Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Institut für Rechtsmedizin erfüllen an den Institutsstandorten Halle (Saale) und Magdeburg Aufgaben in Forschung und Lehre an den jeweiligen Universitätskliniken. Außerdem sind wir für die rechtsmedizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt zuständig. Das Institut bietet ein umfangreiches Spektrum rechtsmedizinischer Diagnostik und wissenschaftlicher Begutachtung einschließlich der Fachbereiche der forensischen Toxikologie und Genetik.

 

Unsere Schwerpunkte

  • Obduktionen zur Klärung strafrechtlicher, zivilrechtlicher und sozialrechtlicher Fragestellungen
  • Tatort- und Leichenfundortexpertisen
  • Tatablauf- und Unfallrekonstruktion inklusive Blutspurenverteilungsmusteranalyse
  • Leichenschau vor Feuerbestattung
  • Forensische Beurteilung von Knochenfunden
  • Histologie
  • 3D-Rekonstruktion
  • Fotografische Befunddokumentation - UV- und Infrarotfotografie - 3D-Photogrammetrie
  • Postmortale Bildgebung unter Anwendung von konventionellem Röntgen CT, MRT

Die Forensische Odontostomatologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet angesiedelt zwischen der Rechtsmedizin und der Zahnmedizin. Neben den für die Rechtsmedizin wichtigen Bereichen der Identifikation unbekannter Toter und der Analyse von Bissspuren beschäftigt sie sich mit rechtsrelevanten Fragen der zahnärztlichen Behandlung. 

Auf Grund der Tatsache, dass das menschliche Gebiss als höchstindividuell gilt und mit einem Fingerabdruck vergleichbar ist, wird dies insbesondere bei der Identifizierung unbekannter Toter genutzt. Dazu kommt eine große Widerstandfähigkeit gegen äußere Einflüsse, die zum Erhalt der Zähne auch bei Bränden oder Ähnlichem führen. Dies spielt insbesondere bei Massenunfällen eine große Rolle. Der Abgleich des Zahnstatus mit den Daten eines Vermissten stellt eine primäre Identifizierungsmethode neben dem Fingerabdruckvergleich und der DNA-Analyse dar. In der Regel sind über 90 % der Fälle mit Hilfe des sog. Zahnstatus sicher zu klären.

Die Schätzung des Alters eines Menschen ist ebenfalls mit Hilfe der Zähne möglich. Die Zahndurchbruchszeiten, die Wurzeldentintransparenz, der Razemesierungsgrad der Asparaginsäure im Dentin und der Grad der Zementannulation vervollständigen und erweitern heute das Methodenspektrum.

Die Untersuchung von Bissspuren gehört zum typischen Tätigkeitsbereich innerhalb der forensischen Odontostomatologie. Vergleichbar mit einer Identifizierung ist bei Feststellung von Bissspuren bei einem Opfer eine Zuordnung eines möglichen Tatverdächtigen auf Grund der Individualität des Gebisses möglich. Die unterschiedliche Stellung und Abnutzung der Zähne im Kiefer jedes Menschen führt zu spezifischen Spurenmustern. Bissspuren finden sich häufig im Zusammenhang mit Sexualdelikten oder Kindesmisshandlungen. Gelegentlich werden aber auch bei anderen Straftaten angebissene Nahrungsmittel gesichert. Auch diese Spuren können mit Hilfe der Bissspurenanalyse eine Untersuchung unterzogen werden. Der Arbeitskreis für Forensische Odontostomatologie (AKFOS), angegliedert bei der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM), ist die zuständige Wissenschaftsorganisation. Informationen dazu sind unter www.akfos.org erhältlich. 

Vaterschafts- bzw. Abstammungsbegutachtungen führen wir sowohl im privaten Auftrag (Verfahren nach § 1598a BGB) als auch für Amts- und Familiengerichte oder anderen Behörden durch. Eine länderübergreifende Untersuchung im Rahmen von Familienzusammenführungen ist ebenfalls möglich, um einen Familiennachzug zu gestatten.

In der Regel werden Gutachten unter Einbeziehung der Kindesmutter, des Kindes/der Kinder und des Putativvaters ggf. Zeugen zur Klärung der Vaterschaft durchgeführt. Die Gründe der Klärung der Vaterschaft sehr unterschiedlich sein können wie das Zweifel an der Vaterschaft, Vaterschaftsanfechtungsverfahren, Klärung von Unterhaltsforderungen und/oder Erbangelegenheiten.

Die Analysen erfolgen nach dem in Kraft getretenen Gendiagnostik-gesetz (GenDG) sowie den aktuellen Richtlinien der Gendiagnostikkommission (GEKO) und unter Einhaltung "strengster Qualitätsstandards". Aus diesem Grund sind die in unserem Institut erstellten Gutachten gerichtsverwertbar.

Wir sind in der Lage Untersuchungen zur Klärung von unterschiedlichen Verwandtschafts-verhältnissen anzubieten (z.B. Mutterschaft, Vaterschaft, Voll- oder Halbgeschwisterschaft). Vorab können wir Sie dazu gern nach vorheriger Terminabsprache beraten. 

Unser Labor nimmt regelmäßig und erfolgreich an den Ringversuchen der Deutschen Gesellschaft für Abstammungsbegutachtung e.V. (DGAB) teil. Die Zertifikate über unsere erfolgreiche Teilnahme am jeweils letzten Ringversuch können Sie hier herunterladen:

Gendiagnostikgesetz GenDG

Proben wie z.B. Mundschleimhautabriebe werden unter akkreditiertem Verfahren (mit z.B. Identitätssicherung, Aufklärung, Einwilligung) für externe Auftraggeber entnommen und an diese zur weiteren Bearbeitung übermittelt.

Spurenkundliche Untersuchungen werden seit vielen Jahren regelmäßig für Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten und Landeskriminalämtern durch unser Institut durchgeführt und Gutachten erstattet. 

Die Bearbeitung der Spurenträger erfolgt mittels einem akkreditierten Verfahren der Probenahme. Bei spezifischen Fragestellungen kann eine Spurenartbestimmung (z.B. Nachweis von Blut, Speichel und Samenflüssigkeit) mittels Vortest durchgeführt werden. Weiterhin ist der Nachweis von Spermien mittels Mikroskopie möglich. Es ist zu empfehlen, bei vorhandenem Vergleichsmaterial dieses in die Untersuchung zu integrieren, um autosomale sowie je nach Fragestellung gonosomale Befunde mit dem Vergleichsmaterial von berechtigten, geschädigten und/oder tatverdächtigen Personen abzugleichen. Eine biostatistische Bewertung der erhobenen Befunde ist ebenfalls möglich.

Unser Labor nimmt regelmäßig und erfolgreich an den GEDNAP (German DNA Profiling) - Ringversuchen der Gemeinsamen Spurenkommission der rechtsmedizinischen und kriminaltechnischen Institute teil. Die Zertifikate über die erfolgreiche Teilnahme an den jeweiligen Ringversuchen können Sie hier einsehen:

Zertifikat Spurenart

Zertifikat STR

Zertifikat X-STR

Zertifikat Biostatistik

Die in unserem Institut erstellten Gutachten erfüllen somit die höchsten Qualitätsanforderungen. Eine Beratung auf hohem wissenschaftlichem Niveau durch erfahrene Gutachter und die Erstellung von Wissenschaftsgutachten nach vorheriger Terminabsprache jederzeit möglich.

Zertifikat DGAB 1
Zertifikat DGAB 2

Zur Aufklärung der Identität von unbekannten Verstorbenen können molekulargenetische Untersuchungen anhand des eingereichten Vergleichsmaterials (Verwandte des Verstorbenen oder Gegenstände des persönlichen Gebrauchs) durchgeführt und biostatistisch bewertet werden, wobei verwandte Personen immer zu bevorzugen sind.

Bei Verdacht einer Probenvertauschung kann bei vorliegendem Vergleichsmaterial ein Abgleich der humanen DNA-Profile durchgeführt werden.

Zelllinien können auf Reinheit und Übereinstimmung typisiert werden.

Zwillinge können auf Ein- oder Zweieiigkeit unter Verwendung von molekulargenetische Untersuchungen überprüft werden.

Verlaufskontrolle nach Stammzell- bzw. Knochenmarkstransplantation.

Dienstleistungen Abt. Forensische und Klinische Toxikologie

Toxikologisch-chemische Untersuchungen auf Medikamente, Betäubungsmittel und Alkohol bei Lebenden und Verstorbenen. Eingesetzt werden vor allem Gas­chro­ma­to­graphie/Massen­spektroskopie (GC-MS) und Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC DAD).

Untersuchungsspektren: 

Toxikologische Notfalldiagnostik bei Intoxikationen mit Giftstoffen, Arzneimitteln, Betäubungsmitteln 

Untersuchungsmaterial: 10 ml Blut, 10 ml Urin, Magenspülflüssigkeit oder Erbrochenes (falls vorhanden auch asservierte Flaschen, Trinkgefäße, Tablettenreste).

  • Immunologische Tests auf Betäubungsmittelgruppen (Opiate, Cannabinoide, Cocain-Metabolite, Amphetamine), Benzodiazepine, tricyklische Antidepressiva
  • Suchanalysen auf Giftstoffe und Arzneimittelwirkstoffe in Körperflüssigkeiten
  • Bestimmung der Blutalkoholkonzentration

Forensische Toxikologie

  • Screening und Forensische Nachweise (GC-MS) von Betäubungsmitteln 
  • Immunologische Vortests auf Betäubungsmittelgruppen
  • Nachweis von Drogen, Arzneimittelwirkstoffen und anderen Giften in Körper­flüssigkeiten und Organmaterialien zur Aufklärung unklarer Todesursachen

Forensische Blutalkoholanalysen und Begleitstoffanalysen

  • Bestimmung der Ethanolkonzentration im Blut mittels head space Gaschromatographie
  • Begleitstoffanalysen bei Nachtrunkbehauptungen

Toxikologische Analytik für die Hirntoddiagnostik

  • quantitative Bestimmungen relevanter Wirkstoffe
  • Screening auf ZNS-wirksame Substanzen