Online-Befragung untersucht den Einfluss von COVID-19 auf endoskopische Abteilungen in Deutschland

33 Fragen und sieben Tage Zeit führten zu 656 validen, vollständig beantworteten Fragebögen aus allen Gegenden Deutschlands – diese Bilanz kann sich sehen lassen. Konkret ging es in einer von Wissenschaftlern und Ärzten der Universitätsmedizin Halle (Saale) durchgeführten Befragung um den Einfluss von COVID-19, der Erkrankung, die vom SARS-CoV-2-Virus ausgelöst wird, auf die Untersuchungsmethoden Gastroskopie und Bronchoskopie (Magen- beziehungsweise Lungenspiegelungen). Die Ergebnisse sind nun unter dem Titel „German endoscopy unit preparations for the COVID-19 pandemic: a nationwide survey“ im Fachjournal „Gastroenterology“, dem wichtigsten Fachmagazin der Gastroenterologie, veröffentlicht worden (DOI: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2020.04.061).

„Bei diesen beiden Methoden ist der oder die Untersuchende einem besonders hohen Risiko durch die entstehenden Aerosole ausgesetzt. Wir wollten daher ein Stimmungsbild einfangen, wie es den Kolleginnen und Kolleginnen derzeit geht, ob die für die aktuelle Situation geschaffenen Leitlinien unserer Fachgesellschaften für die Untersuchungen eingehalten werden können und ob das medizinische Personal ausreichend geschützt arbeiten konnte“, erklärt Dr. Jakob Garbe, Erstautor der Studie und Clinician Scientist an der Universitätsmedizin Halle (Saale).

Im Ergebnis stellten die Wissenschaftler unter anderem fest, dass im Gegensatz zum universitären Bereich im ambulanten beziehungsweise niedergelassenen Bereich weniger derartige Untersuchungen abgesagt worden sind. Das hatte, so zeigt die Umfrage, vor allem wirtschaftliche Gründe, weil abgesagte Untersuchungen nicht finanziell kompensiert worden wären.

Allerdings, so ergab die Befragung des Weiteren, hatte nur ein Fünftel der befragten Endoskopie-Abteilungen die Möglichkeiten, eine richtige Trennung von infizierten Patientinnen oder Patienten vorzunehmen. Fast die Hälfte (47 Prozent) konnte nur teilweise separieren und nahezu ein Drittel (33 Prozent) konnte Hochrisiko- oder nachgewiesenermaßen positiv getestete Patienten gar nicht voneinander abschirmen. Mehr als 90 Prozent der Einrichtungen hatten aber entsprechende Strukturen zur Identifizierung von Risikopatienten etabliert. Ähnlich viele (mehr als 85 Prozent) hatten ihre Beschäftigten sowohl im Umgang mit Schutzausrüstung instruiert als auch im Umgang mit COVID-19-Patientinnen und -Patienten.

Der Fragebogen basierte auf den Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für gastroenterologische Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und wurde online auf den Seiten der Fachgesellschaften bereitgestellt. Geantwortet haben 393 Endoskopie-Abteilungen in Krankenhäusern sowie 263 Polikliniken und Praxen aus allen Teilen Deutschlands.

„Die Befragung fand vom 1. bis zum 7. April statt und wir haben, wenn man die Antwortrate betrachtet, offensichtlich den richtigen Zeitpunkt erwischt und einen Nerv bei den Kolleginnen und Kollegen getroffen“, sagt Prof. Dr. Jonas Rosendahl, Letztautor der Publikation.

Die Autoren der Studie empfehlen, vorausblickend auf künftige Pandemien, dass bei der Planung und der Überarbeitung von Notfallplänen von Endoskopie-Abteilungen berücksichtigt werden sollte, dass Hochrisikopatienten in einem separaten Behandlungszimmer untersucht werden können. Als Gegenmaßnahme für drohende Knappheit an Schutzausrüstung empfehlen die Wissenschaftler außerdem, mit umliegenden Krankenhäusern zu kooperieren, um bei Bedarf das Material zur Mehrfachverwendung steril aufbereiten zu können.

Durchgeführt wurde die Befragung maßgeblich von Dr. Jakob Garbe, Pneumologe Dr. Stephan Eisenmann und Gastroenterologie-Professor Dr. Jonas Rosendahl, alle an der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin I tätig, unterstützt von Fachkollegen der Uniklinika Essen-Duisburg und des Saarlandes sowie den Deutschen Gesellschaften für Pneumologie und Gastroenterologie.