisch zu beschreiben. In einem zweiten Schritt soll darauf aufbauend eine Intervention zur Verbesserung der Therapieüberleitung modelliert werden. 

      Methoden

      Eine systematische Literaturrecherche und -analyse ermittelt in einem ersten Schritt (potentiell) wirksame Maßnahmen der Therapieüberleitung. In Experteninterviews werden mit Ärzten als auch im Rahmen von Gruppendiskussionen mit weiteren beteiligten Therapieberufen wie Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden Erfahrungen zu begünstigenden Faktoren und Barrieren der Therapieüberleitung sowie der ambulanten Heilmittelversorgung identifiziert. Zur Beschreibung von Versorgungsverläufen in den Versorgungspfaden „Entlassung aus der Akutklinik in die Häuslichkeit“ bzw. „Entlassung aus der medizinischen Rehabilitation in die Häuslichkeit“ erfolgt eine standardisierte mündliche Befragung von 360 Schlaganfallpatienten bei denen ein fortgesetzter Therapiebedarf besteht. 

      Stichworte

      • Versorgungsforschung
      • Therapieüberleitung 
      • Schlaganfall

      Kurztitel 

      • OPTIREHA 

      Förderung

      • Wilhelm-Roux-Programm FKZ: 27/11 

      Förderzeitraum

      • 11/2013-10/2014

      Projektleitung 

      • Administrative Projektleitung: Dr. rer. medic. Patrick Jahn (Dipl. PGW), Leiter Pflegeforschung und Entwicklung, Universitätsklinikum Halle
      • Wissenschaftliche Koordination: Dr. med. Heike Schmidt 

       Mitarbeiter:

      • Dr. med. Heike Schmidt 
      • Dipl. PGW Katrin Beutner

      Hintergrund: Das Ziel der onkologischen Anschlussrehabilitation besteht in einer Reduktion krankheits- und behandlungsbedingter Symptome und Funktionseinschränkungen sowie beruflicher und sozialer Reintegration. Aktuelle Studien und eigene Vorarbeiten zeigen Schnittstellenprobleme zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation, die möglicherweise eine optimale Nutzung des Rehabilitationspotentials einschränken (Assmann et al., 2012, Schmidt et al. 2014). Es gibt Hinweise für Optimierungsbedarf bezüglich der frühzeitigen Identifikation geeigneter Patienten, der Erfassung und Dokumentation Reha-relevanter Befunde und deren Weiterleitung an die Rehabilitationsklinik sowie der Information von Patienten über Ziele und Methoden der onkologischen Rehabilitation (Schmidt et al. 2014). 

      Methode: Im Rahmen einer Pilotstudie (OPTIREHA) wurde an 2 Zentren der Prozess der Überleitung mittels einer stichprobenartigen Analyse relevanter Patientenakten (n=12) (Arztberichte, Pflegeanamnese, Antragstellung und pflegerische Überleitung) und strukturierter Befragung der beteiligten Berufsgruppen (n=15) untersucht. Vorschläge und Materialien zur Optimierung der Überleitung onkologischer Patienten aus der Akutbehandlung in die Anschlussrehabilitation wurden erarbeitet, mittels Expertenkonsens (Delphiverfahren) konsentiert und an 4 Zentren pilotiert.

      Ergebnisse: Die erarbeiteten Vorschläge betreffen die Identifikation und Information geeigneter Patienten, die systematische Erfassung des Reha-Bedarfs durch die beteiligten Berufsgruppen sowie die Weiterleitung Reha-relevanter Befunde. Mit dem Ziel der frühzeitigen Identifikation geeigneter Patienten wird vorgeschlagen, die Rehabilitation als Teil des onkologischen Gesamtbehandlungskonzeptes bereits in der Tumorkonferenz anzusprechen. Um die Information der Patienten über Ziele und Methoden der Rehabilitation durch die beteiligten Berufsgruppen zu unterstützen, wurde auf der Basis einer bestehenden Informationsbroschüre (Höder & Deck 2014, Höder 2014) patientengerechtes Informationsmaterial für die onkologische Rehabilitation entwickelt. Für die systematische Erfassung von Informationen, die zur Einschätzung des Reha-Bedarfs und der Reha-Fähigkeit dienen können, wurde ein ICF-orientierter Überleitungsbogen zur weiteren poststationären Versorgung entwickelt. Dieser Bogen bietet die Möglichkeit der systematischen Erfassung und Dokumentation Reha-relevanter Aspekte einschließlich Barthel-Index, besonderen Pflegebedarfen und „Roten Fahnen“ zur Kennzeichnung kritischer medizinischer Zustände, die eine direkte Rücksprache mit der Rehaklinik erfordern. Zusätzlich bietet der Bogen die Möglichkeit, Informationen zu besonderen Belastungen, Krankheits-oder Behandlungsfolgen, zur psychischen, sozialen, familiären, beruflichen und finanziellen Situation und zu diesbezüglichen patientenbezogenen Ressourcen und Barrieren zu dokumentieren. Der Bogen wird primär von Pflegekräften ausgefüllt, kann aber auch zur interdisziplinären Dokumentation und Informationsweitergabe im onkologischen Team genutzt werden. Die Informationen können für die Antragstellung verwendet werden und sollten an die nachbehandelnde Rehabilitationsklinik weitergeleitet werden. Die Pilottestung dieser Materialien erfolgte an 4 Zentren (n=18 Überleitungsbögen). Die Bearbeitungszeit des Überleitungsbogens wurde mit min. 5 Minuten (ein Durchgang, eine Pflegekraft) und max. 15 Minuten (mehrere Durchgänge, mehrere Personen) angegeben. Rückmeldungen der beteiligten Berufsgruppen (Pflege und Psychoonkologie) sowie der Rehabilitationskliniken bezüglich Anwendbarkeit und potentiellem Nutzen waren positiv.

      Diskussion: Bereits die Vorabbefragung (Schmidt et al. 2014) zeigte deutliche Unterschiede der Dokumentationsstandards und der Qualität der Informationsweiterleitung zwischen einzelnen Akutkliniken. Daher sind auch die Ergebnisse der Prozessanalyse aufgrund der kleinen Stichprobe nicht zu verallgemeinern, sondern dienen als Hinweise für Optimierungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse der Pilotierung sind ebenfalls aufgrund der kleinen Stickprobe nicht zu verallgemeinern, zeigen jedoch die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der entwickelten Materialien. 

      Schlussfolgerungen: Die Einbeziehung und gute Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen ist wesentlich, um eine Verbesserung des Prozesses zu erreichen. Während durch räumliche Nähe kooperierender Kliniken unterstützte Konzepte wie ärztliche und pflegerische Reha-Konsile durch den direkten Kontakt eine optimale Informationsweitergabe gewährleisten, stellt der Überleitungsbogen zur weiteren poststationären Versorgung eine einfache Alternative dar, deren Nutzen in weiteren klinischen Studien geprüft werden sollte.

      Klinische Partner:

      • Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Innere Medizin1
      • Universitätsklinikum Halle, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
      • Universitätsklinikum Halle, Klinik für Strahlentherapie
      • Universitätsklinikum Halle, Klinik für Innere Medizin IV

      Wissenschaftlicher Beirat und Experten des Delphi Panels:

      Prof. Dr. med. Wilfried Mau, Direktor des Instituts für Rehabilitationsmedizin, MLU Halle, Prof. Dr. med. Oliver Rick, Chefarzt der Klinik Reinhardshöhe Bad Wildungen, Sprecher der Arbeitsgruppe Onkologische Rehabilitation der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), PD Dr. med. Ulf Seifart, Chefarzt der Klinik Sonnenblick Marburg, Vorsitzender des Arbeitskreises Onkologische Rehabilitation der DGHO, PD. Dr. med. Thomas Beinert, Paracelsus Klinik am See, Bad Gandersheim, Prof. Dr. med. Wolfgang Wagner, Medizinisches Versorgungszentrum für Strahlentherapie, Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Osnabrück, Prof. Dr. med. Hans Helge Bartsch, Ärztlicher Direkt der Klinik für Tumorbiologie Freiburg, Kerstin Paradies, Vorstandssprecherin der Konferenz onkologischer Kranken- und Kinderkranken-pflege (KOK) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., Dipl. Med.-Inf. Anke Wittrich, stellvertretene Geschäftsführerin des Bundesverbandes Geriatrie (BVG), Simone Pareigis-Hoppe, Selbsthilfegruppe Leukämie- und Lymphompatienten, Halle, Arbeitskreis Rehabilitation und Sozialmedizin der SAKG, Sven Weise, Geschäftsführer der Sachen-Anhaltischen Krebsgesellschaft (SAKG), Dipl. PGW Jan Richter, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannstrost Halle, Stabstelle Qualitätsmanagement

      Prof. Dr. med. Wolfgang Wagner, Medizinisches Versorgungszentrum für Strahlentherapie, Radiologie, Nuklearmedizin und Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Osnabrück

      Literatur:

      Assmann, C., Iseringhausen, O., Schott, T. & Staender, J. (2012). Übergänge gestalten! Patientenorientierung und vernetzte Versorgung zwischen den Sektoren. In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 21. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium vom 5. bis 7. März 2012 in Hamburg. Rehabilitation: Flexible Antworten auf neue Herausforderungen. DRV-Schriftenband 98 (S. 152-153).

      Höder, J., Deck, R. (2014) Vorbereitung auf die Reha: Auswirkungen leichtverständlicher Informationen In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium 10.-12. März 2014 in Karlsruhe. Rehabilitationsforschung Arbeit Gesundheit Rehabilitation (S. 231-232). DRV-Schriftenband 103 (S 410-412). 

      Höder, J, So geht Reha Informationen für den Reha-Erfolg, Gefördert von der Deutschen Rentenversicherung Bund.http://www.forschung-patientenorientierung.de/files/broschuere_so-geht-reha.pdf

      Schmidt, H., Abraham, J., Landenberger, M., Jahn, P. (2014) Überleitung onkologischer Patienten aus der akutstationären Behandlung in die Anschlussrehabilitation: Erste Ergebnisse einer Befragung deutscher Rehabilitationskliniken In: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium 10.-12. März 2014 in Karlsruhe. Rehabilitationsforschung Arbeit Gesundheit Rehabilitation. DRV-Schriftenband 103 (S 410-412).

      Ergebnisse:

      Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Ergebnisse der OPTIREHA Studie in der Zeitschrift GMS Onkologische Rehabilitation und Sozialmedizin unter 

      www.egms.de/de/journals/ors/2016-5/ors000028.shtml veröffentlicht wurden.

      Kurztitel

      • PaReSiS

      Zeitraum

      • 04/2008- 03/2011

      Leitung

      Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft:

      Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie:

      • Prof. Dr. med. Stephan Zierz
      • Dr. med. Tobias Müller

      Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik:

      • Prof. Dr. med. Andreas Stang MPH
      • Dr. sc. Hum. Oliver Kuss

      Mitarbeiter

      Partner

      • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt
      • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland

      Förderung

      • BMBF im Rahmen des Förderschwerpunktes "Versorgungsnahe Forschung- Patientenorientierung und chronische Krankheiten"

      Zusammenfassung

      Hintergrund 

      Bisherige Forschungen zur Betroffenenperspektive von Patienten und Rehabilitanden nach einem Schlaganfall zeigen, dass vor allem die Phase nach der Anschlussrehabilitation (also die weitere "Nachsorge") und die mögliche Rückkehr ins Alltags- und auch Arbeitsleben durch ein sehr uneinheitliches Bild gekennzeichnet sind (vgl. Zimmermann et al. 2006). Während konsekutive Therapien in manchen Fällen trotz bleibender Einschränkung nicht stattfinden, gelingt es anderen Rehabilitanden vor allem mit starker Unterstützung durch Hausarzt oder Familienmitglieder, eine kontinuierliche therapeutische Versorgung und berufliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten und für ihre Rehabilitation zu nutzen. Übereinstimmend berichten sie jedoch von deutlichen Schwierigkeiten im Vorfeld der Leistungsgewährung bei allen Trägern der Gesundheitsversorgung.

      Fragestellung 

      Das Projekt verfolgt die Fragestellung, ob und inwieweit bei von Schlaganfall Betroffenen und ihren Angehörigen der erfolgreiche Verlauf des Rehabilitationsprozesses nach Schlaganfall durch ein integriertes am individuellen Patientenbedarf ausgerichtetes Versorgungsmanagement in der ambulanten Nachversorgung gesteuert werden kann. Der Fokus des Vorhabens liegt ausdrücklich auf der Gestaltung des Rehabilitationsprozesses nach bzw. außerhalb der institutionellen Versorgungsstrukturen der Akutklinik (stroke unit) und stationären und ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen.

      Methoden 

      Die Studie wird als kontrollierte experimentelle Studie durchgeführt. Das Interventionsprogramm wird einer zufällig gebildeten Gruppe von Schlaganfallpatienten angeboten. Zur Sicherung der Validität des eingesetzten Instrumentariums inklusive der Intervention wird sowohl in der Interventions- als auch in der Kontrollgruppe eine Stichprobe für ein qualitatives Tiefeninterview gezogen.

      Stichprobe 

      Eingeschlossen sind Frauen und Männer über 18 Jahre mit akutem Schlaganfall (Erstereignis, ischämisch oder hämorrhagisch) mit den entsprechenden Diagnosen der ICD-10 I61 und I63, die in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Halle aufgenommen wurden. Weitere Einschlusskriterien sind ein Erstwohnsitz in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Thüringen und die Beherrschung der deutschen Sprache.

      Von der Teilnahme sind Personen ausgeschlossen mit Reinfarkt, Alkoholismus, NIHSS>25, Obdachlosigkeit (bei Nichterreichbarkeit) oder die bereits in der Klinik versterben. In den qualitativen Studienarm werden sowohl Teilnehmer der Interventions- als auch Kontrollgruppe aufgenommen.

      Intervention 

      Für das nachsorgende Rehabilitationsprozessmanagement werden verschiedene Zugangswege genutzt, die im Rahmen der Intervention etabliert werden sollen:

      1. Patienten-Informations-Briefe
      2. Internetportal
      3. Telefonische Nachsorge & Hotline
      4. Zentrale Informationsveranstaltungen für Betroffene und Bezugspersonen
      5. Individuelle Einzelberatung für Betroffene und Bezugspersonen
      6. Mobiles Rehabilitationsmanagement (Hausbesuche)

      Betroffene und deren Angehörige haben so die Wahl, nicht nur den Umfang der professionellen Unterstützung zu steuern, sondern können zudem zwischen verschiedenen Formen der Informationsbeschaffung wählen.

      Erwartete Ergebnisse 

      Erwartet wird, dass sich die Teilnehmer der Interventionsgruppe in der Hauptzielgröße der physischen Funktionsfähigkeit signifikant von den Mitgliedern der Kontrollgruppe unterscheiden. 

      Kurztitel 

      • PEKo

      Zeitraum

      • Oktober 2018 bis September 2020

      Leitung

      Mitarbeiter/innen

      Partner

      • Universität zu Lübeck
      • Hochschule Fulda

       Förderung

      • Techniker Krankenkasse 

      Zusammenfassung 

      Gewalt gegenüber pflegebedürftigen Personen, aber auch gegenüber Pflegenden, ist für stationäre Pflegeeinrichtungen berichtet. Mit dem Projekt PEKo-Partizipative Entwicklung und Evaluation eines multi-modalen Konzeptes zur Gewaltprävention in stationären Pflegeeinrichtungen werden Mitarbeitende in Pflegeheimen für das Thema der Gewaltprävention sensibilisiert. Mit einem partizipativen Ansatz werden Interventionen zur Vermeidung von Gewalt entwickelt, implementiert und wissenschaftlich evaluiert.

      Hintergrund 

      Gewalt gegenüber älteren Menschen wird von der WHO als einmalige bzw. wiederholte Handlung aber auch Unterlassung gebotener Handlungen definiert, die bei den betroffenen Personen zu Schaden oder Leid führen können. Unterschiedliche Wahrnehmung von Gewalt und die Tabuisierung des Themas lassen auf eine Dunkelziffer in der Berichterstattung von Gewaltereignissen schließen. Die Förderung von Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen ist einer der Schwerpunkte der Präventionsleistungen der Pflegekassen. Dabei sollen unter der Beteiligung der pflegebedürftigen Personen und der Einrichtungen Vorschläge zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation entwickelt und umgesetzt werden.

      Ziel 

      Ziel des Projektes PEKo ist die Entwicklung eines nachhaltigen Gewaltpräventionskonzeptes in den teilnehmenden Einrichtungen. Leitende Grundprinzipien sind Transparenz und Partizipation, systematisches Vorgehen und nachhaltige Einbindung in die Einrichtungsstrukturen.

      Intervention

      • Auftaktveranstaltungen in den teilnehmenden Einrichtungen
      • Festlegen eines/einer PEKo-Beauftragten pro teilnehmende Einrichtung
      • Bildung eines einrichtungsinternen PEKo-Teams
      • Bildung eines einrichtungsübergreifenden PEKo-Zirkels
      • Strukturierte Befragung von Mitarbeitenden als Baseline-, Zwischen- und Abschlusserhebung 
      • Durchführen monatlicher PEKo-Treffen in den Einrichtungen
      • Durchführen quartalsweiser, einrichtungsübergreifender PEKo-Zirkel 
      • Entwickeln, Evaluieren und Anpassen von einrichtungsspezifischen Interventionen und Handlungsleitlinien 
      • Entwickeln einer Kultur des lösungsorientierten Bearbeitens von berichteten Gewaltereignissen in den Einrichtungen 
      • Entwickeln und Anwenden eines einrichtungsspezifischen Schulungskonzeptes
      • Beratungsangebot der Projektmitarbeiter/innen für die PEKo-Beauftragten und die PEKo-Teams

      Evaluation

      Datenquellen der wissenschaftlichen Evaluation sind:

      • Daten aus den standardisierten Befragungen zu den Zeitpunkten T0, T1 und T2
      • Dokumentationen von Gewaltereignissen
      • Beobachtungs- bzw. Erinnerungsprotokolle der PEKo-Treffen und PEKo-Zirkel
      • Daten aus strukturierten Befragungen zur Lebensqualität von Bewohner/innen
      • Fokusgruppeninterviews mit Bewohnern (alternativ Bewohnervertreter/innen), Angehörigen und Mitarbeitenden zur Gewaltkultur in den Einrichtungen 
      • Fokusgruppeninterviews zur Prozessevaluation mit den PEKo-Beauftragten, Mitarbeitenden in den PEKo-Teams und leitenden Mitarbeitenden.

      Kurztitel

      • Pflegedoku

      Zeitraum

      • 01/2014 - 09/2015

      Leitung

      • Prof. Dr. Johann Behrens

      Mitarbeiter

      • Dr. Steffen Fleischer

      Partner

      • Hochschule für angewandte Wissenschaften München (Prof. Astrid Herold-Majumdar)
      • Evangelische Hochschule Freiburg (Prof. Thomas Klie)
      • Institut für Qualitätssicherung in der Pflege e.V. (Dr. Thomas Carey)

      Förderung

      • Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP)

      Zusammenfassung

      Literaturstudie mit Darlegung des aktuellen Literatur- und Forschungsstandes, bei der folgende Themenbereiche und Fragestellungen berücksichtigt werden:

      1. Das Dokumentationsmindestmaß in der stationären Altenpflege aus pflegewissenschaftlicher Sicht

      • Welche Inhalte sind aus professioneller (pflegefachlicher) Sicht tatsächlich zu dokumentieren?
      • Ausgangspunkt sind aktuelle Erkenntnisse der nationalen und internationalen Pflegewissenschaft.
      • In welchem Umfang sind die jeweiligen Inhalte zu dokumentieren?

      2. Das Dokumentationsmindestmaß in der stationären Altenpflege aus juristischer Sicht, wobei nur die Rechtslage in Deutschland berücksichtigt wird:

      • Welche pflegerischen Dokumentationen sind aus gesetzlichen Gründen erforderlich?
      • Welche pflegerischen Dokumentationen sind aufgrund der aktuellen Rechtsprechung im Rahmen des Haftungsrechtes, Strafrechtes, Leistungsrecht und Ordnungsrecht erforderlich? (Zu berücksichtigen ist hierbei insbesondere: „nicht alles was aufgeschrieben wird, wurde auch durchgeführt. Problematik: „Schein-Rechtssicherheit“)
      • In welchem Umfang sind die jeweiligen Inhalte zu dokumentieren?
      • Zu berücksichtigen ist nur die Rechtslage in Deutschland

      3. Das Dokumentationsmindestmaß in der stationären Altenpflege aus pflegepraktischer Sicht, wobei nur die nationalen Erkenntnisse berücksichtigt werden:

      • Welche dokumentierten Inhalte sind für eine Pflegeeinrichtung  zur reibungslosen Durchführung der Pflege erforderlich?
      • Anforderungen an eine Pflegedokumentation, welche ein effizientes Arbeiten ermöglichen, sind zu belegen.
      • In welchem Umfang sind die jeweiligen Inhalte zu dokumentieren?

      Reduktion von chemotherapie-induzierter Anorexie, Nausea und Emesis durch eine strukturierte Pflegeintervention: eine prospektive cluster-randomisierte Multicenterstudie

      Kurztitel

      • BMBF-P4: Pflegeintervention Chemotherapie-Patienten: Cluster-RCT

      Zeitraum

      • 02/2004 - 01/2007

      Leitung

      • Prof. Dr. Margarete Landenberger
      • Anette Thoke-Colberg
      • Ingrid Horn

      Mitarbeiter

      • Petra Renz
      • Patrick Jahn
      • Ene Kukk

      Partner

      • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
      • Universitätsklinik Graz (Österreich)
      • Ben Gurion University Beer-Sheva (Israel)
      • St. Martin College, University of Lancaster (GB)
      • Memorial Sloan-Kettering Cancer Center New York (USA)

      Projektausführung

      • Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München (AöR) Universitätsklinikum Halle (AöR)
      • Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

      Förderung

      • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen 01GT0301

      Zusammenfassung

      Hintergrund

      Mit rd. 30% stehen hämatologisch-onkologische Erkrankungen nach Krankheiten des Kreislaufsystems an zweiter Stelle der Mortalität in Deutschland. Studien zufolge zählen Anorexie, Nausea und Emesis (ANE-Syndrom) zu den belastendsten Nebenwirkungen der Chemotherapie bei onkologischen Erkrankungen (Berger, 2001; Foubert, 2005; Ihbe-Heffinger, 2004). Sie schränken die Lebensqualität und Alltagsbewältigung der Patienten stark ein. Ebenso stellt das Kommunikations- und Wissensdefizit ernst zunehmendes Problem dar.

      Fragestellung

      Lassen sich bei onkologischen Patienten mit moderat- und hoch-emetogener Chemotherapie durch eine strukturierte und evidenzbasierte fachpflegerische Intervention im Vergleich zur kliniküblichen Krankenpflege im stärkeren Maß ANE reduzieren?

      Methoden

      Design: Cluster-randomisierte kontrollierte Multicenterstudie mit onkologischen Stationen und Tageskliniken als randomisierte Einheiten.

      Setting: 14 onkologische Stationen und Tageskliniken an zwei deutschen Universitätsklinika

      Studienteilnehmer: 208 Patienten mit moderat- und hochemetogener Chemotherapie.

      Hauptzielgröße: Reduktion der chemotherapie-induzierten ANE, ermittelt anhand der absoluten Änderung des Summenscores des Common Terminology Criteria for adverse events (CTCAE-Version 3.0).

      Intervention: Basierend auf einem speziellem Assessment für chemotherapie-induzierte ANE (Stukenkemper, 2006) erfolgte die Anwendung einer pflegerischen Intervention bestehend aus vier Modulen: Informationsbroschüre und Beratungsgespräch (Book et al., 2007), Mitwirkung bei der Antiemetika-Medikation (Jahn, 2006), Ernährungsberatung (Renz, 2007) sowie Entspannung. Die Intervention wurde nach dem Pflegeprozess strukturiert und richtete sich am Klassifikationssystem NANDA – NOC - NIC aus.

      Ergebnisse: Die strukturierte Intervention führte bei onkologischen Patienten mit moderat- und hoch-emetogener Chemotherapie im Vergleich zur kliniküblichen Krankenpflege nicht im stärkeren Maße zur angestrebten Reduktion von ANE. Die mittlere Differenz war in der Kontrollgruppe um 0,68 Pkt. (95%CI -0,72 bis 2,07; p="0,34") auf der CTCAE-Skala höher. Bezogen auf die Selbstpflegeaktivität zur Reduktion der ANE-Symptomatik führten die Patienten in der Kontrollgruppe 2,76 Handlungen weniger aus (95%CI -8,83 bis 3,31; p="0,23"). Keine Unterschiede ergaben sich für das Wissen der Patienten über Nebenwirkung der Chemotherapie und wirksame Selbstpflegemaßnahmen sowie deren Selbstpflegekompetenz. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war bei den Patienten der Kontrollgruppe signifikant besser um 9,36 Pkt. (95%CI 2.13 bis 16.58; p="0,01").

      Diskussion: Entgegengesetzt zu unseren Erwartungen zeigte die strukturierte Selbstpflegeintervention keine signifikante Reduktion der Intensität der ANE in der Interventionsgruppe, verursacht durch die niedrige ANE-Ausprägung zu Studienbeginn in der Kontroll- und Interventionsgruppe. Die signifikant verminderte Lebensqualität in der Interventionsgruppe erfordert eine tiefer gehende Betrachtung.

      Publikationen

      • Berger, A. M., Clark-Snow, R.A. (2001). Nausea and vomiting. In V. T. DeVita, Hellman, S., Rosenberg, S.A. (Ed.), Cancer: Principles and practice of oncology (Vol. 6, pp. 2869-2880). Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins.
      • Book, K., Landenberger, M., Stukenkemper, J., Renz, P., Jahn, P., Horn, I., et al. (2007). Information und Beratung für Patienten mit chemotherapiebedingten Nebenwirkungen: Eine evidenzbasierte pflegerische Praxisleitlinie. PrInterNet [im Erscheinen], Im Peer-Review-Verfahren.
      • Foubert, J., Vaessen, G. (2005). Nausea: The neglected symptom? European Journal of Oncology Nursing(9), 21-32.
      • Ihbe-Heffinger, A., Ehlken, B., Bernard, R., Berger, K., Peschel, C., Eichler, H.G., Deuson, R., Thodtmann, J., Lordick, F. (2004). The impact of delayed chemotherapy-induced nausea and vomiting on patients, health resource utilization and costs in german cancer centers. Annals of Oncology, 15(3), 526-536.
      • Jahn, P., Landenberger, M., Renz. P., Horn, I., Thoke-Colberg, A., Stukenkemper, J., Höhne, J. (2006). Pflegerische Mitwirkung bei der Antiemetika-Medikation für Patienten mit chemotherapie-bedingten Beschwerden: Evidenzbasierung einer pflegerisch-interdisziplinären Praxisleitlinie. PrInterNet [im Erscheinen]
      • Renz, P., Landenberger, M., Knerr, A., Bernd, U., Horn, I., Thoke-Colberg, A., Stukenkemper, J. (2007). Ernährung/-sberatung für Patienten mit chemotherapie-bedingten Beschwerden: Vorarbeit für eine evidenz-basierte pflegerisch-interdisziplinäre Praxisleitlinie. PrInterNet (1), 5-13.
      • Stukenkemper, J., Pröbstl, A., Lasic, G., Feistl, M., Nothdurft, I., Landenberger, M., Horn, I., Thoke-Colberg, A. (2006). Wissenschaftlich gestützte Pflegebedarfserhebung mittels eines pflegerischen Assessmentinstruments und dessen Nutzung in der Onkologie [unveröffentlicht]. Retrieved 16.03.2007, from http://www.printernet.info/pf06/pdf/ Stukenkemper.pdf.

      Alltagsautonomieförderung für onkologische Schmerz-Patienten durch einrichtungsübergreifende pflegerisch-interdisziplinäre Betreuung: eine cluster-randomisierte Multicenterstudie

      Kurztitel

      • BMBF T3: Pflegeintervention bei onkologischen Patienten mit anhaltendem Schmerz: Cluster RCT

      Zeitraum

      • 02/2007 - 05/2011

      Leitung

      • Prof. Dr. Margarete Landenberger
      • Ingrid Horn
      • Anette Thoke-Colberg

      Mitarbeiter

      • Petra Renz
      • Dr. Patrick Jahn
      • Ene Kukk

      Partner

      • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
      • Universitätsklinik Graz (Österreich)
      • Ben Gurion University Beer-Sheva (Israel)
      • St. Martin College, University of Lancaster (GB)
      • Memorial Sloan-Kettering Cancer Center New York (USA)

      Projektausführung

      • Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München (AöR)
      • Universitätsklinikum Halle (AöR), Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

      Förderung

      • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

      Zusammenfassung

      Hintergrund

      Die Prävalenzrate von Tumorschmerz variiert stark zwischen Schmerzart (nozizeptiv, neuropathisch), ursächlicher Tumorerkrankung und beobachteter Population. Deutsche Studien zeigen eine Prävalenzrate von 30-92% für Schmerz bei Gastrointestinal-, Bronchial- und Mammakarzinom (Petzke, Radbruch, Zech, Loick, & Grond, 1999). Ursachen dieser Schmerzen sind bei 85% der onkologischen Patienten tumorbedingt (Kompression oder Infiltration von schmerzempfindlichem Gewebe), bei 17% behandlungsbedingt (Strahlen-/Chemotherapie oder Operation) und bei 7% bestehen Schmerzen entweder in Zusammenhang mit der Tumorerkrankung (Obstipation, Dekubitus) oder weiteren tumorunabhängigen Erkrankungen (z.B. Migräne) bzw. Behandlungen (Grond, Zech, Diefenbach, Radbruch, & Lehmann, 1996).

      Anhaltender Schmerz bei onkologischen Patienten stellt ein mehrdimensionales Problem dar, das die Zusammenarbeit verschiedener Professionen (u. a. Medizin, Pflege, Psychologie, Seel sorge) notwendig macht (multidisziplinärer Ansatz). Schmerzbekämpfung bei onkologischen Patienten ist deshalb ein wichtiges Ziel, weil die onkologische Erkrankung meist einen lang andauernden Verlauf hat und auch bei positiver Heilungschance eine große Belastung dar stellt, die durch anhaltenden Schmerz noch erschwert wird. Entsprechend wichtig ist die Stärkung der Alltagskompetenz des Patienten, damit er durch Selbstwirksamkeit dem Teu- felskreis Krankheit – Angst – Schmerz - Angst - Verlust der Alltagskompetenz - vermehrte Angst - Depression entkommt (O`Donnell, 2004; Owen, 1990; Theobald, 2004). Mittels einer strukturierten einrichtungsübergreifenden pflegerisch-interdisziplinären Intervention wird eine Verstetigung der im stationären Bereich erworbenen Kommunikationskompetenz der Patienten angestrebt.

      Fragestellung

      Gelingt es mittels einer strukturierten, evidenzbasierten, modularen, fachpflegerisch-interdisziplinären Intervention, für onkologische Patienten eine Linderung ihrer anhaltenden Schmerzen sowohl in der stationären als auch in der nachstationären Phase zu erreichen?

      Methoden

      Design: Cluster-randomisierte kontrollierte Multicenterstudie mit onkologischen Stationen und Tageskliniken als randomisierte Einheiten.

      Setting: 16 onkologische Stationen und Tageskliniken an zwei deutschen Universitätsklinika

      Studienteilnehmer: 240 Patienten mit Tumordiagnose (ICD-10 Kategorie C: Bösartige Neubildung), anhaltendem Schmerz (länger als 3 Tage) und mit einer Schmerzintensität von mindestens 30/100mm auf der Numerischen Rating Skala(NRS).

      Hauptzielgröße: Reduktion der durchschnittlichen Schmerzintensität mittels 11stufiger NRS (0-100mm). Vergleich Kontroll- und Interventionsgruppe sieben Tage nach Entlassung.

      Intervention: Besteht aus den Modulen Informationsbroschüre und Beratungsgespräch, Pflegerische/interdisziplinäre Mitwirkung bei der pharmakologischen und non-pharmakologischen Schmerztherapie sowie Entlassungsmanagement/ nachstationäre Betreuung. Zur fachlichen Einschätzung von Pflegebedarf und Ressourcen des Patienten durch die Pflegekraft und der Entlassvorbereitung ist ein Assessment vorgeschaltet. Die Intervention wurde nach dem Pflegeprozess strukturiert und richtete sich am Klassifikationssystem NANDA – NOC - NIC aus.

      Publikationen

      Download 

      Kurztitel 

      • Pflege im Quartier

      Zeitraum 

      •  15. Nov. 2018 – 14. Nov. 2019

      Leitung

      Mitarbeiter: 

      Förderung: 

      • Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. an der Martin-Luther-Universität

      Zusammenfassung:

      Die Lebenssituationen, insbesondere von älteren und pflegebedürftigen Menschen, gestalten sich in Städten und Gemeinden sehr differenziert und erfordern spezielle Betrachtungsweisen. Im Vordergrund stehen der Erhalt der Selbstständigkeit und die Verbesserung der Lebensqualität, trotz Beschwerden und Einschränkungen. Die Zielstellung des Projektes Pflege im Quartier – heute und morgen ist, eine generationsübergreifende und alter(n)sgerechte Quartiersentwicklung, am Beispiel der Kommune Zörbig, zu gestalten und zu verstetigen. Im Rahmen des Projektes erfolgt eine sozialräumliche Analyse zur Identifikation der Quartiere und Beschreibung der örtlichen Strukturen. Die Interessen und Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger werden durch Lebensraumbefragungen und Quartiersbegehungen erfasst und einbezogen. Eine Stakeholderanalyse ergänzt diese Betrachtung aus der Perspektive verschiedener Akteure und Professionen. Die Ergebnisse dieser Arbeitsschritte werden genutzt, um Handlungsfelder und Maßnahmen zu entwickeln, welche in die Erstellung eines Handlungsleitfaden für die Kommune Zörbig einfließen. Erreicht werden soll, dass passgenaue Strukturen geschaffen, Angebote etabliert und vernetzt werden sowie eine Stärkung der Quartiere durch interprofessionelle Zusammenarbeit erfolgt. Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger wird vor allem der Verbleib in der Häuslichkeit bzw. im Quartier unter Nutzung wohnortnaher Versorgungsangebote unabhängig von Lebensalter und Gesundheit beabsichtigt. 

      Weiterführender LINK

      Zeitraum 

      • Mai 2017- April 2018

      Leitung

      • Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer

      Mitarbeiterinnen

      Partner

      • AOK Sachsen-Anhalt

      Förderung

      • Finanzierung durch AOK Sachsen-Anhalt

      Zusammenfassung

      Hintergrund

      Ausgangslage für das Projekt ist die Bevölkerungsentwicklung in Sachsen-Anhalt mit zunehmenden Herausforderungen für die Weiterentwicklung von Pflege- und Versorgungsstrukturen bei gleichzeitig steigendem Pflegebedarf. Im Pflegereport 2016 des AOK-Bundesverbandes wird auf die fortbestehende Notwendigkeit familiärer Pflege verwiesen. Diese erfolgt oft im sogenannten „Versorgungsmix“, einem typischen Zusammenspiel von formellen und informellen Hilfen, das sich wesentlich von anderen europäischen Pflege- und Versorgungssystemen unterscheidet. Eine zentrale Frage in der Weiterentwicklung dieses Versorgungsmix bezieht sich auf die Stabilisierung familiärer Pflege. Um passgenaue und individuelle Unterstützungsangebote unterbreiten zu können, ist es unabdingbar, die Situation pflegender Angehöriger genau zu kennen.

      Ziel 

      Die Situation pflegender Angehöriger, die ohne professionelle Unterstützung pflegen, soll betrachtet werden, um individuelle und bedarfsgerechte Beratungs- und Unterstützungsangebote unterbreiten und den Zugang dazu erleichtern zu können. Es soll untersucht werden, welche Belastungen sie angeben sowie welche Unterstützungsmöglichkeiten gewünscht, akzeptiert und tatsächlich genutzt werden. Langfristig sollen die Erkenntnisse in die individuelle Pflegeberatung der AOK einfließen und der Angebotsentwicklung in den Regionen durch verschiedene Akteure auf der kommunalen Ebene und der weiteren Angebotsvernetzung dienen.

      Methode

      Zur Einschätzung der Belastungssituation werden standardisierte Beratungsgespräche durchgeführt. Dazu wurden Literaturrecherchen zum aktuellen Forschungsstand erstellt, welche die spezifischen Belastungen von pflegenden Angehörigen, Gründe der Nichtinanspruchnahme professioneller Unterstützung, sowie geeignete Assessmentinstrumente ermittelten. Die Kurzversion der Häuslichen Pflege-Skala wurde ausgewählt und durch weitere, die Situation pflegender Angehöriger beschreibende Fragen ergänzt. Der Fragebogen enthält zusätzlich Hinweise für die Pflegeberater/innen der AOK, um entsprechend der vorliegenden Belastungssituation passgenaue Unterstützungsangebote unterbreiten zu können. Zur Durchführung werden die Pflegeberater/innen entsprechend geschult, die Befragung mit pflegenden Angehörige im Großraum Halle sowie im Burgenlandkreis durchführen zu können. Die Intervention wird in einer Nachbefragung auf ihre Wirkung überprüft. Handlungsempfehlungen zur Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Routineversorgung der AOK Sachsen-Anhalt werden anschließend daraus entwickelt. 

      Erwartete Ergebnisse

      Erwartet werden Erkenntnisse zur Belastungssituation pflegender Angehöriger in Sachsen-Anhalt, die bisher keine professionelle Unterstützung nutzen. Neue Erkenntnisse werden außerdem zu den Gründen der Nichtinanspruchnahme professioneller Hilfen gewonnen. Erkenntnisse zur Wirkung individueller Beratung zu passgenauen Unterstützungsangeboten sollen der Verbesserung der regelhaften Pflegeberatung der AOK Sachsen-Anhalt dienen.

      Der multimorbide ältere Tumorpatient: Assessment - Therapieplanung - Lebensqualität"

      Eine multizentrische Studie zur Modellierung und Pilotierung eines patientenzentrierten interdisziplinären Behandlungs- und Versorgungskonzeptes für onkologisch-geriatrische Patienten (PIVOG)

      Kurztitel 

      • PIVOG

      Förderzeitraum

      • 05/2014-10/2016

      Förderung

      • Wilhelm-Roux-Programm FKZ: 28/20 

      Zusammensetzung der Arbeitsgruppe:

      Projektleitung 

      • Principal Investigator: Dr. med. Heike Schmidt, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Medizinische Fakultät der MLU Halle-Wittenberg
      • Prof. Dr. med. Dirk Vordermark, Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie
      • PD Dr. med. Karin Jordan, Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV, Hämatologie und Onkologie
      • Prof. Dr. med. Ursula Müller-Werdan, Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Kardiologie, Angiologie, internistische Intensivmedizin, Geriatrie)

      Klinischer Kooperationspartner:

      • Dr. med. Eckhard Fiedler, Universitätsklinik für Dermatologie

      Wissenschaftliche Mitarbeiter:

      • Dr. Stephanie Boese
      • Katharina Lampe, Ärztin

      Study Nurses:

      Evelyn Teuber, Franziska Flessner, Alexandra Biolik

      Abstract

      Hintergrund

      Ältere Patienten mit Tumorerkrankungen sind in Bezug auf Beeinträchtigungen in körperlicher und kognitiver Funktionalität sehr heterogen und häufig durch multiple Komorbidität belastet. Daher wird empfohlen, in Therapieplanung ergänzend zu klinischen Parametern auch die individuelle Belastbarkeit, das soziale Umfeld und die Versorgungssituation der Patienten einzubeziehen, um relevante Risikofaktoren zu identifizieren. Es mangelt jedoch an prospektiven Studien, um evidenzbasierte Empfehlungen für die Planung der Therapie und Nachsorge abzuleiten.

      Zielstellung

      Ziel der Studie ist die Entwicklung, Modellierung und Pilotierung eines patientenzentrierten interdisziplinären Behandlungs- und Versorgungskonzeptes für onkologisch-geriatrische Patienten (PIVOG) unter Einbeziehung klinischer und biologischer Parameter, des CGA sowie der Lebensqualität. Diese komplexe Intervention soll ergänzend zur leitliniengerechten onkologischen Behandlung eine gezielte, bedarfsgerechte Anwendung medizinischer und therapeutischer unterstützender Maßnahmen sowie eine sektorenübergreifende pflegerische Begleitung umfassen. 

      Design und Methode

      Das Projekt mit einer Gesamtdauer von 2 Jahren gliedert sich in 2 Projektabschnitte:

      1. Entwicklung und Modellierung der komplexen Intervention

      Um die komplexe Intervention mit exemplarischen Behandlungspfaden und die Sektoren-übergreifende pflegerische Begleitung zu entwickeln und zu modellieren, wurden die Routinedokumentation und Versorgungsmuster onkologischer Patienten >70 Jahre analysiert. Ergänzend wurden im Rahmen einer Sekundärdatenanalyse relevante Aspekte der Lebensqualität geriatrischer Krebspatienten identifiziert. Anhand von Fallvignetten wurden unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Beirates Behandlungspfade und die Sektoren-übergreifende pflegerische Begleitung entwickelt und modelliert. Die komplexe Intervention soll ergänzend zu klinischen und biologischen Parametern die Befunde des geriatrischen Assessments und der Lebensqualität einbeziehen.

      2. Pilotierung der komplexen Intervention

      Die im ersten Projektabschnitt entwickelte Intervention wurde im zweiten Projektabschnitt pilotiert.

      Einschlusskriterien: Onkologische Patienten der teilnehmenden Kliniken (Universitätskliniken für Strahlentherapie, Innere Medizin IV und Dermatologie, Halle) in stationärer Behandlung, Alter>70 und schriftlichem Einverständnis zur Studienteilnahme. Stichprobengröße: N=100. 

      Intervention: Planung und Durchführung der onkologischen Behandlung unter Einbeziehung klinischer und biologischer Parameter, des CGA sowie der Lebensqualität (LQ). Die Behandlung wird, entsprechend der zuvor modellierten Behandlungspfade ergänzt durch gezielte, bedarfsgerechte Anwendung medizinischer und therapeutischer unterstützender Maßnahmen und die Sektoren-übergreifende pflegerische Begleitung während der poststationären Phase.

      Datenerfassung und Analyse:

      Patientenbezogene Endpunkte: Therapieform, Dosis, Nebenwirkungen (CTCAE-Skala) und Supportivmaßnahmen. Messzeitpunkte: Einschluss (t1) und 6 Monate poststationär (t2). Variablen: Funktionsfähigkeit, LQ (EORTC QLQ-C30, ELD14) (t1, t2), Entlassungsstabilität (Anzahl und Ursachen der Rehospitalisierungen), Gesamt- und krankheitsspezifisches Überleben, Patientenzufriedenheit (t3).

      Um den potentiellen Nutzen der zusätzlichen Informationen für die Behandlungsplanung und Entscheidungsfindung zu erfassen, werden sowohl der Entscheidungsprozess im Tumorboard als auch die partizipative Entscheidungsfindung mit den Patienten analysiert.

      Ergebnisse

      Es beteiligten sich 100 Patientinnen und Patienten in einem mittleren Alter von 76,3 Jahren (SD 4.8), 47% weiblich. Im Durchschnitt hatten die Patienten 5 Komorbiditäten (SD 2.8, min. 0, max. 15) und nahmen 8 verschreibungspflichtige Medikamente (SD 3.6, min. 0, max. 15). Entsprechend der definierten Behandlungspfade wurden bei individuellem Bedarf, der durch die Assessments festgestellt wurde, supportive Maßnahmen eingeleitet. Deskriptive Analysen zeigten, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQOL) 6 Monate nach Abschluss der Akuttherapie (n=57) sich für n=16 (28%) klinisch signifikant (≥10 Pkt.)  verschlechtert hatte und für n=41 (72%) unverändert blieb oder sich besserte, Obwohl einige Funktionsskalen (z.B. Mobilität, Rollenfunktion) und einige Samptome (z.B. Fatigue, Schmerz) sich verschlechterten. Die telefonische pflegerische Nachsorge wurde gut angenommen. Insgesamt zeigte die Studie Machbarkeit, gute Akzeptanz und potentiellen Nutzen der komplexen Intervention. 

      Wissenschaftlicher Beirat

      Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg: 

        • Martin Luther University Halle-Wittenberg: Prof. Dr. rer. nat. Andreas Simm, Interdisciplinary Centre for Aging Halle (IZAH), 
        • Prof. Dr. med. Andreas Klement, Institute for General Medicine; 
        • Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer, Institute for Health and Nursing Science, 
        • Dr. rer. medic. Patric Jahn, nursing research, 
        • PD Dr. med. habil. Anke Steinmetz, Department of Orthopedics, 
        • Dr. med. Tobias Wustmann, Department of Psychiatry, Psychotherapy and Psychosomatic Medicine;  
        • Dr. med. Michael Meisel, Internal Medicine, Head of Geriatrics, Diakonissenkrankenhaus Dessau; 
        • RN Kerstin Paradies, German Cancer Society, Oncology Nursing; 
        • Dipl. Med. Inf. Anke Wittrich, Federal Association of Geriatrics, 
        • MSc. Sven Weise, Head of the Cancer Society of Saxony Anhalt (SAKG) and patient representatives. 

        International Experts: 

        • Prof. Colin D. Johnson, Cancer Sciences, University of Southampton, UK, 
        • Sally Wheelwright, MA (Cantab), University of Southampton, 
        • Morten Aagaard Petersen, M.Sc. The Research Unit, Department of Palliative Medicine Bispebjerg Hospital, University of Copenhagen,
        • Dr. med. Jörg Sigle, Software Anyquest for Windows/QL-Recorder

        A mixed methods systematic review of pre-discharge home assessments to improve the transition of care from the inpatient care to home in adult patients

        Kurztitel

        • Pre-discharge home assessment

        Zeitraum

        • 01.08.2018 –28.02.2019

        Projektleitung

        Mitarbeiter/-in

        Förderung

        • aus Eigenmitteln des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

        Hintergrund

        Die stationäre Behandlung in der Versorgung chronischer Erkrankungen hat zum Ziel, die Teilhabe der Patientin/des Patienten zu erhalten bzw. zu verbessern. Unabhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung werden jedoch während des stationären Aufenthaltes in einer Akut- und oder Rehabilitationsklinik die häuslichen Gegebenheiten oftmals nur unzureichend und wenig systematisch in der Vorbereitung der Patientinnen und Patienten auf die Rückkehr nach Hause einbezogen. Die konkreten Informationen über die Funktionsfähigkeit der Patientin/des Patienten im häuslichen Umfeld sind jedoch grundlegend für die Anpassung teilhabeorientierter Therapieziele. 

        Bereits während der stationären Rehabilitation könnte ein systematisches Assessment (in) der häuslichen Umgebung (environmental assessments, pre-discharge home visits, weekend passes) zu einer gezielteren Entlassungsvorbereitung beitragen. Zum einen wäre es dadurch möglich, die Leistungsanforderungen an die Patientin/den Patienten für eine Rückkehr ins häusliche Umfeld unter realen Bedingungen zu erheben. Training, Anleitung und Schulung könnten so innerhalb der Therapien teilhabeorientierter erfolgen. Zum anderen können notwendige wohnräumliche Anpassungen und Hilfsmittelbedarfe bereits vor der Rückkehr nach Hause erkannt und initiiert werden. 

        In einigen Ländern sind solche häuslichen Assessments während eines stationären Aufenthaltes regulärer Bestandteil der Entlassungsvorbereitung bei bestimmten Patientengruppen und werden oft von Ergotherapeutinnen/Ergotherapeuten durchgeführt.

        Es existiert bisher nur unzureichend systematische Evidenz zur Frage, ob und unter welchen Bedingungen Vorentlassungshausbesuche erfolgreich sein können.

        Ziel

        Es sollen 2 Forschungsfragen beantwortet werden:

        1. Welche Effekte haben Assessments (in) der häuslichen Umgebung vor der Entlassung nach Hause?
        2. Was sind Förderfaktoren und Barrieren in Zusammenhang mit Assessments (in) der häuslichen Umgebung vor der Entlassung?

        Ziel ist es, Empfehlungen für die Anwendung von Assessments (in) der häuslichen Umgebung in der Praxis abzuleiten.

        Methode

        Es wird eine umfassende Literaturrecherche, bestehend aus systematischer Datenbankrecherche, Referenzlistenrecherche, Registersuche, Suche nach grauer Literatur sowie eine Vorwärts-Zitat-Suche durchgeführt. Eingeschlossen werden Individual- oder Cluster-randomisierte Studien (RCT) und kontrollierte klinische Studien (CCT), qualitative Studien sowie Studien mit qualitativen und quantitativen Anteilen. Studien, welche nicht in deutscher oder englischer Sprache publiziert sind, werden ausgeschlossen. Es werden Studien eingeschlossen, deren Teilnehmer ein Mindestalter von 18 Jahren haben, ohne eine Beschränkung auf eine bestimmte Indikation/Erkrankung. Ausgeschlossen werden Studien, sobald die Gesundheitsprobleme ausschließlich im kognitiven und/oder psychischen Bereich liegen. Eingeschlossen sind Studien mit Interventionen, die entweder auf Verbesserungen der Mobilitäts- und/oder Alltagsfertigkeiten abzielen und/oder (gemeinsam mit oder ohne die Patientin/den Patienten) den Bedarf an wohnräumlichen Anpassungen und Hilfsmitteln erheben. Die Qualität aller eingeschlossenen Studien wird durch zwei Forschende unabhängig voneinander mit Hilfe folgender Bewertungstools durchgeführt: das Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions, Version 5.1 für RCTs und CCTs sowie das Critical Appraisal Skills Programme (CASP) für qualitative Studien und die Mixed Methods Scores (MM) des Mixed Methods Appraisal Tool (MMAT) für Mixed Methods Studien. Ein Konsens bei Unstimmigkeiten wird gegebenenfalls mithilfe eines dritten Forschenden erzielt. Eine Metaanalyse quantitativer Daten wird ausgeführt, soweit die Datenlage es erlaubt. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit der Intervention werden mit den Erkenntnissen zu Förderfaktoren und Barrieren verknüpft und zusammenfassend dargestellt.

        Die Studie ist unter der Kennnummer CRD42018100636 beim International prospective register of systematic reviews (PROSPERO) registriert.

        Downloads

        Kurztitel

        • ProFem

        Zeitraum

        • April 2017 bis März 2020

        Leitung des Projektteams Halle

        Mitarbeiterinnen

        • Marion Baltes, M.A.
        • Juliane Blessin, M.Sc.
        • Dr. Astrid Stephan

        Konsortialpartner

        Förderung

        • Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (Förderkennzeichen: 01VSF16043)

        Mehr Details finden Sie hier:  https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/versorgungsforschung/profem-versorgung-funktionsfaehigkeit-und-lebensqualitaet-nach-proximaler-femurfraktur.42

        Zusammenfassung

        In der älteren Bevölkerung führen Stürze häufig zu Oberschenkelhalsbrüchen. Diese proximalen Femurfrakturen (PFF) stellen prognostisch einschneidende Ereignisse dar, die nicht selten mit der Sorge der Betroffenen verbunden sind, nach dem Ereignis pflegebedürftig zu werden. Weniger als die Hälfte der Betroffenen erhalten eine weiterführende Behandlung, was ein Hinweis auf Versorgungslücken ist. 

        Im Rahmen des Studienvorhabens ProFem, Versorgung, Lebensqualität und Funktionsfähigkeit nach proximaler Femurfraktur, wird zum einen eine Bestandsaufnahme der Versorgungssituation unternommen. Zum anderen werden die von den Betroffenen berichteten Angaben zu Lebensqualität, Funktionsfähigkeit sowie sozialer Teilhabe im Verlauf analysiert. 

        Durch die Verknüpfung von Daten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Daten aus einer persönlichen Befragung von Versicherten sollen speziell vulnerable Subgruppen mit besonderem Versorgungsbedarf identifiziert und genauer untersucht werden. Schlussendlich können die Projektergebnisse zur Weiterentwicklung von Leitlinien beitragen und die Routineversorgung im Sinne zielgruppenspezifischer Versorgungsangebote passgenauer ausrichten. 

        Perspektivisch kann die Versorgungsqualität durch eine verbesserte Umsetzung bestehender oder modellhafter alternativer Versorgungsmodelle optimiert werden. So würden Lebensqualität verbessert, Funktionsfähigkeit und Partizipation betagter Menschen nach PFF erhalten und Kosten durch vermeidbare Pflegebedürftigkeit und unnötige Krankenhausaufenthalte reduziert werden.

        Hintergrund

        PFF sind häufige Ereignisse in der betagten Bevölkerung. In Deutschland behielten um das Jahr 2000 rund 50% der Betroffenen Einschränkungen in der Funktionsfähigkeit, 15% wurden neu in ein Pflegeheim aufgenommen. Obwohl postoperative Programme positive Effekte zeigten, erhielten mehr als 60% keine weiterführende Behandlung, was für Versorgungslücken spricht.

        Neben Versorgungsprozessen sind patientenberichtete Outcomes wie Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und soziale Teilhabe bei älteren Menschen nach PFF ebenfalls wenig erforscht. Subgruppen, die durch besonders schlechte klinische und patientenberichtete Outcomes charakterisiert sind und potentiell eine intensivere Versorgung benötigen, sind bislang nicht identifiziert.

        Ziele

        Durch die individuelle Verknüpfung von Befragungsdaten und Krankenkassendaten sollen folgende Ziele adressiert werden:

        1. Beschreibung des Leistungsgeschehen / der Versorgungssituation nach PFF in der betagten Bevölkerung 

        2. Zusammenhängende Untersuchung patientenberichteter Outcomes nach PFF 

        3. Identifizierung von Subgruppen, die durch besonders schlechte klinische und patientenberichtete Outcomes charakterisiert sind und potentiell eine intensivere Versorgung benötigen; Indikatoren zur Identifizierung dieser Subgruppen zu definieren, so dass diese angesprochen und gezielt adäquater Versorgung zugewiesen werden können; Formulierung eines Algorithmus für die GKV (case finding)

        4. Ableitung von Maßnahmen, die künftig eine zielgruppengerechtere und damit auch effizientere Gestaltung der Versorgung ermöglichen (Erhöhung der Lebensqualität Betroffener und Reduktion von Kosten durch Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und Hospitalisierung).

        Fragestellungen

        Folgende spezifische Fragestellungen werden im Projektverlauf bearbeitet

        1. Wie gestaltet sich die Versorgungssituation nach proximaler Femurfraktur (PFF) in der betagten Bevölkerung? Wie werden spezifische Behandlungsmaßnahmen (z.B. geriatrische Rehabilitation, Schmerzbehandlung) an den Schnittstellen der Versorgung umgesetzt?
        2. Wie stellen sich klinische (Hospitalisierung, Pflegebedürftigkeit) und patientenberichtete Outcomes (Lebensqualität, Funktionsfähigkeit, insbesondere soziale Teilhabe) nach PFF im Verlauf dar? Was sind klinische und soziodemographische Prädiktoren (Komorbidität, soziale Lage, insbesondere soziale Unterstützung) hierfür?

        3. Welche Subgruppen weisen schlechte Outcomes auf (z.B. zu Hause lebende Menschen mit geringer sozialer Unterstützung, Komorbidität und hoher Leistungsinanspruchnahme)? Lassen sie sich mit einem Algorithmus im Sinne eines case findings identifizieren? 

        Methode

        Es handelt sich bei ProFem um eine populationsbezogene prospektive Beobachtungsstudie auf Basis von Krankenkassendaten (AOK Rheinland/Hamburg mit 2,9 Millionen Versicherten) und bei Versicherten erhobenen Primärdaten, die individuell verknüpft werden. Im Bundesland Nordrhein-Westfahlen werden über einen Zeitraum von 12 Monaten konsekutiv 700 zufällig ausgewählte Versicherte mit PFF in die Studie aufgenommen. Primärdatenerhebungen sind 3 Monate nach Ereignis (persönliches Interview), 6 Monate nach Ereignis mittels postalischer Befragung und 12 Monate nach dem Ereignis (wiederum persönliches Interview) geplant. Zudem werden jeweils 12 Monate retrospektiv und prospektiv Krankenkassendaten der teilnehmenden Versicherten erhoben und mit den Selbstangaben verknüpft. 

        Erwartete Ergebnisse

        Inhaltlich ist die Identifikation relevanter Schnittstellenprobleme zwischen der Krankenhausbehandlung und der weiterführenden Versorgung in den verschiedenen Sektoren, und die Bestimmung vulnerabler Gruppen, die in zielgruppenspezifischen Versorgungsmodellen behandelt werden sollten, zu erwarten. 

        Methodisch werden die Verknüpfung von Primär- und Sekundärdaten sowie die Entwicklung von Algorithmen zur Identifikation spezifischer Patientengruppen vorangetrieben. Damit wird ein Rollenmodell erarbeitet, das auf andere gesundheitliche Probleme und Settings übertragen werden kann.

        Kurztitel

        • Belastung von onkologischen Patienten durch Multisymptomerleben: eine multizentrische Querschnittsstudie

        Zeitraum

        • 06/2010 - 05/2011

        Leitung

        • Prof. Dr. Margarete Landenberger (wissenschaftliche Leitung)

        Mitarbeiter

        Partner

        • MRI, TU Muenchen

        Förderung

        • ProKID, Verein zur Förderung der Krebsinformation in Deutschland e.V., Heidelberg, Förder-Nr.: clinical trials NCT01317355

        Projektausführung

        • Universitätsklinikum Halle, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 
        • Universitätsklinik für Gynäkologie (GST, Tagesklinik))
        • Universitätsklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG)
        • Universitätsklinik für Innere Med. I (St. 6) (Gastroenterologie) 
        • Universitätsklinik für Innere Med. III (St. 9) (Pneumologie) 
        • Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV (10-12, Tagesklinik)
        • Universitätsklinik für Urologie (St. 1, 2 & 3, Tagesklinik)

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Tumorpatienten leiden häufig an mehreren krankheits- und therapiebedingten Symptomen sowie Einschränkungen der Funktionalität. Da anhaltendes Symptomerleben sowohl die Lebensqualität beeinträchtigen als auch die Behandlungsintensität limitieren oder zu einem vorzeitigen Abbruch der Tumorbehandlung führen kann, ist es Ziel unterstützender Therapie, lindernde Maßnahmen möglichst frühzeitig einzuleiten. Hierzu sind standardisierte Symptomerfassung und ein guter Informationsfluss vom Patienten zu den beteiligten Berufsgruppen anzustreben. In der Studie wurde in Kooperation mit dem Department of Symptom Research, Prof. Cleeland, zur Erfassung der Symptombelastung onkologischer Patienten das M.D. Anderson Symptom Inventory in der deutschen Version (MDASI–G) eingesetzt. 

        Methoden: 

        In einer multizentrischen Querschnittsstudie unter Beteiligung von 5 Uniklinika wurden n= 697 Patienten mit diagnostiziertem solidem Tumor, im Alter zwischen 18 und 80 Jahren, laufender ambulanter oder stationärer Tumortherapie und Einverständnis zur Teilnahme nach ihren Symptomen befragt. Primärer Endpunkt war die Symptombelastung (Symtomburden: Summenscore aus Symptombelastung und Funktionseinschränkungen), erfasst durch Selbsteinschätzung der Patienten mit dem MDASI–G bezogen auf die letzten 24 h (NRS 0-10). Sekundäre Endpunkte waren Zusammenhänge von Symptomburden mit Distress und globaler Lebensqualität (EORTC QLQ C 30).

        Erste Ergebnisse

        Im Durchschnitt wurden 6 (±3) Symptome (Intensität ≥1) benannt. Bezogen auf die Belastungsstufen wurden häufig Fatigue (43% leicht, 26% moderat, 9% schwer), Sorgen/Kummer (36% leicht, 23% moderat, 10% schwer), Traurigkeit (36% leicht, 18% moderat, 9% schwer) sowie Schlafstörungen (37% leicht, 20% moderat, 10% schwer) angegeben. 18% der Patienten gaben schwere Einschränkungen der Alltagstätigkeit an. Es zeigten sich signifikante Zusammenhänge sowohl zwischen Symtomburden (MW 46,6 ±30,6) und der globalen gesundheitsbezogenen Lebensqualität (MW: 49,4±22,7) (r=0,66; p<0,01) als auch zwischen Symptomburden und Distress (Distress Thermometer: MW 5,13 ±2,7) (r=0,59; p<0,01).

        Schlussfolgerungen:

        Das neu eingesetzte MDASI scheint sich gut zur Erfassung der Symptombelastung onkologischer Patienten zu eignen. Um den schnellen transdisziplinären Informationsfluss bezüglich aktueller Symptome und somit auch deren Therapie zu optimieren, sind weitere Untersuchungen, die unterschiedliche therapeutische Settings und Patientenkollektive fokussieren, notwendig.

        Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Ergebnisse der ProKID-Studie veröffentlicht wurden:

        • Schmidt, H., Cleeland, C. C., Bauer, A., Landenberger, M. & Jahn. P. (2014) Symptom Burden of Cancer Patients: Validation of the German M. D. Anderson Symptom Inventory. A Cross-Sectional Multicenter Study, J Pain Symptom Manage. 2015 Jan;49(1):117-25. DOI: 10.1016/j.jpainsymman.2014.04.007. Epub 2014 May 23
        • Schmidt, H., Kitzmantel, M., Abraham, J., Landenberger, M. & Jahn. P. (2013) Chemo: Welche Symptome belasten Patienten? Die Schwester Der Pfleger 52. Jahrg. 10/13

        Kurztitel 

        • PRO-ONKO

        Förderung

        • Wilhelm-Roux-Programm FKZ: 26/15

        Förderzeitraum

        • 03/2013-05/2014

        Zusammensetzung der Arbeitsgruppe:

        Projektleitung 

        Wissenschaftliche Mitarbeiter:

        Zusammenfassung 

        Hintergrund: Onkologische Patienten leiden unter zahlreichen krankheits- und therapiebedingten Symptomen und Einschränkungen ihrer Funktionalität. Die Erfassung patientenberichteter Symptome und Funktionseinschränkungen (Patient Reported Outcomes, PRO) im gesamten Therapieverlauf ist notwendig, um bedarfsgerechte Supportivmaßnahmen einzuleiten und eine optimale Therapiesteuerung über den Krankheitsverlauf zu gewährleisten. Im Versorgungsalltag wird jedoch meist keine systematische erweiterte Erfassung von patientenberichteten Symptomen und Funktionseinschränkungen durchgeführt, obwohl zahlreiche validierte Instrumente zur Verfügung stehen.

        Zielstellung: Ziel des Vorhabens ist daher, aus Sicht der an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen und der onkologischen Patienten aus verfügbaren Instrumenten einen Itempool zu erstellen, der PRO für die klinische Entscheidungsfindung effektiv nutzbar macht.

        Methoden: Qualitative, multizentrische Untersuchung mit Querschnittsdesign in zwei Studienabschnitten unter Beteiligung von Ärzten (Chirurgie, Innere Medizin, Strahlentherapie), onkologischen Fachpflegekräften sowie Mitarbeitern des psychosozialen Dienstes (Psychoonkologen, Sozialarbeiter) und Patienten mit unterschiedlichen Tumordiagnosen in stationärer oder ambulanter Behandlung.

        Im ersten Studienabschnitt wurden im Rahmen interdisziplinärer Fokusgruppen Empfehlungen für Instrumente zur Erhebung von PRO erarbeitet, die sich an den speziellen Anforderungen der teilnehmenden Kliniken orientierten. Diese Instrumente wurden im zweiten Studienabschnitt von Patienten ausgefüllt und bewertet. Die patientenberichteten Angaben (PRO) wurden mit der Routinedokumentation abgeglichen und von Pflegenden und Ärzten auf ihren potentiellen Nutzen für die Anwendbarkeit im klinischen Alltag geprüft.

        Ergebnisse: Die ausgewählten Instrumente wurden auch in der elektronischen Version von den Patienten gut angenommen und positiv beurteilt. Auch die Behandelnden beurteilten übereinstimmend die Inhalte der ausgewählten Instrumente wie Symptome und Funktionseinschränkungen als bedeutsam für die Betreuung der Patienten. Da diese Inhalte in der ärztlichen und pflegerischen Routinedokumentation auf unterschiedliche Art und in unterschiedlichem Umfang erfasst und berücksichtigt werden, ergibt sich weiterer Forschungsbedarf bezüglich einheitlicher Umsetzung und Einbindung von PRO Assessments in die klinischen Abläufe, um den Nutzen auf Patientenebene für die Behandlungsplanung und eine klinikübergreifende Verlaufsdokumentation beurteilen zu können. 

        Partner: 

        Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg: 

        • Co-Investigator: PD Dr. med. Karin Jordan, Leitende Oberärztin, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, (Hämatologie und Onkologie) Universitätsklinikum Halle (Saale)
        • Co-Investigator: Prof. Dr. med. Hans Joachim Schmoll, Direktor, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, (Hämatologie und Onkologie) Universitätsklinikum Halle (Saale)
        • Co-Investigator: Prof. Dr. med. Dirk Vordermark, Direktor, Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Halle (Saale)
        • Co-Investigator: Dr. rer. medic. Patrick Jahn (Dipl. PGW), Leiter Pflegeforschung und Entwicklung, Universitätsklinikum Halle 
        • Susann Krasemann (Dipl.-Pflegewirtin FH), Pflegedirektorin, Universitätsklinikum Halle
        • SAKG, Sachsen Anhaltische Krebsgesellschaft
        • APO, Arbeitskreis der Pflegenden in der Onkologie der SAKG

        Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: 

        • Co-Investigator: Prof. Dr. med. Henning Flechtner, Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Kinder- und Jugendalters, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
        • Co-Investigator: Dipl. Psych. Michael Köhler, Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
        • Co-Investigator: Prof. Dr. med. Thomas Fischer, Direktor der Klinik für Hämatologie / Onkologie, Universitätsklinikum Magdeburg, Zentrum für Innere Medizin
        • Dagmar Halangk (Dipl. Krankenschwester), Pflegedirektorin, Universitätsklinikum, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 

        Sangerhausen:

        •  Chefarzt Dr. med. Klinge Chirurgie, Helios Klinik GmbH, Sangerhausen 

        Kooperation mit ausländischen Partnern

        • Univ. Doz. Dr. Bernhard Holzner (A)

        Elektronische Datenerfassung:

        • Dr. med. Jörg-Michael Sigle, Bern

        Kurztitel 

        • Präferenzen und Defizite in der hebammenrelevanten Versorgung in Deutschland 

        Zeitraum 

        • 04/2015 - 03/2016 

        Leitung 

        • Dr. Gertrud M. Ayerle 

        Mitarbeiter/innen 

        • Elke Mattern MSc, N.N. 
        • Dipl. psych. Susanne Lohmann
        • Änne Kirchner, B.Sc.

        Partner

        • Universitätsklinikum Halle 
        • Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. 
        • Deutscher Hebammenverband e.V. 
        • Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. 
        • Verband berufstätiger Mütter (www.vbm-online.de) 
        • Verband alleinerziehender Mütter und Väter (www.vamv.de) 

        Förderer 

        • Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V. Bonn 

        Zusammenfassung 

        Hintergrund 

        International wird ein Mangel an hebammenrelevanter Forschung beklagt, die die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung durch Hebammen leiten und begründen könnte. In Deutschland gibt es bislang weder eine Forschungsagenda noch eine explizite Erhebung der Prioritäten von Nutzerinnen (Frauen, Lebensgemeinschaften, Familien) hinsichtlich ihrer Gesundheitsversorgung durch Hebammen. Jedoch wird die Einbeziehung der Nutzer/innen bereits bei der Festlegung von Forschungsprioritäten und der Formulierung spezifischer Forschungsfragen gefordert [1], um nicht Versorgungsprobleme, Interventionen oder Outcomes zu untersuchen, die die eigentlichen Bedürfnisse, Interessen und Präferenzen der Nutzer/innen verfehlen. 

        Ziele 

        Die Ziele der Forschungsarbeit sind die Identifizierung von Präferenzen hinsichtlich der Gesundheitsversorgung durch Hebammen aus Sicht der Nutzerinnen und Hebammen sowie die Ableitung dominanter Themen für die Gesundheitsversorgung durch Hebammen und für die Forschung in Deutschland. 

        Methodik 

        Die qualitative explorative Arbeit ist angelehnt an die Hermeneutik nach Gadamer [2], die das vertiefte und möglichst umfassende Verstehen der jeweils anderen Sichtweisen zum Ziel hat. Dieses wird durch den offenen und reflektierten Dialog des Forschungsteams mit den Teilnehmerinnen bzw. dem Textmaterial und einen iterativen Datenerhebungs- und Analyseprozess realisiert. Um subjektiv wahrgenommene Versorgungspräferenzen und -defizite zu erfassen, werden im Rahmen der 12-monatigen Projektlaufzeit 14 Fokusgruppengespräche mit Nutzerinnen und Hebammen aus zwei verschiedenen Bundesländern durchgeführt. Die Teilnehmerinnen werden durch ein kontrastierendes Sampling anhand von unterschiedlichen personenbezogenen Merkmalen zur Teilnahme eingeladen. Ein nachfolgendes Telefongespräch dient der Klärung von Unverständlichkeiten im Textmaterial, um ein datenbasiertes Verstehen zu fördern. Die Rechte der Nutzerinnen und Hebammen als Teilnehmende werden sichergestellt. In der Analyse werden Anhaltspunkte für wichtige Inhalte und Aspekte der Gesundheitsversorgung und deren Bedeutung für die Nutzerinnen und Hebammen in ihrem jeweiligen Kontext identifiziert, die sich u.a. auf Versorgungszeitpunkte, -aspekte, -bedingungen, -einflüsse, Interventionen und Outcomes beziehen können. 

        Relevanz

        Mit dem Vorhaben wird eine wesentliche Grundlage für die zukünftige Erarbeitung einer Forschungsagenda zur Gesundheitsversorgung durch Hebammen in Deutschland geschaffen, die einerseits der Nutzerinnenorientierung zukünftiger Versorgungsforschung und andererseits der Evidenzbasierung von Hebammenleistungen dient.  

        Literatur 

        • Chalmers, I. & Glasziou, P. (2009). Avoidable waste in the production and reporting of research evidence. The Lancet, 374(9683), 86-89. doi: 10.1016/S0140-6736(09)60329-9. 
        • Fleming, V., Gaidys, U. & Robb, Y. (2003). Hermeneutic research in nursing: developing a Gadamerian-based research method. Nursing Inquiry, 10(2), 113-120. 

        Kurztitel

        • Psychisch Kranke im SGB II

        Zeitraum

        • 10/2010 - 03/2011

        Leitung

        • Prof. Dr. Johann Behrens

        Mitarbeiter

        Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

        • Katrin Parthier
        • Dr. Michael Schubert

        Aktion Psychisch Kranke e. V. Bonn

        • Jörg Holke
        • Ulrich Krüger
        • Prof. Dr. Reinhardt Peukert

        Partner

        • Aktion Psychisch Kranke e. V. Bonn
        • Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg (IAB)
        • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt-Thüringen

        Förderung

        • Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Bundesagentur für Arbeit

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen haben häufig vielfältige Schwierigkeiten am Arbeitsleben teilzuhaben. Gerade die oftmals krankheitsbedingt eingeschränkte Fähigkeit den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, reduziert bei psychisch Kranken Menschen die Chance der Ausübung einer Erwerbstätigkeit und - für junge psychisch beeinträchtigte Menschen besonders problematisch - die Chance des Erreichens eines Ausbildungsabschlusses. Zudem sind hohe berufliche Anforderungen, Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck nicht selten inkompatibel mit den (psychosozialen) Ressourcen, die psychisch beeinträchtigten Menschen zur Verfügung stehen. Daher ist diese Personengruppe einerseits in besonderem Maße einem höheren Exklusionsrisiko aus dem Erwerbsleben (Negativselektion) ausgesetzt. Andererseits befördert dauerhafte Arbeitslosigkeit die (weitere) Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes. In der Folge haben v.a. psychisch beeinträchtigte Menschen oftmals große Schwierigkeiten einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass diese Gruppe im Personenkreis der Leistungsbezieher nach dem zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) überrepräsentiert ist.

        Gegenstand und Ziel

        Bislang weitgehend unklar ist die Frage, wie sich die Situation psychisch beeinträchtigter, aber erwerbsfähig hilfebedürftiger Personen mit Leistungsbezug nach SGB II, insgesamt quantitativ und qualitativ darstellt. Aus diesem Defizit ergeben sich für die Zielgruppe vier Komplexe von Fragestellungen:

        1. Welche Bedeutung kommt psychisch beeinträchtigten Menschen quantitativ in der Praxis der Arbeitsverwaltungen (v.a. Grundsicherungsträger) zu?

        2. Welche erwerbsrelevanten Problemlagen weist der Personenkreis qualitativ auf und welche arbeitsmarktpolitischen Leistungen und Strategien können zu einer Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben beitragen?

        3. Wie stellt sich das Wissen (status quo) einerseits über und der Umgang mit psychisch beeinträchtigten Menschen bei den Leistungsträgern des SGB II sowie andererseits über Möglichkeiten der Förderung der Erwerbsausübung bei den psychiatrischen/psychosozialen Einrichtungen dar und wo bestehen ggf. Optimierungspotenziale?

        4. Wie gestaltet sich die Kooperation der unterschiedlichen Institutionen und Dienste, wo gibt es Schnittstellen und Vernetzungspotenziale?

        Methoden

        Neben einer Literatur- und Dokumentenanalyse werden insgesamt 40 persönlicher Interviews in fünf Regionen bundesweit mit relevanten professionellen Akteuren durchgeführt. In die Erhebung einbezogen werden dabei

        • Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung im Rechtskreis SGB II (Grundsicherungsträger)

        • Ärztliche und Psychologische Fachdienste der Arbeitsagentur

        • Sozialpsychiatrische Dienste

        • Institutionen/Angebote zur psychiatrischen Behandlung (z.B. Psychiatrische Kliniken, Tagesklinien)

        • Wohnangebote und Angebote der soziale Rehabilitation (Alltagsbegleitung)

        • Institutionen/Angebote im Bereich Arbeit und Beschäftigung (z.B. Integrationsfirmen)

        • Integrationsfachdienste

        Erwartete Ergebnisse

        Die Studie soll im Rahmen von fünf Standortberichten Erkenntnisse zur Anzahl psychisch beeinträchtigter, erwerbsfähiger SGB II-Leistungsbezieher liefern. Zudem sind Integrationsprobleme und Unterstützungsperspektiven aus interprofessioneller Sicht zu beschreiben. Darüber hinaus soll die Studie Erkenntnisse zur regionalen Vernetzung der professionellen Dienste und Einrichtungen gewinnen, entsprechende Vernetzungspotenziale ermitteln und zukünftige Forschungsfelder aufzeigen. 

        Kurztitel:

        • Queer im Alter

        Zeitraum:

        • Sept. 2019 bis Dezember 2019

        Leiterin:

        Projektmitarbeiter:

        Förderung:

        • AWO - Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V.

        Zusammenfassung:

        Entwicklung eines Fortbildungscurriculums mit Coaching-Konzept zur Öffnung der Altenhilfeeinrichtungen für die Zielgruppe LSBTI. Es enthält auf Grundlage eines kompetenzbasierten Ansatzes die Konzeption von kombinierbaren und angeleiteten Fortbildungsmodulen. Es soll so konzipiert sein, dass es für unterschiedliche Gruppengrößen und Zusammensetzungen (aus den Beschäftigungsgruppen Pflege, Betreuung, Hausdienste und Sozialdienste der Altenhilfe) geeignet ist.

        Kurztitel

        • RAI-Projekt / T1

        Zeitraum

        • 02/2007 - 01/2010

        Leitung

        Mitarbeiter

        • Dr. Yvonne Selinger
        • Karina Targan

        Partner

        • Prof. Dr. V. Garms-Homolová, Vertretung der interrai für Deutschland
        • Q-Sys AG, St. Gallen
        • Projekt A1 des Pflegeforschungsverbundes Nord: G. Roth / H. Rothgang: Verbesserung der Effektivität und Effizienz der ambulanten häuslichen Pflege durch das Resident Assessment Instrument (RAI-HomeCare 2.0)

        Förderung

        • BMBF im Rahmen des Förderschwerpunktes "Angewandte Pflegeforschung" im Pflegeforschungsverbund Mitte-Süd

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Das Resident Assessment Instrument ist in den öffentlich finanzierten Pflegeheimen der USA obligatorisch. In zahlreichen Studien in den USA und inzwischen auch in Europa wurde die Verbesserung der Prozess- und Ergebnisqualität der Langzeitpflege durch die Einführung und Implementierung des RAI nachhaltig demonstriert und seine Messgültigkeit (Validität) und Interraterreliabilität der Module bestätigt (Hawes 1997, Austin 2004). Brandenburger (2002: 99) stellt fest, dass das RAI klare Voraussetzungen für die Verbesserung der Pflegequalität bietet, welche durch Haxes/Vladeck (2005: 6-45) nach Implementierung des RAI in amerikanischen Pflegeheimen vor allem im Bereich der Prozess- und Ergebnisqualität nachgewiesen werden konnte. Bernabei/Panfilo/Panio (2005: 99-117) konkretisieren die Erfolge der RAI-Einführung in italienischen Pflegeinstitutionen durch die Darlegung einer verbesserten Pflegeprozessplanung und einer verbesserten Dokumentation. Im Kontext des Case Management konnte die Hospitalisierungsrate ebenso gesenkt werden wie die Krankenhausaufenthaltsdauer (ebd.).

        Fragestellung 

        Die Implementierungsstudie soll die Frage beantworten, ob sich durch die Implementierung und Anwendung des Resident Assessment Instruments (RAI) in Pflegeheimen die Pflegequalität nachweislich erhöhen lässt.

        Methoden 

        In einer clusterrandomisierten - kontrollierten Studie soll überprüft werden, ob die Implementierung des RAI in Pflegeheimen zu einer Verbesserung der erbrachten Pflegequalität führt. Hierzu werden von 14 Pflegeheimen 7 Heime einer Interventionsgruppe, in denen das RAI implementiert wird, zugewiesen und 7 weitere Heime einer Kontrollgruppe, in denen das RAI nicht verwendet wird. Insgesamt werden 980 Bewohner (berücksichtigter Drop - out 40%) in die Studie eingeschlossen.

        In Form von Inhouse - Schulungen werden alle Pflegenden der Pflegeheime, die für die Gestaltung des Pflegeprozesses von Bewohnern verantwortlich sind, auf die Implementierung und Anwendung des RAI vorbereitet, indem sie sowohl in der Anwendung des RAI – auf der Grundlage des RAI-Handbuches – als auch in Grundlagen des Pflegeprozesses und der Pflegedokumentation in einem Umfang von insgesamt zwei Tagen geschult werden.

        Die Messungen zur Evaluation erfolgen in dem durch das RAI vorgegebene zeitliche Assessment jeweils in Schritten von 6 Monaten für den Zeitraum über 1,5 Jahre sowohl in den Heimen der RAI-Implementierung als auch in den Heimen der Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe werden nach diesen 18 Monaten die Schulungen nachgeholt und die Implementierung des RAI begleitet. Darüber hinaus werden Pflegedokumentationsanalysen und Befragungen von Pflegenden/Bewohner zu ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität durchgeführt. Die Qualität der Umsetzung der Intervention wird über Plausibilitätskontrollen dargestellt.

        Erwartete Ergebnisse 

        Es wird erwartet, dass die Intervention auf der Ebene der Bewohner im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer Verbesserung des Bewohneroutcomes und der Pflegequalität führt und auf der Ebene der Bewohner und Pflegenden zu eine Erhöhung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Darüber hinaus wird eine Verbesserung der Qualität der Pflegedokumentation und Prozessplanung angenommen.

        Publikationen

        Download 

        Kurztitel

        • RCT Intensivstation

        Zeitraum

        • 02/2004 - 01/2007

        Leitung

        • Dr. Thomas R. Neubert (Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg)
        • Prof.Dr. Michael Koller (Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg)

        Mitarbeiter

        Partner

        • Studienzentrum: Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg

        Förderung

        • BMBF

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Der Intensivstationsaufenthalt ist für Patienten durch erhebliche Kommunikationsbeeinträchtigungen sowie Ungewissheit und Verunsicherung geprägt. Kontrolltheoretischen Überlegungen folgend ist die Vermittlung von Wissen in Form präoperativer Informationen vielversprechend, empfundene Ängste zu mindern. Information hilft, die ungewohnten zukünftigen Ereignisse besser einzuordnen und vorherzusagen. Fragestellung Gegenstand dieses Projektes war deshalb die Überprüfung der Wirksamkeit eines standardisierten Informationsprogramms, das kardiochirurgischen Patienten vor Aufenthalt auf der Intensivstation angeboten wird.

        Methoden 

        Die Untersuchung wurde als eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie mit einer Interventions- und einer Kontrollgruppe konzipiert und durchgeführt. Hierbei erhielt die Interventionsgruppe am Vortag der geplanten Operation, zusätzlich zum ärztlichen Vorbereitungsverfahren, ein standardisiertes, strukturiertes Programm mit prozeduralen, sensorischen und Coping-Informationen zum Intensivstationsaufenthalt.

        N=120 kardiochirurgische Patienten wurden im Zeitraum Januar 2005 bis August 2006 in die Studie eingeschlossen (n=60 vs. n="60"). Als primäres Ergebniskriterium wurde nach der Verlegung von der Intensivstation retrospektiv die Angst in Zusammenhang mit dem Intensivstationsaufenthalt erhoben. Zusätzlich wurden drei Monate nach der Entlassung die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Patientenzufriedenheit gemessen.

        Studienregistrierung: ClinicalTrials.gov Identifier: NCT00151554 

        Kurztitel

        • RezuS

        Zeitraum

        • 09/2010 - 02/2012

        Leitung

        • Prof. Dr. Johann Behrens
        • Prof. Dr. Wilfried Mau

        Mitarbeiter

        Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

        Institut für Rehabilitationsmedizin

        Institut für Allgemeinmedizin

        Partner

        • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt-Thüringen

        Förderung

        • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Im Zuge einer zunehmend älter werdenden Arbeitnehmerschaft, gilt als eine der maßgeblich zu bewältigenden Herausforderungen der Arbeitswelt, einen gesundheitsbedingten Erwerbsausstieg sowie einen vorzeitigen Rentenzugang zu verhindern bzw. zu verzögern. Wesentliches Mittel dazu sind Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Bisherige Studien zeigten jedoch auf, dass eine Vielzahl an Problembereichen und Hürden den Zugang in medizinische Rehabilitationsleitungen aus der ambulanten Versorgung erschweren oder diesem entgegenstehen. Diese sind sowohl auf der Ebene der hausärztlichen als auch der fachärztlichen Versorgung relevant.

        Gegenstand und Ziel

        Gegenstand des Projektes ist die Weiterentwicklung und Verbesserung der Einbindung niedergelassener Haus- und spezialisierter Fachärzte in den Prozess der Reha-Bedarfserkennung und des Rehabilitationszugangs erwerbsfähiger Personen, da diese als zentrale Akteure in der ambulanten Versorgung und "gatekeeper" zu rehabilitativen Versorgungsangeboten eine entscheidende Rolle spielen. Dazu werden Möglichkeiten und Perspektiven zur Optimierung aus der Sicht von niedergelassenen Hausärzten und Rheumatologen sowie sozialmedizinischen Gutachtern des Leistungsträgers DRV Mitteldeutschland untersucht. Ziel ist es Optimierungspotenziale des Rehabilitationszugangs aufzudecken, Perspektiven zur Verringerung der (wahrgenommenen) Barrieren zu erarbeiten und somit eine bedarfsgerechte rehabilitative Versorgung mit zielgerichteter Ressourcenallokation zu unterstützen. 

        Methoden

        Die Studie wird als konsekutive, zweistufige qualitative Analyse durchgeführt. Dabei werden zunächst zur Problemexploration Informationen in vier Fokusinterviews mit den genannten Arztgruppen erhoben. Im Anschluss werden 30 persönliche Experteninterviews mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Rheumatologen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durchgeführt. Die empirischen Erhebungen und Analysen werden durch eine systematische Literaturanalyse ergänzt. 

        Erwartete Ergebnisse

        Die Ergebnisse der Untersuchung sollen Perspektiven der Verbesserung der Einbindung und Motivation von Haus- und spezialisierten Fachärzten in den Prozess des Reha‐Zugangs aufzeigen. Hierbei sind die Wege zu einer besseren Zusammenarbeit der Akteure zentral (z. B. Optimierung von Informations‐ und Kommunikationsstrukturen), in deren Konsequenz (auch durch Problematisierung von Fehlversorgung) eine bedarfsgerechte rehabilitative Versorgung mit zielgerichteter Ressourcenallokation steht.

        Mittelfristig soll sowohl eine Verbesserung der Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und Leistungsträgern als auch über einen Kompetenzzuwachs niedergelassener Ärzte eine Verbesserung der Reha-Zugangssteuerung im Sinne von bedarfsgerechter und rechtzeitiger Reha-Initiierung erreicht werden. Übergeordnetes Ziel des Gesamtprozesses ist der Erhalt der Erwerbsfähigkeit und die Vermeidung von Frühberentung infolge gesundheitlicher Beeinträchtigungen. 

        Kurztitel

        • SaBiNE

        Zeitraum

        • 09/2011-08/2014

        Studienregistrierung

        • DRKS00003574

        Leitung

        Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

        AHG Klinik Römhild

        • Prof. Dr. med. habil. R. Schlößer (Leitung)
        • Jaqueline Zlatosch (Mitarbeiterin)

        medinet AG Alte Ölmühle Magdeburg

        • Dr. med. Lukas Forschner (Leitung)
        • Kerstin Urban (Mitarbeiterin)

        Diakonie-Krankenhaus Harz Elbingerode

        • Joachim Stopp (Leitung)
        • Jörg Mühlbach (Mitarbeiter)

        Soteria Klinik Leipzig 

        • Prof. Dr. med. Th. Kallert (Leitung)
        • Bettina Stupnink (Mitarbeiterin)

        Partner

        • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt

        Förderung

        • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland
        • Bundesagentur für Arbeit 

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Erwerbsarbeit kann eine stabile Abstinenz in wesentlichem Maße positiv beeinflussen (vgl. Bieker 2005). Die Rückfallforschung im Bereich der Suchtbehandlung zeigt, dass eine berufliche Wiedereingliederung das Rückfallrisiko sowohl bei Drogenabhängigen als auch bei Alkoholabhängigen deutlich reduziert (vgl. Henkel 2008). Da sich Suchterkrankungen jedoch negativ auf die Möglichkeit der Erwerbspartizipation auswirken und anhaltende Arbeitslosigkeit in deutlichem Zusammenhang mit der Etablierung von Suchtverhalten steht (vgl. Pockrandt et al. 2007), sind eine Vielzahl suchtkranker Personen arbeitslos, oft langzeitarbeitslos (vgl. Rose/Jacobi 2004). 

        Fragestellung

        Das Projekt verfolgt die Fragestellung, ob und inwieweit bei erwerbsfähigen Suchtrehabilitanden eine systematische, schnittstellenübergreifende und arbeitsbezogene Fallbegleitung (als zusätzliches Angebot zur Regelversorgung) in der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben wirksam ist. 

        Methoden

        Das Forschungsvorhaben ist eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie. Die Kontrollgruppe erhält die in den Studienzentren übliche Regelversorgung. Die Interventionsgruppe hat darüber hinaus zusätzlich Zugang zu Angeboten der arbeitsbezogenen Fall-Begleitung. 
        Zu 4  Erhebungszeitpunkten innerhalb von 30 Monaten werden in einer standardisierten Befragung Haupt- und Nebenzielgrößen erhoben. Hauptzielgröße ist die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Als Nebenzielgrößen werden Abstinenz-Raten, Rückfallhäufigkeit, Beschäftigungsdauer, Zugang in Erwerbsminderungsrente, Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt, Soziale Wiedereingliederung (Wohnung, Schulden etc.), Sozial-Leistungshistorie sowie die Nutzung von Angeboten der Suchtnachsorge erhoben.

        Stichprobe

        In die Studie werden 320 Teilnehmer in insgesamt 4 Studienzentren eingeschlossen, die sich zu Beginn der stationären Entwöhnungsbehandlung arbeits- bzw. beschäftigungslos sind, erwerbsfähig, im Alter von 18-63 Jahren, mit einer Erstdiagnose aus dem Bereich F10-F19 (ICD 10) und die deutsche Sprache beherrschen.

        Intervention

        Die arbeitsbezogene Fallbegleitung ist in den Suchtfachkliniken verortet und setzt bereits während der Rehabilitation an. Diese initiale Phase dient der Vorbereitung und Einleitung notwendiger erwerbsintegrierender Maßnahmen auf der Basis einer ausführlichen Berufsanalyse. Es wird angestrebt, bereits in der Rehabilitation die Zusammenarbeit mit relevanten Ansprechpartnern der Arbeitsverwaltung und Suchtnachsorge anzubahnen. Die bis zu 12 Monate nach Entlassung aus der Rehabilitation dauernde Fallbegleitung hat das Ziel, durch Koordination und Beratung der an der Erwerbsintegration beteiligten Arbeitsbereiche Schnittstellen in der Nachsorgephase zu  überbrücken, den Betroffenen durch Beratung und Coaching zum Wiedereintritt ins Erwerbsleben zu befähigen  und damit  die Wiedereingliederung in Arbeit arbeitsloser Rehabilitanden signifikant zu verbessern. 

        Erwartete Ergebnisse

        Nach 12 Monaten wird für die Integration in Erwerbsstrukturen (erster und zweiter Arbeitsmarkt sowie Qualifizierungsmaßnahmen) ein Unterschied von 28 Prozentpunkten zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe erwartet.
        Nach 24 Monaten nach der Entlassung aus der Entwöhnungsbehandlung wird erwartet, dass 15 Prozent mehr Teilnehmer in der Interventionsgruppe als in der Kontrollgruppe den Weg in den ersten Arbeitsmarkt (Berufstätigkeit ≥15h/Woche) geschafft haben. 

        Kurztitel

        • SaluPra

        Zeitraum

        • März 2017 - September 2018

        Wissenschaftliche Projektleitung Teilprojekte IGPW:

        Mitarbeiter/-innen (Teilprojekte IGPW)

        Partner

        • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Center für lebenslanges Lernen (C3L)

        Förderung

        • Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Mit dem Präventionsgesetz (PrävG) erging an die Pflegekassen ein erweiterter Präventionsauftrag zur Gesundheitsförderung bei Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern. Das gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) und der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg soll dazu beitragen, stationäre Pflegeeinrichtungen im Aufbau und in der Ausgestaltung von gesundheitsfördernden ganzheitlichen Strukturen für die Bewohnerinnen und Bewohner zu unterstützen. 

        Die Grundlage bildet hierbei der vom GKV-Spitzenverband entwickelte Leitfaden zur Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen, in welchem aus den Zielen der nationalen Präventionsstrategie die entsprechenden Präventionsziele für die stationäre Pflege abgeleitet und gleichzeitig fünf Handlungsfelder definiert wurden: Ernährung, körperliche Aktivität, kognitive Ressourcen, psychosoziale Gesundheit und Gewalt.

        Ziel

        Die im Rahmen des Verbundvorhabens am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft bearbeiteten Teilprojekte haben das Ziel, Konzepte zu Maßnahmen und Interventionen im Sinne der Verhältnis- und Setting-basierten Verhaltensprävention für die Handlungsfelder „Kognitive Ressourcen“ und „Psychosoziale Gesundheit“ zu analysieren und zu entwickeln. Mit deren Hilfe sollen konkrete Strategien und Beratungsangebote für stationäre Pflegeeinrichtungen erarbeitet werden.

        Methodisches Vorgehen

        Mittels einer vorgelagerten Reviewstudie werden präventive und gesundheitsfördernde Interventionen im Rahmen des §5 SGB XI für Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen hinsichtlich der beiden Handlungsfelder ermittelt und analysiert. 

        Die in der Reviewstudie identifizierten Maßnahmen bilden die Grundlage für die Entwicklung:

        a) eines Bildungsangebotes für Pflegende in stationären Pflegeeinrichtungen sowie 

        b) eines Qualifizierungskonzeptes für Multiplikator/-innen, die Implementierungsprozesse initiieren und begleiten.

        Beide Fortbildungsmaßnahmen werden in einer Pilotphase implementiert und in Hinblick auf Durchführbarkeit und Umsetzung der vermittelten Inhalte evaluiert.

         Stichworte

        • Prävention
        • Pflegeheim
        • Bildungs- und Beratungsintervention
        • Kognitive Ressourcen
        • Psychosoziale Gesundheit

        Pressemitteilung (Link)

        https://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=2882&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5743&cHash=51afc5aba3b146750189bf7a34e6eab4

        Kurztitel

        • SCAN

        Zeitraum

        • 02/2012 – 12/2015

        Leitung

        • Alexander Bauer 

        Mitarbeiter

        • Dr. Stephanie Boese
        • Eva-Maria Fach

        Partner

        • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Dr. Susanne Unverzagt)

        Förderung

        • Bundesministerium für Bildung und Forschung (SCAN, FKZ: 01GY1143)

        Projektausführung

        • Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
        • HELIOS Klinik Sangerhausen
        • HELIOS Klinik Eisleben
        • Diakonissenkrankenhaus Dessau gGmbH
        • AMEOS Klinik Schönebeck
        • AMEOS Klinikum Aschersleben
        • Carl-Basedow-Klinikum Saalekreis
        • Evangelisches Diakonissenkrankenhaus Leipzig gGmbH
        • Klinikum Magdeburg gemeinnützige GmbH

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Nach wie vor problematisch ist das Sektor-übergreifende Management von Patienten mit kurativem Therapieziel von der Primärtherapie bis hin zur Unterstützung bei der Bewältigung therapiebedingter Nebenwirkungen. Dass vor allem die gesundheits­bezogene Lebensqualität bei Patienten mit kolorektalem Karzinom erheblich beeinträchtigt ist, zeigen aktuelle bevölkerungsbasierte Untersuchungen von Weißflog et al. (2012). Demnach kann durch die flächendeckende Etablierung zertifizierter Darmzentren allein eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität nicht erreicht werden. Zugleich konnten Graca-Pereira et al. (2012) nachweisen, dass Patienten mit kolorektalem Karzinom auch ohne Indikation zur adjuvanten Chemotherapie nach chirurgischer Resektion einen signifikant erhöhten psychosozialen und medizinischen Unterstützungsbedarf haben. 

        Ziel

        Durch ein kontinuierliches, standardisiertes Assessment und eine pflegerische Beratung soll der Anteil der Patienten um 15 Prozentpunkte erhöht werden, die eine klinisch relevante Verbesserung der gesundheits­bezogenen Lebensqualität binnen 8 Wochen nach Entlassung erreichen.

        Design und Methode

        In einer multizentrischen randomisiert-kontrollierten Studie wird an mindestens sechs Kliniken in Sachsen-Anhalt eine pflegerische telefonische Beratung umgesetzt. Es sollen 370 Patienten rekrutiert werden, von denen 185 Personen durch speziell geschultes Pflegepersonal (SCAN) in der nachstationären Phase betreut werden. 

        Intervention

        Die Patienten der Interventionsgruppe werden durch speziell geschulte Pflegefachkräfte (Supportive Cancer Care Networkers, SCAN) in der nachstationären Phase telefonisch betreut. Dies beinhaltet das regelmäßige Erfassen und Besprechen relevanter Informationen wie Symptombelastung, organisatorische und logistische Probleme, psychischer Unterstützungsbedarf oder Informationsbedarfe. Auf dieser Basis erfolgt bei Bedarf die zeitnahe Koordination von Regelversorgungsmaßnahmen durch die SCAN.

        Endpunkte

        Als primärer Endpunkt wird die globale gesundheitsbezogene Lebensqualität gewählt. Die Stichprobengrößenberechnung beruht auf einem erwarteten Unterschied im Erreichen einer klinisch relevanten Verbesserung von 15 Prozentpunkten zwischen der Intervention und der Standardbehandlung. Als sekundäre Endpunkte werden das krankheitsfreie Überleben nach 8 Monaten, die Patientenzufriedenheit und Versorgungspfade (EORTC IN-PATSAT 32) sowie therapie-assoziierte klinische Parameter wie Angst/Depression (Distress-Thermometer) und der MDASI-G (Symptombelastung und Funktionalität) erfasst.

        Ergebnisse

        Es wird erwartet, dass der Anteil der Patienten, die eine klinisch relevante Verbesserung der globalen gesundheitsbezogenen Lebensqualität erreichen, durch die pflegerische Beratungsintervention um 15 Prozentpunkte erhöht werden kann. 

        Kurztitel

        • SCIRE

        Zeitraum

        • 10/2008 – 09/2009

        Leitung

        Mitarbeiter

        • Kristin Bretschneider 
        • Stephanie Schmidt

        Partner

        • Forschungsverbund Rehabilitationswissenschaften Sachsen-Anhalt-Thüringen

        Förderung

        • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Umfangreiche Forschung zum Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Gesundheit in den letzten Jahrzehnten konnte nachweisen, dass Nichterwerbsphasen mit einer schlechteren Gesundheit einhergehen und dass sich der Gesundheitszustand mit steigender Dauer der Beschäftigungslosigkeit zunehmend verschlechtert. Weiterhin ist bekannt, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden Arbeitsloser häufig auf progrediente chronische oder chronifizierende Erkrankungen zurückführen lassen. Analysen zum Frühberentungsgeschehen konnten zeigen, dass Personen die aus einer Nichterwerbsphase in Erwerbsminderungsrente zugehen, zuvor signifikant seltener an einer medizinischen Rehabilitation teilgenommen haben. Zudem hat sich eine Reihe von Studien mit den Fragen befasst, was die Reha-Antragstellung seitens der potenziell rehabedürftigen Versicherten beeinflusst. Ziel des beantragten Screeningprojektes ist es zu prüfen, ob das Wissen über "Risikoprofile" von Arbeitslosen, zu denen im Projekt "Frühberentete ohne Rehabilitation" diagnostische und erwerbsbiographische Merkmale ermittelt wurden, sich mit dem Risiko einer Frühberentung ohne Rehabilitation verbundene Eigenschaften zusammenzufassen lassen und für ein Screening zugunsten der rehabilitationsbedürftigen Versicherten zu nutzen sind. Als Einflussfaktoren besitzen insbesondere die Kenntnis über mögliche Rehabilitationsleistungen, der Krankheitsverlauf und die Empfehlung einer Reha-Teilnahme durch Dritte umfassende Evidenz.

        Fragestellung 

        Zielgröße der Studie sind die Bedingungen für ein wirksames Screening der betroffenen Risikogruppe und eine reibungslose Überleitung an einen Rehaberater der Arbeitsagentur oder DRV, je nach versicherungsrechtlichen Voraussetzungen und nach der Art des medizinischen und/oder beruflichen Rehabilitationsbedarfes. Gerade eine direkte Ansprache, Beratung oder Aufforderung zur Rehabilitation scheint für "Reha vor Rente" besonders förderlich zu sein.

        Methoden 

        Bei der Studie handelt es sich um

        • eine Sekundäranalyse zur Ableitung der Risikokonstellationen zu - möglicherweise geschlechtsspezifischen - "Risikoprofilen" Arbeitsloser besonders bei Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen; Stichprobe hierzu sind Datensätze zum Rentenzugang der Deutschen Rentenversicherung.

        • eine qualitative Analyse des aktuellen Geschehens der Ermittlung von Rehabilitationsbedarf in den Servicestellen der Bundesagentur für Arbeit und bei den Trägern des SGB II.

        Aufgaben und Methoden des Projektes sind:

        1. die Erarbeitung und Zusammenfassung von Risikokonstellationen zu - möglicherweise geschlechtsspezifischen - "Risikoprofilen" Arbeitsloser

        2. die Durchführung und Auswertung von Experteninterviews mit Beraterinnen sowie Leiterinnen von Servicestellen der Bundesagentur für Arbeit und der Träger des SGB II in Sachsen-Anhalt zu den Vorgaben (Soll-Verlauf) und zum tatsächlichen Handeln hinsichtlich der Erhebung von Screening-Indikatoren potentiellen Rehabilitationsbedarfs und der Beratung in Richtung medizinischer und beruflicher Rehabilitation. Die Experteninterviews werden durch den Einsatz von Fallvignetten unterstützt, bei denen spezifisches professionelles Handeln in definierten Situationen simuliert wird.

        3. eine Prüfung, ob die aus den Risikoprofilen Arbeitsloser abzuleitende Screening-Indikatoren in die von den Beraterinnen der Servicestellen benutzten Gesprächsleitfäden und damit in die Beratungswege zu integrieren sind, sowie ggf. Empfehlungen zur Umsetzung einer solchen Integration und zu der Frage, wie aktualisierte Kenntnisse der DRV über Risikoprofile regelmäßig in die Beratungsroutinen der Servicestellen der Bundesagentur für Arbeit eingespeist werden können. Hierzu wird eine abschließende Expertenrunde konstituiert.

        Aus den Risikoprofilen sollen Screening-Indikatoren eines potentiellen Rehabilitationsbedarfs vor allem für Versicherte mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankung abgeleitet werden und in die Beratungswege der Servicestellen integriert werden. 

        Rehabilitation zwischen Transformation und Weiterentwicklung - Individualisierung und Differenzierung von Rehabilitation im Falle gesundheitsbedingter Exklusionsrisiken in Ost- und Westdeutschland, Schweden, Schweiz, Italien und Tschechien

        Kurztitel

        • SFB 580 - C5

        Zeitraum

        • 07/2004 - 06/2008

        Leitung

        • Prof. Dr. Johann Behrens

        Mitarbeiter

        Förderung

        • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

        Institutionelle Anbindung

        • Teilprojekt C5 des Sonderforschungsbereichs 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch: Diskontinuität. Tradition. Strukturbildung" der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. www.sfb580.uni-halle.de

        Zusammenfassung

        Fragestellung und Ziel

        Analysiert werden die unterschiedlichen sozialen und individuellen Akteurperspektiven der Klienten, der Leistungsträger und der Leistungserbringer der ambulanten und stationären Versorgung nach der Übernahme der westdeutschen Strukturen. Auf institutioneller Ebene wird in der Annahme, dass gesellschaftliche Differenzierungs- und Individualisierungsprozesse auch für die Versorgungsstrukturen zu wechselnden Herausforderungen führen, ambulante und stationäre Rehabilitation und rehabilitative Pflege in ihren unterschiedlichen Bedeutungen für professionelles Handeln als assistierende Hilfe, die nach dem Neunten Sozialgesetzbuch "Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft" fördern und ermöglichen soll, untersucht. Als exemplarisches Versorgungsproblem werden rehabilitative Pflege und medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation nach dem Ereignis eines Schlaganfalls verfolgt.

        Hintergrund und Forschungsstand

        Das Vorhaben widmet sich zwei überlagernden "Challenges": Die westdeutschen Rehabilitations- und Pflegeanstalten zur Bewältigung von Inklusionsrisiken ersetzen die eher betriebszentrierten Einrichtungen der DDR genau in dem Moment, in dem die westdeutschen Anstalten selber durch den demographischen Wandel und Effektivitätsnachweise herausgefordert werden. Dadurch ergibt sich in den kommenden beiden Phasen des SFB die Chance, in Längsschnittsperspektive nicht nur Rehabilitation als Inklusion durch –zumindest ihrem Anspruch nach selbstbestimmte Teilhabe fördernde– Rehabilitation und Pflege, sondern auch die Entwicklung der Gesundheits- und Sozialversicherungsreform als Antwort auf den demographischen Wandel zu verfolgen.

        Arbeitsplan und Methode

        Die Analyse folgt einer zweifachen Längsschnittorientierung: 1) einer prospektiven Untersuchung individueller Verläufe als Rückkehr in den Arbeitsprozess oder Frühberentung und 2) der prospektiven Transformation gegenwärtiger lokaler Institutionalisierungen (u.a. als historischen Kompromiss der Frühberentung und der eher stationären als ambulanten Pflege und Rehabilitation) unter dem Druck der demographischen Entwicklung und der Kosten- und Vergütungsentwicklung im Sozial- und Gesundheitswesen über die kommenden acht Jahre. Die Erfassung der empirischen Materialien erfolgte durch Experteninterviews, die durch Fallvignetten ("paper patients") und Konfrontation mit folgenden repräsentativen prozessproduzierten Nutzungsdaten gestützt werden: 1.) prospektive Daten individueller Verläufe in Frührente und (stationäre) Pflege in den neuen und alten Bundesländern (eigene Datenerhebung und Routinedaten der Rentenversicherungsträger), 2.) die Erfassung und Analyse von klientenbeteiligten Beratungsgesprächen bzw. Rehabilitationsplanungen, 3.) einer Longitudinalerhebung von Rehabilitationsverläufen unter Einbeziehung von Prozessdaten und Selbstauskünften von Betroffenen oder ihrer Angehörigen.

        Transferperspektive

        Darstellung von Klienten- und Professionspräferenzen, Evidence-Basierung im internationalen Rahmen ("best practice"), Methodenentwicklung in der international komparativen Forschung

        Publikationen

        Kurztitel

        • SGB II-Studie

        Zeitraum

        • 8/2006-06/2009

        Leitung

        Mitarbeiter

        • Marlies Hauger 
        • Cornelia Hippmann 
        • Dr. Anke Höhne 
        • Dietmar Hobler 
        • Edina Schneider 
        • Dr. Markus Zimmermann

        Partner

        • Angela Rauch (IAB) 
        • Johanna Dornette (IAB)

        Förderung

        • Bundesagentur für Arbeit, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit bzw. Bundesministerium für Arbeit und Soziales

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Der Gesundheitszustand von Arbeitslosen ist häufig schlechter als der von erwerbstätigen Menschen, was sich auch in schlechteren Wiedereingliederungschancen und einer infolge dessen überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeitsdauer niederschlägt. Zudem verschlechtert sich der Gesundheitszustand mit der Dauer der Arbeitslosigkeit.

        Die Leistungen zur Teilhabe am Erwerbsleben stellen dabei ein wichtiges sozialpolitisches Instrument dar, die Erwerbschancen gesundheitlich beeinträchtigter Menschen zu erhalten bzw. zu verbessern um so die Chance auf eine Reintegration ins Erwerbsleben zu unterstützten. Mit der Einführung des SGB II im Jahr 2005 waren umfangreiche Veränderungen der Zugangswege in berufliche Rehabilitation von Langzeitarbeitslosen verbunden. Kostenträgerschaft und Prozessverantwortung sind nunmehr in verschiedenen Arbeitsmarktinstitutionen verankert, wobei im Rahmen der Wiedereingliederung die Arbeitsagentur für die Steuerung des Rehabilitationsprozesses zuständig ist und die ARGEn bzw. Optionskommunen die Finanzverantwortung tragen.

        Das Forschungsprojekt, welches im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) durchgeführt wurde, fragt somit, wie sich die veränderten Zugangswege und -bedingungen gestalten.

        Methodik, Studiendesign 

        Auf Basis einer geschichteten Stichprobe (Arbeitsmarktlage, Siedlungsstruktur und Ost-West-Differenzierung) wurden 32 leitfadengestützte Experteninterviews bundesweit mit Arbeitsvermittlern, Fallmanagern und Reha-Beratern in ARGEn, Optionskommunen und Arbeitsagenturen durchgeführt. Mit Hilfe von vier spezifisch definierten Fallvignetten wurden mit den Gesprächspartnern beispielhafte Fallkonstellationen diskutiert. Somit konnte Varianz im professionellen Handeln in den unterschiedlichen Institutionen der Betreuung und Vermittlung von Arbeitssuchenden mit gesundheitlichen Einschränkungen erfasst und mittels qualitativer Inhaltsanalyse komparativ ausgewertet werden.

        Ergebnisse 

        Die neuen rechtlichen Regelungen des SGB II haben auch für berufliche Rehabilitation weitereichende rechtliche Konsequenzen (vgl. Schubert et al. 2007). Zunächst ist konstatierbar, dass die Handlungsmaxime der schnellen (Re-)Integration (SGB II) in ihrer praktischen Umsetzung nicht selten einer dauerhaften Eingliederung (SGB IX) entgegensteht. Zudem verliert der erlernte Beruf mit dem SGB II deutlich an Bedeutung, da dieser nicht mehr ausschließlich Grundlage der Fallbearbeitung ist, sondern auch jede andere Tätigkeit als zumutbar definiert ist. Weiterhin wird, deutlich beeinflusst vom nun zusammengefassten Personenkreis der Arbeitslosen- und Sozialhilfe, eine Veränderung der Klientenstruktur festgestellt (Zunahme umfangreicherer individueller Problemlagen und psychischer Erkrankungen). Dies hat unter dem Kriterium der individuellen Rehabilitationsfähigkeit ebenso Auswirkungen auf den Zugangsprozess in berufliche Rehabilitation.

        Zudem wird berichtet, dass Betroffenen häufig aus finanziellen Gründen keine Rehabilitationsleistungen in Anspruch nehmen würden, da sich die finanzielle Absicherung während der Maßnahme auf dem Existenzminimum bewegt.

        Darüber hinaus ist zu konstatieren, dass mit dem SGB II und der gesetzlich getrennten Kompetenzverteilung auch medizinischen Fachgutachten ein anderer Stellenwert zukommt.

        Diskussion und Schlussfolgerungen 

        Die benannten Aspekte zeigen einen deutlichen Einfluss auf den Zugang in berufliche Rehabilitation bei von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen. Die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen eine deutliche Herausforderung für berufliche Rehabilitationsleistungen insgesamt und die am Zugang beteiligten professionellen Akteure dar.

        Die spezifischen Problemlagen und gesundheitlichen Belastungsprofile Betroffener führen verstärkt zu einer Verschiebung zwischen den (im SGB II umfangreichen) "allgemeinen" Maßnahmen und den "besonderen" Leistungen, zu denen berufliche Rehabilitation zählt. So versprechen auch Anbieter "allgemeiner" Leistungen zur Arbeitsmarktintegration spezifische Gesundheitsprobleme berücksichtigen zu können und sind zudem deutlich kostengünstiger.

        Durch die Fokussierung auf eine schnelle Vermittlung im SGB II in Verbindung mit den umfassenden Zumutbarkeitsregelungen (Verweisbarkeit auf eine andere "leidensgerechte" Tätigkeit) und individuelle Nichtinanspruchnahmemotive könnte der Teilbereich der berufsspezifische Rehabilitation zudem deutlich an Bedeutung verlieren. Als Folge sinken zwar die sozialpolitischen Ausgaben deutlich, die Chancen auf eine dauerhafte Wiedereingliederung der Betroffenen ohne spezifische Qualifikationsangebote jedoch oftmals auch.

        Publikationen

        • Rauch, A.; Dornette, J.; Schubert, M.; Behrens, J. (2008): Berufliche Rehabilitation in Zeiten des SGB II. IAB-Kurzbericht 25/2008. 
        • Schubert, M; Behrens, J.; Höhne, A; Zimmermann, M. (2008): Verliert berufliche Rehabilitation bei Langzeitarbeitslosigkeit an Bedeutung? Prozesse und Einflussfaktoren des Leistungszugangs. In: DRV (Hrsg.): Evidenzbasierte Rehabilitation – zwischen Standardisierung und Individualisierung, Bad Homburg, 246-248. 
        • Dornette, J.; Rauch, A; Schubert, M.; Behrens, J.; Höhne, A.; Zimmermann, M. (2008): Auswirkungen der Einführung des Sozialgesetzbuches II auf erwerbsfähige hilfebedürftige Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. In: Zeitschrift für Sozialreform, 54, 1, 79-96. 
        • Schubert, M.; Behrens, J.; Hauger, M.; Hippmann, C.; Hobler, D.; Höhne, A.; Schneider, E.; Zimmermann, M. (2007): Struktur- und Prozessänderungen in der beruflichen Rehabilitation nach der Einführung des SGB II. In: Dornette, J; Rauch, A: Berufliche Rehabilitation im Kontext des SGB II. IAB-Bibliothek, 309, 7-87. 

        Kurztitel

        • SPUPEO

        Förderzeitraum

        • 01.03.2012 - 30.06.2017

        Leitung

        Mitarbeiterinnen

        • Birte Berger-Höger (B.Sc., M.Ed.)
        • Dr. phil. Katrin Liethmann (Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel)
        • Univ.-Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser (Gesundheitswissenschaften, MIN Fakultät der Universität Hamburg)

        Förderung

        • Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen des Nationalen Krebsplans (Förderkennzeichen NKP – 332 – 054)

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Frauen mit Brustkrebs möchten an der Behandlungsentscheidung partizipieren. Leitlinien haben das Recht auf die informierte gemeinsame Entscheidungsfindung (Informed Shared Decision Making= ISDM) verbrieft. Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass die Umsetzung von ISDM aufgrund fehlender Ressourcen der Ärzte, einem Kräfte-Ungleichgewicht zwischen Patientinnen und Ärzten und fehlender evidenzbasierter Patienteninformationen unzureichend ist. Es wurde ein ISDM-Programm für Frauen mit primärem Duktalem Carcinoma in situ (DCIS) entwickelt. Das Programm beinhaltet ein Decision Coaching durch spezialisierte Pflegefachkräfte und zielt auf die Verbesserung der Einbeziehung in die Entscheidungsfindung und informierten Entscheidungen der Patientinnen ab.

        Das Ziel der Studie ist die Evaluation der ISDM-Intervention in zertifizierten Brustzentren.

        Methoden

        Es wird eine cluster- randomisiert kontrollierte Studie durchgeführt, um die ISDM-Intervention mit der Standardversorgung zu vergleichen.

        Das Programm umfasst eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe, ein Training für Ärzte (2 Stunden) und spezialisierte Breast Care Nurses und onkologisch Fachpflegende (4 Tage) in ISDM.

        16 zertifizierte Brustzentren werden in die Studie eingeschlossen, um 192 Patientinnen mit primärem DCIS einzuschließen.

        Der primäre Endpunkt ist das Ausmaß der Einbeziehung der Patientinnen in die Entscheidungsfindung gemessen durch das Beobachtermaß MAPPIN-Odyad (Multifocal approach to the ‘sharing’ in shared decision-making: observer instrument dyad).

        Sekundäre Endpunkte umfassen die Submaße des MAPPIN-Inventars (MAPPIN-Onurse, MAPPIN-Ophysician, MAPPIN-Opatient, MAPPIN-Qnurse, MAPPIN-Qpatient, MAPPIN-Qphysician), Informierte Entscheidung, Entscheidungskonflikt und die Dauer der Konsultationen.

        Erwartete Ergebnisse

        Es wird erwartet, dass das Decision Coaching und die Nutzung einer evidenzbasierten Entscheidungshilfe das Ausmaß der Patientinneneinbeziehung in die Entscheidungsfindung und den Anteil an informierten Entscheidungen erhöhen und die Entscheidungskonflikte und Dauer der Arztgespräche reduzieren. Zudem wird eine begleitende Prozessevaluation durchgeführt.

        Studienregistrierungsnummer:

        • Current Controlled Trials ISRCTN46305518, Datum der Registrierung: 05.06.2015

        Publikationen

        Kurztitel

        • Studieren mit Kind

        Zeitraum

        • Januar 2018 – April 2019

        Leitung

        Mitarbeiterin

        Förderung

        • Hochschulpaktmittel

        Zusammenfassung

        Hintergrund

        Seit 2009 ist die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit dem Zertifikat audit familiengerechte hochschule ausgewiesen. Das Zertifikat wird Hochschulen und Universitäten verliehen, die sich durch ein familienfreundliches Engagement und eine nachhaltige familienbewusste Studien- und Personalpolitik auszeichnen.

        Die Vereinbarung von Studium und Elternschaft stellt jedoch gerade im Medizinstudium eine besondere Herausforderung dar. Eine geringe Flexibilität in der Studienorganisation (bspw. durch weitgehende Anwesenheitspflicht, feste Kurse und fehlende Möglichkeiten zum Nachholen einzelner Veranstaltungen oder Prüfungen) sowie der unklare Umgang mit Fehlzeiten aufgrund der Erkrankung eines Kindes sind nur einige Probleme, mit denen sich studierende Eltern der Universitätsmedizin konfrontiert sehen.

        Vor dem Hintergrund des grundsätzlichen Gleichbehandlungsgebotes soll potenziellen Benachteiligungen aufgrund individueller Lebenslagen, wie die Elternschaft, vorgebeugt werden. Dazu sind neben speziellen Beratungsangeboten für studentische Eltern sowie einer familien- bzw. kinderfreundlichen Ausstattung (Wickel- und Stillräume, mobile Laufgitter) insbesondere ein Verständnis und Problembewusstsein auf Seiten der Lehrenden und Lehrverantwortlichen sowie deren Bereitschaft zur Entwicklung flexibler Lösungen für Studierende mit Kind bzw. Kindern erforderlich.

        Ziel

        Das Ziel des Vorhabens besteht in der Entwicklung und Bereitstellung einer Online-basierten Ressource zum Thema Studieren mit Kind an der Medizinischen Fakultät der MLU. Mit diesem Internetangebot werden alle relevanten Informationen für studierende Eltern rund um das Studium der Medizin, Zahnmedizin und Gesundheits- und Pflegewissenschaft gebündelt zur Verfügung gestellt. Übergeordnetes Projektziel ist die Förderung und Weiterentwicklung familienfreundlicher Studienbedingungen.

        Methodisches Vorgehen

        Zunächst werden die Bedarfe und Bedürfnisse Studierender mit Kind an der Universitätsmedizin Halle mittels Fokusgruppendiskussion exploriert. In einem gemeinsamen Workshop relevanter fakultätsinterner und –externer Akteure der MLU sollen exemplarische, den Bedürfnislagen der studierenden Eltern entsprechende Lösungen generiert werden. Nach Entwicklung eines Gesamtkonzeptes wird dieses in ein internetbasiertes Informationsangebot zur Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft übersetzt. In der Pilotphase wird das Internetangebot mit studierenden Eltern der Studiengänge Medizin, Zahnmedizin und Gesundheits- und Pflegewissenschaft (geplant: n=20) erprobt und ggf. optimiert. Die Dissemination der Informationsressource erfolgt inner- und außerfakultär in den einschlägigen Gremien der MLU.

        Stichworte

        • Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft
        • familienfreundliche Hochschule
        • Internet-basiertes Informationsangebot

        Zeitraum

        • 01.09.2018 - 31.10.2019

        Projektleitung

        Mitarbeiter/-in

        Förderung

        • Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (Subkontrakt; in Kooperation mit Ramboll Management Consulting GmbH)

        Hintergrund

        Fachliche Beratung und Begleitung der Konzipierung und Durchführung von Sächsischen Regionaldialogen zur Pflege in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Aufgaben u. a. Themenauswahl und -bearbeitung für die Regionaldialoge, Akquise von Expert/innen für die Regionaldialoge über fachliche Netzwerke, eigene Expertinnenbeiträge (z. B. Referentin/Diskussionspartnerin/Moderation) bei ausgewählten Regionaldialogen, Akquise von studentischen Hilfskräften für die Durchführung und Dokumentation der Veranstaltungen. Unterstützung bei der nachhaltigen Implementierung (z. B. Schulung von Multiplikatoren/innen), Teilnahme an ausgewählten Präsenz-/Telefonterminen im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz sowie fachlich-strategische Beratung.

        Kurztitel

        • Technische Pflegeassistenz-Systeme

        Zeitraum

        • 07/2010 - 06/2013

        Leitung

        Mitarbeiter

        Partner

        • Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät I, Institut für Psychologie, PD Dr. Gundula Hübner (Projektkoordination) 
        • Hochschule Harz, Fachbereich Telekommunikation und optische Nachrichtentechnik, Prof. Dr. Dr. Ulrich Fischer-Hirchert 
        • Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Rehabilitationsmedizin, Prof. Dr. Wilfried Mau 
        • Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, Fachbereich Design, Prof. Frithjof Meinel

        Förderung

        • Kultusministerium Sachsen-Anhalt (WZW)

        Zusammenfassung 

        Hintergrund und Fragestellung

        Das Land Sachsen-Anhalt steht vor schwerwiegenden demographischen Herausforderungen. Im Vergleich mit anderen Bundesländern verschlechtert sich hier die demographische Situation überdurchschnittlich stark und schnell. Zwischen 1990 und 2006 verlor Sachsen-Anhalt 13,2 % seiner Bevölkerung. Diese Entwicklung wird in den kommenden Jahren noch an Geschwindigkeit zunehmen. Das statistische Landesamt Sachsen-Anhalt prognostiziert im Harzkreis ein Bevölkerungsrückgang um 15,5 % ausgehend von 2008 bis 2020. Den sich aus dieser demographischen Entwicklung ergebenden Versorgungsdefiziten gilt es in den nächsten Jahren entgegenzuwirken, um einer älter werdenden Bevölkerung eine breite und bezahlbare medizinische wie pflegerische Gesundheitsversorgung anbieten zu können und ländliche Räume attraktiv zu erhalten.

        Ziel

        Das Projekt analysiert Faktoren, welche die Akzeptanz des AAL seitens der Angehörigen von Gesundheitsberufen und potentieller Nutzer erhöhen um entsprechende Handlungsempfehlungen für die Anwendung von AAL-Technik in der Regelversorgung abzuleiten. Um dieses Ziel zu erreichen, umfasst das Forschungsprojekt zwei Module. Modul I hat die praktische Anwendung und Optimierung von AAL in der häuslichen Langzeitversorgung zum Gegenstand. Modul II fokussiert auf die Bedürfnisse seitens der Nutzer und eine entsprechende akzeptanzfördernde Schnittstellengestaltung. Die Ergebnisse der Benutzeranalyse fließen zudem in die Gestaltung des Strategieplans für die Versorgung im ländlichen Raum (Modul I) ein. 

        Methoden

        Um die Problematik der proprietären Insellösungen der heutigen technischen Telematik-Angebote zu überwinden, werden alle benötigten Applikationsbereiche in einem Usability-Testbed zusammen gefasst und exemplarisch umgesetzt. Ein Haushalt wird dazu mit AAL ausgerüstet. Dabei soll im Vorfeld mit ausgewählten Testklienten und Pflegedienstmitarbeitern die Telemetrienutzung im AAL-Technikum der Hochschule Harz validiert werden. Neben einer begleitenden Akzeptanzanalyse, in welche sowohl die Pflegemitarbeiter wie Nutzer (basierend auf Modul II) einbezogen werden, soll die Sicherheit der Patientendaten im angestrebten Online-Datenabgleich überprüft werden. Die Aufgabe der Antragsteller und ihrer Kooperationspartner ist es, mögliche IT-Schnittstellen zu definieren und entsprechende anforderungsspezifische Lösungen zu konzipieren, welche die technische Grundlage für tragfähige Business-Case-Modelle im Harzkreis bilden.

        Stichworte

        • Demographischer Wandel
        • Ambient Assisted Living 
        • Versorgungsforschung 

        Kurztitel

        • Telemedizin bei chronischer Herzinsuffizienz

        Zeitraum

        • 7/2007 - 3/2008

        Leitung 

        • Prof. Dr. Margarete Landenberger (Projektleitung) 
        • Dr. Anke Höhne (wiss. Leitung)

        Mitarbeiter

        • Dr. Alexander Bauer

        Partner

        Förderung

        • IKK gesund plus

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Die Versorgung chronisch kranker Menschen ist eine der größten Herausforderungen des deutschen Gesundheitswesens. Die Chronische Herzinsuffizienz war mit einem Anteil von 5,7 Prozent aller Sterbefälle in Deutschland 2006 die dritthäufigste Todesursache. Kardiovaskuläre Erkrankungen stehen insgesamt auf Platz eins der Todesursachen in Deutschland (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006).

        Auch in ökonomischer Hinsicht stellt die Chronische Herzinsuffizienz einen bedeutsamen Faktor dar. Der Anteil der Behandlungskosten für diese Erkrankung an den bundesweit insgesamt aufgewendeten Gesundheitsausgaben wird auf bis zu zwei Prozent oder 4,8 Mrd. Euro geschätzt (vgl. Szucs & Sokolovic, 2000). Hinzu kommt der Umstand, dass sowohl die Inzidenz als auch die Prävalenz eine Chronische Herzinsuffizienz auszubilden, in den vergangenen Jahren international stetig gestiegen ist und prognostisch weiter ansteigen wird (vgl. Yusuf et al., 2000).

        Telemedizinische Versorgungsstrukturen sind in der letzten Zeit vermehrt in den Fokus der am deutschen Gesundheitswesen Beteiligten gerückt, da sie eine mögliche Antwort auf mehrere Problemfelder der Versorgung chronisch Kranker darstellen. Die telemonitorische Betreuung ermöglicht dabei durch die regelmäßige Überwachung relevanter Vitalparameter eine ökonomisch günstige Variante der Versorgung chronisch herzkranker Versicherter dar, die zudem dabei helfen kann, frühzeitig einer sich abzeichnenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes und langfristig der Progredienz der chronischen Erkrankung entgegenzuwirken.

        Fragestellung 

        Das Forschungsprojekt verfolgt zwei wesentliche Fragestellungen:

        1. Wie beurteilen die telemedizinisch versorgten Versicherten die Qualität der Versorgung?
          Die IKK gesund plus bietet seit 2005 im Rahmen eines Modellprojekts für Versicherte mit einer chronischen Herzinsuffizienz eine telemedizinische Versorgung an, die durch die Firma PHTS angeboten wird (Personal HealthCare Telemedicine Services, Düsseldorf, www.phts.de). Relevante medizinische Vitalparameter (Blutdruck, Gewicht) werden dabei täglich von den Versicherten mit Hilfe der entsprechenden bereitgestellten medizinischen Geräte erfasst und telefonisch an PHTS weitergeleitet, wo sie in einer elektronischen Patientenakte verwaltet und ausgewertet werden. Der Service von PHTS umfasst darüber hinaus die Möglichkeit, rund um die Uhr medizinischen Rat im telemedizinischen Zentrum einholen zu können.
          Im Mittelpunkt der schriftlichen Befragung der Programmteilnehmer stehen Fragen zur Inanspruchnahme und Zufriedenheit mit der Qualität des telemedizinischen Services von PHTS. Um zu überprüfen, ob die telemedizinische Betreuung aus Sicht der Patienten als eine Verbesserung gegenüber der regulären Versorgung empfunden wird, wird ein Kontrollgruppendesign realisiert. Neben N="108" telemedizinisch betreuten Patienten werden als Vergleichsgruppe N="303" regulär versorgte Herzpatienten in die Befragung einbezogen. Für beide Probandengruppen wurden jeweils spezifische Fragebögen entwickelt, die jedoch in weiten Teilen identische Fragekomplexe und -formulierungen beinhalten, so dass die Untersuchungsergebnisse der beiden Patientengruppen miteinander verglichen werden können.
        2. Können durch eine telemedizinische Versorgung die Behandlungskosten für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz gesenkt werden?
          Im Rahmen einer gesundheitsökonomischen Analyse auf Basis der Routinedaten der IKK gesund plus (Inanspruchnahme der Notfallversorgung, Anzahl, Dauer und Kosten stationärer Krankenhausaufenthalte, Häufigkeit ambulanter Arztbesuche sowie Medikamentenkosten) wird untersucht, ob die telemedizinische Versorgung zu einer Kostendifferenz führt. Hierbei werden einerseits die Kostenrelation vor und seit der Teilnahme am Telemedizinprogramm betrachtet. Andererseits wird analysiert, in welcher Weise die telemedizinische Betreuung die entstehenden Kosten im Vergleich zur regulären Versorgung beeinflusst. Die gesundheitsökonomische Analyse wird als Kosten-Kosten-Analyse, als Kosten-Wirksamkeitsanalyse und als Kosten-Nutzwert­analyse realisiert.

        Methoden 

        Auf Basis des Kontrollgruppendesigns wird mit Hilfe einer schriftlichen Versichertenbefragung überprüft, ob die medizinischen und ökonomischen Ziele der telemedizinischen Betreuung erreicht werden können. Hierzu zählen die Verbesserung der Lebensqualität, die Sensibilisierung für Risikosymptome und eine damit verbundene nachhaltige Veränderung des Lebensstils ebenso wie die medizinischen Outcomes Reduktion des Risikos medizinischer Folgeschädigungen und Verschlechterung des kardialen Gesundheitszustandes.

        Aus ökonomischer Sicht soll die Telemedizin zu einer Abnahme der Hospitalisierungsrate und der stationären Verweildauer und damit letztlich zu einer signifikanten Kostensenkung beitragen. Die ökonomischen Aspekte werden durch eine vergleichende Analyse der von der IKK gesund plus zur Verfügung gestellten Routinedaten der ausgewählten Patienten für den Zeitraum 2004-2006 untersucht (gesundheitsökonomische Evaluation).

        Diskussion 

        Die Ziele der telemedizinischen Versorgung chronisch herzkranker Versicherter lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

        • Abnahme der Hospitalisierungsrate
        • Verringerung der stationären Verweildauer
        • Reduktion der Gesamtkosten für Klinik und Praxis
        • Reduktion medizinischer Folgeschäden
        • Erhöhung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
        • Erhöhung der Versorgungszufriedenheit
        • Verbesserung des krankheitsbezogenen Wissens

        Kurztitel

        • ViP

        Zeitraum

        • 2005 - 2008

        Leitung

        Mitarbeiter

        • Dr. Rolf Müller

        Partner

        • GEK

        Förderung

        • Auftragsforschung des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz 

        Kurztitel

        • WISDE / T6

        Zeitraum

        • 02/2007 - 01/2010

        Leitung

        • Prof. Dr. Johann Behrens
        • Katharina Sadowski

        Mitarbeiter

        Partner

        • Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Sachsen-Anhalt und Sachsen
        • Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Hessen und Bayern

        Förderung

        • BMBF

        Zusammenfassung

        Hintergrund 

        Die Demenz ist eine der häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter. In Deutschland sind zurzeit schätzungsweise 953.000 Menschen von einer mittelschweren bis schweren Demenz betroffen; jährlich erkranken ca. 200.000 Menschen neu. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung wächst die Bedeutung der institutionalisierten Versorgung der Betroffenen: Nach Schätzungen werden in Deutschland 40% aller Demenzkranken in Einrichtungen versorgt (Bickel 1995, 2001). Laut einer Studie des BMG haben etwa 69% aller in Einrichtungen lebenden Bewohner eine Demenz (vgl. Hirsch/Kastner 2004; BMFSFJ 2006).

        Neben den kognitiven Störungen sind es vor allem die nicht-kognitiven oder sekundären Symptome einer Demenzerkrankung wie Apathie, Angst, Depression, Aggressivität und herausforderndes Verhalten, welche das Leben der Betroffenen aber auch deren Begleitung erschweren (vgl. Wächter 2003). Nach Swearer (1988) kommt es bei etwa 80% der Betroffenen zu herausforderndem Verhalten. Die Schwierigkeit sich verständlich zu machen und zu verstehen behindert den kommunikativen Zugang der Betroffenen zu ihrer Umwelt ebenso wie umgekehrt, wodurch Demenz vordergründig als ein beiderseitiges Kommunikationsproblem gesehen werden kann. Oftmals bewegen sich Betroffene und Begleiter auf unterschiedlichen Interpretationsebenen, so dass häufig Zugangswege zu den Betroffenen verschlossen bleiben. Diese unterschiedlichen Interpretationen von Handlungen und Äußerungen wirken in einer "verrückten" Welt bedrohlich für die eigene Identität und Integrität.

        Pflegende haben die Möglichkeit, über die Nutzung und Aktivierung noch verbliebener Ressourcen Interpretationsspielräume anzubieten, um mit den Betroffenen in Beziehung zu treten und Kommunikation von beiden Seiten zu ermöglichen. Als Ressourcen können, je nach Schweregrad der Demenz, biografisch bedeutsame Erinnerungen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Wahrnehmungen auf der somatischen und emotionalen Ebene verstanden werden. Zur Aktivierung dieser Ressourcen steht im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen eine Vielzahl von Interventionen zur Auswahl. Aber auch der Umgang mit den Betroffenen sowie die räumlichen, sächlichen und zeitlichen Rahmenbedingungen spielen hierfür eine wesentliche Rolle.

        Fragestellung 

        Verschiedene pflegerische Interventionen werden in sehr unterschiedlicher Art und Weise teilweise mit großer Euphorie, meist jedoch allein auf Grund interner Evidence angewendet. Somit ist sowohl eine Legitimation vor Entscheidungsträgern als auch die Umsetzung eines gleichmäßigen Qualitätsniveaus in der Praxis deutlich erschwert. Erfahrungen der Praxis zeigen, dass ein hoher Bedarf darin besteht, geeignete pflegerisch-therapeutische Interventionen im Umgang mit demenziell Erkrankten sowie deren Wirksamkeit zu identifizieren und damit Belege durch externe Evidence zu schaffen.

        Die konkrete Begleitung der demenziell erkrankten Betroffenen in stationären Einrichtungen wird momentan weder in der amtlichen Statistik noch durch wissenschaftliche Studien repräsentativ und differenziert erfasst (Bartholomeyczik et al. 2006; Deutsche Alzheimer Gesellschaft 2003). Hierdurch fehlen grundlegende Aussagen zu Art, Inhalt, Häufigkeit und Ergebnis angewendeter pflegerisch-therapeutischer Interventionsmethoden im Umgang mit Menschen mit Demenz, die ein Lernen voneinander und eine Weiterentwicklung der Begleitung von Betroffenen und deren Angehörigen wesentlich unterstützen könnten.

        In diesem Kontext ergeben sich für das Projekt die folgenden Fragestellungen:

        1. Welche therapeutischen Interventionen werden von Pflegenden und Mitarbeitern anderer Berufsgruppen zurzeit in vollstationären Einrichtungen der Altenhilfe unter welchen Rahmenbedingungen in welcher Art und Häufigkeit durchgeführt, um einen Zugang zu Menschen mit Demenz zu erhalten?
        2. Sind die therapeutischen Interventionen "10-Minuten-Aktivierung", "strukturierte Biographiearbeit" und "Snoezelen" wirksame therapeutische Interventionen für Menschen mit Demenz?

        Methoden 

        Studienarm I: Deskriptive, teilstrukturierte, teilnehmende Beobachtung eines Früh- und Spätdienstes an zwei aufeinander folgenden Tagen in 40 Einrichtungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und Bayern. Standardisierte postalische Befragung zu pflegerisch-therapeutischen Angeboten in vollstationären Altenpflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen und Bayern (Vollerhebung).

        Studienarm II: Cluster-randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie in 20 vollstationären Altenhilfeeinrichtungen. 

        Kurztitel

        • WOUNDSS

        Zeitraum

        • 04/2010 - 03/2011

        Leitung

        Mitarbeiter

        • Almuth Berg
        • Dr. Steffen Fleischer
        • Dr. Susanne Unverzagt (IMEBI, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
        • Dr. Oliver Kuß (IMEBI, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

        Partner

        Förderung

        • BMBF

        Zusammenfassung

        Üblicherweise werden chirurgische Wunden postoperativ mit Verbänden geschützt, um die Wundumgebung trocken zu halten und den Eintritt von Mikroorganismen zu minimieren. Einerseits kann durch eine frühe Entfernung des Verbandes zur Wundinspektion und -palpation die Wundumgebung mit gefährlichen Keimen kontaminiert werden, andererseits erfolgt der fibrinöse Verschluss der primär verheilenden Wunde aber bereits kurze Zeit postoperativ, so dass diese Keime nicht in die Wunde eindringen können. Einige Studien legen die Vermutung nahe, dass Wundverbände, die länger belassen werden, keine Vorteile bieten.

        Daher ist das Ziel dieser Systematischen Übersichtsarbeit, verschiedene Zeitpunkte einer Entfernung von Wundverbänden zu evaluieren. Hierbei werden alle randomisierten kontrollierten Studien eingeschlossen, die Wundverbände nach chirurgischen Eingriffen untersuchen, unabhängig davon, ob, wann und in welcher Sprache die Arbeiten publiziert wurden. Primäres Outcome bildet die Infektionsrate. Die Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse wird nach den Empfehlungen der Cochrane Collaboration, beschrieben im Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions, erstellt.

        Die Ergebnisse dieser Systematischen Übersichtsarbeit können einen Beitrag zur Qualitätssicherung in der gesundheitlichen Versorgung leisten.

        Kurztitel

        • Zeiterfassung

        Zeitraum

        • 01.05.2016 bis 31.07.2016

        Leitung

        • Prof. Dr. Gabriele Meyer

        Mitarbeiter/-innen

        • Dr. rer. medic. Steffen Fleischer
        • Dipl.-Soz. Melanie Müller

        Förderung

        • Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens e.V.

        Zusammenfassung

         

        Für die Vorbereitung der Vergütungsverhandlungen zwischen dem Diakonischen Amt Radebeul und den Kostenträgern im SGB V – HKP und SGB XI für den Zeitraum nach 2017 sollte eine Ermittlung der Zeitwerte für pflegerische Maßnahmen sowie der Wegezeiten von ambulanten Pflegediensten der Diakonie Sachsen vorgenommen werden. Zum einen wurden hierfür Zeitmessungen durch das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft (IGPW) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Pflegediensten der Diakonie Sachsen durchgeführt und zum anderen fand eine statistische Auswertung vorliegender SNAP-Daten aus dem Jahr 2015 statt.