Gemeinsame Versorgung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen: Universitätsklinikum Halle (Saale), Stadt Halle (Saale) und Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara unterzeichnen Kooperationsvertrag

Ein Kleinkind ist von hinten zu sehen. Es legt seine Hand an eine Scheibe auf die ein Regenbogen gemalt ist

Für den Kinder- und Jugendschutzen arbeiten das Universitätsklinikum Halle (Saale), die Stadt Halle (Saale) und das Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara kooperieren ab sofort noch enger zusammen.

Das Universitätsklinikum Halle (Saale), die Stadt Halle (Saale) und das Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara kooperieren ab sofort enger bei Kindeswohlgefährdungen. Dazu haben am Mittwoch (1.9.2021) Vertreter der drei Institutionen einen gemeinsamen Kooperationsvertrag unterschrieben. Ziel ist es, umgehend eine bestmögliche fallbezogene medizinische Versorgung für gefährdete Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr durch einen standardisierten Austausch untereinander anbieten zu können. In Deutschland gelten Kinder und Jugendliche als gefährdet, wenn sich das Verhalten von Erwachsenen negativ auf die Entwicklung oder die Gesundheit auswirkt.

„Wir sehen in unserer Kinderakutambulanz häufig Kinder und Jugendliche, die körperlich misshandelt werden, der Vorstellungsgrund allerdings mit einem anderen Unfallhergang beschrieben wird. Zu den Misshandlungsformen zählen bspw. Schläge, Verbrühungen oder Schütteltraumen, aber auch Fälle von sexueller Gewalt und Missbrauch sind Teil unserer täglichen Arbeit“, erläutert Dr. Marcus Stange, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter des Medizinischen Kinderschutzes an der Klinik für Pädiatrie I des Universitätsklinikums Halle (Saale).

„In den letzten Jahren haben die Fälle des Verdachts auf Kindeswohlgefährdung zugenommen. Dies bestätigt zum einen unsere eigene Statistik, zum anderen belegen dies die deutschlandweiten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Ob die Fälle tatsächlich zunehmen oder sich das Dunkelfeld durch die Sensibilisierung der Bevölkerung in den letzten Jahren nur aufhellt, ist noch unklar. Daher sind wir sehr dankbar über die zukünftig noch engere Zusammenarbeit mit der Stadt Halle (Saale) und ihrem Jugendamt sowie dem Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara. Denn Kinderschutz ist immer eine Arbeit im multiprofessionellen Team und endet nicht mit der Entlassung der Kinder und Jugendlichen“, betont Prof. Martin Kaiser, Direktor der Klinik für Kindertraumatologie und Kinderchirurgie und Geschäftsführender Direktor des Department für operative und konservative Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Halle (Saale).

Katharina Brederlow, Beigeordnete für Bildung und Soziales, der Stadt Halle (Saale) betont: „Mit diesem Kooperationsvertrag erreichen wir eine neue Stufe der Zusammenarbeit der Institutionen im Kinderschutz. Ich gehe davon aus, dass der Austausch zwischen den Professionen es ermöglicht, Kindern und Jugendlichen schneller, individueller und zielgerichteter zu helfen.“

Die Kinderschutzgruppe des Universitätsklinikums Halle (Saale) behandelt bereits seit 15 Jahren Kinder und Jugendliche sowohl ambulant als auch stationär bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. In einem multiprofessionellen Team bestehend aus Ärztinnen und Ärzten der Fachbereiche Kindermedizin, Rechtsmedizin, Gynäkologie, Augenheilkunde, Kinderradiologie, Psychologie, Psychotherapie, dem Sozialdienst und den Pflegenden wird leitliniengerecht bei allen Verdachtsfällen eine umfassende mehrdimensionale Diagnostik und medizinische Behandlung durchgeführt. Dabei erfolgen neben der Erstversorgung die Planung und Umsetzung von therapeutischen Interventionen, die Beratung in Akutsituationen sowie die Vermittlung von Hilfsangeboten, alles vor dem Hintergrund der entsprechenden Expertise jedes einzelnen Kollegen und immer in Abstimmung mit der Kinderschutzgruppe. Im Rahmen der multiprofessionellen Fallkonferenzen und der seit Jahren guten und engen Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Halle wird die gemeinsame Arbeit nun auch formell in Form des Kooperationsvertrages sichergestellt.

Das Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara ist ab sofort gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Halle und dem Jugendamt der Stadt Halle Partner bei der medizinischen Behandlung in Fällen der Kindeswohlgefährdung. Thomas Wüstner, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara, betont den hohen Stellenwert, den das Thema Kinderschutz seit jeher in dem konfessionellen Haus einnimmt: „Unser Krankenhaus wurde vor fast 125 Jahren mit der besonderen Absicht gegründet, Kindern und Jugendlichen in Halle medizinische Versorgung, aber auch Schutz vor Gewalt und Benachteiligung zukommen zu lassen. Dieser Gedanke ist bis heute fest in der Kinder- und Jugendmedizin unseres Hauses verankert. Die vereinbarte Zusammenarbeit ist daher für uns nicht nur eine echte Herzensangelegenheit, sondern die Fortsetzung einer Kernaufgabe – nun im noch engeren Austausch mit unseren Partnern.“ Alle drei Institutionen gehören dem bereits 2010 gegründeten lokalen Netzwerk Kinderschutz der Stadt Halle (Saale) an.

Wo gibt es Hilfe? – Anlaufstellen bei Kindeswohlgefährdungen: